Medien und Kritik – Das Online Magazin

Krone Bunt seit zwanzig Jahren – Vor allem PR-Plattform

Posted in Kronen Zeitung, Print by Pangloss on 2. Mai 2011

(Wien, im Mai 2011) Vor zwanzig Jahren erschien die erste Ausgabe von „Krone Bunt“. Der illustrierte Mantel der Kronen Zeitung am Sonntag erschien seither 1.040 Mal an ebenso vielen Sonntagen. Die Erfindung von Hans Dichand war sicher zum Teil ein Angebot für den Leser, der auf diese Weise eine Art Wochenendfeuilleton bekommt, wie das die anderen Zeitungen auch haben. Andererseits war es kühles Kalkül. Die Hochglanzseite am besten Verbreitungstag der „Kronen Zeitung“ ist: Ein Mordsgeschäft mit der Werbung.

Der Bua als Chefredakteur

Erster und bis heute tätiger Chefredakteur ist Christoph Dichand, der mit dieser Extrazeitung über Jahre eingeschult wurde. Der Krone-Chef Hans Dichand setzte den Buam in die bunte Beilage ein, wo er sich Sporen verdienen sollte. Etwas später wurde er zum Gehalt von 23.000 Euro im Monat in direkter Erbfolge als Gesamtchef der Kronen Zeitung eingesetzt, wobei Christoph Dichand die „Krone Bunt“ noch mitmacht. Es ist eine eher koordinative Aufgabe, da die Beiträge großteils ohnehin von bezahlten Kolumnisten kommen, die auf Halde schreiben und zeitunabhängig Texte liefern. Das eigene Fotoarchiv, Mauritius, Buenos Dias, Corbis und Getty tun das Ihre zum hohen Bildanteil dazu. Daher hat die Krone Bunt bis heute keine eigene Redaktion, ja nicht einmal eine Telefonnummer.

Themenmischmasch ohne Zentrum

Die Krone Bunt ist ein Mischmasch an Themen und will ganz Österreich, alle sozialen Schichten und Interessen abdecken. Das Zusatzblatt ist nicht durchlesbar, aber manchmal schön anzuschauen, das muss man neidlos anerkennen. Warum es nicht durchlesbar ist? Die Themenbreite ist zu groß, die Auswahl beliebig. Die endlosen Serien über diverseste Habsburger-Könige und ihre Wehwehchen interessieren nur Rentner und Nostalgiker. Psychologie-Beiträge, die bestenfalls zum Partytratsch reichen, eine „Liebeskolumne“ von Gerti Senger, die nie aufhört aus der psychotherapeutischen Ordination zu plaudern. Evangelische Pfarrerinnen haben ebenso eine (wenigstens lesbare) Kolumne wie die katholische Fraktion in Person des Weihbischofs von Wien mit einem sehr unlesbaren und im wahrsten Wortsinn „gebetsmühlenhaften“ Sermon. Roland Girtler löste den verstorbenen Günther Nenning ab und tut ihm gleich, indem er über Wald und Wiesen schreibt und kein Mensch weiß, warum er gerade dieses Thema an diesem Sonntag bringt. Neuerdings gibt auch Stronach in „Franks Welt“ Einblick, die kurz zusammengefasst das zum Ausdruck bringt: Wer will, der kann.

Der Sonntags-Mantel ist ein brilliantenbesetzter. Dabei legt man offiziell doch so großen Wert auf die Trennung von Berichterstattung und PR. Peter Korrak, der Fotograf, einst Haus- und Hoffotograf von Hans Dichand und Werner Faymann erzählte dem Autor dieser Zeilen einmal 2009 dieses: Er machte 95 Titelseitenfotos für die „Krone Bunt“ und war in den 90er Jahren der Lieblingsfotograf von Hans Dichand. Pro Bild zahlte Dichand 2.000 bis 3.000 Euro, es gab für die in Szene gesetzten Aufnahmen ein Modell, einen Beleuchtungsassistenten und den Fotografen bezahlt. Am Ende waren die Fotos so gut, dass es 2002 sogar eine Vernissage mit den 75 besten Korrak-Fotos gab, an der auch Dichand persönlich teilnahm. Doch 2003 wurde Peter Korrak gekündigt.

Fotograf Peter Korrak hinausgeworfen

Er hatte einen Tourismusort im Ausland zu fotografieren und er verhandelte das Hotel für die Übernachtung direkt aus. Im Gespräch mit der Hotelkette wollte er ein gutes Fünf-Stern-Zimmer und sagte dem Hotel im Gegenzug eine gute bildliche Repräsentation in der Krone Bunt zu. Davon bekam Hans Dichand jedoch Wind und er war entrüstet. Dafür habe man die Anzeigenabteilung, einem Fotografen stehe nicht zu Nebenarrangements zu treffen. Korrak wurde entlassen. Er verdiente damals 10.000 bis 11.000 Euro im Monat, hatte das beste Equipement und machte reihenweise für die „Kronen Zeitung“ monatlich Fotos. Darunter auch die 95 Titelseiten für die Sonntagsmantel. Danach rasselte sein Verdienst gegen Null. Heute weiß er zu erzählen, dass für Fotografen der Markt tot ist. „profil“ zahlt 100 Euro pro Bild. Korrak macht nun einfallsreihe Sonderreihen (kürzlich war seine Ausstellung im „Kunsthistorischen Museum“ mit Politikerportraits) und nimmt auch für 150 Euro Kleinaufträge für die Nikon-Vollformatkamera an, um nicht aus der Übung zu kommen.

Blickt man heute in die „Krone Bunt“ (sagen wir Ausgabe 30. Mai 2010) finden sich neben drei allzu flüssig geschriebenen „Tourismusreportagen“ (eine über den Vierwaldstädtersee in der Schweiz, eine zu Wagram in Niederösterreich und eine über Kreta in Griechenland) in Summe 26 Werbeinserate in 4-Color von Reisebüros. Dafür dürfen die Journalisten nach wie vor auf Kosten des Hauses (entweder Krone oder das Reisebüro) dorthin reisen, die Tage genießen: Die Kohle für 26 Inserate nimmt der Chef. Gelegentlich kauft er aus dem Hamburger „Stern“ eine besonders gute Reportage einfach an und kleistert den Seitenrand mit Inseraten zu.

Krone Bunt treibt es manchmal zu bunt – § 26 MedienG verletzt

Der Sonntagsmantel „Krone Bunt“ ist voller Geld. Doch manchmal treibt man es zu bunt. Am 19. September 2010, kurz vor der Wien Wahl 2010 wollte man den Leser mit positiven Nachrichten aus Wien einkochen. Im Marmelade-Glas auf 32 Seiten: Berichte zu Vorhaben in Wien mit dem Titel „Eine Stadt zum Verlieben“. Darin stellten sich zwölf große Unternehmen vor. Die Texte kamen aus den PR-Abteilungen der Unternehmen und die „Krone Bunt“ kassierte für den Abdruck Länge mal Breite. Die Rede war von 30.000 Euro pro Seite! Macht ein Nettoinkasso für Hans Dichands Zeitung von 960.000 Euro. Vermittelt haben unter anderem Lobbying-Agenturen wie „Change Communication“ von Wolfgang Rosam und Dietmar Ecker.

Hinterher bestritten alle Seiten, dass Geld geflossen sei. Obwohl die Unternehmen folgender Persönlichkeiten prächtig dargestellt wurden: Generaldirektor Harald Nograsek (Verkehrsbüro, S. 2-3), Vorstandsdirektor Herbert Kaufmann (Flughafen Wien, S. 4-5), Vorstandsdirektoren Peter Malanik und Andreas Bierwirth (AUA, S. 6-7), Vorstandsvorsitzender Wolfgang Hesoun (Siemens Austria, S. 8-9), Generaldirektor Günter Geyer (Vienna Insurance Group, S. 10-11), Vorstandsvorsitzender Frank Hensel (REWE International, S. 12-13), Generaldirektor Hannes Ametsreitner (Telekom Austria, S. 14-15), Vorstandsvorsitzender Andreas Treichl (Erste Bank, S. 16-17), Generaldirektor Franz Kosyna (Donau Versicherung, S. 18-19), Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Strauß (Porr AG, S. 20-21), Genraldirektor Robert Lasshofer (Wiener Städtische Versicherung, S. 22-23), Entrepreneur Rene Benko (Signa Holding, S. 24-25), Mercer-Studie „Lebenswertes Wien“ (S. 26-27), SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl im Interview (Text und Fotos von Presseinformationsdienst der Stadt Wien – PID S. 28-31), „Lobende Stimmen zu Wien“ (12 Persönlichkeiten der Wirtschaft im Zitat, S. 32). Es blieb Kritik: Die Markierung § 26 MedienG (entgeltliche Einschaltung) fehlte. Der so genannte PR Ethik-Rat rügte, da das Advertorial nicht gekennzeichnet war und dem Leser verkauft wurde, es sei ein redaktioneller Beitrag über 32 Seiten. Auswirkung hatte das für die „Kronen Zeitung“ keine. Anzeige oder Privatanklage wurde keine gemacht. Der Staub legte sich wieder. Lobbyist Wolfgang Rosam regte sich kurz auf, dass er in den Dreck gezogen wird: Er habe nur seine Arbeit gemacht und seine Kunden in die Kronen Zeitung gebracht. Die Kronen Zeitung/WAZ regte sich gar nicht, daher auch nicht auf. Sie kassierte. Die großteils börsenotierten oder stadtnahen Unternehmen zahlten brav. Auch wenn sie hinterher dementierten.

Hauptsache Geldesel am Sonntag

Die „Krone Bunt“ ist tatsächlich der Geldesel der „Kronen Zeitung“ geworden. Der Spielraum in der bunt ummantelten Beilage ist größer als im Tageszeitungsteil, in dem die Ressorts reglementiert sind. Dominieren im Tageszeitungsteil die teuren Kleinanzeigen, die man mit dem Mikroskop lesen muss, fährt der Sonntagsteil halb- und ganzseitige Werbeflächen auf, die bis zu 50.000 Euro pro Seite kosten. Am Sonntag, wenn andere zur Kirche gehen oder bei Mutter im Bett liegen, macht die „Krone“ das wirklich große Geld.

Insoweit war die Erfindung der „Krone Bunt“ im Herbst 1990 ökonomisch für die „Kronen Zeitung“ schön. Am 28. April 1991 erschien die erste Ausgabe, die bis heute von anderen Zeitungen ansatzweise kopiert (Kleine Zeitung, Neues Volksblatt, Österreich), aber in der ökonomischen Intensität nie erreicht wurde. Inhaltlich brachte sie wenig Neues. Außer alle Jahre vor Weihnachten die Tierredakteurin Entenfellner am Cover der eigenen Zeitung.

Marcus J. Oswald (Ressort: Print, Kronen Zeitung)

Christoph Waltz ist Deutscher oder Österreicher und wirbt für T-Mobile

Posted in Kurioses by Pangloss on 7. April 2011

Christoph Waltz wirbt im deutschen Magazin FOCUS für die deutsche Telekom auf acht Druckseiten. (Source: Focus 14/2011, Dokumentationsarchiv Oswald DAO 1090)

(Wien, im April 2011) Nachdem am 7. März 2010 in Los Angeles die „Oscar“-Nacht gestiegen war, war die Freude groß, dass der „beste Schauspieler“ des abgelaufenen Jahres 2009 der Österreicher Christoph Waltz ist. Er spielte im Tarantino-Reisser „Inglourious Basterds“ den Nazi Hans Landa. Offenbar so eindrucksvoll und gesetzt, dass er die Trophäe bekam.

Danach hing in Österreich der Himmel voller Geigen. Wieder ein Oscar for Austria (nach Stefan Ruzowitzky 2009). Doch Ende 2010 kam auf, dass Christoph Waltz gar keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzt. Sondern eine Deutsche und eine Britische. Er lebte abwechslungsweise in London und Berlin.

Kein Österreicher

Dann ging die Kunde, dass er sich nun aber bemühen werde, dass er die österreichische Staatsbürgerschaft erhält. In österreichischen Zeitungen wurde bestätigt, dass auch die Wiener Behörden dem etwas abgewinnen können. Sie würden sich erbötig machen. Erfolgt ist das bisher noch nicht.

Für Robert Dornhelm, Österreicher in den USA, ist Christoph Waltz „ein Österreicher“. Er wurde kürzlich von einer Zeitung gefragt, warum? „Weil er aus einer Wiener Theaterfamilie stammt, aufs Reinhard-Seminar gegangen ist und hier seine ersten Filmerfahrungen machte.“ (Nebenbei: Unter anderem eine Folge von „Kommissar Rex“, in der er einen mörderischen Puppenspieler mimt).

Offiziell ist Christoph Waltz nach wie vor Deutscher und Brite. Wohnhaft ist er derzeit in Los Angeles. Indiz dafür, dass es offenbar mit der österreichischen Staatsbürgerschaft nie mehr etwas wird, könnte die neue Werbeserie mit Christoph Waltz sein. Mal ehrlich: Wenn jemand am Sprung ist, Österreicher zu werden und den guten Patrioten gibt, dann wirbt er für die Österreichische Telekom.

Werbeträger für Deutsche Telekom

Doch Christoph Waltz wirbt derzeit für die T-Mobile, also für die Deutsche Telekom. Er ist das neue Testimonial. Zu sehen der Wochenzeitschrift „Focus“ in Ausgabe 14/2011 am 4. April 2011 zwischen den Seiten 69 und 77 auf einer 8-Seiten Werbestrecke, darunter sechs Fotoseiten mit Waltz. Er kommt gut rüber mit seinem Charakterkopf. Er ist nach wie vor Deutscher und wird wohl nie mehr Österreicher. Denn die Verwundungen am Beginn seiner Künstlerkarriere im angeblichen Kulturland Österreich waren zu groß, die Stiche zu tief. Sie sind bis heute nicht verheilt, wie das Werbetestimonal für den Deutschen Marktführer belegt.

Ein solcher Werbevertrag wiegt im übrigen gut zwei Millionen Euro, je nach Laufzeit.

Marcus J. Oswald (Ressort: Kurioses)

Noah Falk auf Vaters Spuren – Werbefreies Fernsehen

Posted in Innovationen by Pangloss on 26. Oktober 2010

Der Sohn von Kurt Falk und der Herausgeber dieser Seite sind gleich alt: Der Unterschied liegt in 300 Millionen Euro Vermögen. Nun hat der Erbe einen Videorecorder auf den Markt gebracht.

(Wien, im Oktober 2010) Sein Vater war ein Genie. Er beschäftigte den Herausgeber dieser Seiten nie. Mehrere Bewerbungen in der „Ganzen Woche“, noch früher an die „Täglich Alles“, blieben unbeantwortet. Der Vater gehörte zu den drei Personen in Österreich, für die der Herausgeber dieser Seiten immer arbeiten wollte. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Leidenschaft. Es sollte nicht sein.

Er hatte zwei Söhne: Samuel und Noah. Diesen vermachte er sein Vermögen von geschätzten 650 Millionen Euro, als er im Jahr 2005 plötzlich starb. Er hinterließ – medientechnisch gesprochen – Großes.

Die Söhne

Man wusste lange nicht, wie Samuel und Noah aussehen. Es gab nie private Fotos von den beiden, was wohl mit dem gigantischen Vermögen des Vaters zu tun hat. Nun weiß man zumindest, wie Noah aussieht: Er hat Schneid. Aber auch etwas um die Rippen.

Noah zeigt sich nun offensiv mit seinem neuen, von ihm erfundenen Produkt. Es heißt „Big Blue“. Es ist ein digitaler Festplattenrecorder für den Endverbraucher-Haushalt. Damit kann man – hat man Satellitenschüssel – TV-Sendungen aufnehmen.

Die Werbung

Zurück zum Vater. Kurt Falk wurde mit dieser Legende bekannt und berüchtigt: „Coca Cola“ wollte die große Werbeplattform seiner Wochenzeitung „Ganze Woche“ nutzen und eine lange Inseratenserie schalten (man sagt zwölf Teile über das ganze Jahr). Das Volumen machte bei einem Inseratenseitentarif in der „GW“ von rund 40.000 Euro immerhin eine halbe Million Euro Schaltvolumen bei diesem Kunden aus. Doch Kurt Falk war dagegen. Er soll getobt haben, dass sich „Coca Cola“ erdreistet bei ihm zu inserieren. Er rief umgehend dort an und sagte der Produktmanagerin, was er von diesem „Gesöff“ halte: Nichts. Daraufhin ließ er die Cola-Automaten aus dem Verlagshaus „Arche Noah“ entfernen.

Der Videorecorder

Noah Falk hat einen Videorecorder entwickeln lassen. Dieser schneidet die Werbepassagen automatisch heraus. Das ist das Besondere am Gerät. Die Werbebranche ist skeptisch, geht es in der TV-Werbung doch gerade darum, dass die Werbung gesehen wird. Kaufanreize sollen entstehen, Zuschauer zu Block und Kuli greifen und morgen ins Geschäft gehen. Noah Falk ist dagegen.

Big Blue - Eine Erfindung von Noah Falk. (Foto: Logo)

Die erste Tranche ist versandfertig: 1.000 Geräte von „Big Blue“ stehen bereit. Das Stück kostet 298 Euro. Es wird fürs Erste im hauseigenen Medium in der Heiligenstädterstraße in Wien-Döbling beworben: Die Ganze Woche.

Damit man die ganze Woche Filme aus dem Fernsehen aufnehmen und werbefrei konsumieren kann. Auf der Festplatte stehen 500 GB zur Verfügung. Die Werbepausen werden sekundengenau ausgeblendet. Die seit Frühjahr 2008 nötige ORF-Digitalkarte ist eingebaut.

www.big-blue.at

Marcus J. Oswald (Ressort: Innovationen)

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