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Ehre von Walter Diego Vogel wiederhergestellt – KRONE verurteilt – 15.000 Euro Schadenersatz

Posted in Kronen Zeitung, Medienrecht by Pangloss on 1. September 2010

Erst war es nur amtlich, nun ist es öffentlich: Walter Vogel ist kein Killer. Es war eine Bildverwechslung in der Montagausgabe der Kronen Zeitung. Seine Ehre ist wiederhergestellt. Er bekommt eine Entschädigung.
(Fotoscan: Kronen Zeitung, 1. September 2010, S. 18)

(Wien, am 1. September 2010) Er strahlt bis über beide Ohren. Es ist eine Genugtuung für ihn. Er hat nichts gegen die „Kronen Zeitung“. Er liest sie selber. Doch es war ein Schock. Als er im friedlich gestimmten Advent 2009 am 21. Dezember 2009 die Montag-Zeitung am Frühstücktisch aufschlug. Er fand sich im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt am Bezirksgericht Hollabrunn abgebildet. Dazu folgender Wortlaut:

„Als Lebemann und selbsternannter Meister posierte der AHS-Lehrer Johann Peter P. gerne mit Frauen. – Nach seiner vierten Scheidung drehte der Verdächtige offenbar durch. Er griff immer öfter zur Bierflasche statt zum Pinsel und kam betrunken zum Unterricht.“

Walter Vogel war schockiert! Der ehemalige Wiener Sängerknabe, der noch in der Ära Tautschnig singen lernte, stieß ein gekonnt-ist-eben-gelernt Hohes C aus. Denn erstens ist er kein AHS-Lehrer. Zweitens war er nie verheiratet (hat auch keine Kinder). Er malt auch nicht. Und er trinkt nicht. VOR ALLEM: Er war noch nie am Bezirksgericht Hollabrunn und hat dort NIEMANDEN ERSCHOSSEN!

Kronen Zeitung war falsch im Bild

Die Kronen Zeitung hat sich mit der Bildzuschreibung geirrt. Walter Vogel ging zuerst den Weg des Konsenses: Er schrieb Chefredakteur Chistoph Dichand einen Brief und bat um Richtigstellung. „Auf Briefpapier meiner Firma“, wie er am 1. September telefonisch diesem Journal mitteilt. Seine seit 101 Jahren tätige Firma Vogel stellt seit der Monarchie kriminaltechnische Materialien her und vertreibt sie weltweit (den sogenannten „Tatortkoffer“; die Zeitschrift „Öffentliche Unsicherheit“ des Innenministeriums brachte erst im Dezember 2009 ein zweiseitiges Portrait über ihn). „Ich dachte, der Herr Dichand lädt mich zu einem kurzen Gespräch ein und wir regeln das mit einer kurzen Richtigstellung. Das hätte mir genügt.“ Allein: Christoph Dichand schrieb nicht zurück.

Dann wartete Vogel sechs Wochen ab und nachdem kein Ton, auch keine Entschuldigung brieflich eintraf, klagte er über seinen Salzburger Anwalt. Zeitgleich schrieb ihm der Wiener Neustädter Doyen der Neuropsychiatrie Dr. Pius Prosenz ein Dreiseiten-Gutachten, dass er nun psychische Probleme und Angstzustände auf der Straße habe, dass ihn jemand als „Mörder“ anspricht. Dann ging es in ein Medienverfahren.

Erstinstanz sprach 15.000 Euro zu

Am 8. April 2010 pokerte Anwalt Michael Rami vor Richterin Birgit Schneider hoch – und er verlor. Er bot seitens der „Kronen Zeitung“ eine Entschädigung an: 3.000 Euro. Vogels Anwalt, Konsul (von Peru) Dr. Ägydius Horvatits, lehnte das als unzureichend ab. Michael Rami hatte aber – wie immer – „kein Portefeuille“ und wollte nicht „über die Schmerzgrenze“ gehen. Daher ging es in die nächste Instanz. Die „Kronen Zeitung“ erhob gegen die verhängten 15.000 Euro Berufung.

Die Berufung fand am 25. August 2010 am Oberlandesgericht Wien statt. Der Berufungssenat bestätigte das Ersturteil, das rechtskräftig lautet: 15.000 Euro Entschädigung an Walter Vogel, Kosten für den Konsul von Peru mit An- und Abreise von und zu Salzburg, Gerichtskosten an zwei Gerichten, sowie Gegendarstellung in der Zeitung, die nun heute, am 1. September 2010 erfolgte. (Das falsche Bild kostete somit: rund 30.000 Euro.)

Nahe an Playboygrenze

Walter Vogel ging es nicht ums Geld. Er wollte es amikal lösen und hätte sich mit einem Brief von Hans oder Christoph Dichand zufrieden gegeben. Der Unternehmer, der die Tatortkoffer zusammenstellt und in alle Welt exportiert, ist 51 Jahre alt und stand erst gestern, Sonntag, wieder bis Mitternacht in der Firma, um neue Sets versandfertig zu machen. Er arbeitet und hat ein dauerhaftes Geschäft, von dem er leben kann. Zudem wurde er außergerichtlich gerade am 30. Juni 2010 von der Republik Österreich mit exakt 500.000 Euro entschädigt, wovon ihm 351.000 Euro überwiesen wurden (den Rest, 150.000 Euro behielt die AdvoFIN als Anwaltshonorar). Er hatte rund um LehmannBrothers und Meinl an einer Sammelklage teilgenommen, die im Vergleich endete.

Mit der ausgesprochenen Medien-Entschädigung gegen die „Kronen Zeitung“ liegt Walter Diego Vogel nahe an der Playboy-Obergrenze (20.000 Euro), die das österreichische Recht bei Mediendelikten vorsieht. Zuletzt wurde am Landesgericht Wien bei „Grasser gegen BILD“ in die Vollen gegriffen. Grassers Anwalt Michael Rami erstritt zwei Mal 20.000 Euro Höchststrafe für veröffentlichte Privatfotos vom Badeurlaub in der Badehose in der „Bild“ Zeitung und auf „Bild“-Online.

Kein Pardon bei harten Vorwürfen

Auch abseits der Jetset-Szene kennt das Wiener Gericht bei Falschberichterstattung keinen Pardon, wenn Betroffenen massive Dinge vorgeworfen werden. Vergleichbare und nichtvergleichbare Ersatz-Summen:

Remigius Rabiega, Sozialpädagoge aus Sankt Pölten, erstritt (mit Anwalt Michael Rami) im Juni 2010 von der Zeitung „Österreich“ für einen einzigen Kurzbericht 12.000 Euro (Print), sowie 6.000 Euro für den gleichen Bericht (Onlineportal), in Summe also 18.000 Euro, da man ihm Kindesmissbrauch vorgeworfen hatte. (Link folgt!)

Repic, der Zopf hingegen erstritt mit Anwalt Andreas Duensing für die publizierte Behauptung, er sei in U-Haft gesessen, am 8. Juli 2010 von „Österreich“ (Print und Online) nur je 500 Euro und von der „Kronen Zeitung“ nur 750 Euro, sowie am 28. Juli 2010 von „News“ für die Behauptung, er sei „die rechte Hand von Richard Steiner“ 1.200 Euro.

Man merkt, es gibt Abstufungen im Medienrecht: Schwere und sehr ferne Behauptungen (Kindesmissbrauch, Mord) werden, so sie falsch berichtet und zugeordnet werden, HART bestraft. Schwere, jedoch nicht ganz fernliegende Behauptungen werden MILDE bestraft. Das Medienrecht bleibt konsequent und abwägend.

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Recommended:
Fall Hollabrunn – Kronen Zeitung mit Bildverwechslung – Falscher Täter in Montagausgabe (22. Dezember 2009)

Marcus J. Oswald (Ressort: Kronen Zeitung, Medienrecht)

Fall Hollabrunn – Kronen Zeitung mit Bildverwechslung – Falscher Täter in Montagausgabe

Posted in Kronen Zeitung by Pangloss on 22. Dezember 2009

Walter Vogel, wie so oft in Begleitung einer hübschen Frau, die nicht die seine ist. (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien/Korneuburg, im Dezember 2009) Zunächst einmal stieß der Artikel über den Fall Hollabrunn dem Leser mächtig auf. Wenn in der Montag-Ausgabe der „Kronen Zeitung“ (21. Dezember 2009) die Anwältin Kristina Köck sagen darf, dass die beim Schussattentat zu Tode gekommene Rechtspflegerin „eine Freundin“ von ihr war, lässt das tief in die Gewaltenteilung im österreichischen Rechtsstaat blicken.

Ein Rechtspfleger hat „Richterstatus“ und wenn eine Anwältin sagt, dass eine Richterin eine „Freundin“ zu ihr ist, muss man sich vor solchen Seilschaften in Acht nehmen.

Mann mit Hut nicht gleich Mann mit Hut

Es geschah dem Krone-Journalisten Christoph Matzl aber noch ein Fehler, der etwas Schwerer wiegt. Man präsentierte ein Foto eines Mannes mit Hut. Dieser Mann mit Hut ist aber nicht der Schütze im Bezirksgericht Johann Peter Preiss, sondern Walter „Diego“ Vogel. Dieser ist nun empört, dass er im Umfeld des Tötungsgeschehens gezeigt wird.

Walter Diego Vogel am Nationalfeiertag 2008 vor dem Casino Wien. (Foto: Marcus J. Oswald)

Wer ist Walter „Diego“ Vogel? Nur die wenigsten kennen ihn. Das Journal war eine Zeitlang öfter mit ihm aus: Bei der Eröffnung der Langen Nacht der Museen (2008) im VIP Bereich, im Leopold Museum, einmal im Casino Wien Kärntnerstraße bei einer Vernissage. Walter Vogel ist vor allem: Ein Adabei. Er ist zweitens ein Erbe eines Kleinunternehmens, das Tatortkoffer zusammenstellt und weltweit exportiert. Er ist drittens durchaus wohlhabend – aus dem Erbe der väterlichen Firma. Er ist ferner viertens massiver Geschädigter durch die Lehmann Brothers (160 Jahre Staatsbank in den USA und dann Exitus, er verlor 150.000 Euro allein bei angeblich sicheren „Staatsanleihen“), durch Julius Meinl MEL und AWD – in Summe 2008 rund 600.000 Euro verloren. Er ist fünftens deshalb aber nicht traurig, weil er noch immer etwas auf der Seite hat. Er ist sechstens ein Womanizer, der stets mit hübschen, durchaus auch russischen Begleiterinnen unterwegs ist. Er ist siebtens ein wandelndes Lexikon, der viel weiß und gesprächig ist und er ist achtens nun sehr, sehr böse auf die „Kronen Zeitung“, da er in falschem Zusammenhang genannt wurde und plötzlich als „Mörder“ dasteht. Er will das Kleinformat klagen.

Walter Diego Vogel trägt zwar wie viele Leute in der Kunstbranche einen Hut, ist aber deswegen nicht mit Johann Peter Preiss zu verwechseln.
(Foto: Unbekannte am 26. Oktober 2008, 23 Uhr 27)

Der Mann, der in Favoriten wohnt und aus gutem Grund einen eleganten Hut trägt, hat nun durchaus Aussichten auf eine Entschädigung. Man wird sehen, wie er sich mit der Zeitung einigt.

Bei weiterem Interesse:
Der „Kronen Zeitung“-Artikel vom 21. Dezember 2009 (Scan, 2x DIN A 4) – mit falschem Täterbild

und

Der wirkliche Johann Peter Preiss.

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(1. September 2009)

Marcus J. Oswald (Ressort: Kronen Zeitung)

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