Medien und Kritik – Das Online Magazin

Österreich die teuerste Tageszeitung Österreichs

Posted in Oesterreich, Print by Pangloss on 11. Juli 2011

(Wien, im Juli 2011) Der selbsternannte Zeitungszar in der Donaumetropole Wien, Wolfgang Fellner, hat nicht nur einen wahren Familienclan in seinem Medienunternehmen „Österreich“ installiert, das auf Pump und mit einem Raiffeisen-Kredit 2006 eröffnet wurde: Neben ihm als Herausgeber, seiner Frau als Chefredakteurin der Madonna-Beilage, seinem Bruder als Finanzverwalter und seinem 26-jährigen Sohn als „Mitglied der Chefredaktion“. Blut ist in diesem Unternehmen dicker als Wasser. Was nie gut für objektive Belange und Arbeitssituationen ist.

Blut dicker als Wasser

In Unternehmen, in denen zu viele Verwandtschaftsbande herrschen, Vetternwirtschaft über Verstand regiert, kommt am Ende nur heraus, dass sich einige die Säcke vollstopfen und andere mit dem Kollektivvertrag abgespeist werden. Zeitungsmachen wie es Wolfgang Fellner sieht, unterscheidet sich nicht viel vom Regime in Libyen, in dem sich acht Familienangehörige ein ganzes Land aufgeteilt haben. Der Unterschied ist: Wolfgang Fellner hat nur vier Kinder, mit Frau und Bruder ist man zu Siebt. Sein Sohn mit Namen Nikolaus darf neuklug in der Fachzeitung „Der Österreichische Journalist“ denn auch schon auf Saif (al-Gaddafi) machen, und, gerade einmal medien- und lebensunerfahrene 26 Jährchen alt, aber mit Passfoto und Unterzeile „CR 0e.24.at, Mitglied der Chefredaktion“ sagen: „Unser Ziel ist es, dass wir die Krone vom Thorn stoßen und zur größten Tageszeitung Österreichs werden.“ (DÖJ, 5-6/2011, S. 38)

Ein Ziel hat man mit der Zeitung „Österreich“ indessen schon erreicht. Man hat das zweifelhafte Ergebnis erreicht, die teuerste Tageszeitung zu verkaufen, die es in österreichischen Kiosken gibt.

Samstag „Österreich“ – 34 Schilling 50

Seit 2. Juli 2011 kostet die Samstag-Ausgabe von „Österreich“ 2 Euro 50. Ab diesem Samstag erhält man „Österreich“ nicht mehr wahlweise „ohne Madonna“ oder „mit Madonna“, sondern nur mehr „mit Madonna“. Kurz-Kommentar des Trafikanten, der diese traurige Nachricht macht: „Österreich gibt es ab heute nur mehr mit Madonna. Um 2 Euro 50.“ Kunde: „Das ist aber schon viel. In alter Währung sind das 34 Schillung 50.“ Trafikant nickt mit Nachsatz: „Für dieses Käseblattl.“

34 Schilling 50. Damit ist „Österreich“ die mit Abstand teuerste Zeitung aus österreichischer Produktion. Im Vergleich die anderen Tageszeitungen am Samstag:

  • Kronen Zeitung (Samstag, 2. Juli 2011) – 1 Euro
  • Neues Volksblatt (Samstag, 2. Juli 2011) – 1 Euro
  • Kurier (Samstag, 2. Juli 2011) – 1,20 Euro
  • Oberösterreichische Nachrichten (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 1,60 Euro
  • Wiener Zeitung (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 1 Euro
  • Salzburger Nachrichten (Samstag, 2. Juli 2011) – 1,80 Euro
  • Kleine Zeitung (Samstag, 2. Juli 2011) – 1,20 Euro
  • Wirtschaftsblatt (Freitag/Samstag, 1./2. Juli 2011) – 2,00 Euro
  • Die Presse (Samstag, 2. Juli 2011) – 2,00 Euro
  • Der Standard (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 2,00 Euro

Vergleiche mit ausländischen Zeitungen, die der Autor ebenso täglich bezieht:

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (Samstag, 2. Juli 2011) – 3,10 Euro
  • Neue Zürcher Zeitung (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 2,60 Euro
  • Handelsblatt (Freitag/Samstag, 1./2. Juli 2011) – 2,90 Euro
  • The Times (Freitag, 1. Juli 2011) – 4,80 Euro

Bei Auslandzeitungen gibt es krasse Unterschiede zum Preis am Herstellungsort, der durch Shippinggebühren (Flugpost) zustande kommt. Bei deutschen Zeitungen macht es sich wenig bemerkbar. FAZ kostet in Deutschland 2,20 Euro, in Österreich 3,10. Handelsblatt kostet im Herstellerland 2,30, in Österreich 2,90. Die NZZ ist gnädig und gibt keinen Aufschlag: Die beinahe älteste Zeitung der Welt (gegründet 1780) kostet im österreichischen Ausland 2,60 Euro. Jedoch ist es Bankgeheimnis, was sie in der Schweiz kostet. Die Schweiz hat den Schweizer Franken. Den größten Preissprung hat die „Times“, die laut Ansicht des Autors beste Zeitung der Welt. Diese Zeitung hat Klasse und ihren Preis: 1 Pfund kostet sie in England, 4,80 Euro täglich in Österreich. Im Archiv dieser Webseite stehen mittlerweile zwei komplette Jahrgänge Dokumentation des Tagesgeschehens im britischen Empire. 4 Euro 80 sind allerdings in alter Währung: 66 Schilling für eine Tageszeitung! Aber: Was für eine. Vor deren Berichten geht man manchmal in die Knie, weil sie so umfassend gedacht und gut geschrieben sind. Es zahlt sich aus, zu investieren. Notiz am Rande: Der Autor dieser Zeilen versuchte lange, in Wien die „New York Times“ zu beziehen und er bekam von beiden Zeitungsauslieferern, die in der Alpenrepublik den Markt zerteilen (Valora und Morawa), die Information, dass es leider unmöglich ist, die „NY Times“ in Papierausgabe in Österreich zu kaufen, da sie nicht nach Österreich ausliefert. Dann eben nicht.

Eitelkeit

Zurück zu Fellner: Er sieht sich im narzisstischen Selbstbild als ungemein wichtiger Zeitungsmann und Herausgeber. Liest man jedoch seine schwammigen Glossen, stillosen Herausgeberbriefe, hingefetzten Banalitäten, das Mittagspausengeschreibsel, verblasst der Wille zur Vorstellung, dass er ein großer Zeitungsmann ist. Es fehlt an vielem: Bildung, Gelassenheit und kühle Einschätzungsgabe. Er will seit Jahren in die Speichen der Innenpolitik im kleinen Land Österreich greifen. Dazu schreibt er die Kolumnen „Das sagt Österreich“, meint damit ganz Österreich (das ist seit fünf Jahren der running gag, dass Zeitungsname gleich Land sei) und er meint am Ende doch nur sich selbst. „Das sagt Wolfgang Fellner“ müsste die Kolumne heißen. Doch da Wolfgang Fellner nur eine Person ist, Einzahl und Punkt, macht er eine Über- und Mehrzahl draus, den großen Kreis, den majestätischen Plural.

Imitation

Er imitiert damit sein Vorbild. Franz Schuh schrieb zu Hans Dichand vorwurfsvoll, dass der mit der „Kronen Zeitung“ eine „Scheinverantwortlichkeit für eine ganze Nation“ suggeriere. Dabei weiß man: Je tiefer die Felgen gelegt, umso lauter die Motoren. Oder mit dem 90-jährigen Staberl, ein Freund radikaler Erkenntnisse: „Wer’s nicht im Hirn hat, hat’s unter der Motorhaube.“ Feiner gesagt, mit Erich Kästner: „Man soll nicht so tief sinken, um aus dem Kakao, durch den man zieht, auch noch zu trinken.“

Wolfgang Fellner sieht sich als Freigeist ohne Eintrittskarte in die Geisteswelt. Wer überall freien Eintritt hat, hat noch nicht das Recht, zu allem zu sprechen, so er sich vorher nicht ausreichend mit Materien befasst hat. Die „Scheinverantwortlichkeit für eine ganze Nation der Kronen Zeitung“, die Franz Schuh einst an Hans Dichand kritisiert hat, lässt sich nach fünf Jahren „Österreich“ auf Wolfgang Fellner umlegen. Er fühlt sich aus einem nicht näher definierten Antrieb zu allem und gegen alles berufen. Er ist ein Mann, der nie im Parlament zum Zuhören saß, aber er schreibt über das Parlament. Er ist ein Mann, der nie im Gericht zum Zuhören saß (und der auch die Abläufe bei Gericht überhaupt nicht kennt), aber er schreibt kommentierend über Justiz. Er ist ein Mann, der nie im Fussballstadion zum Zuschauen sitzt, aber er schreibt über Fussball. So forderte er kürzlich in seinen versprühten Weisheiten „Das sagt Österreich“ (präziser: „Das sagt Wolfgang Fellner“), dass Rapid Wien den Fan-Sektor „Block West“ handstreichartig auflösen müsse, damit Fussball ein „Familiensport“ werde. Fellners fortgesetzte Tag- und Nachträume.

Fehlende Substanz

Seine Kommentare zu politischen Themen zeigen nahezu täglich, dass er wenig Ahnung hat, worüber er schreibt. Er schreibt dennoch darüber, obwohl er es so tut, dass ihn niemand anstellen würde. Müsste er sich bewerben, würde jeder sagen: Zu wenig Qualität. Da er eigene Medien betreibt, muss er sich nicht bewerben.

Dafür legt er den satten Preis fest. Die Zeitung „Österreich“ kostet nun am Samstag 2 Euro 50 oder 34 Schilling 50. Denkt man zurück: Was hätte man vor zwanzig Jahren um 34 Schilling 50 an einem Samstag alles gekauft? Ganz sicher nicht eine Zeitung eines Mannes, der im Jahr rund 1.5 Millionen Euro in großteils verlorene Prozesse nach Unlauterem Wettbewerb und Medienrecht mit teilweise desaströsen Ersatzsummen verliert – was kein Qualitätsstandard ist.

Sein neuer Geschäftsführer Oliver Voigt darf viele Phrasen dreschen. Wie in der Fachzeitung „Der Österreichische Journalist“ (DÖJ, 5-6/2011, S. 64ff.), wo er davon spricht: „Wir haben das Glück des Tüchtigen.“ Voigt darf schon wieder ein nichtssagendes Interview geben, hört sich nach wie vor gern reden und meint, alle Welt mit seinen Mannheimer Weisheiten einwickeln zu können. Mit keinem Wort erwähnt er übrigens, dass seine Zeitung am Samstag in Österreich das teuerste Tageszeitungsprodukt ist, das verkauft wird. Schlechte Nachrichten passen eben nicht in die Fellnersche PR-Mühle.

Marcus J. Oswald (Ressort: Print, Österreich)

Wolfgang Höllrigl wird Österreich verlassen und dann bei HEUTE dienen

Posted in Heute, Print by Pangloss on 8. Juni 2011

Sitzt seit 1. September 2006 als Spielführer (Kapitän) am Chronik-Ruder der Zeitung Österreich. Verhandelt derzeit einen Wechsel zur Zeitung Heute: Wolfgang Höllrigl, 57.

(Wien, im Juni 2011) Der Mann ist 57 Jahre alt, mit allen Wassern gewaschen und von allen Wassern geheilt. Er hat eigentlich nichts gelernt, ist seit seinem 20. Lebensjahr Vollblut-Reporter und mischte daher seit 1975 immer in (damals) interessanten Medien mit. Später, seit den frühen 80-er Jahren, an vorderster Front.

So ist das: Manche sind im Medienbereich geborene Hilfsarbeiter und bleiben es ein Leben lang, weil sie hilfsbereite Menschen sind. Andere sind die geborenen Vorarbeiter auf den Großbaustellen des Weltgeschehens. Wolfgang Höllrigl ist der geborene Polier. Seit dreißig Jahren „schupft“ er Medien, handelt sich stets gute Verträge aus, hat aber, obwohl Polier und Führungsspieler, nie aufgehört, selbst zu schreiben.

Das ist das Geradlinige an ihm, das vielen Journalisten heute fehlt. Die Schlimmsten im Mediengewerbe sind ja die „non-writing“-Führungspersonen. Das sind die, die man meist im Anzug (zumindest: Anzughose) sieht. Die sich kaum von einem Trader der Unicredit-Bank unterscheiden, die zu Medienkongressen fahren und dort mit am Nacken festgeklebten, hautfarbenen Mikros dem Publikum das Medienmachen erklären. Die die „Moral“ hochleben lassen – und im Kongresshotel mit der Assistentin schnackseln. Das sind die Schlimmsten, denn sie haben die Gabe andere zu täuschen, um ihren Mehrwert zu holen. Diese Leute reden über Journalismus, ohne in ihrer ganzen Karriere einen geraden Satz geschrieben zu haben. Auch nicht im Bewerbungsschreiben. Denn sie bewarben sich nicht. Vitamin B reichte.

Drei Jahrzehnte Schreibleistungen

Wolfgang Höllrigl ist derzeit noch Chronik-Chef der Zeitung „Österreich“. Er wird aber zur Zeitung „Heute“ wechseln. Derzeit „verhandelt“ er. Und er muss gut verhandeln. Er ist 57 Jahre alt. Das Phänomen seiner Leistung besteht in der langen Wegstrecke, die er zurückgelegt hat. Erinnert man sich an seine frühesten Leistungen zurück, waren das tatsächlich Schreibleistungen.

Seine frühen Artikel 1976 im „Profil“ gehören zum Aufregendsten, was je in Österreich geschrieben wurde. 1978 trat er, damals schon beim „Kurier“, unbeugsam eine Polizeiaffäre rund um den Fall Heinz Bachheimer los (der soll von der Polizei verschont worden sein und habe den Polizeifunk abgehört.) 1979 war er im Gründungsteam des WIENER (Monatsmagazin der GGK rund um Hans Schmid), das er in über zehn Jahren Chefredaktion zu einer Perle großstädtischen, unangepassten Recherchejournalismus machte. So manche Artikel zogen Klagen nach sich, was auch zeigte, dass man sich bemühte. Danach war er bei Schilling-Milliardär Kurt Falks „Ganze Woche“ engagiert und etwas später, um 1997, sollte er für Falks „Täglich Alles“ 12 Geschichten pro Monat schreiben, für die satte Gage von etwa 180.000 Schilling monatlich (kolportierte Summe). Danach wurde er rund fünf Jahre Chefredakteur des ORF-Fernsehmagazins „Vera“, der Nachfolger von Wolfgang Prinz. Ab 2005 war er im Projektteam rund um die Tageszeitung „Österreich“ dabei, die am 1. September 2006 startete. Der ehemalige Kettenraucher, der gesundheitlich fit ist, aber kaum mehr auf Festen zu sehen ist und leiser tritt, betreut das Herzstück der Tageszeitung: Die Chronik.

Seit dreißig Jahren im „Blood ’n‘ Crime“-Sektor

Jeder, der ihn kennt, fragt sich: Wie kann man dreißig Jahre lang im Sektor „Blut und Blech“, also im Mediensektor „Sex, Crime, Gewalt, Gericht“ arbeiten, ohne selbst daran zu Schaden zu nehmen? Wie schafft man es, so lange Zeit Schlagzeilen zu den abnormsten Ereignissen des Lebens zu produzieren? Die Antwort darauf ist: Professionalität. Diese Haltung schafft Distanz und Freude durch sprachliche Nähe.

Der Autor dieser Zeilen schrieb einmal über ihn: „Er ist ein „Geschichtendenker“. Er gehört zu einer Generation Journalisten, die eine Geschichte noch durchdenken, bevor sie den ersten Satz schreiben. Und wenn sie den ersten Satz geschrieben haben, kennen sie den letzten schon. Solche gibt es wenige.“

Erkennbarer Stil

Das Bauprinzip ist erkennbar. Man erkennt seinen Stil, ohne seinen Namen zu lesen nach drei Sätzen. Es sind etwas längere Sätze, etwas mehr färbende Eigenschaftswörter, kompaktere Absätze. Es ist der alte Nachrichtenmagazinstil der 70er-Jahre, den er nicht verlernt hat und der immer wieder durchscheint.

Auch wenn es in „Österreich“ war. Das Projekt „Österreich“ sollte ein neues Projekt werden und es erfüllte die Erwartungen nicht. Höllrigl war nun fünf Jahre dabei und das neue kommende Projekt in Wien ist die Zeitung „Heute“. „Heute“ gewinnt allmählich an Struktur und wird nach und nach eine richtige Zeitung. Aus der ehemaligen „U-Express“ des seligen Hans Dichand entsprungen, findet man dort Gefallen daran, dass man an Reichweite, Tagesleser, Zugreifer, Hineinschauer schon gut und gern 800.000 Personen täglich erreicht. Das war vor zwei Jahren noch nicht so. Mit diesem Potenzial wächst das Selbstvertrauen, dass die Richtung der Zeitung stimmt.

Rahmenbedingungen bei „Österreich“ wurden schlechter

Höllrigl ließ schon vor einem halben Jahr durchklingen, dass er bei „Österreich“ aufhören wolle. Entgegen der Berechnungen von Focus Marketing Research, die „Österreich“ hohe Umsatzzahlen attestiert, hat er den Eindruck, dass redaktionell gespart wird, was die Qualität der Arbeit drückt. 2010 verließen einige Journalisten „Österreich“ (etwa Florian Lems) und es wurde in Schlüssel-Ressorts nicht in adäquater Qualität nachbesetzt. Das „Chronik“-Ressort ist ein Schlüssel-Ressort: Es ist jener Teil, der das pralle Leben der Ungemütlichkeiten umfasst, nämlich das Exekutiv- und Justizgeschehen, die Verbrechensthematik in der ganzen Breite und es ist ein zentraler Bestandteil jeder Massenzeitung. Umfragen ergeben seit Jahrzehnten, dass das (nach dem Sport) der meistgelesene Teil einer Tageszeitung ist. In diesem Schlüssel-Ressort hat „Österreich“ den Instinkt verloren und gespart. Helmut Fellner ist ein Typ Herausgeber, der offen sagt, dass in seiner Zeitung nicht über Kindesmissbrauch und Vergewaltigung und entsprechende Justizfälle berichtet werden darf. Weil er es nicht will.

„Heute“ hingegen will aufrüsten. Eva Dichand sucht derzeit Mitarbeiter in den Bereichen „Kultur“, „Chronik“. Sie wird auch in den Bereichen „Politik“ ausbauen müssen, da Wien der Wasserkopf Österreichs mit dem meisten politischen Geschehen ist. Will man es Tag für Tag, Woche für Woche seriös und solide abdecken, braucht man Personal.

Qualität und Umfang von „Heute“ stiegen

Der Umfang der Zeitung „Heute“ wuchs in den letzten Monaten merklich an. Es wurde seitenstark. Bald wird es eine richtige Zeitung. Noch keine Londoner „Times“, aber vielleicht eine bessere, jüngere „Kronen Zeitung“. Erste Anzeichen gibt es und es braucht noch etwas Zeit.

Wolfgang Höllrigl ist bald 58 Jahre alt. Als Journalist wird er nie aufhören. Er ist einer, der mit 70 noch im Gerichtssaal sitzt. Einer, der darauf vertraut was er sieht und glaubt, dass der Satz von Matt Drudge richtig ist (ein Amerikaner), der einmal sagte, dass Journalisten nicht im Anzug spazieren gehen sollten, sondern „dahin gehen müssen, wo es stinkt.“ Auch wenn man Geruch in einer Zeitung nicht vermitteln kann. Den Leser interessiert, wo es stinkt und warum. Alles andere steht zwar auch in der Zeitung: Das nennt man aber Lobbying und PR.

Fehlt noch Heinz von Saanen für Ressort Wirtschaft

Im übrigen: Mit dem neuen Chefredakteur (Politik) Wolfgang Ainetter hat sich die Zeitung „Heute“ verbessert und versachlicht. Mit Wolfgang Höllrigl als Chronik-Leiter würde ein weiterer inhaltlicher Schub folgen. Dann müsste die Verlegerin Eva Dichand nur noch Heinz van Saanen als Leiter des auszubauenden Ressorts Wirtschaft engagieren und das Dream Team an erfahrenen Leitungskräften wäre perfekt. Das wären die Poliere auf der Hochbaustelle „Heute“. Die Arbeit machen ohnehin die Hilfsarbeiter.

Marcus J. Oswald (Ressort: Print, Heute)

Internet wurde erwachsen – Angebot nimmt zu – Viele Kleinwebseiten

Posted in Internet by Pangloss on 15. April 2011

Das Internet ist ein Haus an der Sonne mit einem schönen Dach. Die siebte Webanalyse liegt vor. Ab Mai gibt es sie dann sogar täglich. (Foto: Hotel Mozart in Wien/Oswald im CSI-Miami-Style)

(Wien, im April 2011) Gestern wurden im Hollmann-Theater-Salon durch die Österreichische Webanalyse die Kerndaten für die wesentlichen Webseiten im Quartal 4/2010 vorgestellt. ÖWA-Boss Hannes Dünser präsentierte mit Oliver Ecke von Infratest die laufenden Zahlen. Kern der Aussagen: Die Userzahlen stiegen innerhalb eines Jahres um 400.000. Gleichzeitig wurde das Web älter und reifer.

Web wurde erwachsen

Auf das Internet trifft zu, was einst einmal Paul Yvon im Gespräch zum Herausgeber dieser Seite über das Magazin „profil“ vor ein paar Jahren sagte: „Das Nachrichtenmagazin profil schreibt für Leser zwischen 40 und 45 Jahren. Das ist die Zielgruppe und beeinflusst die Themenauswahl.“ So scheint es mittlerweile auch beim Internet zu sein.

Spaßangebote, reine Terminseiten zu Discoveranstaltungen und Events nehmen ab. Soziale Netzwerkseiten wie einstige Platzhirschen á la sms.at, das beliebte netlog.at oder szene1.at werden von Facebook kannibalisiert, wenngleich die Seiten nach wie vor einen hohen Grundstock an Mitgliedern haben. Die Zahlen ergeben auch etwas: Listenführer sind nicht sogenannte Contentseiten. Sondern: Das Telefonbuch.

Telefonbuch führt!

Wie sinnvoll es ist, das Telefonbuch in eine Liste von 48 Einzelwebseiten überhaupt aufzunehmen, sei dahingestellt. Dass es die „Österreichische Webanalyse“ tut, zeigt die Intention. Man will Kerndaten für die Werbebranche. Wo viele hingehen, schalten die Agenturen Reklame. So ist das Gesetz des Marktes. Die Reichweite des Telefonbuchs liegt im Quartal 4/2010: 33,3 % bei den Unique User im Monat (12,9 % bei der Unique User pro Woche). Der Unique User (UU) ist der „eindeutige“ Nutzer einer Webseite, also der Einzelmensch. Der „Unique Client“ (UC) hingegen ist nur der Computer, von dem die Webseite aufgerufen wird. Die ÖWA unter der Führung des studierten Theaterwissenschafters Mag. Dünser legt Wert auf die Feststellung, dass der „Unique User“ im Mittelpunkt der Forschung steht. Damit können auch PCs aus Internetcafés anders bewertet werden. Unique User sind User, die sich auf einer Webseite auch registrieren, etwa weil sie posten. Das sind die tatsächlich interessanten User, während die Unique Clients nur die clickfressenden Streuner sind, die teilweise aus Fadesse Webseiten aufrufen.

Die Verweilzeiten zählen leider in der ÖWA-Erhebung wenig bis nichts. Das ist die Kehrseite. Fakt ist: Wer aufs Telefonbuch geht, sucht eine Telefonnummer. Das Telefonbuch bietet aber kein „Werbeumfeld“. Dem Herausgeber dieser Seite ist kein Mensch bekannt, der am Telefonbuch auf einen Banner klickt. Der User sucht eine Nummer und schleicht sich wieder von der Herold-Seite. Dennoch: Telefonbuch führt.

Preisreisser-Seiten für Schnäppchenjäger vorn

An dritter Stelle ist eine Seite, die willhaben.at heißt und eine Preisreisser-Seite ist. Die Ränge zwei, vier, fünf und sechs nehmen Portale klassischer Zeitungen ein, wobei die „Kronen Zeitung“ führt. Nicht im Listing die Zeitung „Österreich“ (die aktuell einen Krieg gegen die ÖWA führt und das Einzel-Listing streichen ließ), sowie die Zeitung „Heute“, die offenbar nicht will, dass sie aufscheint, weil dann klar würde, dass deren Webseite kein Mensch liest. Altes psychologisches Gesetz ist, dass man auch durch Schweigen etwas sagen kann.

Wolfgang Fellner, der Medien vorrangig als Geschäft sieht: Macht eine Webseite, die mit allerlei Nackedeien und fragwürdigen Clickshows User anlocken will. Das nämlich treibt den Preis. Wer bei 0e24.at einen einzigen Tag (!) einen Seitenbanner haben will, sollte 8.900 Euro zur Seite legen. Wer das tut, muss im Kopf etwas krank sein. Aber die Werbeagenturen springen auf seinen Werbeschmäh an und das Geschäft brummt. (Foto: Update, 1_11, S. 5, Archiv Oswald 1090)

Red Bull stinkt ab

Überraschend schwach sind Webseiten, hinter denen massives Geld steckt. Wenn die Seitenblicke.at aus der Red Bull-Gruppe nur 46.000 Unique User im Monat (RW: 0,8%) und 16.000 pro Woche hat (RW: 0,3%), zeigt das, dass Geld nicht alles ist. Das ist erschreckend wenig für den Mittelaufwand im Red Bull Medien Konzern. Freilich rühmt man sich beim Seitenblicke-Portal damit, dass man auf Facebook mehr Fans hat als ähnliche Mitbewerber aus Österreich. Das mag stimmen, lenkt aber von der Tatsache etwas ab, dass 46.000 im Monat extrem schwach sind.

Vier von Fünf Österreicher webaffin

Eine Altersanalyse der ÖWA ergab, dass 79,5% aller Österreicher Internet nutzen. 95% der 14-39 Jährigen, die die Hauptzielgruppe der Werbung sind. Immerhin 90% der 40-49 Jährigen nutzen Internet und knapp 80% der 50-59 Jährigen. Bei den ab 60-Jährigen liegt der Wert bei 45% Nutzung. In der vorliegenden siebten Reichweitenmessung fand die ÖWA heraus, dass 95,5% das Internet „zu Hause“ nutzen und 37,5% „am Arbeitsplatz“ sowie 15% in Schule und Ausbildungsplatz. Laut ÖWA sind diese Werte seit Jahren fast stabil. „Mobiles Internet“ stieg innerhalb eines Jahres auf 22% (zuvor: 15%), was vor allem mit neuen Endgeräten zu tun hat (IPhones, Smartphones).

Emails, Suchmaschinen, Routen, Banking, Telefonbuch

Das Nutzerverhalten ist jedoch ein etwas anderes, als es sich die Werbebranche erwartet. Denn 89,5% verschicken hauptsächlich Emails! 80% suchen in Suchmaschinen etwas. 61,3 % nutzen das Internet für die Banalität „Routenplaner“ und 60,5 % für das werbefreie „Online-Banking“, 56,4% für „Telefonnummernsuche“. Das alles sind Dinge, die man früher so machte: Brief schreiben. Lexikon aus dem Regal nehmen. Stadtplan aufklappen. Zahlschein ausfüllen. Telefonbuch aufschlagen.

Die traurige Nachricht für Nachrichtenproduzenten: Nur 68,7% nutzen das Internet, um Nachrichten zu lesen. 37% geben an, in „Sozialen Netzwerken“ zu sein. Freilich: Alle Werte überschneiden sich. Die Teilwerte seien stabil zum Vorjahr, so die ÖWA.

Einmarkenprizip Modell der Vergangenheit

Stabil ist auch dies, inoffiziell und nicht von ÖWA: Bei einem durchschnittlichen Online-Einstieg klappt der durchschnittliche User zwanzig Webseiten auf. Das Zappen hat sich auch online durchgesetzt. Stammleser heranzuziehen ist ein fast hoffnungsloses Unterfangen. Lesertreue gibt es im Internet nicht. Es bilden sich Webseitengruppen („Favoriten“, „Lesezeichen“), die abgegrast werden. Daher ist das „Einmarken-Prinzip“ im Internet nicht das Modell der Zukunft, sondern das Holding-Prinzip mit dem Bündel ähnlicher Themenseiten (Gruppen, Kartelle).

Hier nun die aktuelle Liste der 48 Einzelwebseiten, die von der ÖWA erfasst werden und untersucht wurden. Wer in der ÖWA Mitglied ist, hat durchaus Vorteile. Die Mitgliedschaft ist ein Signal an die Werbeindustrie. Ihr werden Eckdaten zu transparenten Webseiten gegeben und sie lenkt zum Dank ein paar Euros für Werbebanner um.

55 Verbandsmitglieder – 83 Webangebote unter Lupe

Die ÖWA (Österreichische Webanalyse) ist aus der MA entsprungen (MedienAnalyse). Hier wie dort sind relativ hohe Mitgliedsbeiträge zu bezahlen, aus denen sich die ÖWA finanziert. Im Gegenzug erhebt die ÖWA die Daten im Quartal. Aktuell hat der Verband 55 Mitglieder. Von diesen wurden 83 Webangebote untersucht und in den Gruppen „48 Einzelseiten und 34 Dachangebote“ geteilt.

Hier sind die 48 Webseiten, die in Österreich klar erhoben sind. Ab 5. Mai 2011 plant die ÖWA eine Neuerung: Dann sind auch die Tageszugriffe in der Datenbank. Sie werden taggleich statistisch ausgewertet. Daran haben die Webseiten ein Interesse, es kostet auch mehr. Daran arbeitet das Team um Hannes Dünser derzeit (wofür ihm sein ehemaliger Studienkollege viel Spaß wünscht).

Hier nun die Top 48 aus Österreich (Quartal 4/2010). Wert 1: Unique User pro Monat (Summe), Wert 2: Unique User pro Woche (Summe), Wert 3 ab 5. Mai 2011 mit Erhebungsbeginn: Unique User pro Tag (Summe). Daraus leiten sich „Reichweiten“ vom Gesamtpool Österreich ab.

5,637 Millionen Internetuser in Österreich

Waren 2009 noch 5,245 Millionen Internetnutzer zu verzeichnen, sind es 2010 bereits 5,637 Millionen gewesen. Daher hat der Spitzenreiter der Liste, das Telefonbuch mit seinen monatlichen Unique User von 1.877.208 eine „Reichweite“ von 33,3 %, was eine Steigerung zum Vorjahr um ein glattes Prozent ausmacht. Erhoben wurden die Werte nicht durch Klopfen an der Wohnungstür des Users, sondern durch die Kunst der Statistik, wie sie das Karmasin-Insititut für ganze Generationen von Publizistik-Studenten bis zum Erbrechen lehrt. n= alle User ab 14 Jahren, demnach: 5.637 Millonen User. Die Top 48:

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  • Herold.at 1.877.208 (pro Monat) – 727.170 (pro Woche)
  • Krone.at 1.140.059 (pro Monat) – 501.750 (pro Woche)
  • Willhaben.at 1.069.726 (pro Monat) – 431.887 (pro Woche)
  • Derstandard.at 1.052.693 (pro Monat) – 450.084 (pro Woche)
  • Kleinezeitung.at 719.379 (pro Monat) – 270.588 (pro Woche)
  • Kurier.at 666.112 (pro Monat) – 263.073 (pro Woche)
  • Myvideo.at 619.718 (pro Monat) – 181.663 (pro Woche)
  • Tupalo.com 585.916 (pro Monat) – 149.611 (pro Woche)
  • Diepresse.com 578.171 (pro Monat) – 204.214 (pro Woche)
  • Oeamtc.at 482.675 (pro Monat) – 141.998 (pro Woche)
  • Sms.at 460.203 (pro Monat) – 166.438 (pro Woche)
  • Krone.tv 354.725 (pro Monat) – 127.118 (pro Woche)
  • Puls4.com 337.089 (pro Monat) – 95.761 (pro Woche)
  • Nachrichten.at 328.364 (pro Monat) – 108.438 (pro Woche)
  • Szene1.at 326.029 (pro Monat) – 121.304 (pro Woche)
  • Wetter.com 312.683 (pro Monat) – 110.306 (pro Woche)
  • Netlog.at 306.283 (pro Monat) – 120.180 (pro Woche)
  • Vol.at 298.380 (pro Monat) – 158.202 (pro Woche)
  • Vienna.at 289.076 (pro Monat) – 81.160 (pro Woche)
  • Ichkoche.at 288.664 (pro Monat) – 75.771 (pro Woche)
  • Netdoktor.at 271.888 (pro Monat) – 69.951(pro Woche)
  • TT.com 264.748 (pro Monat) – 106.046 (pro Woche)
  • Salzburg.com 256.797 (pro Monat) – 81.877 (pro Woche)
  • Car4you.at 218.174 (pro Monat) – 66.774 (pro Woche)
  • Wirtschaftsblatt.at 209.725 (pro Monat) – 71.340 (pro Woche)
  • Atv.at 196.394 (pro Monat) – 59.444 (pro Woche)
  • Prosieben.at 194.614 (pro Monat) – 54.822 (pro Woche)
  • Gutekueche.at 185.472 (pro Monat) – 44.572 (pro Woche)
  • Kronehit.at 165.959 (pro Monat) – 51.402 (pro Woche)
  • Tele.at 155.203 (pro Monat) – 57.291 (pro Woche)
  • 1000ps.at 138.287 (pro Monat) – 48.836 (pro Woche)
  • Events.at 89.952 (pro Monat) – 21.089 (pro Woche)
  • Viamichelin.at 88.077 (pro Monat) – 26.363 (pro Woche)
  • Eraffe.at 85.879 (pro Monat) – 24.680 (pro Woche)
  • Diestandard.at 84.202 (pro Monat) – 26.901 (pro Woche)
  • Salzburg24.com 84.202 (pro Monat) – 26.469 (pro Woche)
  • Mamilade.at 80.624 (pro Monat) – 18.805 (pro Woche)
  • Film.at 77.785 (pro Monat) – 19.707 (pro Woche)
  • Futurezone.at 68.806 (pro Monat) – 21.974 (pro Woche)
  • Love.at 61.093 (pro Monat) – 20.987 (pro Woche)
  • Autonet.at 58.619 (pro Monat) – 14.384 (pro Woche)
  • Quax.at 53.556 (pro Monat) – 12.709 (pro Woche)
  • Seitenblicke.at 45.897 (pro Monat) – 15.905 (pro Woche)
  • Diskothek.at 33.579 (pro Monat) – 9.322 (pro Woche)
  • Motorline.cc 27.981 (pro Monat) – 9-895 (pro Woche)
  • Uncut.at 22.401 (pro Monat) – 6.039 (pro Woche)
  • Andreastischler.com 17.715 (pro Monat) – 4.437 (pro Woche)
  • Elektrojournal.at 15.695 (pro Monat) – 4.032 (pro Woche)

Verwendete Quelle: Österreichische Webanalyse (Direktlink zum Artikel)

Marcus J. Oswald (Ressort: Internet)

Was ist dran an den Vorwürfen gegen Helmut Fellner? – Kid Möchel analysiert

Posted in Medienalltag by Pangloss on 11. April 2011

(Wien, im April 2011) Fachmedien haben es an sich, dass sie eine sehr enge Zielgruppe haben. In Österreich gibt es rund 6.000 Journalisten und wenn die Fachmedienherausgeber ehrlich wären, würden sie zugeben, dass sie Inzucht-Magazine machen. Über das enge Segment der Branche liest sie keiner. Das weiß jeder, der einmal in einem Fachmedium gearbeitet hat: Die Versand-Datei ist gleich innerer Kern der Branchenmitglieder (=Journalisten) plus Inserenten im Heft (=je 25 Belegexemplare). Das war’s. Mehr „Radius“ entwickeln die Fachmagazine nicht. Daher gehen manche Geschichten, die darin enthalten sind, unter. Man muss das eine oder andere noch einmal aufgreifen.

Radius

Das Salzburger Fachmagazin „Der Österreichische Journalist“ (DÖJ) hat einen schweren Stand auf doppelte Weise: Es erscheint in Salzburg, fern vom Schuss der Werbefüttertröge in Wien und es erscheint nur sechs Mal im Jahr in Doppelnummern. Es ist sauber gemacht, nicht zu dick, um nicht durchlesbar zu sein, harter Einbandrücken, grafisch saubere Indesign-Arbeit, wachsam im Blick nach Deutschland und nach Österreich in den lukrativen Medienmarkt (heimische Branche wiegt rund 2.3 Mrd. Euro).

Belegexemplare bekommt man nie, selbst wenn man schon zwei Mal portraitistisch erfasst wurde (2005, 2007). Selbst auf Nachfrage nicht. Man muss es im Bahnhofkiosk zum vollen Preis kaufen. Es kostet sechs Euro. Freiabo gibt’s schon gar keines.

Selbst wenn man selbst darin portraitiert wird, bekommt man aus Salzburg kein Belegexemplar. Man muss es aus eigener Tasche kaufen: Der Österreichische Jorunalist. (Foto: Ausgabe 2005_12/2006_01, im Bild der Herausgeber dieser Seite)

Das einzige Treffen mit dem blonden Johann Oberauer, der „DÖJ“ seit 25 Jahren herausgibt, fand einmal 2002 im Bank Austria Forum statt, als man zufällig bei einer Tagung internationaler Nachrichenagenturen (russischer, amerikanischer, italienischer, etc.) nebeneinander saß. Man wechselte ein paar Worte, wurde aber nicht „warm“. (An diesem Tag im Jahr 2002 fand auch das einzige Gespräch mit Hans Dichand persönlich statt: Dichand stand unten vor dem Bank Austria Forum und wartete auf den Chauffeur. Der Autor dieser Zeilen kam aus dem Gebäude, blieb stehen und sprach ihn an. Das Gespräch kam auf die „Furche“ und Dichand erzählte, dass es gut sei, dass man für die „Furche“ Berichte schreibe, denn er schrieb auch einmal Berichte für die „Furche“. Dann kam sein Chauffeur.)

West-, Zentralösterreich und Bayern

Das Magazin „Der Österreichische Journalist“ legt den Fokus eher auf den west- und zentralösterreichischen Markt: Russ-Gruppe, Moser-Holding, die Salzburger Dasch-Gruppe, Red Bull-Gruppe, den steiermärkischen Markt mit Styria-Holding und den oberösterreichischen Sektor mit Cuturi-Gruppe. Eine gewisse Ambivalenz hat man gegen den Wiener Markt. Zum einen, weil er weit weg ist, zum anderen wegen seiner eigentümlichen Figuren, die er hervor brachte. Extreme Rivilatität lebt das Magazin DÖJ zu Christian W. Mucha und seinem Branchenheft „Extradienst“ und seine Wie-sie-alle-heißen-Fachpostillen. So war vor Jahren, als Mucha den Lover seiner damaligen Ehefrau Barbara Mucha mit der gezogenen Pistole bedroht haben soll und dafür ein paar Tage in U-Haft ins Einser wanderte, das Magazin „DÖJ“ das einzige, das ausführliche Prozessberichte aus dem Landesgericht Wien lieferte. Rache wird eben kalt serviert. In Wien setzt „DÖJ“ vor allem den Grand Seigneur des Medienjournalismus Kurt Tozzer und seinen Sohn ein, aber auch den pensionierten ehemaligen Chef des „Wirtschaftsblatt“ und Kurzzeitschef der „Salzburger Nachrichten“ Engelbert Washietl, die immer noch breit angelegte Hintergrundeinschätzungen zu den Dampfmachern der Wiener Medienszene ins Salzburger Branchenblatt einrücken.

Ein Dampfmacher ist Wolfgang Fellner. Dichtete ihm der „Standard“ aus Anlass der Tatsache, dass „Österreich“ seit fünf Jahren täglich erscheint, an, dass die grandiose Hauptleistung darin bestünde, „dass“ die Zeitung seit fünf Jahren täglich erscheint, dichten andere ihm an, dass er klamm wie eine Kirchenmaus ist und die Zeitung hinten und vorne spart. Es kann „Focus Media Reserach“ noch so viele Umsatzmillionen aus abgezählten Inseratenseiten hochrechnen und einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro aufschlüsseln. Mitarbeiter sagen, dass schlecht gezahlt wird und zweitens die Raumbedingungen so miserabel sind, dass man am liebsten kündige. Mitarbeiter haben nicht einmal eine Ablage für Ordner und Archivdinge. Das Klima der Krawallzeitung steht auf Krawall und wird sich auch nicht ändern, wenn noch so viele Lehrlinge und Fachschüler aus Krems ohne jede Berufserfahrung angeworben werden. Die Zeitung „Österreich“ wird real verschenkt und verkommt in Wien zur U-Bahn-Zeitung, die man zehn Minuten liest, dann in den Hosensack steckt oder in den nächsten Mülleimer wirft. Das einst so groß dimensionierte Zeitungsprojekt ist keines mehr. Fellner hat die Qualität in fünf Jahren von 100 auf Null in den Keller gefahren. Kürzlich sagte ein Mann vom Alsergrund: „Weißt Du, ich lese täglich einige Zeitungen: Die Presse, den Standard, manchmal auch den Kurier, das Profil oder Wiener Zeitung. Aber bei keiner Zeitung geht es mir so wie bei Österreich: Wenn ich diese Zeitung in der Hand hatte, fühle ich mich nachher schlecht. Schlecht informiert, schlecht behandelt, um Zeit bestohlen und beleidigt.“ Das ist natürlich nur eine Einzelmeinung eines Mannes, der in der Glasergasse drei Wohnungen besitzt, in der Pharmaindustrie als Konsulent tätig ist und Akademiker ist (Dr.). Einer, der gerne in die Vinothek geht und guten Rotwein trinkt und auch Aktien besitzt.

Wolfgang Fellner und Constantia Privatbank

Wolfgang Fellner hat derzeit eine andere Sache laufen. Dazu berichtet die Fachzeitschrift „Der Österreichische Jornalist“ in der Ausgabe 2+3/2011 auf drei Druckseiten als erstes Medium detaillierte Hintergründe. Es gab im Jänner 2011 Hausdurchsuchungen in fünf Wohnungen und Büroräumen der Brüder Fellner. Im eigenen Blatt hat er die Vorwürfe gegen ihn und seinen Bruder komplett vom Tisch gewischt.

Neuerdings erklärt er im Wochentakt in seinen rasch hingefetzten „Kolumnen“ die Justizministerin für rücktrittsreif. Es wurde schon mehrfach auf diesen Journalen gesagt, dass Fellner die Begründung für diesen Wunsch leider konsequent verschweigt.

Als die Fellner-Ermittlung auf einen Höhepunkt zusteuerte und eine Hausdurchsuchung stattfand (Ende Jänner 2011), hat Wolfgang Fellner Tags darauf in der Zeitung „Österreich“ ein Uralt-Ranking ausgegraben. Die Umfrage war mehr als vier Monate alt (!) und sie wies die Justizministerin auf den hintersten Platz in der Beliebtheitsskala österreichischer Minister (unbeliebteste Politikerin). Die Uralt-Grafik aus dem Herbst 2010 wurde ins Blatt gesetzt, um Privatpolitik zu machen.

„DÖJ“ lässt in seinem Blatt die Hintergründe von einem erfahrenen Journalisten ausleuchten. Kid Möchel war über die letzten Jahre der einzige, der die Lektüre des „Wirtschaftsblatt“ lohnenswert machte. Zwölf Jahre (1998-2010) war Kid Möchel im „Wirtschaftsblatt“ (vorher schrieb er für „Wiener“) und er machte zur Möchel-Marke, dass präzise Aktenberichterstattung zu Wirtschaftscausen im „Wirtschaftsblatt“ an die Tagesordnung kamen. Er ist auch einer der wenigen, die das Firmenbuch tatsächlich lesen können. Möchel verstand das Auslesen von Aktendetails und deren Interpretation. Nun ist das „Wirtschaftsblatt“ ärmer. Möchel ist seit 31. Jänner 2011 nicht mehr bei der Wirtschaftszeitung. Seinen Beitrag zu Wolfgang Fellner schreibt er in „Der Österreichische Journalist“.

Möchel lotet den „Akt Fellner“ auf drei Seiten aus. Es geht um eine Art Nebenprodukt zum einst bestverdienenen Immobilienmanager Österreichs. Karl Petrikovics, einst Chef der Pleite-Firmen Immofinanz und Immoeast, verdiente bis 2008 ein Jahressalär von drei Millionen Euro netto.

Seit 2008 läuft durch die Staatsanwaltschaft Wien eine Vorerhebung gegen die „Constantia“ und ihre beiden Immobilien-Töchter und gegen deren Chef (811 St 25/08x). In diesem Rahmen wurden im Jänner 2011 sowohl bei Zeitungsmann Wolfgang Fellner als auch bei dessen mittlerweile diskret im Immo-Biz agierenden Bruder Helmuth Fellner Hausdurchsuchungen veranstaltet. Ebenso wurde in der Redaktion von „Österreich“ eine Durchsuchung veranstaltet. Ermittelt wird im Zusammenhang mit Untreue und Beitragstäterschaft (§§ 12, 153 StGB).

Zeuge der Bank belastet Helmuth Fellner

Kid Möchel zitiert in seinem Beitrag aus der Aktenlage. Davon ist die Rede: Am 15. Jänner 2009 sagte ein ehemaliger Mitarbeiter der Immofinanz vor der StA Wien aus. Er war der Constantia-Bank Leiter für Controlling und Beteiligungsmanagement. Hubert G. erwähnt in seiner Aussage den Namen Helmuth Fellner, der im Immobilienankauf und –verkauf in Wien tätig ist. G. spricht aus, dass die Immofinanz manche „gute Kunden“ (Privat-Kunden der Constantia-Bank) besser behandelt habe und diesen Immobilien günstig verkauft habe. Man nahm in Kauf, dass man mehr im Einkauf bezahlte als es im Verkauf erlöste. So der Zeuge und damit ist natürlich die Deliktsform „Untreue“ angesprochen.

Es kommt eine Immobilie ins Spiel: Ein Haus in der Geiselbergstraße soll Helmuth Fellner 2007 der Immofinanz verklickert haben. Es wurde dann seitens der Immofinanz weiterverkauft, jedoch so billig, dass die Bank das Objekt „noch im selben Jahr um 15-16 Millionen Euro“ abgeschrieben hat, so der Zeuge. Bank-Mann Hubert G. sowie sein Mitarbeiter Martin S. wollten im Jahr 2007 Aufklärung von ihren Vorgesetzten in der Constantia-Bank, warum die Abschreibung so hoch ist. Die Antwort blieb aus. Sie wurden im Unklaren gelassen und in diesem Punkt ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Die „Differenz zwischen Bewertung (Ankauf durch Bank) und tatsächlicher Verkaufspreis (Erlös/Verlust für Bank)“ blieb ungeklärt. Ein zweites Objekt betrifft ein Bauprojekt mit mehreren Wohnungen in St. Moritz, bei dem ebenso offenbar die Constantia-Bank zu Lasten der Immofinanz-Anleger einen zu hohen Kaufpreis bezahlt haben soll und am Ende Bewertungsfehler vorlagen. Am 23. Jänner 2009 sagt dazu die zweite Auskunftsperson Martin S. vor der StA Wien aus. Die Rede ist dann auch davon, dass Helmuth Fellner ein Darlehen seiner Firma „Immo 2000“ dem Kaufpreis der Immofinanz-Gruppe gegenrechnete (oder gegenrechnen wollte), das 25% Unterdeckung gehabt haben soll. Die Pointe dieses Zeugen S. ist, dass die Fellners sich die „besten Appartements“ selbst reserviert hätten. Diese wären also nie vermietbar gewesen. Zu diesem zweiten Immobilienprojekt dementieren die Fellners: Der Deal kam nie zustande.

Ordnungsliebe

Kid Möchel weist in seiner Analyse auf ein Nebendetail hin, das erklären soll, warum es diese Einvernahmen aus dem Kreis der Constantia-Privatbank-Manager bereits im Jänner 2009 gab, die Haussuchungen bei Wolfgang Fellner und Helmuth Fellner aber erst im Jänner 2011 stattfanden. Möchel erwähnt, dass es offenbar Unordnung im immer mehr wuchernden Immofinanz-Strafakt gibt.

Beide Zeugenaussagen wurden an zwei Tagen (15. Jänner und 23. Jänner 2009) mit je einer Mittagspause zweigeteilt durchgeführt. Sie haben aber seit weit auseinander liegende Ordnungsnummern im Petrikovics-Akt (zugleich: Immofinanz-Akt, deren Chef Petrikovics war), nämlich: 176; 208; 1047; 1048.

Real gesagt und mit Hausverstand bedeutet das nicht viel, sagt aber dieses: Ein gewöhnlicher Strafakt einer einstündigen Strafverhandlung hat maximal 15 Ordnungsnummern, in denen alle Ermittlungs- und Behördenschritte chronologisch in der Zeitachse in Kapiteln (ONs) vermerkt sind. Ein mehrtägiger Strafprozess hat schon rund 30 Ordnungsnummern. Kürzlich hatte ein elftägiger Strafprozess am LG Wien gegen einen Wiener Chefinspektor mit 18 Anklagepunkten und 70 Zeugen rund 130 Ordnungsnummern im Akt. Der Petrikovics-Akt hat offenbar derzeit schon 1.048 Ordnungsnummern, woraus man lesen kann, dass dieser Untreue-Prozess, der auf den Chef der ehemaligen Immo-Gruppe der Constantia-Bank konzentriert wird, ein harter Brocken ist. Je weiter solche Ordnungsnummern auseinander liegen, umso weniger findet man sie. Das ist wie mit verreihten Büchern in einer Bibliothek, die erst Jahre später wieder auftauchen.

Staatsanwalt weg – nun Anwalt

Mittlerweile ist auch – ähnlich wie in der Causa Meinl – der Staatsanwalt abgesprungen. Norbert H., der damals die Erhebungen führte, ist heute, 2011, nicht mehr Staatsanwalt. Er wechselte die Seiten und ist nun Anwalt in einer Wiener Kanzlei, wo er eine Stange Geld verdient. (Der Staatsanwalt in der Causa Meinl, die auch stockt, ließ sich 2011 ebenso von Wien nach Vorarlberg zurückversetzen, wo er es ruhiger bevorzugt.)

Im Grunde sind die Vorwürfe nun schon beschrieben. Es geht um zwei Immobilien-Projekte. Helmuth Fellner, der auch das Privatvermögen des Zeitungsmannes Wolgang Fellner und der Zeitungsfrau Ursula Fellner mitverwaltet (so Banker Hubert G. in seiner Zeugenaussage vor Strafverfolgungsbehörden), soll zwei Immoprojekte – so der Vorwurf der Justiz – überteuert an die Immofinanz verkauft haben, wobei es einmal nur beim Versuch geblieben sein soll, die wiederum satte Verluste beim Weiterverkauf machte, die wiederum zu Lasten der zahlreichen geschädigten Anleger von Immofinanz und Immoeast gingen (Stw. „Immoblase“).

Ganz korrekt ist, dass das Schweiz-Projekt (St. Moritz) über die ImmoWest (eine Teilfirma der Immofinanz) nie realisiert wurde. Beim Projekt Geiselbergstraße soll die ImmoAustria (eine Teilfirma der Immofinanz) aber die besagten 15-16 Millionen Euro Verlust zu Lasten der Einleger und Aktionäre gemacht haben. Diese Frage untersucht die Anklagebehörde, da es sich um einen Batzen Geld handelt.

Vorsatz und Schädigung

Die juristische Kernfrage ist zum einen – wie immer – der Vorsatz aller Beteiligten (Banker und Immohaie reden sich in solchen Fragen immer auf „Markt“ und geänderte „Marktumstände“ aus) und zum anderen die eingetretene Schädigung von Anlegergeldern der Bank in eventueller Absprache untereinander. Der Nachweis ist in beiden Ebenen schwierig und die Fellners sind nicht Hauptbeschuldigte, sondern werden im Akt Petrikovics nun durch zwei Mitarbeiter der Bank belastet. Die „Causa Fellner“ ist ein Randprojekt. Nicht der Kern im Akt Petrikovics.

Konter Fellner mit üblichen Reflexen

Die Kritik von Wolfgang Fellner und seinem Bruder Helmuth ist, dass die Justiz erst im Jänner 2011 eine Haussuchung veranstaltet, obwohl man bereits im Jänner 2009 die Aussagen im Akt hat. Diese fanden an fünf Adressen statt, um vielleicht Klarheit in Hintergründe des lukrativen Geschäfts zu bringen. Eine Suchung fand in der Wohnung von Immohai Helmuth Fellner statt, der auf Grund und Boden wettet und auf steigende Mietpreise in Wien spekuliert. Weitere Suchungen fanden im Haus des kinderreichen Ehepaars Wolfgang und Ursula Fellner (vier Kinder) und an Büroadressen (Redaktion Österreich) statt.

Warum mit zwei Jahre Verzögerung? Kid Möchel fand zum derzeitigen Stand auch nichts Nennenswertes heraus. Die von ihm angefragte Sprecherin der OStA Luise Nittel schweigt sich unter der üblichen Berufung auf das Amtsgeheimnis und den nicht-öffentlichen Ermittlungsakt aus.

Wolfgang Fellner antwortete emailisch, dass er – logisch – von nichts weiß. Er kennt die alte Häfenweisheit: „Sagst Du Nein, gehst Du heim. Sagst zu Ja, bleibst Du da.“

Man kennt sich gar nicht

Im September 2010 schrieb Wolfgang Fellner dem anfragenden Kid Möchel, dass er Herrn Petrikovics gar nicht kennt. „Es hat auch niemals einen Kontakt von mir mit Herrn Petrikovics gegeben.“ Das will man glauben und man müsste nun die alten „Österreich“ durchblättern, in denen immer zahlreiche Immo-Beilagen enthalten waren, ob Herr Petrikovics nicht doch einmal an einem Round-Table in der Redaktion von „Österreich“ teilnahm. Inseriert hat die Immofinanz jedenfalls in den Jahren 2006 bis 2010 in „Österreich“ intensivst. Von Wolfgang Fellners Freund Christian W. Mucha weiß man, dass der die Top-50 Kunden seines Magazins „Extradienst“ alle „auf Geschäftsführerebene“ persönlich betreut (und auch zu seiner Hochzeit einlädt). Wenn Wolfgang Fellner in einem Email im Anflug allergrößter distanzierter Verrenkung sagt, dass es „mit Herrn Petrikovics niemals einen Kontakt gegeben“ hat, obwohl dieser ein wesentlicher Mega-Inserent im seit 2006 laufenden Start Up-Projekt „Österreich“ war, ist das fast eine Posse. Aber er muss selbst wissen, was er öffentlich sagt. Mit Schmäh kommt man im Zeitungsgewerbe durch, nicht bei der Justiz. Taucht nur ein Foto auf, dass Herrn Petrikovics und Wolfgang Fellner gemeinsam zeigt, ist letzterer als Lügner enttarnt.

Clan-Vermögen bei 100 Millionen Euro

Doch Wolfgang Fellner fühlt sich längst unantastbar. Die Fellners sind nach dem Verkauf der Hauptanteile der „News-Gruppe“ nach Deutschland (Gruner & Jahr) im Jahr 2004 um geschätzte 50 Millionen Euro ein Stück reicher geworden. Das war der Verkauferlös der Anteile. Arm waren sie schon die Jahre davor nicht. Das Projekt „News Gruppe“ lief seit Erfindung im Jahr 1992 gut und warf von Beginn an Gewinne ab. Im Jahr 2009 war der Gruppen-Umsatz 140 Millionen Euro. Beide Brüder sowie die Ehefrau hatten von Beginn an ihr Geschäftsführergehalt, das man auf dieser Ebene pro Nase auf 300.000 Euro pro Jahr stufen kann. Dazu gab es Gewinnausschüttungen über viele Jahre an die Familie Fellner, die Alleineigentümer waren. Auch nach dem Ausstieg und Verkauf der „News-Gruppe“ nach Hamburg behielt man einen Minderheitenanteil von knapp 15 Prozent an der Medien-Gruppe (14 Hochglanzmagazine wie News, Format, Profil, Autorevue, TV-Media) und schneidet seit 2004 weiter am Gewinn mit. Da kommt schon einiges zusammen. Dieses Journal stuft das Gesamtvermögen der drei Fellners (Wolfgang, Helmuth und Ursula), errechnet aus den Geschäftsführergehältern seit 1992 bis heute, den Gewinnausschüttungen in der News-Gruppe zwischen 1992-2004 und den anteiligen Gewinnausschüttungen von 2004 bis Heute, dazu die Geschäftsführergehälter bei „Österreich“ seit 2006 für alle drei Personen („Clan-Rechnung“) auf: 100 Millionen Euro.

Da sich Geld in unbeweglichen Festgutbesitz, also Immobiliarem, am Schnellsten mehren lässt, begann Familienvermögensverwalter Helmuth Fellner zu erkennen, dass nicht nur Inserate durch die dreißig großen Schaltagenturen der österreichischen Werbebranche sauberes Geld sind, sondern auch beim Ankauf und Verkauf eines Hauses gleich einmal der Schnitt von 500.000 Euro pro Deal möglich sind.

Auf der Luxusebene

Die Fellners leben längst in einer Luxusebene. Diese macht für Kritik unempfindlich. Da sieht man auch über Kleinigkeiten hinweg. Wolfgang Fellner sagt, dass er nicht im Akt Petrikovics vorkommt. Das posaunte Wolfgang Fellner laut in seiner Tageszeitung „Österreich“ hinaus. Die Zeugen der Bank seien „Falschaussagen“. Er lehnt sich damit weit hinaus. Kid Möchel studierte die Aktenteile, die ihm vorliegen und er fand heraus, dass das nicht stimmt.

Möchel fand ein Schriftstück, in dem es um einen weiteren Punkt geht: „Wertpapierleihen“. Tatsächlich kommt Wolfgang Fellner schon im Strafakt Petrikovits vor. Und zwar in einer merkwürdigen Tabelle.

Auf dieser Liste geht es um „Wertpapierleihen“. Es werden unterschiedliche Fellners genannt, darunter Wolfgang Fellner. Der hatte unter der Depotnummer 301900-800-4 mit Datum 29. September 2005 immerhin 268.456 Immofinanz-Aktien bei der Constantia-Bank gebunkert. Zum damaligen Kurswert von 7,97 Euro war das ein Wert von 2 Millionen 139.594 Euro. Er verlieh diese Aktien 335 Tage zum Entgelt von 0,05 % des Buchwertes an die Constantia-Bank und bezog dafür ein Entgelt von 995,51 Euro.

Wolfgang Fellner unterstützte damit die von der Constantia-Privatbank durchgeführte Praxis, dass sich die Bank Immofinanz-Aktien „lieh“, um eine Überbelegung von Kundendepots auszugleichen. Vereinfacht: Es wurden mehr Immofinanz-Aktien durch die Constantia-Bank verkauft, als diese hatte. Wolfgang Fellner war nur einer im Räderwerk, der bei dieser Praxis mitmachte.

„Kleiner Umfang“ (Fellner): 29 Millionen 414 Tausend Schilling

Er gibt in einem Email an Kid Möchel zu, dass er Geld bei der Constantia anlegte. Wie Superreiche das eben so sehen, sieht er es. Er schreibt: „Zur Story ihrer angeblichen Wertpapierleihen darf ich festhalten, dass diese Wertpapierleihen in meinem Akt mit keinem Wort erwähnt werden. (…) Wahr ist, dass ich in kleinerem Umfang eine Vermögensverwaltung bei der Constantia hatte.“ Eben. Der „kleinere Umfang“ waren: 268.456 Aktien im Wert von 2.139.594 Euro. In Schilling: 29 Millionen 414.813 und 44 Groschen.

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Verwendete Quellen:
Der Österreichische Journalist. Ausgabe 2/3_2011. S. 38-40 – Im Zeitschriftenhandel um 6 Euro zu beziehen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienalltag)

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