Medien und Kritik – Das Online Magazin

Sandlerzeitung Augustin aus Fälscherwerkstätte

Posted in Augustin, Kurioses, Print by Pangloss on 30. September 2011
Augustin. Bis vor Kurzem noch um 2 Euro.

Augustin. Bis vor Kurzem noch um 2 Euro.

(Wien, im September 2011) Ganz so einfach ist es nicht, um von der wahren Begebenheit abzulenken, wie es die Augustin-Redaktion in einer weitschweifigen Sozialanalyse des slowakischen Neoliberalismus tut. Doch der Reihe nach.

Wie die „Niederösterreichische Nachrichten NÖN“ einen (nicht im Internet findbaren, aber mittlerweile von offizieller Seite bestätigten) Einsatz der Bezirkspolizei Baden/Wien am 26. September 2011 berichtete, gab es im unseligen Ort Ebreichsdorf die Festnahme eines slowakischen Romas. Dieser trat als Zeitungskolporteur für die Sozialzeitung „Augustin“ auf, jedoch mit einem plump gefälschten Ausweis. Im Zuge der Befragung ergab sich, dass nicht nur der Ausweis gefälscht war: Sondern auch die Zeitung.

Alles falsch: Lächeln, Ausweis und Zeitung

Szenenwechsel: Der Herausgeber dieses Journals war kürzlich an zwei Stellen. Einmal kaufte er einen „Augustin“. Es war vor einem „Spar“ in Wien und mit geschultem Blick fiel auf, dass der Ausweis an der nicht-deutsch sprechenden, slowakischen Verkäuferin merkwürdig gewachsen war. Er war nicht mehr im Scheckkartenformat mit Passbild und Unterschrift, wie man das bei den Verkäufern seines Vertrauens kennt, sondern der Ausweis an der Hüfte der Frau war drei Mal so lang und doppelt so breit. Der Herausgeber kaufte dennoch eine Zeitschrift, aber es war damals schon klar, dass es an dieser Verkaufsstelle das letzte Mal gewesen sein wird. Schließlich hat jeder seinen Augustin-Stammverkäufer und dort gibt es nicht die Schnellabfertigung, sondern auch das Gespräch. Auf ein konfliktbeladenes Gespräch mit der Frau vor dem „Spar“ wurde – mangels Deutschkenntnisse der Frau – verzichtet. Nach dem resignativen Motto: Man kann nicht die ganze Welt retten.

Der Herausgeber dieses Journals war dann dieser Tage im Wiener Museumsquartier. Es ist dort abends angenehm. Man hatte Lesestoff mit. Ein Buch über Julian Assange, eine Londoner „Times“. Und sogar eine „Heute“ zum Draufsitzen, damit man sich an der Liegebank die helle Hose, immerhin von „Joop“ (aber im Abverkauf), nicht schmutzig macht. Während man zwei Stunden dort gemütlich im Abendrot liegt, endlich das Spiegel-Buch „Weltmacht Wikileaks“ fertig liest und in gebrochenem Englisch in der Londoner Times herumstochert, kommen während dieser zwei Stunden, in denen man nichts anderes haben wollte als ein wenig seine „heilige Ruhe“, in Abständen IN SUMME vier Slowaken vorbei und wollen einem entweder den „Augustin“ andrehen, dann das „MO-Magazin“ und natürlich wird man von jedem, obwohl man schon drei Mal in seiner Lesekonzentration gestört wurde und sagte „habe schon gekauft“, um die obligate „Spende“ angeschnorrt. Dabei gab es beim Sitznachbarn ein interessantes Erlebnis: Der Mann, ein Künstler (DJ), schnorrt selbst Zigaretten, hat aber ein Herz. Als bei ihm der Slowake mit der rührseligen Geschichte a la „heute noch nichts gegessen“ an der Reihe ist und „bitte um eine kleine Spende – 50 Cent“, gibt ihm der Mödlinger DJ, offenbar kein Freund von 50 Cent, freundlich eine Spende: 1 Cent. Der Slowake wendet sich beleidigt ab. Hätte man ein sensibles Gehör, hätte man einen Schimpfkanon vernommen. Bei allen vier Slowaken waren drei Dinge falsch: Das Lächeln, der Ausweis und die Zeitung. Sie gingen im Museumsquartier nämlich in Rudeln „nur“ mit dem „Augustin“. Nur einer hatte auch das „MO-Magazin“ von SOS-Mitmensch dabei.

Ebreichsdorfer Erkenntnisse

Wenn die Ebreichsdorfer Erkenntnisse stimmen, wurde offenbar – so sagt es der Polizeibericht – durch fünf Personen eine ganze Zeitung des „Augustin“ in der Slowakei gefälscht. Dabei kann es sich um Farbkopien handeln. Oder um den Vorgang, dass die Fälschung soweit ging, dass man das Layout gestohlen und auf einem slowakischen Computer nachgemacht hat. In Abstufung auch hier: Seite für Seite darin neu eingeben oder, einfacher, mit einer Raubkopie der Ausgabe am USB-Stick, die in der Slowakei nachgedruckt wird.

Das Ganze wird eine Plage. Der überwuzzelnde Schmäh, mit dem das Redaktionsteam des „Augustin“ das herunterspielen will, ist unverständlich. Es ist ein Problem, das nicht in Wien mit Einbettung solcher Personen in das Vertriebsnetz zu bekämpfen ist, sondern in der Volksschule und ganz am Anfang des biografischen Wegs. Der „Augustin“ will das Problem herunterspielen und man dreht in einer etwas verqueren Stellungnahme das Ergebnis, dass gefälschte „Augustin“-Zeitschriften in Umlauf sind, ins glatte Gegenteil! Man sagt: „Nur eine soziale Marke, die ein hohes Image besitzt, verlockt zu Übertretungen des Urheberrechts.“ Das stimmt schon. Grundsätzlich.

Schützwürdige Marken

Auf der anderen Seite lassen die „Hells Angels“ ihr Logo schützen, „Apple“ sowieso und auch der „Augustin“ hat seine Wortbildmarke unter Schutz gestellt. Es geht hier um den Grundsatz, der aus der Markenpiraterie bekannt ist: Man kann Missbrauch sozial erklären oder aber mit Argumenten der Rechtmäßigkeit. Man kann die Frage stellen wie weit man Markennachbau zulässt oder ab wann eine Marke durch den Nachbau durch Dilettanten Schaden nimmt. Der „Augustin“ stellt sich „vor die Roma“ und auf den Standpunkt, dass man geringen Prozentsatz zulässt, so er der Marke nicht schadet. Offenbar meint man beim „Augustin“, dass die Fälschung der Verkaufsausweise, ja sogar die Fälschung der gesamten Zeitung die Marke nicht schädigt. Dem muss man entschieden entgegenhalten, dass es das ganz sicher tut.

Der „Augustin“ will das Problem – nicht unähnlich zum „Global Player“ – offenbar durch Wegschauen lösen. Man reflektiert in der gekonnten Weise, die man nach mehr als 300 Ausgaben „Augustin“ im kleinen Finger hat, auf die sozialen Umstände in der Slowakei. Robert Sommer vom Herausgeberkomitee hat Recht, wenn er sagt: Es ist eine Schweinerei, dass „in fünf Städten im Herbst die Testphase einer sogenannten «E-Pay-Card» startet“. Sie betrifft 180.000 Sozialhilfeempfänger in der Slowakei. Das Sozialgeld wird darauf angewiesen und jede Behebung mit dem unbaren Zahlungsmittel wird registriert. Wenn einer nur Tschick kauft, wird ihm durch den „Big Brother“-Staat Slowakei die Stütze möglicherweise gekürzt. Der 5.5- Millionen-Einwohner-Staat will damit Sozialgeld-Missbrauch schärfer sanktionieren. Eine Schweinerei ersten Grades, keine Frage. Weitere Schweinerei ist, auch das führt der „Augustin“ richtigerweise in seinem politischen Statement zur Fälscheraffäre an: „Eine Alleinstehende bekommt 60,50 Euro pro Monat [Sozialhilfe], eine Familie mit zwei Kindern 157,60 Euro – bei einem landesweiten Durchschnittslohn von rund 750 Euro.“ Der Vergleich zu Österreich macht sicher: 744,03 Euro beträgt die Mindestsicherung in der Alpenrepublik. Pro Mann und Nase, was viele Pärchen dazu verführt, nicht der Verlockung einer Ehe nachzugeben, da das Sozialamt pro Mann/Frau und Nase zahlt, und zwei dann, selbst wenn sie in Lebensgemeinschaft leben (und mit den Adressen ein wenig tricksen), 1.488,06 Euro monatlich netto zum Leben haben. Wenn ein Kleinkind dabei ist, schnellt das sprunghaft nach oben. Plus Alt-Aliemente und so weiter.

Sozial- und Bildungsunterschiede

Der „Augustin“ sieht also mit Scharfsinn, dass in Österreich etwas zu holen ist, da die Sozialbudgets gut dimensioniert sind (allein Wien pro Jahr: 240.000.000 Euro). Das spricht sich bis Bratislava durch, nicht erst seit der Twin City Liner für 29 Euro eine Route in fünf Viertel Stunden über die Donau zurück legt. Die sozialen Unterschiede sind das eine.

Thilo Sarrazin würde freilich ein anderes Argument in die Waagschale werfen und dieses fällt beim Lesen der sozialutopistischen Editorials des „Augustin“ zunehmend durch. Es ist die Bildungsfrage. Sarrazin meinte kürzlich in einem erhellenden „Kurier“-Interview, dass es „Bildungsmöglichkeiten“ und „Bildungsfähigkeiten“ gibt. Die „Bildungsmöglichkeiten“ seien zu „50 – 80 % erblich festgelegt“, an den Stellschrauben der Bildungsfähigkeiten ist durch Fleiß, Ehrgeiz und Neugier etwas zu drehen.

Dogmen statt harte Empirie

Es ist bemerkenswert, dass der „Augustin“ seine Sicht auf die politische Lage stets nur dogmatisch-dokritinär entfalten will, auf das empirisch-deskriptive aber verzichtet. Dazu gehörte dann die Feststellung, dass das Bildungsniveau der Roma, die im Zeitungsvertrieb in Wien tätig sind, eine Mischung aus Bildungsdefizit und krimineller Energie, Aufstellen eigener Regeln, regem Missachten des Verbots nach gewerbsmäßigem Betteln ist, und nun sogar soweit geht, dass man Produktpiraterie bevorzugt, weil man mit den 1.25 Euro, die pro regulär verkauftem „Augustin“ möglich sind, den Rand nicht voll bekommt. Laut Angaben der Polizei in Ebreichsdorf, beträgt der Einkauf des gefälschten „Augustin“ nämlich nur 10 Cent, womit sich die „Gewinnspanne“ auf sagenhafte 2.40 Euro erhöhe.

Das Herausgeberkomitee des „Augustin“ will nicht eingreifen. Man ist schlau. Man weiß genauso gut wie jeder, dass es eine Bewegung „von Unten“ braucht. Wie kommen 350 reguläre „Augustin“-Verkäufer dazu, das Heft mit 50% Verkaufserlös anzupreisen, wenn es eine kleine Gruppe von schwarzen Schafen mit 95% Gewinn versucht? Man nennt das in der Unterschicht: Kameradendiebstahl. Kameradendiebstahl wird in der Unterschicht durch selbstregulierende Maßnahmen gelöst. Ächtung ist eines, Hinausdrängen der Gruppe, die ihn begeht, das andere. Insoweit haben sich die Roma als soziale Gruppe mit ihrer Fälschungsaktion am Meisten selbst geschadet.

Eingriff in fremde Urheberrechte (§ 91 UrhG)

Ob das Herausgeber-Komitee eine Urheberrechtsanklage (die eine Privatanklage nach Eingriff, § 91 UrhG wäre) macht, hält man noch offen. Man wird es wohl nicht tun, weil man einem Nackterten nichts nehmen kann. Was aber kommen wird, ist die Selbstregulierung im Gewässer der Augustin-Kolportage: Bei Roma wird niemand mehr kaufen. Weil zu oft drei Dinge falsch sind: Das Lächeln, der Ausweis und die Zeitung. Man hat sich in Wien selbst das Wasser abgegraben.

Marcus J. Oswald (Ressort: Kurioses, Print, Augustin)

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Zwei Konkurse im Medienbereich

Posted in Medienalltag by Pangloss on 15. September 2011

(Wien, im September 2011) Im Medienbereich gibt es zwei aktuelle Konkurse. Einer betrifft eine Zeitschrift, einer ein aufgeblasenes Webmedienprojekt.

Der Print und Publishing Verlag in der Rotenmühlgasse 11 (1129 Wien) ging im August 2011 in Konkurs. Die Zeitschrift gibt es seit 1989. Es sieht sich als „Magazin für Medientechnologie, Druck, Weiterverarbeitung, Papier, Sign & Werbetechnik sowie Business, Finanz und Management im Bereich digitaler und gedruckter Kommunikation“. Der lange Titel war immer ein wenig das Problem der Zeitschrift, die der Autor dieser Zeilen seit 1997 bezieht und daher kennt. Damals war der Autor dieser Zeilen ein Jahr erfolgreich Anzeigenleiter (Umsatzplus zum Vorjahr : 16 %) in der Konkurrenzzeitschrift „austropack“ und die Aufgabe bestand auch darin, Konkurrenzwahrnehmung zu betreiben. Im Sektor „Verpackungszeitschriften“ gab es in Österreich damals nur „Austropack“ als Platzhirsch, „Print und Publishing“ sowie „Kompack“. Das konkurrierende „Umweltmagazin“, das auch im Bereich „Verpacken, Fördern, Lagern“ fischte, wurde vom „Austropack“-Verlag sicherheitshalber aufgekauft. Aus Deutschland gab es noch die Zeitschrift „Creativ Verpacken“, die, für ein Industriefachmagazin sehr gut gemacht und geschrieben war, aber für den österreichischen Firmen-, Hersteller- und Vertreter-, daher Anzeigenmarkt keine direkte Konkurrenz war. Ebenso keine Konkurrenz war das deutsche Flaggschiff der Verpackungsbranche, „Neue Verpackung“. Der österreichische Markt der Verpackungs- und Lagerindustrie „wog“ damals – vom Autor dieser Zeilen ausgezählt – 999 Firmen (Hersteller und Generalvertreter), womit für ein Industriefachblatt pro Jahr durchaus etwas vom Marketingbudget abfiel, was zum Überleben reichte. Das war Stand 1997.

2011: Der „Austropack“-Verlag ist mittlerweile ein erfolgreicher Kleinverlag mit eifriger „Katalogproduktion“ für die Reed Messen und eigenen Zeitschriften. Der langjährige Redaktionsleiter Manfred Meixner, der wohl langsamste Burgenländer, hat sich jedoch 2010 mit einem eigenen Konkurrenzprodukt „Pack & Log“ abgespalten – und gleich den langjährigen Anzeigenleiter von „Austropack“ mitgenommen. Die Wiener Zeitschrift „Kompack“ hat aufgegeben. Die deutschen Blätter „Creativ verpacken“ und „Neue Verpackung“ leben noch. Diese Hefte sind im engen Markt der Verpackung, Förder- und Lagertechnik tätig und haben sich in diesen Nischen mit Fachinformation gut eingerichtet. „Print und Publishing“ am optisch höheren Pass zu den Themen wie Verpackungsdruck, Veredelung, digitale Techniken für Etikettierung und Barcodesysteme und ähnlichem schwamm in diesem Feld tapfer mit, ging aber tiefer in die Druckereitechnik und auf deren Maschinen (Heidelberg, MAN ua.) ein. Mit diesem Konzept ging man nun 2011 in Konkurs.

Textschwach

Das Heft stach stets durch aufwändige Titelseitenwahl hervor. Man brachte mit individuellen Papiersorten zum Ausdruck, was die Papierbranche und die Druckbranche leisten kann und ging mit Beispiel voran. Titelseiten im 6-color-System (Spezialfarben wie Gold und Silber) waren keine Seltenheit, gestochen scharf gedruckt, reflektierend, spiegelnd, alle Stückeln spielend. Im Heftinneren offenbarte sich jedoch die Schwäche der Industriefachpresse generell. Non-Autoren schreiben über Technik. Sie sind so fasziniert vom Gegenstand, der Technik, den Maschinen, dass sie ganz vergessen, das Thema schriftlich so darzustellen, dass man es „lesen kann“. Teilweise las man in der „P&P“ abgefunselte Presseaussendungen Technik verliebter Pressestellen von Mayr Melnhof oder Duropack, die seitenlang die Vorzüge der neuen Hartkartonagen in Röhrenform referierten oder Vertropack, die mit Liebe zum Detail Verschlussringe von Glasverbundgeweben (zu deutsch: Stöpsel für Flaschen) beschrieben. Die offenbar nicht geschulten „Redakteure“ der P&P malten das deckungsgleich ins Heft, und vergaßen, dass man das nicht lesen kann. Textlich blieb die „Print und Publishing“ streckenweise schwach, nimmt man einige Ausnahmen des ständigen Kolumnisten, der persönliche Erfahrung und schreiberische Farbe ins Heft brachte.

Das Konkursverfahren läuft seit 19. August 2011 unter der Zahl 6 S 111/11g am Handelsgericht Wien.

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Was haben die Burschen von Webfreetv.com AG in den 2000er-Jahren für einen Staub aufgewirbelt. Eine alte Medienweisheit sagt jedoch, dass es nicht reicht Staub aufzuwirbeln. Man muss auch Spuren hinterlassen. Das Internet wollte man revolutionieren. Prominente Finanziers stiegen an Bord.

Mike Lielacher

Die Gründer holten bald nach dem Start den „Wagnisfinanzierer“ Mike Lielacher in die Firma. Lielacher war dabei, weil er überall dabei ist, wenn es ihm taugt. Er wollte den Web-TV-Sender groß machen. Mitte der 2000-er sah er aber, dass das so einfach nicht läuft und er setzte den ehemaligen Organisator des „Abfangjäger-Volksbegehrens“ Rudolf Fußi als Vorstand ein. Doch auch dann blieben die Versprechungen und PR-Aussendungen größer als der Wert der Zeilen. 2010 wollte Lielacher den „Sender“ zurückhaben und es entstand ein Machtkampf mit dem Ergebnis, dass webfreetv.com am 1. November 2010 von der Wiener Börse genommen wurde. Der „Streit bei Webfreetv.com“, wie es das Fachmagazin „Extradienst“ in einem entsprechenden Artikel nennt, gipfelte im September 2010 in wechselseitige Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Wien. Zum Zeitpunkt lenkte bereits ein Jahr lang Alexander Vogel das Unternehmen, das 390.000 Euro Umsatz machte (lt. Extradienst).

Seither wird gegen vormalige und aktuelle Akteure wie Vorstände und Aufsichtsräte der „Aktiengesellschaft“ wegen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Betrug und betrügerischer Krida erhoben. Ergebnis:

Das Unternehmen, das in 7000 Eisenstadt in der Thomas Edisonstraße 2 und in 1050 in der Margaretenstraße 166 situiert war, einst hochfliegende Pläne hatte, aber in elf Jahren nie einen Gewinn schreiben konnte, soll 2.2 Millionen Euro Schulden haben.

Am 18. August 2011 wurde über das Unternehmen unter der Zahl 28 S 100/11a am Handelsgericht Wien der Konkurs eröffnet.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienalltag)

Videos zu „Augustin“

Posted in Video by Pangloss on 30. Juli 2011

(Wien, im Juni 2011) Die sozial engagierte Zeitung „Augustin“ wurde in Wien im Oktober 1995 gegründet. Seither erschienen 300 unterschiedliche Ausgaben. 2011 hat der Trägerverein „Sand und Zeit“ 14 Angestellte und nimmt im Monat 60.000 Euro durch den Straßenverkauf ein. Weitere 60.000 Euro verteilen sich auf die rund 400 Verkäufer. Auf „You Tube“ (Motto: „Broadcast Yourself“) gibt es einige Videos, die zum Anlass des 15-jährigen Jubiläums erstellt wurden. Einige Filme haben noch sehr wenige Zugriffszahlen, was man ändern sollte [sämtliche Zahlen in eckigen Klammern zum Status 30. Juli 2011]:

Film von Universität Wien / Institut für Publizistik [91 Zugriffe]

Film von Augustin TV / Teil 1 Interview mit Gründer Robert Sommer [224 Zugriffe]

Film von Augustin TV / Teil 2 Interview mit Verkäufern und Lesern [199 Zugriffe]

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Am 22. Dezember 2005 begann das „Augustin TV“ als weitere Schiene zum Zeitungsprojekt. Seither gab es 60 Sendungen, die im lokalen Wiener Kabel TV auf „okto“ ausgestrahlt wurden. Auch dieser You Tube-Beitrag hat noch zu wenige Aufrufe.

Kurzfilm zu 5 Jahre Augustin TV / Eigenproduktion Augustin TV [109 Zugriffe]

Film zu 15 Jahre Projekt Augustin / Eigenproduktion Augustin TV [304 Zugriffe]

Marcus J. Oswald (Ressort: Video)

Post an Frank Stronach von Marcus J. Oswald

Posted in Innovationen by Pangloss on 19. Juli 2011

(Wien, im Juni 2011) Bei Frank Stronach, 79, weiß man nie genau, wie er es meint. Er ist nun in einem Alter angekommen, wo er alles erreicht hat. Im September 2010 erhielt er durch Wirtschaftsminister Mitterlehner das Große Verdienstkreuz in Gold mit Stern um die Brust gehängt. Kurz darauf stieg er aus seinem Leitbetrieb Manga aus und erhielt die vermutlich größte Abfertigung, die je an eine Einzelperson mit österreichischen Wurzeln vergeben wurde (983 Mio. Dollar).

Medial aufgeworfene Projekte

Seither hat Frank Stronach keine End Life Crisis. Er wirft vieles ins mediale Becken und laviert zwischen Projekten, die er noch in Angriff nehmen will. Das Alter ist kein Hinderungsgrund. Der ehemalige Billa-Gründer und heutige Immobilienkaiser von Wien, Karl Wlaschek, wird am 4. August stolze 94 Jahre alt. Stronach wird am 6. September 80 Jahre alt.

Die Frage ist aber, was Ankündigungspolitik ist und Unterhaltung für die Medien und was Substanz hat. So geistern derzeit drei „Projekte“ durch die Medien. Das eine ist die Gründung eines Stronach-Vereins (vielleicht im Endausbau: liberale Wirtschaftspartei), das zweite die Gründung einer Wirtschaftswochenzeitung durch ihn. Das dritte – Schuster bleib bei deinem Leisten – die Gründung einer neuen Autofirma, die Elektroautos anfertigt. Zu den ersten beiden „Projekten“, so sie nicht Luftburgen sind, schrieb der Herausgeber dieses Journals je einen längeren Brief mit dem Angebot einer Machbarkeitsstudie (5. und 27. Juni 2011). Auslöser waren jeweils ein Zeitungsinterview.

Man kann es vorwegnehmen: Zu beiden medial hinausgeblasenen „Projekten“ gab es eine Absage und von Seiten Stronach kein Interesse auf eine Zusammenarbeit.

Das ominöse Projekt „Verein“ oder „Partei“

Am 22. Mai 2011 gab Stronach der „Presse“ ein ganzseitiges Interview, in dem er andeutete, dass er einen Verein gründen will, der sich mit „sozio-ökonomischen Analysen zur Gesellschaft“ befassen will. Das klang auf den ersten Blick interessant, scheiterten doch schon die Herren und Damen Zumtobel, Haselsteiner und Schmid mit dem Anliegen eine „Wirtschaftspartei“ in Österreich zu etablieren. Eine politische Partei zu gründen ist keine Gründung eines britischen Herrenclubs, in dem gepflegter Dialog herrscht. Eine politische Partei braucht durch alle sozialen und lebensweltlichen Schichten der Gesellschaft Akzeptanz. Man erinnere sich nur, welches Skurillitätenkabinett für das BZÖ bei der Wiener Landtagswahl 2010 angetreten ist: Grafen, pensionierte ORF-Journalisten und der ehemalige Chef von BILLA. Sie traten an, um plötzlich Liberalität, soziale Gerechtigkeit und Kontrolle der „Mächtigen“ zu fordern. Die Heurigen-Runde nahm niemand ernst und sie bekamen bei der Wien-Wahl 1,33 Prozent.

Der Herausgeber dieser Seite schlug Stronach eine kleine Machbarkeitsstudie vor. (Datum: 5. Juni 2011)

Oswald-Vorschlag „Frank Stronach Forschungsbibliothek“

Daher schrieb der Herausgeber dieses Journals nach Oberwalterdorf am 5. Juni 2011 einen 6 Seiten langen Brief, in dem er ihm den Vorschlag unterbreitete, eine „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ für den zu gründenden Verein einrichten zu wollen, in der sich 2.000 bis 3.000 relevante Bücher zu den Themen der Politik, Wirtschaft, Gesellschaft befinden. Oswald schreib (Zitate folgend nur Auszug):

„Ich möchte Ihnen folgendes vorschlagen: Ich bin in erster Linie Propagandachef für gute Ideen. Ich begrüße Ihre Idee, einen Verein zu gründen, in dem über Gesellschaftsfragen nachgedacht wird. Ich arbeite derzeit nur für mich. Wenn Sie erlauben, möchte ich Ihnen das aus der tiefen Innenkenntnis der Wiener Szene und des Wieners raten:

Machen Sie einen solchen Verein in Wien auf. Ich könnte Ihnen ein Vereinslokal suchen, ein Lokal, wo auch ein Veranstaltungsraum dabei ist, der gut gelegen ist, aber nicht zu teuer. Ich kenne Wien wie meine Westentasche. Ich wohne seit 1989 hier. Ich fühle Wien, kenne es auch soziografisch. Ich schrieb viel über Wien. Alle, die mit mir Spazieren gehen, sagen, ich bin ein guter Stadtführer.

Der Verein – ganz wichtig – braucht auch eine Bibliothek. Sachbücher, wissenschaftliche Bücher, Schriftenreihen zu Wirtschaft, Sozialwissenschaft, Wien-Bücher, überschneidende Themen wie Energie, Umwelttechnik, Steuern, Sozialausgaben, Staatsverwaltung, Fachzeitschriften, Zeitungen. Eine kleine, aber feine Bibliothek mit etwa 2.000 bis 3.000 Büchern. Die Bibliothek sollte Ihren Namen tragen: „Frank Stronach Forschungsbibliothek“.

Ich wäre bereit, da ich seit 15 Jahren viele Verlagskataloge renommierter Verlage bekomme, den Buchmarkt gut kenne, Ihnen eine solche Fachbibliothek aufzubauen, zusammenzustellen und dauerhaft und gewissenhaft zu warten.“

(…ausgeklammert private Inhalte und Querverweise…)

„Der Verein braucht einen schlagkräftigen Vereinsblog (in deutscher Sprache, eventuell auch auf englisch/französisch), der im „Google“ mit lesbaren Inhalten gut findbar ist.“

(…ausgeklammert private Inhalte und Querverweise…)

„Ich weiß heute, nach zwanzig Jahren in Wien, dass es in Wien viele Blender und Dampfplauderer gibt, vor allem im Medienbereich. Die meisten wollen nur an Ihr Geld. Wie Sie diesem Brief entnehmen, habe ich kein einziges Mal über Geld gesprochen.

Ich mache seit 2004 in Eigenregie Fachblogs und manche, die ich machte, hatten nach zwei Jahren gute Zugriffe (bis zu 800.000). Man nennt mich auch „content machine“. Es heißt aber auch: „content is king, but archive ist reign“. Daran ist auch etwas Wahres.

Am gesellschaftlichen Parkett will ich mich nicht produzieren. Das ist nicht meine Rolle. Ich bleibe Medienarbeiter und strategischer Mann im Hintergrund. Mein Vater war in der Fabrik Arbeiter. Ich arbeite hinter dem Computer. Ich kann nur machen, was ich gut kann.“

Dem Brief in eine Anlage beigeheftet (5 Seiten), in dem das Projekt „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ detailiert ausformuliert wird. Auch die Kosten. Das Angebot lautet – hier kurz zusammengefasst:

Phase 1:

Erstellung einer Machbarkeitsstudie zum Aufbau einer „Frank Stronach Forschungsbibliothek“, die situiert in einem Vereins- oder Parteilokal in Wien ist.
Umfang der Bibliothek: 2.000 bis 3.000 Bände von neuerer und älterer Literatur (Klassiker der Wirtschaftssoziologie und Ideengeschichte, Sozialwissenschaft, überschneidende Themen wie Energie, Umwelttechnik, Steuern, Sozialausgaben, Staatsverwaltung), Fachzeitschriften und Zeitungen.
Studienaufgabe: Erstellung einer Liste, welche Bücher in der Bibliothek enthalten sein müssen.
Zeitraum der Bücher: Letzte 15 Jahre mit Ausreißer nach Hinten (Klassiker)
Liste in Excel-Format mit Autor, Titel, Seitenumfang, Erscheinungsjahr, Prüfung der Verfügbarkeit, Kaufpreis.
Kosten der Erstellung dieser Studie: 9.000 Euro inkl. Steuern. Zahlbar: 1/3 (Voraus), 1/3 zur Mitte der Berichtslegung, 1/3 bei Ende und Übergabe und Kurzpräsentation der Schwerpunkte der Studie.
Dauer der Forschungsarbeit (Studie): Zwei Monate (auch über Sommer 2011 möglich!)

Phase 2:

Ankauf der 2.000 bis 3.000 Bücher umfassenden neuen „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ eigenständig und in Eigenregie durch den Verfasser der Studie.
Einlagerung der Bücher beim Verfasser der Studie und Transfer der Bücher und Einrichten der Bibliothek durch den Autor der Studie im neuen Vereinslokal (respektive: „Parteilokal“) in Wien oder an einem anderen Ort des Geschehens.
Beschaffung von Regalen und Lagermöglichkeiten (Holz).
Eigenständiger Antransport der Bücher zu dieser Stelle.
Dauer der Arbeit: Eine Woche.
Kosten (Transport, innerhalb Wiens, inklusive Träger): 3.500 Euro.
Kosten (Transport, außerhalb Wiens, inklusive Träger): 4.500 Euro.
Kosten für Studienautor: In Honorar Phase 1 inkludiert, daher nichts.

Phase 3:

Pflege, Betreuung und Wartung der Bibliothek als Teil des neu zu gründenden Archivs als Teil der „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ durch den Autor der Studie als wissenschaftlicher Leiter.

Einspeisen der Bücher in ein digitales Datenbanksystem (Access oder anderes) und damit Inventarisierung der Bücher nach Autor, Titel, Seitenumfang und Erscheinungsjahr.
Markieren der Bücher als Eigentum der „Frank Stronach Forschungsbibliothek“.

Materialeinsatz:
2 PC mit registriertem Microsoft Office Professional (2.500 Euro)
1 sehr guter Laserdrucker (400 Euro)
1 sehr guter Flachbett-Scanner HP (400 Euro)
Anschaffung von Stampligen und Etiketten in Stempelgeschäft bei Weltmarktführer „Trodat“. Besser aber wäre bei „Colop“. Beide Hersteller stammen aus meiner Heimatstadt Wels und sind direkte Konkurrenten. Trodat ist Weltmarktführer bei Stempeln, aber „Colop“ ist Weltmarktführer in China. Mit dem Inhaber der „Colop“-Firma Andreas Honetschläger, dessen Vater „Colop“ begründet hatte, ging ich ins Gymnasium in dieselbe Maturaklasse in Wels. Ich denke, dass ich dort in Wels Prozente bekomme, wenn ich mit ihm rede.
Schreibmaterial (200 Euro)
1 Standkopiermaschine (Rank Xerox auf Leasing pro Monat rund 300 Euro)
Regale aus Holz
Kosten für den Materialeinsatz und Einrichtung Forschungsbibliothek: ca. 6.000 Euro.

Personal: Studienautor und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter freier Wahl

Betriebskosten – Personal (2 Mitarbeiter):

Da es sich um hoch spezialisierte Fachkräfte handelt, schlägt sich das im Verdienst nieder. Solche Leute findet man nicht am freien Markt. Sie leisteten hohe Vorarbeiten in Wissensaneignung, Lesen und Verarbeiten von Wissen, sowie im Management der Verwaltung des Wissens. Sie kennen den Buch- und Verlagsmarkt und den Kunden der Bibliothek. Sie arbeiten kundenorientiert und leisten auf ihre Weise viel, indem sie wachsam sind und aufmerksam den Wissensmarkt beobachten.

Laufende monatliche Kosten pro Person: 3.900 – 4.100 Euro netto, also 8.000 Euro/Monat.
Wissenschaftlicher Leiter der Bibliothek (Oswald): 4.100 Euro netto/Monat, 57.400 Euro/Jahr.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bibliothek: 3.900 Euro netto, 54.600 Euro/Jahr.
Jahreskosten – Wissenschaftliche Mitarbeiter: 112.000 Euro netto/Jahr.

Einmal-Kosten für den Aufbau der Bibliothek: Ankauf 2.000 – 3.000 Bücher. Durchschnittlicher Ladenpreis pro Buch 25 Euro: 50.000 bis 75.000 Euro im Endausbau.
Die Bücher sind Eigentum der „Frank Stronach Forschungsbibliothek“.

Ausrichtung der Bibliothek: Nutzen sollen sie Studenten und Schüler. Es wird Öffnungszeiten mit Publikumsbetrieb geben. Das unterscheidet die „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ von anderen wie die Sigmund Freud Privatuniversität, deren Bibliothek zwar ebenso mit einem klingenden Namen ausgestattet ist, die aber nicht öffentlich zugänglich ist.

Refundierung der Kosten: Die Benutzung der Bibliothek hat eine Einschreibgebühr pro Jahr von 20 Euro. Wenn sich 500 Personen einschreiben, sind das 10.000 Euro pro Jahr. Zudem wird das Kopiergerät auch für Leser benutzbar sein. Erwartete Einnahmen dadurch: 5.000 Euro pro Jahr.

Es ist zu erwarten, dass man durch Subventionen weitere 30 Prozent der Jahreskosten hereinbringt.

Marcus J. Oswald schlug dem Magnaten, der am 22. Mai 2011 in der Wiener Zeitung Die Presse die Gründung eines Vereins, der über sozio-ökonomische Zusammenhänge in der Gesellschaft nachdenken wolle, die Einrichtung einer Frank Stronach Forschungsbibliothek in den Vereinsräumlichkeiten vor. Die Kosten wären gemessen auf ein Jahr und seinen bisherigen Einsatz im Sport marginal. Der Effekt einer solchen Bibliothek wäre Förderung des Denkens und des Nachwuchses. Stronach förderte bisher schon die Bildungsgesellschaft mit seinem Geld wenig. Er lehnte auch diesen Vorschlag ab. (Fotoauszug aus Konzept Oswald, 5. Juni 2011)

Frank Stronach kündigte medial am 22. Mai 2011 an, dass er einen Verein gründen will, der später eine Partei werden soll. Er will aber nicht, dass dieser Verein auch mit Wissen ausgestattet ist und eine Bibliothek hat. Somit kann dieser Verein keine Partei werden, sondern er bleibt eine Altherrenrunde, die Pressekonferenzen macht.

+++

Dann ging Frank Stronach am 26. Juni 2011 in der Zeitung „Österreich“ mit etwas anderem an die Öffentlichkeit. Man horchte auf. Er will plötzlich eine Wirtschaftswochenzeitung gründen. Es war kurz nach dem so genannten „Kanzler-Fest“, wo er sich zeigte.

Wie ernst kann man diese Ankündigung nehmen? Nun, der Herausgeber dieses Journals nahm es ernst, und schrieb sogleich einen Vorschlag in 10 Seiten Länge für eine Machbarkeitsstudie. Vorwegzunehmen ist, dass Frank Stronach auch dieses negativ per Email beantworten ließ. Hier nun Auszüge aus diesem Vorschlag.

Der Herausgeber dieser Seite schlug eine weitere Machbarkeitsstudie vor: Zu einer von Stronach ins Auge gefassten Wirtschaftswochenzeitung. (Datum: 27. Juni 2011)

Und das begann mit einem Brief am 27. Juni 2011 – „Thema Wirtschaftszeitung“:

Sehr geehrter Herr Frank Stronach!

Ich schreibe Ihnen diese Zeilen, weil in der Zeitung „Österreich“ (26. Juni 2011) ein Bericht zu Ihnen enthalten ist. Dieser kommt in eine Schachtel, auf der Ihr Name drauf steht.

Im Beitrag deuten Sie an, dass sie sich mit dem Plan befassen, ein Wochenmagazin oder eine Wochenzeitung zum Thema „Wirtschaft und Politik“ zu gründen.

Ich möchte dazu anraten. Denn ich wunderte ich schon immer, dass Sie nicht schon zwischen 2000 und 2010 stärker in die Kreativwirtschaft investiert haben. Denn nur diese ist imstande, Ihnen ein Denkmal zu setzen. Weniger der Sport, in dem sich eher undankbare Menschen umtun. Ich möchte also mein Interesse kundtun.

Einem meiner Vorbriefe (5. Juni 2011) entnehmen sie, dass ich der Meinung bin, dass in Österreichs Medienlandschaft derzeit einige Fragen ganz drängend da sind. Die drei Dinge sind wirtschaftliche, aber vor allem politische Themen. Sie brauchen den politischen Konsens, die Übereinkunft der demokratischen Parteien, sonst werden sie nicht umgesetzt. Die Themen sind: „Nachhaltigkeit“, „Energiewende“, „Elektroauto“.

(…Es folgt eine längere Abhandlung zu diesen drei Themen, die hier ausgespart bleibt…)

Ich möchte nun zum Thema Wirtschaftszeitung kommen. Ich möchte kurz einen Aufriss geben, was Sie bei der Gründung einer Wirtschaftszeitung bedenken müssen. Nein, ich rede nun nicht über „besondere Verhältnisse“ in Österreich. Das nicht. Ich möchte aber schon sagen dürfen, was Sache ist. Ich halte mich da nicht zurück, denn Sie sollen über die Realität informiert werden.

Mediaagenturen

Es gibt in Österreich rund 30 wichtige Mediaagenturen, die den Etat der werbetreibenden Wirtschaft verwalten. Diese schalten die großflächigen Inserate in die Zeitungen und behalten sich 15% „Agenturrabatt“ als Honorar ein. Die Mediaagenturen sind der Schlüssel zum Medienerfolg. Denn eine Wirtschaftszeitung braucht vor allem dauerhaft (Woche für Woche) Inserate.

Druckerei und Vertrieb

Es gibt in Österreich rund zehn Druckereien, die im Stande sind, eine Wirtschaftswochenzeitung in der Auflage, sagen wir 30.000, Umfang 72 Seiten, Erscheinungsfrequenz 52 Mal im Jahr zu drucken.

Die Druckereien machen auch die Etikettierung und den Versand mittels Karteisystem. Die Preise sind unterschiedlich!

Sie dürfen nicht vergessen, dass der Druck und Vertrieb (Postweg) für 52 Ausgaben einer Illustrierten mit 72 Seiten im Jahr bei Auflage 30.000 rund 9.10 Millionen Euro kostet! Nicht eingerechnet sind die mit 1. Juni 2011 in Österreich erhöhten Posttarife!

Es macht einen Unterschied, ob einen Druckerei Druck und Versand für 9.10 Mio Euro im Jahr macht, eine für 8.20 Mio Euro oder ob es eine für 7.80 Mio Euro macht. Hier gibt es Unterschiede.

Für ein 72 Seiten dickes Journal in Vollfarbe kann man von hohen jährlichen Druck- und Versandkosten ausgehen. (Foto: Vor-Analyse Oswald, 27. Juni 2011)

Der Brief setzt fort mit dem Thema „Personal“:

Personal

Sie dürfen nicht vergessen, dass eine Zeitschrift im Umfang 72 Seiten, Erscheinungsfrequenz 52 Mal im Jahr folgende vertikale Belegschaft braucht:

1. Geschäftsführer (CEO)
2. Controller, Chefbuchhalter (CFO)
3. Herausgeber
4. Chefredakteur
5. 20 Redakteure, davon 5 Leitende mit Bereichsverantwortung, 15 Einfache Redakteure
6. 15 Vertriebsleute (Anzeigenverkäufer)
7. 5 Verwaltungsleute (1 Sekretärin Geschäftsführung, 2 Sekretärinnen Anzeigenverkauf, 2 Sekretärinnen Redaktion/Empfang)
Das heißt, das sind 44 Personen im Medienbereich und kaufmännischen Bereich.
Man muss die Leute entsprechend gut zahlen, sonst sehen sie sich als Almosenempfänger. Ich habe errechnet, was der Personalaufwand für ein Jahr ist (netto) und zeige das in einer Tabelle auf:

Die Personalkosten machten laut Rechnung Oswald im Jahr 3 Millionen Euro netto aus. (Auszug Oswald-Tabelle für Wirtschaftszeitungsprojekt Stronach, 27. Juni 2011)

Die Tabelle hat eine Fussnote, Abteilung Verkauf:

*Anmerkung: „Marketing und Verkauf“ unterliegen anderen Bezahlungsformen im Medienbereich. Während Redaktionen und Geschäftsführung mit Fixum arbeiten, arbeitet der Verkauf (Anzeigenabteilung) mit schmalem Fixum (meist 1.500 Euro) und einer „progressiven Kurve“, die im relativ niederen Bereich ansetzt. Das heißt: Wenn der Verkäufer, sagen wir, ein monatliches Umsatzziel von 15.000 Euro macht, gehören ihm 20%, also weitere 3.000 Euro. Dann kommt er auf ein netto von 4.500 Euro Gehalt. Durchschnittlich muss ein Verkäufer im Monat bei einer Wochenzeitschrift, die 52 Mal erscheint, 14-15.000 Euro Umsatz machen, da die Zeitschrift einen Monatsumsatz von rund 220.000 Euro braucht. Eine Wochenzeitschrift mit Umfang 72 Seiten braucht 35% Inseratenabdeckung, was 24 Seiten Inseratenseiten pro Ausgabe und 48 Seiten redaktionelle Inhalte pro Ausgabe bedeuten. Bei einem „Faktor 35%“ Inseratenabdeckung und einem Seitentarif von 9.000 Euro (zzgl. Steuern) bei 30.000 Auflage, ergibt das einen Monatsumsatz von 216.000 Euro oder einen Jahresumsatz (52 Nummern) von gesamt 11,2 Mio Euro für die Zeitschrift.

Ferner wird die Erklärung gegeben, warum nur Netto-Gehälter angeführt sind:

Ich habe nur Netto-Gehälter angeführt, weil wie ich viele so denken: Es interessiert kein Brutto, es interessiert nur, was am Ende im Börsel ist. Man will wissen, wofür man rennt und schwitzt. Dafür opfert man sich auf, sitzt sich in Redaktionen das Kreuz krumm, beherrscht zwanzig Datenbanken, Bildbearbeitungsprogramme und mehrere Fremdsprachen. Zudem: Die deutsche Sprache perfekt.

Das Ganze zeigt, dass es nicht preiswert ist, eine Zeitung, die 52 Mal im Jahr erscheint, zu machen.

Es gibt da nämlich einen einfachen Schlüssel, der zeigt, wie teuer es ist, eine Wochenzeitung zu gründen.

Der Schlüssel lautet ganz einfach. Wie viel Geld braucht man, um eine Tageszeitung zu gründen und das erste Jahr zu halten, wie viel Geld für eine Wochenzeitung, wie viel Geld für eine Monatszeitung und wie viel Geld für eine Fachzeitung? Hier noch eine Tabelle aus dem Hause Oswald, die ich Ihnen zur Verfügung stellte. Die stimmt auf den Punkt.

Eine Kostenaufstellung für Frank Stronach in Kanada, was Zeitungsmachen in Österreich kostet. (Quelle: Oswald-Brief an Stronach vom 27. Juni 2011)

Darin sind die „Infrastrukturkosten“ natürlich enthalten: Büroraum, Einrichtung, EDV. Das amortisiert sich im zweiten Jahr wieder, vor allem, da im zweiten Jahr auch Anzeigenerlöse hereinkommen.

Bei einer Wochenzeitschrift im Umfang von 72 Seiten, 52 Mal, Auflage 30.000, gehe ich von einem Jahresumsatzziel („Anzeigenumsätze“) in Summe des Jahres 11,32 Mio Euro aus. Dazu, wenn man über die beiden Vertriebsschienen Valora (vormals Salzburger Pressevertrieb) oder Morawa (Wien) – die beiden Grossisten teilen sich den Endvertrieb in die 2.600 Trafiken und 400 Buchhandlungen auf – hinein rechnet und einen „Copy-Preis“ (Kaufpreis der Zeitschrift) von 2,70 Euro festlegt und man 18.000 im Einzelverkauf absetzt. Per Anno also Verkaufserlöse von 2,5 Mio Euro.

Bei einer Wirtschaftswochenzeitung mit einer guten Vorplanung und einem guten Team können 15 Millionen Euro im Jahr umgesetzt werden.

Daraus ergibt sich nach Rechnung des Autors, dass ein positiver Jahresabschluss erzielt werden kann. (Fotoquelle: Brief an Frank Stronach, 27. Juni 2011)

Im Brief heißt es aber mahnend:

Bei einer Wochenzeitschrift „Wirtschaft und Politik“ könnte also mit einem Startkapital und einer guten Mannschaft im ersten Jahr ein Plus herausschauen.

Vorbehaltlich: Infrastrukturkosten (Mieten) werden nicht zu hoch (maximal 150.000 Euro) für Mieten pro Jahr für in Summe zwei Standorte (Redaktionen in Wien und annehmlich Graz).

Vorbehaltlich: Die Strukturkosten für Inventar werden nicht zu hoch (maximal 200.000 Euro für EDV und Einrichtung an beiden Standorten).

Vorbehaltlich: Umfang 72 Seiten und nicht voluminöser.

Vorbehaltlich: Das erste Jahr läuft gut an und die Verkaufsmannschaft arbeitet gut. Die Redaktion arbeitet sowieso immer gut. Die Verkaufstruppe ist der Knackpunkt bei jedem Medienprojekt.

Vorbehaltlich: 3% für Marketing vom Gesamtbudget (branchenüblich) reichen, um es zu bewerben.
Ich ging von sehr konservativen Zahlen aus. Natürlich kann es sein, dass im Verkauf Spitzenverdienste von 6.000 Euro netto drinnen sind. Unabwägbar ist auch der neue Posttarif, der den Versand etwas in die Höhe treibt und vage ist auch, ob man den Schlüssel 60/40, also 40% Abonnenten im ersten Jahr erreicht. Oder ob man sofort 35% Inseratenquote erreicht. Fakt ist aber, dass es möglich ist.

In der Folge wird im Brief vom 27. Juni 2011 an Frank Stronach eine umfassende Machbarkeitsstudie (150 Seiten Länge, Preis: 24.000 Euro) vorgeschlagen.

Ferner wird vorgeschlagen, dass in der Machbarkeitsstudie (Bedarfsstudie) fünf Redakteure und zwei Grafiker genannt werden, die in das Wiener Team der Zeitung gehören. Die genannten Sieben werden im aktuellen Brief bereits auf drei Word-Seiten in ihren Fähigkeiten beschrieben, aber namentlich noch nicht genannt. Es sind erfahrene Redakteure und Layouter im Alter zwischen 40 und 50, die die Reife und das handwerkliche Können mitbringen, wöchentlich unter dem Druck der Öffentlichkeit, das auf einem Paket lastet, hinter dem Stronach steht, abzuliefern.

Keine preiswerte Bedarfsstudie erwünscht

Doch auch dieser Brief mit dem Vorschlag nach einer „Querschnittsstudie“ a. durch zwanzig Wirtschaftszeitungen, die bereits am Markt sind, b. durch dreißig Schaltagenturen und deren Kunden, c. durch zehn Druckereien und Versandanbieter (mit Blindangeboten), d. die Suche nach drei unterschiedlichen Räumlichkeiten für eine Wiener Redaktion (Zitat Offert an Stronach: „Die Studie erhebt, welches Loft eventuell in Frage kommt und was es kostet. Es werden drei Alternativen in der Studie angeboten, nach Stufen günstig/hip, mittel/traditionell, teuer/gediegen. Dieser Teil hat auch eine fotografische Ebene, denn die Räumlichkeiten werden von Außen auch gezeigt. Zudem wird erhoben, was sie kosten (Bruttomiete, Nettomiete)“, e. die Erhebung der EDV-Anbieter (Zitat aus Offert an Stronach: „Jedes Medium braucht EDV-Infrastruktur und ein kleines, internes Servernetzwerk. Die Bedarfsstudie erhebt, welche drei bis fünf gängigen Systeme in Frage kommen und wer sie anbietet. Es werden gängige Systeme, die üblich sind, bevorzugt, da sie durch Nicht-Techniker auch anwendbar sein sollen. Es wird die Systemfrage Apple oder Microsoft erörtert und abgetastet. Es werden Preisschemeta [Kostenplan nach System 1 – „Kauf“ und System 2 – „Leasing“] in Belegen geliefert, wie viel ein System für die Wiener Niederlassung für 20 Mitarbeiter kostet. Nicht erhoben wird in dieser Studie eine etwaige Hauptniederlassung in Graz. Diese Bedarfsstudie kümmert sich nur um Wien, da der Studienautor Wien wie seine Westentasche kennt und hier seinen Lebensmittelpunkt hat“), f. sowie die Sichtung der „ablösefrei“ verfügbaren, besten Wirtschaftsreakteure (Zitat: „Das sind Leute, die dem Termin- und Abgabedruck standhalten, die Ruhe bewahren und vieles schon im Leben umgesetzt haben.“) – all diese Dinge, erfasst in einer Bedarfsstudie auf 150 Seiten für das verhältnismäßige Taschengeld von 24.000 Euro, so der Vorschlag von Marcus J. Oswald, wurden von Frank Stronach dieser Tage mit einem ablehnenden Email bedacht.

Offenbar reicht es in Österreich, ein Kanzlerfest zu besuchen, um am Ende eine Zeitschrift zu „Politik und Wirtschaft“ zu gründen. Oder alles ist ohnehin nur ein Medienfake und leere Ankündigung.

Geld muss arbeiten

Der Autor dieser Zeilen dachte kürzlich einmal darüber nach, was er, wäre er im September 2011 80 Jahre alt mit einer Abefertigung von 981 Millionen Dollar machen würde! Soviel kann man den Nach- und Wohlgeborenen, den Kindern und Enkerln gar nicht schenken. Stronach müsste wissen: Geld muss man arbeiten lassen.

Eine Wirtschaftswochenzeitung für Österreich wäre ein guter Einsatz und mit der Startinvestition von 15 Millionen Euro für das erste Jahr ein toller Start. Vielleicht kommt es doch noch, als Eigenständiges. Nicht als leere Hülle aus dem Echo-Verlag (was ihm vermutlich der Herr Pöttler beim Kanzler-Fest geflüstert hat) oder untergeschlüpft beim politischen Konterpart Styria in Graz, wo das Stronach-Herz auch liegt.

Wenn das der Fall ist, hat ein Projekt „Wirtschaftswochenzeitung“ mit Stronach rein gar nichts mehr zu tun.

Marcus J. Oswald (Ressort: Innovationen)

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