Medien und Kritik – Das Online Magazin

Zwei Konkurse im Medienbereich

Posted in Medienalltag by Pangloss on 15. September 2011

(Wien, im September 2011) Im Medienbereich gibt es zwei aktuelle Konkurse. Einer betrifft eine Zeitschrift, einer ein aufgeblasenes Webmedienprojekt.

Der Print und Publishing Verlag in der Rotenmühlgasse 11 (1129 Wien) ging im August 2011 in Konkurs. Die Zeitschrift gibt es seit 1989. Es sieht sich als „Magazin für Medientechnologie, Druck, Weiterverarbeitung, Papier, Sign & Werbetechnik sowie Business, Finanz und Management im Bereich digitaler und gedruckter Kommunikation“. Der lange Titel war immer ein wenig das Problem der Zeitschrift, die der Autor dieser Zeilen seit 1997 bezieht und daher kennt. Damals war der Autor dieser Zeilen ein Jahr erfolgreich Anzeigenleiter (Umsatzplus zum Vorjahr : 16 %) in der Konkurrenzzeitschrift „austropack“ und die Aufgabe bestand auch darin, Konkurrenzwahrnehmung zu betreiben. Im Sektor „Verpackungszeitschriften“ gab es in Österreich damals nur „Austropack“ als Platzhirsch, „Print und Publishing“ sowie „Kompack“. Das konkurrierende „Umweltmagazin“, das auch im Bereich „Verpacken, Fördern, Lagern“ fischte, wurde vom „Austropack“-Verlag sicherheitshalber aufgekauft. Aus Deutschland gab es noch die Zeitschrift „Creativ Verpacken“, die, für ein Industriefachmagazin sehr gut gemacht und geschrieben war, aber für den österreichischen Firmen-, Hersteller- und Vertreter-, daher Anzeigenmarkt keine direkte Konkurrenz war. Ebenso keine Konkurrenz war das deutsche Flaggschiff der Verpackungsbranche, „Neue Verpackung“. Der österreichische Markt der Verpackungs- und Lagerindustrie „wog“ damals – vom Autor dieser Zeilen ausgezählt – 999 Firmen (Hersteller und Generalvertreter), womit für ein Industriefachblatt pro Jahr durchaus etwas vom Marketingbudget abfiel, was zum Überleben reichte. Das war Stand 1997.

2011: Der „Austropack“-Verlag ist mittlerweile ein erfolgreicher Kleinverlag mit eifriger „Katalogproduktion“ für die Reed Messen und eigenen Zeitschriften. Der langjährige Redaktionsleiter Manfred Meixner, der wohl langsamste Burgenländer, hat sich jedoch 2010 mit einem eigenen Konkurrenzprodukt „Pack & Log“ abgespalten – und gleich den langjährigen Anzeigenleiter von „Austropack“ mitgenommen. Die Wiener Zeitschrift „Kompack“ hat aufgegeben. Die deutschen Blätter „Creativ verpacken“ und „Neue Verpackung“ leben noch. Diese Hefte sind im engen Markt der Verpackung, Förder- und Lagertechnik tätig und haben sich in diesen Nischen mit Fachinformation gut eingerichtet. „Print und Publishing“ am optisch höheren Pass zu den Themen wie Verpackungsdruck, Veredelung, digitale Techniken für Etikettierung und Barcodesysteme und ähnlichem schwamm in diesem Feld tapfer mit, ging aber tiefer in die Druckereitechnik und auf deren Maschinen (Heidelberg, MAN ua.) ein. Mit diesem Konzept ging man nun 2011 in Konkurs.

Textschwach

Das Heft stach stets durch aufwändige Titelseitenwahl hervor. Man brachte mit individuellen Papiersorten zum Ausdruck, was die Papierbranche und die Druckbranche leisten kann und ging mit Beispiel voran. Titelseiten im 6-color-System (Spezialfarben wie Gold und Silber) waren keine Seltenheit, gestochen scharf gedruckt, reflektierend, spiegelnd, alle Stückeln spielend. Im Heftinneren offenbarte sich jedoch die Schwäche der Industriefachpresse generell. Non-Autoren schreiben über Technik. Sie sind so fasziniert vom Gegenstand, der Technik, den Maschinen, dass sie ganz vergessen, das Thema schriftlich so darzustellen, dass man es „lesen kann“. Teilweise las man in der „P&P“ abgefunselte Presseaussendungen Technik verliebter Pressestellen von Mayr Melnhof oder Duropack, die seitenlang die Vorzüge der neuen Hartkartonagen in Röhrenform referierten oder Vertropack, die mit Liebe zum Detail Verschlussringe von Glasverbundgeweben (zu deutsch: Stöpsel für Flaschen) beschrieben. Die offenbar nicht geschulten „Redakteure“ der P&P malten das deckungsgleich ins Heft, und vergaßen, dass man das nicht lesen kann. Textlich blieb die „Print und Publishing“ streckenweise schwach, nimmt man einige Ausnahmen des ständigen Kolumnisten, der persönliche Erfahrung und schreiberische Farbe ins Heft brachte.

Das Konkursverfahren läuft seit 19. August 2011 unter der Zahl 6 S 111/11g am Handelsgericht Wien.

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Was haben die Burschen von Webfreetv.com AG in den 2000er-Jahren für einen Staub aufgewirbelt. Eine alte Medienweisheit sagt jedoch, dass es nicht reicht Staub aufzuwirbeln. Man muss auch Spuren hinterlassen. Das Internet wollte man revolutionieren. Prominente Finanziers stiegen an Bord.

Mike Lielacher

Die Gründer holten bald nach dem Start den „Wagnisfinanzierer“ Mike Lielacher in die Firma. Lielacher war dabei, weil er überall dabei ist, wenn es ihm taugt. Er wollte den Web-TV-Sender groß machen. Mitte der 2000-er sah er aber, dass das so einfach nicht läuft und er setzte den ehemaligen Organisator des „Abfangjäger-Volksbegehrens“ Rudolf Fußi als Vorstand ein. Doch auch dann blieben die Versprechungen und PR-Aussendungen größer als der Wert der Zeilen. 2010 wollte Lielacher den „Sender“ zurückhaben und es entstand ein Machtkampf mit dem Ergebnis, dass webfreetv.com am 1. November 2010 von der Wiener Börse genommen wurde. Der „Streit bei Webfreetv.com“, wie es das Fachmagazin „Extradienst“ in einem entsprechenden Artikel nennt, gipfelte im September 2010 in wechselseitige Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Wien. Zum Zeitpunkt lenkte bereits ein Jahr lang Alexander Vogel das Unternehmen, das 390.000 Euro Umsatz machte (lt. Extradienst).

Seither wird gegen vormalige und aktuelle Akteure wie Vorstände und Aufsichtsräte der „Aktiengesellschaft“ wegen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Betrug und betrügerischer Krida erhoben. Ergebnis:

Das Unternehmen, das in 7000 Eisenstadt in der Thomas Edisonstraße 2 und in 1050 in der Margaretenstraße 166 situiert war, einst hochfliegende Pläne hatte, aber in elf Jahren nie einen Gewinn schreiben konnte, soll 2.2 Millionen Euro Schulden haben.

Am 18. August 2011 wurde über das Unternehmen unter der Zahl 28 S 100/11a am Handelsgericht Wien der Konkurs eröffnet.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienalltag)

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