Medien und Kritik – Das Online Magazin

Österreich die teuerste Tageszeitung Österreichs

Posted in Oesterreich, Print by Pangloss on 11. Juli 2011

(Wien, im Juli 2011) Der selbsternannte Zeitungszar in der Donaumetropole Wien, Wolfgang Fellner, hat nicht nur einen wahren Familienclan in seinem Medienunternehmen „Österreich“ installiert, das auf Pump und mit einem Raiffeisen-Kredit 2006 eröffnet wurde: Neben ihm als Herausgeber, seiner Frau als Chefredakteurin der Madonna-Beilage, seinem Bruder als Finanzverwalter und seinem 26-jährigen Sohn als „Mitglied der Chefredaktion“. Blut ist in diesem Unternehmen dicker als Wasser. Was nie gut für objektive Belange und Arbeitssituationen ist.

Blut dicker als Wasser

In Unternehmen, in denen zu viele Verwandtschaftsbande herrschen, Vetternwirtschaft über Verstand regiert, kommt am Ende nur heraus, dass sich einige die Säcke vollstopfen und andere mit dem Kollektivvertrag abgespeist werden. Zeitungsmachen wie es Wolfgang Fellner sieht, unterscheidet sich nicht viel vom Regime in Libyen, in dem sich acht Familienangehörige ein ganzes Land aufgeteilt haben. Der Unterschied ist: Wolfgang Fellner hat nur vier Kinder, mit Frau und Bruder ist man zu Siebt. Sein Sohn mit Namen Nikolaus darf neuklug in der Fachzeitung „Der Österreichische Journalist“ denn auch schon auf Saif (al-Gaddafi) machen, und, gerade einmal medien- und lebensunerfahrene 26 Jährchen alt, aber mit Passfoto und Unterzeile „CR 0e.24.at, Mitglied der Chefredaktion“ sagen: „Unser Ziel ist es, dass wir die Krone vom Thorn stoßen und zur größten Tageszeitung Österreichs werden.“ (DÖJ, 5-6/2011, S. 38)

Ein Ziel hat man mit der Zeitung „Österreich“ indessen schon erreicht. Man hat das zweifelhafte Ergebnis erreicht, die teuerste Tageszeitung zu verkaufen, die es in österreichischen Kiosken gibt.

Samstag „Österreich“ – 34 Schilling 50

Seit 2. Juli 2011 kostet die Samstag-Ausgabe von „Österreich“ 2 Euro 50. Ab diesem Samstag erhält man „Österreich“ nicht mehr wahlweise „ohne Madonna“ oder „mit Madonna“, sondern nur mehr „mit Madonna“. Kurz-Kommentar des Trafikanten, der diese traurige Nachricht macht: „Österreich gibt es ab heute nur mehr mit Madonna. Um 2 Euro 50.“ Kunde: „Das ist aber schon viel. In alter Währung sind das 34 Schillung 50.“ Trafikant nickt mit Nachsatz: „Für dieses Käseblattl.“

34 Schilling 50. Damit ist „Österreich“ die mit Abstand teuerste Zeitung aus österreichischer Produktion. Im Vergleich die anderen Tageszeitungen am Samstag:

  • Kronen Zeitung (Samstag, 2. Juli 2011) – 1 Euro
  • Neues Volksblatt (Samstag, 2. Juli 2011) – 1 Euro
  • Kurier (Samstag, 2. Juli 2011) – 1,20 Euro
  • Oberösterreichische Nachrichten (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 1,60 Euro
  • Wiener Zeitung (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 1 Euro
  • Salzburger Nachrichten (Samstag, 2. Juli 2011) – 1,80 Euro
  • Kleine Zeitung (Samstag, 2. Juli 2011) – 1,20 Euro
  • Wirtschaftsblatt (Freitag/Samstag, 1./2. Juli 2011) – 2,00 Euro
  • Die Presse (Samstag, 2. Juli 2011) – 2,00 Euro
  • Der Standard (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 2,00 Euro

Vergleiche mit ausländischen Zeitungen, die der Autor ebenso täglich bezieht:

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (Samstag, 2. Juli 2011) – 3,10 Euro
  • Neue Zürcher Zeitung (Samstag/Sonntag, 2./3. Juli 2011) – 2,60 Euro
  • Handelsblatt (Freitag/Samstag, 1./2. Juli 2011) – 2,90 Euro
  • The Times (Freitag, 1. Juli 2011) – 4,80 Euro

Bei Auslandzeitungen gibt es krasse Unterschiede zum Preis am Herstellungsort, der durch Shippinggebühren (Flugpost) zustande kommt. Bei deutschen Zeitungen macht es sich wenig bemerkbar. FAZ kostet in Deutschland 2,20 Euro, in Österreich 3,10. Handelsblatt kostet im Herstellerland 2,30, in Österreich 2,90. Die NZZ ist gnädig und gibt keinen Aufschlag: Die beinahe älteste Zeitung der Welt (gegründet 1780) kostet im österreichischen Ausland 2,60 Euro. Jedoch ist es Bankgeheimnis, was sie in der Schweiz kostet. Die Schweiz hat den Schweizer Franken. Den größten Preissprung hat die „Times“, die laut Ansicht des Autors beste Zeitung der Welt. Diese Zeitung hat Klasse und ihren Preis: 1 Pfund kostet sie in England, 4,80 Euro täglich in Österreich. Im Archiv dieser Webseite stehen mittlerweile zwei komplette Jahrgänge Dokumentation des Tagesgeschehens im britischen Empire. 4 Euro 80 sind allerdings in alter Währung: 66 Schilling für eine Tageszeitung! Aber: Was für eine. Vor deren Berichten geht man manchmal in die Knie, weil sie so umfassend gedacht und gut geschrieben sind. Es zahlt sich aus, zu investieren. Notiz am Rande: Der Autor dieser Zeilen versuchte lange, in Wien die „New York Times“ zu beziehen und er bekam von beiden Zeitungsauslieferern, die in der Alpenrepublik den Markt zerteilen (Valora und Morawa), die Information, dass es leider unmöglich ist, die „NY Times“ in Papierausgabe in Österreich zu kaufen, da sie nicht nach Österreich ausliefert. Dann eben nicht.

Eitelkeit

Zurück zu Fellner: Er sieht sich im narzisstischen Selbstbild als ungemein wichtiger Zeitungsmann und Herausgeber. Liest man jedoch seine schwammigen Glossen, stillosen Herausgeberbriefe, hingefetzten Banalitäten, das Mittagspausengeschreibsel, verblasst der Wille zur Vorstellung, dass er ein großer Zeitungsmann ist. Es fehlt an vielem: Bildung, Gelassenheit und kühle Einschätzungsgabe. Er will seit Jahren in die Speichen der Innenpolitik im kleinen Land Österreich greifen. Dazu schreibt er die Kolumnen „Das sagt Österreich“, meint damit ganz Österreich (das ist seit fünf Jahren der running gag, dass Zeitungsname gleich Land sei) und er meint am Ende doch nur sich selbst. „Das sagt Wolfgang Fellner“ müsste die Kolumne heißen. Doch da Wolfgang Fellner nur eine Person ist, Einzahl und Punkt, macht er eine Über- und Mehrzahl draus, den großen Kreis, den majestätischen Plural.

Imitation

Er imitiert damit sein Vorbild. Franz Schuh schrieb zu Hans Dichand vorwurfsvoll, dass der mit der „Kronen Zeitung“ eine „Scheinverantwortlichkeit für eine ganze Nation“ suggeriere. Dabei weiß man: Je tiefer die Felgen gelegt, umso lauter die Motoren. Oder mit dem 90-jährigen Staberl, ein Freund radikaler Erkenntnisse: „Wer’s nicht im Hirn hat, hat’s unter der Motorhaube.“ Feiner gesagt, mit Erich Kästner: „Man soll nicht so tief sinken, um aus dem Kakao, durch den man zieht, auch noch zu trinken.“

Wolfgang Fellner sieht sich als Freigeist ohne Eintrittskarte in die Geisteswelt. Wer überall freien Eintritt hat, hat noch nicht das Recht, zu allem zu sprechen, so er sich vorher nicht ausreichend mit Materien befasst hat. Die „Scheinverantwortlichkeit für eine ganze Nation der Kronen Zeitung“, die Franz Schuh einst an Hans Dichand kritisiert hat, lässt sich nach fünf Jahren „Österreich“ auf Wolfgang Fellner umlegen. Er fühlt sich aus einem nicht näher definierten Antrieb zu allem und gegen alles berufen. Er ist ein Mann, der nie im Parlament zum Zuhören saß, aber er schreibt über das Parlament. Er ist ein Mann, der nie im Gericht zum Zuhören saß (und der auch die Abläufe bei Gericht überhaupt nicht kennt), aber er schreibt kommentierend über Justiz. Er ist ein Mann, der nie im Fussballstadion zum Zuschauen sitzt, aber er schreibt über Fussball. So forderte er kürzlich in seinen versprühten Weisheiten „Das sagt Österreich“ (präziser: „Das sagt Wolfgang Fellner“), dass Rapid Wien den Fan-Sektor „Block West“ handstreichartig auflösen müsse, damit Fussball ein „Familiensport“ werde. Fellners fortgesetzte Tag- und Nachträume.

Fehlende Substanz

Seine Kommentare zu politischen Themen zeigen nahezu täglich, dass er wenig Ahnung hat, worüber er schreibt. Er schreibt dennoch darüber, obwohl er es so tut, dass ihn niemand anstellen würde. Müsste er sich bewerben, würde jeder sagen: Zu wenig Qualität. Da er eigene Medien betreibt, muss er sich nicht bewerben.

Dafür legt er den satten Preis fest. Die Zeitung „Österreich“ kostet nun am Samstag 2 Euro 50 oder 34 Schilling 50. Denkt man zurück: Was hätte man vor zwanzig Jahren um 34 Schilling 50 an einem Samstag alles gekauft? Ganz sicher nicht eine Zeitung eines Mannes, der im Jahr rund 1.5 Millionen Euro in großteils verlorene Prozesse nach Unlauterem Wettbewerb und Medienrecht mit teilweise desaströsen Ersatzsummen verliert – was kein Qualitätsstandard ist.

Sein neuer Geschäftsführer Oliver Voigt darf viele Phrasen dreschen. Wie in der Fachzeitung „Der Österreichische Journalist“ (DÖJ, 5-6/2011, S. 64ff.), wo er davon spricht: „Wir haben das Glück des Tüchtigen.“ Voigt darf schon wieder ein nichtssagendes Interview geben, hört sich nach wie vor gern reden und meint, alle Welt mit seinen Mannheimer Weisheiten einwickeln zu können. Mit keinem Wort erwähnt er übrigens, dass seine Zeitung am Samstag in Österreich das teuerste Tageszeitungsprodukt ist, das verkauft wird. Schlechte Nachrichten passen eben nicht in die Fellnersche PR-Mühle.

Marcus J. Oswald (Ressort: Print, Österreich)

Wolfgang Höllrigl wird Österreich verlassen und dann bei HEUTE dienen

Posted in Heute, Print by Pangloss on 8. Juni 2011

Sitzt seit 1. September 2006 als Spielführer (Kapitän) am Chronik-Ruder der Zeitung Österreich. Verhandelt derzeit einen Wechsel zur Zeitung Heute: Wolfgang Höllrigl, 57.

(Wien, im Juni 2011) Der Mann ist 57 Jahre alt, mit allen Wassern gewaschen und von allen Wassern geheilt. Er hat eigentlich nichts gelernt, ist seit seinem 20. Lebensjahr Vollblut-Reporter und mischte daher seit 1975 immer in (damals) interessanten Medien mit. Später, seit den frühen 80-er Jahren, an vorderster Front.

So ist das: Manche sind im Medienbereich geborene Hilfsarbeiter und bleiben es ein Leben lang, weil sie hilfsbereite Menschen sind. Andere sind die geborenen Vorarbeiter auf den Großbaustellen des Weltgeschehens. Wolfgang Höllrigl ist der geborene Polier. Seit dreißig Jahren „schupft“ er Medien, handelt sich stets gute Verträge aus, hat aber, obwohl Polier und Führungsspieler, nie aufgehört, selbst zu schreiben.

Das ist das Geradlinige an ihm, das vielen Journalisten heute fehlt. Die Schlimmsten im Mediengewerbe sind ja die „non-writing“-Führungspersonen. Das sind die, die man meist im Anzug (zumindest: Anzughose) sieht. Die sich kaum von einem Trader der Unicredit-Bank unterscheiden, die zu Medienkongressen fahren und dort mit am Nacken festgeklebten, hautfarbenen Mikros dem Publikum das Medienmachen erklären. Die die „Moral“ hochleben lassen – und im Kongresshotel mit der Assistentin schnackseln. Das sind die Schlimmsten, denn sie haben die Gabe andere zu täuschen, um ihren Mehrwert zu holen. Diese Leute reden über Journalismus, ohne in ihrer ganzen Karriere einen geraden Satz geschrieben zu haben. Auch nicht im Bewerbungsschreiben. Denn sie bewarben sich nicht. Vitamin B reichte.

Drei Jahrzehnte Schreibleistungen

Wolfgang Höllrigl ist derzeit noch Chronik-Chef der Zeitung „Österreich“. Er wird aber zur Zeitung „Heute“ wechseln. Derzeit „verhandelt“ er. Und er muss gut verhandeln. Er ist 57 Jahre alt. Das Phänomen seiner Leistung besteht in der langen Wegstrecke, die er zurückgelegt hat. Erinnert man sich an seine frühesten Leistungen zurück, waren das tatsächlich Schreibleistungen.

Seine frühen Artikel 1976 im „Profil“ gehören zum Aufregendsten, was je in Österreich geschrieben wurde. 1978 trat er, damals schon beim „Kurier“, unbeugsam eine Polizeiaffäre rund um den Fall Heinz Bachheimer los (der soll von der Polizei verschont worden sein und habe den Polizeifunk abgehört.) 1979 war er im Gründungsteam des WIENER (Monatsmagazin der GGK rund um Hans Schmid), das er in über zehn Jahren Chefredaktion zu einer Perle großstädtischen, unangepassten Recherchejournalismus machte. So manche Artikel zogen Klagen nach sich, was auch zeigte, dass man sich bemühte. Danach war er bei Schilling-Milliardär Kurt Falks „Ganze Woche“ engagiert und etwas später, um 1997, sollte er für Falks „Täglich Alles“ 12 Geschichten pro Monat schreiben, für die satte Gage von etwa 180.000 Schilling monatlich (kolportierte Summe). Danach wurde er rund fünf Jahre Chefredakteur des ORF-Fernsehmagazins „Vera“, der Nachfolger von Wolfgang Prinz. Ab 2005 war er im Projektteam rund um die Tageszeitung „Österreich“ dabei, die am 1. September 2006 startete. Der ehemalige Kettenraucher, der gesundheitlich fit ist, aber kaum mehr auf Festen zu sehen ist und leiser tritt, betreut das Herzstück der Tageszeitung: Die Chronik.

Seit dreißig Jahren im „Blood ’n‘ Crime“-Sektor

Jeder, der ihn kennt, fragt sich: Wie kann man dreißig Jahre lang im Sektor „Blut und Blech“, also im Mediensektor „Sex, Crime, Gewalt, Gericht“ arbeiten, ohne selbst daran zu Schaden zu nehmen? Wie schafft man es, so lange Zeit Schlagzeilen zu den abnormsten Ereignissen des Lebens zu produzieren? Die Antwort darauf ist: Professionalität. Diese Haltung schafft Distanz und Freude durch sprachliche Nähe.

Der Autor dieser Zeilen schrieb einmal über ihn: „Er ist ein „Geschichtendenker“. Er gehört zu einer Generation Journalisten, die eine Geschichte noch durchdenken, bevor sie den ersten Satz schreiben. Und wenn sie den ersten Satz geschrieben haben, kennen sie den letzten schon. Solche gibt es wenige.“

Erkennbarer Stil

Das Bauprinzip ist erkennbar. Man erkennt seinen Stil, ohne seinen Namen zu lesen nach drei Sätzen. Es sind etwas längere Sätze, etwas mehr färbende Eigenschaftswörter, kompaktere Absätze. Es ist der alte Nachrichtenmagazinstil der 70er-Jahre, den er nicht verlernt hat und der immer wieder durchscheint.

Auch wenn es in „Österreich“ war. Das Projekt „Österreich“ sollte ein neues Projekt werden und es erfüllte die Erwartungen nicht. Höllrigl war nun fünf Jahre dabei und das neue kommende Projekt in Wien ist die Zeitung „Heute“. „Heute“ gewinnt allmählich an Struktur und wird nach und nach eine richtige Zeitung. Aus der ehemaligen „U-Express“ des seligen Hans Dichand entsprungen, findet man dort Gefallen daran, dass man an Reichweite, Tagesleser, Zugreifer, Hineinschauer schon gut und gern 800.000 Personen täglich erreicht. Das war vor zwei Jahren noch nicht so. Mit diesem Potenzial wächst das Selbstvertrauen, dass die Richtung der Zeitung stimmt.

Rahmenbedingungen bei „Österreich“ wurden schlechter

Höllrigl ließ schon vor einem halben Jahr durchklingen, dass er bei „Österreich“ aufhören wolle. Entgegen der Berechnungen von Focus Marketing Research, die „Österreich“ hohe Umsatzzahlen attestiert, hat er den Eindruck, dass redaktionell gespart wird, was die Qualität der Arbeit drückt. 2010 verließen einige Journalisten „Österreich“ (etwa Florian Lems) und es wurde in Schlüssel-Ressorts nicht in adäquater Qualität nachbesetzt. Das „Chronik“-Ressort ist ein Schlüssel-Ressort: Es ist jener Teil, der das pralle Leben der Ungemütlichkeiten umfasst, nämlich das Exekutiv- und Justizgeschehen, die Verbrechensthematik in der ganzen Breite und es ist ein zentraler Bestandteil jeder Massenzeitung. Umfragen ergeben seit Jahrzehnten, dass das (nach dem Sport) der meistgelesene Teil einer Tageszeitung ist. In diesem Schlüssel-Ressort hat „Österreich“ den Instinkt verloren und gespart. Helmut Fellner ist ein Typ Herausgeber, der offen sagt, dass in seiner Zeitung nicht über Kindesmissbrauch und Vergewaltigung und entsprechende Justizfälle berichtet werden darf. Weil er es nicht will.

„Heute“ hingegen will aufrüsten. Eva Dichand sucht derzeit Mitarbeiter in den Bereichen „Kultur“, „Chronik“. Sie wird auch in den Bereichen „Politik“ ausbauen müssen, da Wien der Wasserkopf Österreichs mit dem meisten politischen Geschehen ist. Will man es Tag für Tag, Woche für Woche seriös und solide abdecken, braucht man Personal.

Qualität und Umfang von „Heute“ stiegen

Der Umfang der Zeitung „Heute“ wuchs in den letzten Monaten merklich an. Es wurde seitenstark. Bald wird es eine richtige Zeitung. Noch keine Londoner „Times“, aber vielleicht eine bessere, jüngere „Kronen Zeitung“. Erste Anzeichen gibt es und es braucht noch etwas Zeit.

Wolfgang Höllrigl ist bald 58 Jahre alt. Als Journalist wird er nie aufhören. Er ist einer, der mit 70 noch im Gerichtssaal sitzt. Einer, der darauf vertraut was er sieht und glaubt, dass der Satz von Matt Drudge richtig ist (ein Amerikaner), der einmal sagte, dass Journalisten nicht im Anzug spazieren gehen sollten, sondern „dahin gehen müssen, wo es stinkt.“ Auch wenn man Geruch in einer Zeitung nicht vermitteln kann. Den Leser interessiert, wo es stinkt und warum. Alles andere steht zwar auch in der Zeitung: Das nennt man aber Lobbying und PR.

Fehlt noch Heinz von Saanen für Ressort Wirtschaft

Im übrigen: Mit dem neuen Chefredakteur (Politik) Wolfgang Ainetter hat sich die Zeitung „Heute“ verbessert und versachlicht. Mit Wolfgang Höllrigl als Chronik-Leiter würde ein weiterer inhaltlicher Schub folgen. Dann müsste die Verlegerin Eva Dichand nur noch Heinz van Saanen als Leiter des auszubauenden Ressorts Wirtschaft engagieren und das Dream Team an erfahrenen Leitungskräften wäre perfekt. Das wären die Poliere auf der Hochbaustelle „Heute“. Die Arbeit machen ohnehin die Hilfsarbeiter.

Marcus J. Oswald (Ressort: Print, Heute)

Österreichische Zeitungen verdienen Millionen Euro

Posted in Medienalltag by Pangloss on 24. Dezember 2010

In Österreich nahmen Printmedien zwischen Jänner und Oktober 2010 1 Milliarde 346 Millionen Euro Werbegeld ein. Ein nur minimaler Anteil ist die Presseförderung. Der Großteil kommt vom Leser und vom Werbekunden. Trotzdem und überraschend gibt man sich nicht zufrieden und zahlt mieserable Löhne.

(Wien, im Dezember 2010) Über den Wert der Zeitungen lässt sich streiten. Der Herausgeber dieses Journals bezieht in der Woche rund 90 Printprodukte, im Monat rund 350 Stück. 12 Tageszeitungen und allerlei Fachpressen und Spezialausgaben der diversen gesellschaftlichen Gruppen.

Man kann sagen, dass eine Gesamtgesellschaft so aussieht: Es gibt Personengruppen und Interessensgruppen, die, populärsoziologisch gesagt, horizontal wie auch vertikal in Stoßrichtungen auftreten. Jede Personen- und Interessensgruppe will sich entschlossen präsentieren. Dazu eignet sich eine regelmäßig erscheinende Zeitung.

In der „Horizontale“ gibt es in Österreich bundesweite Tageszeitungen und Landeszeitungen, die die breite Fläche im groben Raster abdecken. Dazu kommen thematisch überregional aufbereitete und bundesweit ausgesandte Fachzeitschriften. Die Fachzeitung des „Offiziersverbandes“ will natürlich „alle“ Offiziere des Bundesheeres erreichen, egal ob sie in Rust oder in Bregenz wohnen. Die Zeitschrift „Ski Austria“ des ÖSV will alle „Sport-Insider“ in ganz Österreich erreichen. Neben horizontalen Fachzeitschriften, die das ganze Bundesgebiet abdecken wollen, gibt es vertikale Fachzeitschriften, die nur ein begrenztes Leserpotential haben. „Der Laubfrosch“, die Fachzeitschrift zur Umwelttechnik, erreicht wenige Leser, weniger als die „DHK Aspekte“, die Fachzeitschrift der Deutschen Handelskammer in Österreich oder die „INFO“, das Magazin des Wissenschaftsfonds.

Dreidimensionale Achsen

Grundsätzlich ist es Kennzeichen einer offenen Demokratie, dass es neben Veröffentlichungen in der horizontalen Fläche (gesamtösterreichischer Vertrieb) auch Veröffentlichungen in der vertikalen Tiefe (regionale Begrenzung in Thema und Vertrieb) gibt. Es ist spezielles Kennzeichen einer offenen Demokratie, dass die Veröffentlichungen in der vertikalen Tiefe jenen in der horizontalen Fläche widersprechen können. Das pure Gegenstück wäre die staatlich gelenkte Presse in einer Diktatur oder auf einer Militärinsel, auf der es gleichgeschaltete Einheitsmedien gibt, keine regionalen Fach- und Vereinspressen oder gar (!) gesperrte Webseiten. Zur Erweitertung der horiziontalen Landespresse in der Kreuzung mit der vertikalen Fachpresse kommt die internationale Ebene hinzu. Orte, die auch internationale Presse anbieten, werden als besonderer Segen gesehen. So gelten Städte als besonders liberal im Sinne der Informationsfreiheit, die ein reichhaltiges Angebot an gemischtsprachigen Zeitungen anbieten.

Managergagen

Genug Modellbau und Abstraktion. Ein Wort zum Geld. In Österreich verdienen Zeitungen eine Stange Geld. Interessant ist das insoweit, weil immer beklagt wird, dass das nicht so ist und zum anderen kaum neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Bezahlungschemata sind unter jeder Kritik für den Aufwand, der betrieben werden muss. Man stellt sich die Frage: Wo fließt das Geld der Einnahmen hin? Fachmagazineur Christian W. Mucha lässt sich in regelmäßigen Abständen mit neuen Ehefrauen und neuen Villen in befreundeten Magazinen ablichten. Die Dichands reden notorisch nicht über Geld. Die Fellners beteiligen sich dort und da und sagen nicht, was sie verdienen. Die Köpfe der Medien: Sie verdienen gut. Oscar Bronner (Der Standard) sagte schon vor zehn Jahren, dass er ein Jahresgehalt von 300.000 Euro bezieht. Der einstige Geschäftsführer der News-Gruppe Rudi Klausnitzer bezog rund 500.000 Euro pro Jahr, sein Nachfolger Oliver Voigt, nun gekündigt, bezog ebenso diesen Betrag.

Unterdeck

Geht man in die unteren Klassen, ins Unterdeck, dorthin, wo nicht „gemanagt“, sondern gearbeitet wird, sieht es anders aus. Der Chef der Österreichischen Genossenschaftsfirma APA, Michael Lang, interessanterweise in den Fachmedien immer gelobt, bezahlt seinen Studenten und Nebenerwerbsjournalisten gerade einmal 600 Euro im Monat. Manche sind einen Hauch besser bezahlt, aber viele Duzende verdienen nicht mehr als 1.000 Euro im Monat. Für solche Beträge kann man gewissen Rechtsanwälten nur von der Ferne zuwinken. Für solche Beträge geht ein APA-Mitarbeiter täglich bei Wind und Wetter in ein Büro und wieder hinaus zu Pressekonferenzen und zu Kontaktpersonen.

AMS Datenbank zu Presseberufen ist leer

Es fällt auf: Es gibt kaum ein Medium, das aufstockt, an Personal zulegt, investiert. Wirft man einen Blick in die Datenbank des AMS (Arbeitsmarktservice) fällt auf, dass aus den Branchen Medien genau Null Jobs öffentlich ausgeschrieben sind. Medien tragen also zur Arbeitsmarktfrage nichts bei, sie schreiben nur darüber.

Geldfluss

Man muss sich die Frage stellen, wohin das Geld fließt. Dieses Journal hat einmal eine Liste: Die Einnahmen aus 2010. Sie sind entnommen der Focus Marketing Research:

Gesamteinnahmen (Umsatz) der Zeitungen (Zwischensumme 01-10/2010):

Die Zeitungen in Österreich (15 Stück) nahmen im Zeitraum Jänner 2010 bis Oktober 2010 den sehr stolzen Betrag von 1 Milliarde 346 Millionen und 678 Tausend Euro ein.

+++

Tageszeitungen (Einnahmen/Umsatz, erhoben ist durch FOCUS Research, Umsätze 1. Halbjahr 2010 – Jänner bis Juni – im Detail, Auswahl von Produkten):

Österreich: 47,047 Millionen Euro
Kleine Zeitung: 40,224 Millionen Euro
Die Presse: 33,008 Millionen Euro (die „Presse“ lässt jeden Sommer Studenten die Webseite presse.com für 380 Euro im Monat pflegen; zudem sucht man derzeit wieder gratis arbeitende „Leserreporter“)
OÖN: 32,378 Millionen Euro
Tiroler Tageszeitung: 28,197 Millionen Euro
Heute: 26,751 Millionen Euro (Heute zahlt freischaffenden Journalisten 30 Euro pro Geschichte)
Salzburger Nachrichten: 19,016 Millionen Euro (die Zeitungen hat nach eigenen Angaben für Nachwuchs „kein Budget“)

Bei den Wochenzeitungen sieht es so aus (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

NÖ Bezirksblätter: 20,052 Millionen Euro (der Verlag RMA beschäftigt nur „scheinselbstständige Redakteure“)
OÖ Tips: 19,025 Millionen Euro (ein Gratisblatt mit PR-Texten aus dem Verlagshaus des Adeligen Cuturi)
NÖN: 10,193 Millionen Euro

Fachblätter und diverse Magazine – (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

Medianet: 8,290 Millionen Euro (kürzlich warf man wieder einen Schwung Redakteure hinaus)
Extradienst: 4,491 Millionen Euro (ein Fachmedium von mehreren des C. W. Mucha)
Faktum: 1,003 Millionen Euro (ein Fachmedium von mehreren des C. W. Mucha)

+++

Weekend Magazin: 22,271 Millionen Euro (Magazin rühmt sich mit großer Auflage, alleine im Haus des Herausgebers stecken sieben Hefte jede Woche ungelesen in der Müllablage unter dem Briefkasten)
News: 16,103 Millionen Euro (ein Magazin von 15 aus der „News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner nach wie vor mit einem Viertel am Teil sind)
Woman: 15,001 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
TV-Media: 14,414 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
Profil: 9,178 Millionen Euro
Wienerin: 5,042 Millionen Euro
Gewinn: 4,767 Millionen Euro
Format: 4,610 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
Seitenblicke Magazin: 4,011 Millionen Euro
Trend: 3,296 Millionen Euro
Ganze Woche: 3,025 Millionen Euro
Wiener: 1,870 Millionen Euro (Magazin zahlt Autoren für drei Seiten Text 400 Euro Honorar; offizeller Grund: Kein Budget)

Hörfunk (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

Ö3: 51,603 Millionen Euro
Privatsender (gesamt): 33,443 Millionen Euro

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienalltag)

Harald Vilismky klagt Zeitung "Österreich"

Posted in Termindienst by Pangloss on 18. September 2009

Medienrecht.

(Wien, im September 2009) Kürzlich schrieb der Herausgeber der Zeitung „Österreich“, dass es Anwälten allzu leicht gemacht wird, beim Handelsgericht eine „Einstweilige Verfügung“ gegen Medien einzulösen. Damit hat er durchaus Recht. Realität ist: Es gibt zwar ein Einspruchsrecht. Dieses dringt aber bei Richterinnen, die im Job am Handelsgericht mit Medien nur insoweit etwas zu tun haben, dass sie täglich eine Frühstückszeitung lesen, und die mit festgesetzter Mittagsjause einen Parteienverkehr bis exakt 11 Uhr 50 halten, auf wenig offene Ohren.

Kasachen

Inhaltlich geht es in der „Einstweiligen Verfügung“ um die „Kasachen-Affäre“. Für Nicht-Österreicher zur Erklärung: Die Kasachen halten sich einen Geheimdienst. Dieser Geheimdienst hat Interesse, dass ein Kasache, der mutmasslich viel Geld (die Rede ist von 8-10 Millionen Euro) und einige Immobilien in Wien in seinem Einfluss hält und einmal Botschafter seines Landes in Wien war, in seine Heimat zurück kommt. Dort erwartet ihn Arrest, da man ihm Aufträge zuschreibt. Keine gewöhnlichen Aufträge, es soll um Morde an Bankiers gehen. Der ehemalige kasachische Botschafter in Wien liess sich Polizeischutz geben, um den Geheimdienst abzuschütteln und schrieb ein klärendes Buch. (Das es aber nirgendwo zu geben scheint, B&G hätte Interesse.) Der geheime Dienst der Kasachen versuchte es anders: Parlamentarier mögen helfen und das Thema in „Parlamentarischen Anfragen“ breiter in die Öffentlichkeit bringen. Kein Mensch in Österreich interessiert sich für Kasachstan, die meisten wissen nicht einmal, wo das am Globus liegt. Nur die FPÖ hat die Kasachen plötzlich gern.

Geheime Mission

Die FPÖ machte diese Parlamentarischen Anfragen. Mit oder ohne Portefeuille, ist unklar. Aber mal ganz lebensnah gefragt: Würde man sich für den kasachischen Geheimdienst in Arbeit stürzen, ohne Abdeckung der Auslagen? Warum macht die FPÖ das aus Eigenem? Hat man nicht alle Hände voll zu tun mit den hier ansässigen Moscheen und Andersgläubigen? Hat man überschüssige Personalressourcen, dass man ohne Handgeld oder Spesenersatz komplizierte Dinge in eine Anfrage gießt? Was wäre der Nutzen? Politik ist die Kunst des Möglichen, sagte Bismark. Was ist die Möglichkeit dahinter? Wurde ein sprudelnde Ölquelle in zehn Jahren verprochen? Jeder vernünftige Mensch sieht kein Interesse darin, für den kasachischen Geheimdienst eine Parlamentarische Anfrage zu entzünden. Freilich: Ob Gelder geflossen sind oder nicht, ist nicht belegt. Kontoauszüge gibt es nicht. Das heißgekochte Thema war einige Tage auf Titelseiten top, dann wieder weg. Jetzt ist es im „Parlamentarischen Untersuchungsauschuss“ („Spionage-Ausschuss“), in dem Leute sitzen, die bei jedem Fotografentermin grinsen, so als wäre das Thema gar so lustig, das sie erörtern wollen. Solche Ausschüsse, in denen Parlamentarier den Vorsitz haben, sind Foyers für Selbstdarsteller.

Im Würgegriff der Justiz

Die Einstweilige Verfügung am Handelsgericht gegen „Österreich“ ist von einer Richterin beschlossen worden, die der Aufklärung in diesem Gesamtfall wenig bis nicht genützt hat, außer mit Abwürgen der Berichte. Journalisten reagieren auf solche Frontaleingriffe durch gänzlich medienfremde Gerichte wie das Handelsgericht, das Information wie einen Kilo Bananen bewertet, leicht gereizt. Die Veröffentlichungen in „Österreich“ im Juli 2009 werden jetzt auch am Medienstrafgericht von der FPÖ eingeklagt. Als Parteianwalt geht Johannes Hübner, der Anteilseigner auch an der Wochenzeitung Zur Zeit des Andreas Mölzer ist. Ein parteipolitischer Medienprozess also, wie immer, wenn politische Parteien gegen Medien auftreten. Es geht ums Mauern, Vertuschen, Schließen der Informationsschleuse. Der gute Herr Vilimksy setzt sich für vieles ein (nicht nur für die FPÖ). Einmal ließ er sich mit dem „Taser“ beschießen. Das hielt er aus. Daher wird er auch die weitaus schmerzloseren Beschüsse durch eine Zeitung aushalten, wenn er ein ganzer Kerl ist. So er ein ganzer Kerl ist, tropft Medienkritik an ihm ab. Tut es nicht. Denn politische Medienklagen verfolgen andere Ziele. Wann und wo?

  • 21. September 2009, 10 Uhr 45, Saal 311. § 6 MedienG (Üble Nachrede)
    Geschäftszahl: 111 Hv 63/09m
    Richterin: Mag. Birgit SCHNEIDER
    ASt: Harald VILIMSKY (Nationalratsabgeordneter der FPÖ in Wien)
    AStV: Dr. Johannes HÜBNER (Anwalt und Nationalratsabgeordneter der FPÖ in Wien)
    AG: Österreich Medien GmbH (Tageszeitung ÖSTERREICH)
    AGV: RAe BERGER, SAURER, ZÖCHBAUER

Marcus J. Oswald (Ressort: Termindienst)

%d Bloggern gefällt das: