Medien und Kritik – Das Online Magazin

Post an Frank Stronach von Marcus J. Oswald

Posted in Innovationen by Pangloss on 19. Juli 2011

(Wien, im Juni 2011) Bei Frank Stronach, 79, weiß man nie genau, wie er es meint. Er ist nun in einem Alter angekommen, wo er alles erreicht hat. Im September 2010 erhielt er durch Wirtschaftsminister Mitterlehner das Große Verdienstkreuz in Gold mit Stern um die Brust gehängt. Kurz darauf stieg er aus seinem Leitbetrieb Manga aus und erhielt die vermutlich größte Abfertigung, die je an eine Einzelperson mit österreichischen Wurzeln vergeben wurde (983 Mio. Dollar).

Medial aufgeworfene Projekte

Seither hat Frank Stronach keine End Life Crisis. Er wirft vieles ins mediale Becken und laviert zwischen Projekten, die er noch in Angriff nehmen will. Das Alter ist kein Hinderungsgrund. Der ehemalige Billa-Gründer und heutige Immobilienkaiser von Wien, Karl Wlaschek, wird am 4. August stolze 94 Jahre alt. Stronach wird am 6. September 80 Jahre alt.

Die Frage ist aber, was Ankündigungspolitik ist und Unterhaltung für die Medien und was Substanz hat. So geistern derzeit drei „Projekte“ durch die Medien. Das eine ist die Gründung eines Stronach-Vereins (vielleicht im Endausbau: liberale Wirtschaftspartei), das zweite die Gründung einer Wirtschaftswochenzeitung durch ihn. Das dritte – Schuster bleib bei deinem Leisten – die Gründung einer neuen Autofirma, die Elektroautos anfertigt. Zu den ersten beiden „Projekten“, so sie nicht Luftburgen sind, schrieb der Herausgeber dieses Journals je einen längeren Brief mit dem Angebot einer Machbarkeitsstudie (5. und 27. Juni 2011). Auslöser waren jeweils ein Zeitungsinterview.

Man kann es vorwegnehmen: Zu beiden medial hinausgeblasenen „Projekten“ gab es eine Absage und von Seiten Stronach kein Interesse auf eine Zusammenarbeit.

Das ominöse Projekt „Verein“ oder „Partei“

Am 22. Mai 2011 gab Stronach der „Presse“ ein ganzseitiges Interview, in dem er andeutete, dass er einen Verein gründen will, der sich mit „sozio-ökonomischen Analysen zur Gesellschaft“ befassen will. Das klang auf den ersten Blick interessant, scheiterten doch schon die Herren und Damen Zumtobel, Haselsteiner und Schmid mit dem Anliegen eine „Wirtschaftspartei“ in Österreich zu etablieren. Eine politische Partei zu gründen ist keine Gründung eines britischen Herrenclubs, in dem gepflegter Dialog herrscht. Eine politische Partei braucht durch alle sozialen und lebensweltlichen Schichten der Gesellschaft Akzeptanz. Man erinnere sich nur, welches Skurillitätenkabinett für das BZÖ bei der Wiener Landtagswahl 2010 angetreten ist: Grafen, pensionierte ORF-Journalisten und der ehemalige Chef von BILLA. Sie traten an, um plötzlich Liberalität, soziale Gerechtigkeit und Kontrolle der „Mächtigen“ zu fordern. Die Heurigen-Runde nahm niemand ernst und sie bekamen bei der Wien-Wahl 1,33 Prozent.

Der Herausgeber dieser Seite schlug Stronach eine kleine Machbarkeitsstudie vor. (Datum: 5. Juni 2011)

Oswald-Vorschlag „Frank Stronach Forschungsbibliothek“

Daher schrieb der Herausgeber dieses Journals nach Oberwalterdorf am 5. Juni 2011 einen 6 Seiten langen Brief, in dem er ihm den Vorschlag unterbreitete, eine „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ für den zu gründenden Verein einrichten zu wollen, in der sich 2.000 bis 3.000 relevante Bücher zu den Themen der Politik, Wirtschaft, Gesellschaft befinden. Oswald schreib (Zitate folgend nur Auszug):

„Ich möchte Ihnen folgendes vorschlagen: Ich bin in erster Linie Propagandachef für gute Ideen. Ich begrüße Ihre Idee, einen Verein zu gründen, in dem über Gesellschaftsfragen nachgedacht wird. Ich arbeite derzeit nur für mich. Wenn Sie erlauben, möchte ich Ihnen das aus der tiefen Innenkenntnis der Wiener Szene und des Wieners raten:

Machen Sie einen solchen Verein in Wien auf. Ich könnte Ihnen ein Vereinslokal suchen, ein Lokal, wo auch ein Veranstaltungsraum dabei ist, der gut gelegen ist, aber nicht zu teuer. Ich kenne Wien wie meine Westentasche. Ich wohne seit 1989 hier. Ich fühle Wien, kenne es auch soziografisch. Ich schrieb viel über Wien. Alle, die mit mir Spazieren gehen, sagen, ich bin ein guter Stadtführer.

Der Verein – ganz wichtig – braucht auch eine Bibliothek. Sachbücher, wissenschaftliche Bücher, Schriftenreihen zu Wirtschaft, Sozialwissenschaft, Wien-Bücher, überschneidende Themen wie Energie, Umwelttechnik, Steuern, Sozialausgaben, Staatsverwaltung, Fachzeitschriften, Zeitungen. Eine kleine, aber feine Bibliothek mit etwa 2.000 bis 3.000 Büchern. Die Bibliothek sollte Ihren Namen tragen: „Frank Stronach Forschungsbibliothek“.

Ich wäre bereit, da ich seit 15 Jahren viele Verlagskataloge renommierter Verlage bekomme, den Buchmarkt gut kenne, Ihnen eine solche Fachbibliothek aufzubauen, zusammenzustellen und dauerhaft und gewissenhaft zu warten.“

(…ausgeklammert private Inhalte und Querverweise…)

„Der Verein braucht einen schlagkräftigen Vereinsblog (in deutscher Sprache, eventuell auch auf englisch/französisch), der im „Google“ mit lesbaren Inhalten gut findbar ist.“

(…ausgeklammert private Inhalte und Querverweise…)

„Ich weiß heute, nach zwanzig Jahren in Wien, dass es in Wien viele Blender und Dampfplauderer gibt, vor allem im Medienbereich. Die meisten wollen nur an Ihr Geld. Wie Sie diesem Brief entnehmen, habe ich kein einziges Mal über Geld gesprochen.

Ich mache seit 2004 in Eigenregie Fachblogs und manche, die ich machte, hatten nach zwei Jahren gute Zugriffe (bis zu 800.000). Man nennt mich auch „content machine“. Es heißt aber auch: „content is king, but archive ist reign“. Daran ist auch etwas Wahres.

Am gesellschaftlichen Parkett will ich mich nicht produzieren. Das ist nicht meine Rolle. Ich bleibe Medienarbeiter und strategischer Mann im Hintergrund. Mein Vater war in der Fabrik Arbeiter. Ich arbeite hinter dem Computer. Ich kann nur machen, was ich gut kann.“

Dem Brief in eine Anlage beigeheftet (5 Seiten), in dem das Projekt „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ detailiert ausformuliert wird. Auch die Kosten. Das Angebot lautet – hier kurz zusammengefasst:

Phase 1:

Erstellung einer Machbarkeitsstudie zum Aufbau einer „Frank Stronach Forschungsbibliothek“, die situiert in einem Vereins- oder Parteilokal in Wien ist.
Umfang der Bibliothek: 2.000 bis 3.000 Bände von neuerer und älterer Literatur (Klassiker der Wirtschaftssoziologie und Ideengeschichte, Sozialwissenschaft, überschneidende Themen wie Energie, Umwelttechnik, Steuern, Sozialausgaben, Staatsverwaltung), Fachzeitschriften und Zeitungen.
Studienaufgabe: Erstellung einer Liste, welche Bücher in der Bibliothek enthalten sein müssen.
Zeitraum der Bücher: Letzte 15 Jahre mit Ausreißer nach Hinten (Klassiker)
Liste in Excel-Format mit Autor, Titel, Seitenumfang, Erscheinungsjahr, Prüfung der Verfügbarkeit, Kaufpreis.
Kosten der Erstellung dieser Studie: 9.000 Euro inkl. Steuern. Zahlbar: 1/3 (Voraus), 1/3 zur Mitte der Berichtslegung, 1/3 bei Ende und Übergabe und Kurzpräsentation der Schwerpunkte der Studie.
Dauer der Forschungsarbeit (Studie): Zwei Monate (auch über Sommer 2011 möglich!)

Phase 2:

Ankauf der 2.000 bis 3.000 Bücher umfassenden neuen „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ eigenständig und in Eigenregie durch den Verfasser der Studie.
Einlagerung der Bücher beim Verfasser der Studie und Transfer der Bücher und Einrichten der Bibliothek durch den Autor der Studie im neuen Vereinslokal (respektive: „Parteilokal“) in Wien oder an einem anderen Ort des Geschehens.
Beschaffung von Regalen und Lagermöglichkeiten (Holz).
Eigenständiger Antransport der Bücher zu dieser Stelle.
Dauer der Arbeit: Eine Woche.
Kosten (Transport, innerhalb Wiens, inklusive Träger): 3.500 Euro.
Kosten (Transport, außerhalb Wiens, inklusive Träger): 4.500 Euro.
Kosten für Studienautor: In Honorar Phase 1 inkludiert, daher nichts.

Phase 3:

Pflege, Betreuung und Wartung der Bibliothek als Teil des neu zu gründenden Archivs als Teil der „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ durch den Autor der Studie als wissenschaftlicher Leiter.

Einspeisen der Bücher in ein digitales Datenbanksystem (Access oder anderes) und damit Inventarisierung der Bücher nach Autor, Titel, Seitenumfang und Erscheinungsjahr.
Markieren der Bücher als Eigentum der „Frank Stronach Forschungsbibliothek“.

Materialeinsatz:
2 PC mit registriertem Microsoft Office Professional (2.500 Euro)
1 sehr guter Laserdrucker (400 Euro)
1 sehr guter Flachbett-Scanner HP (400 Euro)
Anschaffung von Stampligen und Etiketten in Stempelgeschäft bei Weltmarktführer „Trodat“. Besser aber wäre bei „Colop“. Beide Hersteller stammen aus meiner Heimatstadt Wels und sind direkte Konkurrenten. Trodat ist Weltmarktführer bei Stempeln, aber „Colop“ ist Weltmarktführer in China. Mit dem Inhaber der „Colop“-Firma Andreas Honetschläger, dessen Vater „Colop“ begründet hatte, ging ich ins Gymnasium in dieselbe Maturaklasse in Wels. Ich denke, dass ich dort in Wels Prozente bekomme, wenn ich mit ihm rede.
Schreibmaterial (200 Euro)
1 Standkopiermaschine (Rank Xerox auf Leasing pro Monat rund 300 Euro)
Regale aus Holz
Kosten für den Materialeinsatz und Einrichtung Forschungsbibliothek: ca. 6.000 Euro.

Personal: Studienautor und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter freier Wahl

Betriebskosten – Personal (2 Mitarbeiter):

Da es sich um hoch spezialisierte Fachkräfte handelt, schlägt sich das im Verdienst nieder. Solche Leute findet man nicht am freien Markt. Sie leisteten hohe Vorarbeiten in Wissensaneignung, Lesen und Verarbeiten von Wissen, sowie im Management der Verwaltung des Wissens. Sie kennen den Buch- und Verlagsmarkt und den Kunden der Bibliothek. Sie arbeiten kundenorientiert und leisten auf ihre Weise viel, indem sie wachsam sind und aufmerksam den Wissensmarkt beobachten.

Laufende monatliche Kosten pro Person: 3.900 – 4.100 Euro netto, also 8.000 Euro/Monat.
Wissenschaftlicher Leiter der Bibliothek (Oswald): 4.100 Euro netto/Monat, 57.400 Euro/Jahr.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bibliothek: 3.900 Euro netto, 54.600 Euro/Jahr.
Jahreskosten – Wissenschaftliche Mitarbeiter: 112.000 Euro netto/Jahr.

Einmal-Kosten für den Aufbau der Bibliothek: Ankauf 2.000 – 3.000 Bücher. Durchschnittlicher Ladenpreis pro Buch 25 Euro: 50.000 bis 75.000 Euro im Endausbau.
Die Bücher sind Eigentum der „Frank Stronach Forschungsbibliothek“.

Ausrichtung der Bibliothek: Nutzen sollen sie Studenten und Schüler. Es wird Öffnungszeiten mit Publikumsbetrieb geben. Das unterscheidet die „Frank Stronach Forschungsbibliothek“ von anderen wie die Sigmund Freud Privatuniversität, deren Bibliothek zwar ebenso mit einem klingenden Namen ausgestattet ist, die aber nicht öffentlich zugänglich ist.

Refundierung der Kosten: Die Benutzung der Bibliothek hat eine Einschreibgebühr pro Jahr von 20 Euro. Wenn sich 500 Personen einschreiben, sind das 10.000 Euro pro Jahr. Zudem wird das Kopiergerät auch für Leser benutzbar sein. Erwartete Einnahmen dadurch: 5.000 Euro pro Jahr.

Es ist zu erwarten, dass man durch Subventionen weitere 30 Prozent der Jahreskosten hereinbringt.

Marcus J. Oswald schlug dem Magnaten, der am 22. Mai 2011 in der Wiener Zeitung Die Presse die Gründung eines Vereins, der über sozio-ökonomische Zusammenhänge in der Gesellschaft nachdenken wolle, die Einrichtung einer Frank Stronach Forschungsbibliothek in den Vereinsräumlichkeiten vor. Die Kosten wären gemessen auf ein Jahr und seinen bisherigen Einsatz im Sport marginal. Der Effekt einer solchen Bibliothek wäre Förderung des Denkens und des Nachwuchses. Stronach förderte bisher schon die Bildungsgesellschaft mit seinem Geld wenig. Er lehnte auch diesen Vorschlag ab. (Fotoauszug aus Konzept Oswald, 5. Juni 2011)

Frank Stronach kündigte medial am 22. Mai 2011 an, dass er einen Verein gründen will, der später eine Partei werden soll. Er will aber nicht, dass dieser Verein auch mit Wissen ausgestattet ist und eine Bibliothek hat. Somit kann dieser Verein keine Partei werden, sondern er bleibt eine Altherrenrunde, die Pressekonferenzen macht.

+++

Dann ging Frank Stronach am 26. Juni 2011 in der Zeitung „Österreich“ mit etwas anderem an die Öffentlichkeit. Man horchte auf. Er will plötzlich eine Wirtschaftswochenzeitung gründen. Es war kurz nach dem so genannten „Kanzler-Fest“, wo er sich zeigte.

Wie ernst kann man diese Ankündigung nehmen? Nun, der Herausgeber dieses Journals nahm es ernst, und schrieb sogleich einen Vorschlag in 10 Seiten Länge für eine Machbarkeitsstudie. Vorwegzunehmen ist, dass Frank Stronach auch dieses negativ per Email beantworten ließ. Hier nun Auszüge aus diesem Vorschlag.

Der Herausgeber dieser Seite schlug eine weitere Machbarkeitsstudie vor: Zu einer von Stronach ins Auge gefassten Wirtschaftswochenzeitung. (Datum: 27. Juni 2011)

Und das begann mit einem Brief am 27. Juni 2011 – „Thema Wirtschaftszeitung“:

Sehr geehrter Herr Frank Stronach!

Ich schreibe Ihnen diese Zeilen, weil in der Zeitung „Österreich“ (26. Juni 2011) ein Bericht zu Ihnen enthalten ist. Dieser kommt in eine Schachtel, auf der Ihr Name drauf steht.

Im Beitrag deuten Sie an, dass sie sich mit dem Plan befassen, ein Wochenmagazin oder eine Wochenzeitung zum Thema „Wirtschaft und Politik“ zu gründen.

Ich möchte dazu anraten. Denn ich wunderte ich schon immer, dass Sie nicht schon zwischen 2000 und 2010 stärker in die Kreativwirtschaft investiert haben. Denn nur diese ist imstande, Ihnen ein Denkmal zu setzen. Weniger der Sport, in dem sich eher undankbare Menschen umtun. Ich möchte also mein Interesse kundtun.

Einem meiner Vorbriefe (5. Juni 2011) entnehmen sie, dass ich der Meinung bin, dass in Österreichs Medienlandschaft derzeit einige Fragen ganz drängend da sind. Die drei Dinge sind wirtschaftliche, aber vor allem politische Themen. Sie brauchen den politischen Konsens, die Übereinkunft der demokratischen Parteien, sonst werden sie nicht umgesetzt. Die Themen sind: „Nachhaltigkeit“, „Energiewende“, „Elektroauto“.

(…Es folgt eine längere Abhandlung zu diesen drei Themen, die hier ausgespart bleibt…)

Ich möchte nun zum Thema Wirtschaftszeitung kommen. Ich möchte kurz einen Aufriss geben, was Sie bei der Gründung einer Wirtschaftszeitung bedenken müssen. Nein, ich rede nun nicht über „besondere Verhältnisse“ in Österreich. Das nicht. Ich möchte aber schon sagen dürfen, was Sache ist. Ich halte mich da nicht zurück, denn Sie sollen über die Realität informiert werden.

Mediaagenturen

Es gibt in Österreich rund 30 wichtige Mediaagenturen, die den Etat der werbetreibenden Wirtschaft verwalten. Diese schalten die großflächigen Inserate in die Zeitungen und behalten sich 15% „Agenturrabatt“ als Honorar ein. Die Mediaagenturen sind der Schlüssel zum Medienerfolg. Denn eine Wirtschaftszeitung braucht vor allem dauerhaft (Woche für Woche) Inserate.

Druckerei und Vertrieb

Es gibt in Österreich rund zehn Druckereien, die im Stande sind, eine Wirtschaftswochenzeitung in der Auflage, sagen wir 30.000, Umfang 72 Seiten, Erscheinungsfrequenz 52 Mal im Jahr zu drucken.

Die Druckereien machen auch die Etikettierung und den Versand mittels Karteisystem. Die Preise sind unterschiedlich!

Sie dürfen nicht vergessen, dass der Druck und Vertrieb (Postweg) für 52 Ausgaben einer Illustrierten mit 72 Seiten im Jahr bei Auflage 30.000 rund 9.10 Millionen Euro kostet! Nicht eingerechnet sind die mit 1. Juni 2011 in Österreich erhöhten Posttarife!

Es macht einen Unterschied, ob einen Druckerei Druck und Versand für 9.10 Mio Euro im Jahr macht, eine für 8.20 Mio Euro oder ob es eine für 7.80 Mio Euro macht. Hier gibt es Unterschiede.

Für ein 72 Seiten dickes Journal in Vollfarbe kann man von hohen jährlichen Druck- und Versandkosten ausgehen. (Foto: Vor-Analyse Oswald, 27. Juni 2011)

Der Brief setzt fort mit dem Thema „Personal“:

Personal

Sie dürfen nicht vergessen, dass eine Zeitschrift im Umfang 72 Seiten, Erscheinungsfrequenz 52 Mal im Jahr folgende vertikale Belegschaft braucht:

1. Geschäftsführer (CEO)
2. Controller, Chefbuchhalter (CFO)
3. Herausgeber
4. Chefredakteur
5. 20 Redakteure, davon 5 Leitende mit Bereichsverantwortung, 15 Einfache Redakteure
6. 15 Vertriebsleute (Anzeigenverkäufer)
7. 5 Verwaltungsleute (1 Sekretärin Geschäftsführung, 2 Sekretärinnen Anzeigenverkauf, 2 Sekretärinnen Redaktion/Empfang)
Das heißt, das sind 44 Personen im Medienbereich und kaufmännischen Bereich.
Man muss die Leute entsprechend gut zahlen, sonst sehen sie sich als Almosenempfänger. Ich habe errechnet, was der Personalaufwand für ein Jahr ist (netto) und zeige das in einer Tabelle auf:

Die Personalkosten machten laut Rechnung Oswald im Jahr 3 Millionen Euro netto aus. (Auszug Oswald-Tabelle für Wirtschaftszeitungsprojekt Stronach, 27. Juni 2011)

Die Tabelle hat eine Fussnote, Abteilung Verkauf:

*Anmerkung: „Marketing und Verkauf“ unterliegen anderen Bezahlungsformen im Medienbereich. Während Redaktionen und Geschäftsführung mit Fixum arbeiten, arbeitet der Verkauf (Anzeigenabteilung) mit schmalem Fixum (meist 1.500 Euro) und einer „progressiven Kurve“, die im relativ niederen Bereich ansetzt. Das heißt: Wenn der Verkäufer, sagen wir, ein monatliches Umsatzziel von 15.000 Euro macht, gehören ihm 20%, also weitere 3.000 Euro. Dann kommt er auf ein netto von 4.500 Euro Gehalt. Durchschnittlich muss ein Verkäufer im Monat bei einer Wochenzeitschrift, die 52 Mal erscheint, 14-15.000 Euro Umsatz machen, da die Zeitschrift einen Monatsumsatz von rund 220.000 Euro braucht. Eine Wochenzeitschrift mit Umfang 72 Seiten braucht 35% Inseratenabdeckung, was 24 Seiten Inseratenseiten pro Ausgabe und 48 Seiten redaktionelle Inhalte pro Ausgabe bedeuten. Bei einem „Faktor 35%“ Inseratenabdeckung und einem Seitentarif von 9.000 Euro (zzgl. Steuern) bei 30.000 Auflage, ergibt das einen Monatsumsatz von 216.000 Euro oder einen Jahresumsatz (52 Nummern) von gesamt 11,2 Mio Euro für die Zeitschrift.

Ferner wird die Erklärung gegeben, warum nur Netto-Gehälter angeführt sind:

Ich habe nur Netto-Gehälter angeführt, weil wie ich viele so denken: Es interessiert kein Brutto, es interessiert nur, was am Ende im Börsel ist. Man will wissen, wofür man rennt und schwitzt. Dafür opfert man sich auf, sitzt sich in Redaktionen das Kreuz krumm, beherrscht zwanzig Datenbanken, Bildbearbeitungsprogramme und mehrere Fremdsprachen. Zudem: Die deutsche Sprache perfekt.

Das Ganze zeigt, dass es nicht preiswert ist, eine Zeitung, die 52 Mal im Jahr erscheint, zu machen.

Es gibt da nämlich einen einfachen Schlüssel, der zeigt, wie teuer es ist, eine Wochenzeitung zu gründen.

Der Schlüssel lautet ganz einfach. Wie viel Geld braucht man, um eine Tageszeitung zu gründen und das erste Jahr zu halten, wie viel Geld für eine Wochenzeitung, wie viel Geld für eine Monatszeitung und wie viel Geld für eine Fachzeitung? Hier noch eine Tabelle aus dem Hause Oswald, die ich Ihnen zur Verfügung stellte. Die stimmt auf den Punkt.

Eine Kostenaufstellung für Frank Stronach in Kanada, was Zeitungsmachen in Österreich kostet. (Quelle: Oswald-Brief an Stronach vom 27. Juni 2011)

Darin sind die „Infrastrukturkosten“ natürlich enthalten: Büroraum, Einrichtung, EDV. Das amortisiert sich im zweiten Jahr wieder, vor allem, da im zweiten Jahr auch Anzeigenerlöse hereinkommen.

Bei einer Wochenzeitschrift im Umfang von 72 Seiten, 52 Mal, Auflage 30.000, gehe ich von einem Jahresumsatzziel („Anzeigenumsätze“) in Summe des Jahres 11,32 Mio Euro aus. Dazu, wenn man über die beiden Vertriebsschienen Valora (vormals Salzburger Pressevertrieb) oder Morawa (Wien) – die beiden Grossisten teilen sich den Endvertrieb in die 2.600 Trafiken und 400 Buchhandlungen auf – hinein rechnet und einen „Copy-Preis“ (Kaufpreis der Zeitschrift) von 2,70 Euro festlegt und man 18.000 im Einzelverkauf absetzt. Per Anno also Verkaufserlöse von 2,5 Mio Euro.

Bei einer Wirtschaftswochenzeitung mit einer guten Vorplanung und einem guten Team können 15 Millionen Euro im Jahr umgesetzt werden.

Daraus ergibt sich nach Rechnung des Autors, dass ein positiver Jahresabschluss erzielt werden kann. (Fotoquelle: Brief an Frank Stronach, 27. Juni 2011)

Im Brief heißt es aber mahnend:

Bei einer Wochenzeitschrift „Wirtschaft und Politik“ könnte also mit einem Startkapital und einer guten Mannschaft im ersten Jahr ein Plus herausschauen.

Vorbehaltlich: Infrastrukturkosten (Mieten) werden nicht zu hoch (maximal 150.000 Euro) für Mieten pro Jahr für in Summe zwei Standorte (Redaktionen in Wien und annehmlich Graz).

Vorbehaltlich: Die Strukturkosten für Inventar werden nicht zu hoch (maximal 200.000 Euro für EDV und Einrichtung an beiden Standorten).

Vorbehaltlich: Umfang 72 Seiten und nicht voluminöser.

Vorbehaltlich: Das erste Jahr läuft gut an und die Verkaufsmannschaft arbeitet gut. Die Redaktion arbeitet sowieso immer gut. Die Verkaufstruppe ist der Knackpunkt bei jedem Medienprojekt.

Vorbehaltlich: 3% für Marketing vom Gesamtbudget (branchenüblich) reichen, um es zu bewerben.
Ich ging von sehr konservativen Zahlen aus. Natürlich kann es sein, dass im Verkauf Spitzenverdienste von 6.000 Euro netto drinnen sind. Unabwägbar ist auch der neue Posttarif, der den Versand etwas in die Höhe treibt und vage ist auch, ob man den Schlüssel 60/40, also 40% Abonnenten im ersten Jahr erreicht. Oder ob man sofort 35% Inseratenquote erreicht. Fakt ist aber, dass es möglich ist.

In der Folge wird im Brief vom 27. Juni 2011 an Frank Stronach eine umfassende Machbarkeitsstudie (150 Seiten Länge, Preis: 24.000 Euro) vorgeschlagen.

Ferner wird vorgeschlagen, dass in der Machbarkeitsstudie (Bedarfsstudie) fünf Redakteure und zwei Grafiker genannt werden, die in das Wiener Team der Zeitung gehören. Die genannten Sieben werden im aktuellen Brief bereits auf drei Word-Seiten in ihren Fähigkeiten beschrieben, aber namentlich noch nicht genannt. Es sind erfahrene Redakteure und Layouter im Alter zwischen 40 und 50, die die Reife und das handwerkliche Können mitbringen, wöchentlich unter dem Druck der Öffentlichkeit, das auf einem Paket lastet, hinter dem Stronach steht, abzuliefern.

Keine preiswerte Bedarfsstudie erwünscht

Doch auch dieser Brief mit dem Vorschlag nach einer „Querschnittsstudie“ a. durch zwanzig Wirtschaftszeitungen, die bereits am Markt sind, b. durch dreißig Schaltagenturen und deren Kunden, c. durch zehn Druckereien und Versandanbieter (mit Blindangeboten), d. die Suche nach drei unterschiedlichen Räumlichkeiten für eine Wiener Redaktion (Zitat Offert an Stronach: „Die Studie erhebt, welches Loft eventuell in Frage kommt und was es kostet. Es werden drei Alternativen in der Studie angeboten, nach Stufen günstig/hip, mittel/traditionell, teuer/gediegen. Dieser Teil hat auch eine fotografische Ebene, denn die Räumlichkeiten werden von Außen auch gezeigt. Zudem wird erhoben, was sie kosten (Bruttomiete, Nettomiete)“, e. die Erhebung der EDV-Anbieter (Zitat aus Offert an Stronach: „Jedes Medium braucht EDV-Infrastruktur und ein kleines, internes Servernetzwerk. Die Bedarfsstudie erhebt, welche drei bis fünf gängigen Systeme in Frage kommen und wer sie anbietet. Es werden gängige Systeme, die üblich sind, bevorzugt, da sie durch Nicht-Techniker auch anwendbar sein sollen. Es wird die Systemfrage Apple oder Microsoft erörtert und abgetastet. Es werden Preisschemeta [Kostenplan nach System 1 – „Kauf“ und System 2 – „Leasing“] in Belegen geliefert, wie viel ein System für die Wiener Niederlassung für 20 Mitarbeiter kostet. Nicht erhoben wird in dieser Studie eine etwaige Hauptniederlassung in Graz. Diese Bedarfsstudie kümmert sich nur um Wien, da der Studienautor Wien wie seine Westentasche kennt und hier seinen Lebensmittelpunkt hat“), f. sowie die Sichtung der „ablösefrei“ verfügbaren, besten Wirtschaftsreakteure (Zitat: „Das sind Leute, die dem Termin- und Abgabedruck standhalten, die Ruhe bewahren und vieles schon im Leben umgesetzt haben.“) – all diese Dinge, erfasst in einer Bedarfsstudie auf 150 Seiten für das verhältnismäßige Taschengeld von 24.000 Euro, so der Vorschlag von Marcus J. Oswald, wurden von Frank Stronach dieser Tage mit einem ablehnenden Email bedacht.

Offenbar reicht es in Österreich, ein Kanzlerfest zu besuchen, um am Ende eine Zeitschrift zu „Politik und Wirtschaft“ zu gründen. Oder alles ist ohnehin nur ein Medienfake und leere Ankündigung.

Geld muss arbeiten

Der Autor dieser Zeilen dachte kürzlich einmal darüber nach, was er, wäre er im September 2011 80 Jahre alt mit einer Abefertigung von 981 Millionen Dollar machen würde! Soviel kann man den Nach- und Wohlgeborenen, den Kindern und Enkerln gar nicht schenken. Stronach müsste wissen: Geld muss man arbeiten lassen.

Eine Wirtschaftswochenzeitung für Österreich wäre ein guter Einsatz und mit der Startinvestition von 15 Millionen Euro für das erste Jahr ein toller Start. Vielleicht kommt es doch noch, als Eigenständiges. Nicht als leere Hülle aus dem Echo-Verlag (was ihm vermutlich der Herr Pöttler beim Kanzler-Fest geflüstert hat) oder untergeschlüpft beim politischen Konterpart Styria in Graz, wo das Stronach-Herz auch liegt.

Wenn das der Fall ist, hat ein Projekt „Wirtschaftswochenzeitung“ mit Stronach rein gar nichts mehr zu tun.

Marcus J. Oswald (Ressort: Innovationen)

Brief an Eva Dichand von Marcus J. Oswald

Posted in Briefe, Hinaus by Pangloss on 25. Februar 2011

(Wien, im Februar 2011) Diese Tage schickte der Herausgeber dieser Seite wieder einmal Briefe aus. Es ging darum, ob man im Sinne der Ökonomie die laufenden Anwesenheiten im Landesgericht Wien nicht nutzen wolle. Im Sinne der Ökonomie wurde mit einem bodenlosen Dumping-Tarif angeboten, vier Mal in der Woche für die Zeitung „Heute“ Gerichtssaalberichte zu schreiben. Der Brief wurde am 20. Februar 2011 an die Herausgeberin der Wiener Tageszeitung Dr. Eva Dichand abgeschickt. (Update, 3. April 2011: Bis heute noch keine Antwort.)

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Heute / AHVV Verlag
Dr. Eva Dichand
Herausgeberin
Ö3-Haus
Heiligenstädter Lände 29
1190 Wien

Betrifft: Gerichtssaalberichte + Fotos

Sehr geehrte Frau Doktor!

Der Grund meines Briefes ist ganz einfach und unkompliziert wie pragmatisch. Ich sprach das in kurzen Gesprächen mit dem einen oder anderen Ihrer früheren oder aktuellen Mitarbeiter schon manchmal beiläufig an.

Ich bin in den letzten fünf Jahren (österreichweit, Schwerpunkt Wien) bei rund 300 Strafprozessen gewesen, kenne am Landesgericht Wien viele Leute, es ist übertrieben zu sagen „jeden“, aber ich kann mittlerweile nach einer so langen Zeit des Zuhörens und Beobachtens von Strafprozessen sagen, dass ich gut 150 Personen im Landesgericht (sagen wir Hälfte Anwälte und Hälfte Richter/Staatsanwälte) vom Gesicht her und mit vollem Namen kenne. Durch meine doch sehr zahlreiches Auftreten als Zuhörer, oft ganz allein im weiten Gerichtssaal, kennen auch mich viele.

Ich würde noch nicht sagen, dass ich zum „Strafgerichts-Inventar“ gehöre, dazu braucht es noch fünf weitere Jahre. Aber es ist genug Wissen da, dass ich mich blind und locker durch die Materien und Grauslichkeiten, die man zu Hören bekommt, navigieren kann.

Hätten wir in Österreich eine BILD-Zeitung, würde ich nun dorthin schreiben, weil es im Leben immer einen Zeitpunkt gibt, der gut ist. Man hat genug Erfahrung gesammelt, ich habe rund 7 Millionen Zeichen Text produziert, mich im Internet ausgetobt, viele allzu lange Abhandlungen zu Justiz/Justizpolitik/Strafprozessen und dergleichen geschrieben. Gehen wir davon aus, dass 2 Millionen Mist und Fehleinschätzung waren, Irrtum und Unsinn, den ich mir geleistet habe, kann ich für 5 Millionen Zeichen Text gerade stehen.

Kurz fassen

Es ist für mich nun die Zeit gekommen, dass ich mich wieder kürzer halte. Daher hätte ich Lust und Laune, mit meiner Landesgerichts-Insider-Kenntnis und abwesenden Scheu, bei Prozessen auch allein als Zuhörer zu sitzen, Berichte vom Strafgericht in der Länge (maximal) 1.000 Zeichen zu schreiben.

Ich bin in einer guten Woche bis zu vier Mal im Strafgericht. Ich fokussiere mich schon um 8 Uhr früh darauf, fahre mit dem Rad (ich fahre immer mit Rad, auch im Winter) hin, umgehängt eine Fototasche und einen Rucksack mit Schreibzeug, betrete um 8 Uhr 45 das Gericht und verlasse es meist erst gegen 11 Uhr 30 wieder. Die Themen liegen im Gericht, meist lasse ich mich überraschen oder entscheide spontan, in welchen der 33 Verhandlungssäle ich gehe.

Die spontane Entscheidung hat sich immer am Besten bewährt. Man kann das wenig planen. Die „aufgelegten“ Fälle der sogenannten Staranwälte (die „12 Zwerge“, also die „Top 12“ vom Grauen Haus) heißen meistens nichts. Um das einzuschätzen, muss man diese Anwälte kennen. Rudi-Mayer-Fälle sind meiste „Geständnis“-Fälle, dann werden alle 30 Zeugen weggeschickt, ohne dass sie aussagen. Tomanek-Fälle sind primitiv und wortkarg, er schnapst das Ergebnis im Vorfeld aus und sitzt die Zeit ab. Friis-Fälle waren kriminologisch hochspannend, bis zu seinem Psychiatrieaufenthalt. Seither ist er zum Vergessen. Christian Werner-Fälle sind uninteressant, ein eitler Pfau, der sich auch dann noch als Gewinner verkauft, wenn sein Mandant 12 von 15 (möglichen) Jahren Haft bekommt. Man muss bei den Strafverteidigern vorsichtig sein, bei den Pflichtverteidigern sowieso. Es gibt einige Strafverteidiger am aufsteigenden Ast, die wirklich etwas von der Kunst der Strafverteidigung verstehen. Doch das ist nicht das Thema dieses Briefes.

Ich sagte oben, dass ich Lust hätte, wieder mehr im knappen, gedrungenden Stil zu berichten. Keine 0815-Berichte, sondern Berichte, die sich die Anwälte einrahmen und in der Kanzlei aufhängen können. Also die umgelegte Kunst, auf wenig Platz viel zu sagen. So wie Jannée in seiner besten Zeit. Es ist letztlich egal, ob man über Society schreibt oder über das Strafgericht. Promis und Möchtergerns gibt es hier wie dort.

Wenn ich am Strafgericht bin, bin ich immer alleine da. Ich harre aus und halte die Stellung. „Österreich“ hat kein Personal, Manfred Seeh von der „Presse“ ist meist nur 30 Minuten im Gerichtssaal, raschelt mit irgendwelchen Zetteln, geht nach einer halben Stunde wieder und schreibt seine Spalte. Die „APA“ (Stefan Sonnweber) kommt zu einer Zeugenaussage und geht wieder. So sehen die Berichte aus. Sehr fragmentarisch. Leute von „News“, „Profil“ sind nie da. Roman David-Freishl vom „Standard“ selten. Florian Klenk im übrigen nie, obwohl er sich als der große „Justizjournalist“ stilisiert. Mag er sein. Jedoch „vom Schreibtisch“.

Ich halte es so (als früherer Theaterkritiker): Im Theater kann ich auch nicht zu spät kommen und früher gehen. Das konnte vielleicht Ikone Franz Endler (ehemals „Kurier“, verstorben) so tun. Er saß im „Volkstheater“, wo ich in den 90-er Jahren „nur“ in der achten Reihe die Freikarte hatte, sogar in einem Extrastuhl im zentralen Mittelgang des Parterre, sodass sein „Früher-Weggehen“ und „Kommen-Nachbelieben“ nicht auffliel. Ich hingegen kam immer zeitgerecht und blieb bis zur bittersten Neige. So mache ich es auch bei meinen Gerichtssaalbesuchen. Vom Eröffnungswort bis zum Schlußplädoyer. Es ist wie in der Kirche, wo es auch erst zum krönenden Abschluss das Essen gibt.

Der Vorschlag

Was kann ich vorschlagen? Wenig Konkretes, denn ich arbeite eher intuitiv. Das aber mit Nachdruck und konsequent. Vor allem: Konstant und gleichfömig.

Ich könnte mir vorstellen: Ich strecke im Landesgericht Wien, dem größten Strafgericht meine Fühler nach interessanten Fällen aus. Oft sind die „kleinen Causen“ die eigentlich lebensnahen, interessanten: Die Stalking-Fälle, die Missverständnisse, die Zumutungen, die Wirtshauspicksereien, die Racheakte mit plattgemachten Autoreifen, Vandalenakte und so weiter. Die „große Kriminalität“ mit dem großen „Masterplan“ gibt es nicht.
Auch bei den sogenannten „75-er-Geschichten“ (Mordvorwurf) muss man Bescheid wissen, wenn die abgeschwächte Form angeklagt ist und am Programmzettel steht: „15,75“. Nur der „Versuch“. Opfer hat überlebt, ging nicht über den Jordan. Oft eine Rauschgeschichte, in der Messer im Spiel waren. Oft: Komplett uninteressant. Wie gesagt: Die anderen Sachen, Seriendiebe, Jungdealer, Jugendkriminalität, KIPO (Kinderpornografie), diese Dinge, die Leser eine Massenzeitung moralisch aufstoßen, sind oft interessanter als Ehestreits, bei denen einer den anderen in den Bauch sticht.

Der Handel mit der Ware, den ich betreibe, ist die Suche nach der Moral hinter der Geschichte. Man muss sie suchen, kann als Gerichtsbeobachter aber nichts verändern. Man kommt zu einem Fall, weiß manchmal Anhaltspunkte aus Vorgesprächen, hört und sieht dann vier, fünf Stunden alle Betetiligten reden, es gibt ein Urteil, man geht wieder nach Hause und kann nichts verändern. Gerichtsberichterstattung ist illustrativ. Sie sollte aber nicht voyeuristisch oder plump sein. Dazu braucht es Erfahrung. Man darf sich weder mitreissen lassen, noch abstumpfen. Sie sollte einen wahren Kern der Geschichte, einen großen gemeinsamen Nenner erkennen, den jeder versteht.

Im Wesentlichen geht es beim Strafgericht um: Die menschliche Schwäche. Wir leben in Wien und wir sollten das „Wienerische“ nicht aus den Augen verlieren. Der Wiener geht mit der menschlichen Schwäche nicht brutal um, wenn der Beschuldigte etwas darlegen kann.

Die Justizberichterstattung der „Krone“ ist eigentlich schwach (gar schwächlich: Gabriela Gödel; viel besser: Peter Grotter, wir grüßen uns oft und reden am Gang; er ist ein sehr höflicher, korrekter Mensch). Auf dem engen Raum der Gerichtsseite der „Krone“ erkennt vor allem Grotter, dass man doch etwas erzählen kann. Ein kurze Duftnote geben, wer Wer ist, ob der Angeklagte gefährlich ist oder nicht. Zwischen den Zeilen lässt sich etwas in wenigen Worten vermitteln.

Ich will mich kurz halten. Was ich vorschlagen kann, falls es von Interesse ist: Berichte in Länge von 1.000 Zeichen. Also ein sehr kleines Format.

Da ich vier Mal in der Woche im Gericht bin, aber noch nicht zum Inventar gehöre, daher den Blick von Außen halte, wäre dieses möglich: 4 x 1.000 Zeichen. Alternativ 6 x 1.000 Zeichen (zwei zum Wegwerfen, weil sie thematisch ev. nicht passen oder nicht gefallen)

Meine Leistung: Knappe Überschrift, gute Einleitung, Fließtext. Alles knapp, aber exakt und inhaltlich korrekt. Nicht stumpf wie in der „Salzburger Nachrichten“, nicht oberflächlich wie in der „Wiener Zeitung. Mit „Name und Adresse“, um Brecht zu zitieren, konkret am Punkt, für ein Laienpublikum lesbar und von Interesse. Nicht über-, nicht unterfordernd. Die Gratwanderung also, die Boulevardjournalismus braucht.

Da ich immer eine Fotokamera im Gericht dabei habe, kann ich bei wesentlichen Fällen auch Fotos mitliefern (nur ein Foto). Bei Fotos gibt es am Strafgericht eine stille Übereinkunft in der familiären Berichterstatterszene:

a. Kein Foto: Bei Strafen unter 3 Jahren (oder Freisprüchen).
b. Foto mit Augendeckel: Bei höheren Strafen, so noch nicht rechtskräftig.
c. Vollfoto (sichtfrei): Bei hohen Strafen (15 Jahre, 20 Jahre, Lebenslang), wo man weiß, dass in der Instanz ganz sicher nichts „runtergeht“. Wo das Urteil also hoch bleibt.

Ich bin kein Paparazzi. Denn ich habe vor der Institution Strafgericht Respekt. Daher wüte ich nicht im Gerichtssaal, sondern mache das, was fotografisch im engen Spielraum geht. Das muss man immer einschätzen können: Welcher Richter ist da, welcher Angeklagter? Die Lichtsituation im Haus ist äußerst schwierig (alles Neon und Kunstlicht), dazu niedere Decken, die das Blitzlicht vervielfachen. Dazu hat man ständig bewegte Motive (Angeklagte, die schnellen Schrittes kommen oder abgeführt werden, also „in Bewegung“ sind). Fotografisch ist das äußerst schwierig. Zudem kommt hinzu, dass viele Unbeteiligte am Gang im Bild sind, die das nicht wollen. Und so weiter. Ich überlege schon seit Monaten nach idealen Lösungen. Es kommt aber immer auf den Augenblick an. Man kann am Strafgericht nicht sagen, man kann immer fotografieren.

Ich bin nun seit fünf Jahren dort, habe einige Freiheiten erreicht, ich kann es aber trotzdem nicht überreizen. Denn ich bin eben bis zu vier Mal in der Woche dort. Ich kann nicht die Anwälte wild abblitzen und danach sitze ich mit ihnen im Caféhaus des Gerichts beisammen. Das Thema Fotografieren im Gericht ist ein weites Feld.

Berichterstattet hingegen darf alles werden. Wort schlägt Bild bei Gericht. Es ist oft auch im Sinn der Anwälte und ich erfülle deren geschäftstüchtigen Wunsch dennoch oft nicht. Ich kenne diese „Ohrenflüsterer“, die sich medial positionieren wollen. Es geht immer um eine eigenständige, neutrale Position. Im Mittelpunkt steht der Fall und der Mensch, nicht der Anwalt, der um Klienten buhlt.

Also mein Vorschlag zusammenfassend:

Umfang: 4 – 6 Beiträge pro Woche zu je 1.000 Zeichen.

Kosten: 50 Euro pro Beitrag.

Ergänzung: Foto bei Bedarf zum Fall und wenn möglich, nur optional

Kosten: 40 Euro pro veröffentlichtes Bild (optional).

Keine Namensnennung, auch nicht mit Akronym. Beiträge nur ohne Namensnennung oder unter einem „Spitznamen“.

Lieferung: Per Email an einen Kontaktredakteur aus Ihrem Haus.

Kein Sachaufwand. (Vielleicht einmal später; ein besseres Kameraobjektiv, oder so)
In Summe kommt man nicht mehr als auf 800 – 900 Kosten für Sie im Monat.

Adel stirbt aus

Für mich ist das die Grenze, die interessant ist, da ich derzeit zwar in einer Art aristokratischem Nichtstun lebe.

In meinem Wohnbüro stehen Computer, Scanner, Bildschirm. Ich brauche nirgends einen Arbeitstisch. Ich weiß auch so, was zu tun ist. Vormittags bin ich ohnehin am Gericht, wo ich auch zu Mittag in der Kantine esse. Danach bin ich am Rechner und damit „am Damm“.

Falls Sie Interesse an Berichten in äußerst knapper Länge aus dem größten Strafgericht Österreichs (LG Wien) vom Insider haben wollen, lassen Sie es mich wissen.

Telefonisch bin ich schwer erreichbar, ich bin kein großer Telefonierer. Ich habe nur ein eher altes Handy. Man müsste sich hinarbeiten: Per Email (marcusjoswald@live.at) oder mit Brief. Ich bin nur an der Sache interessiert, nicht an Posten, nicht an Verdienst, nicht an Schnickschnack.

Ich habe für Treffen wenig Zeit: Ich hänge in meiner Arbeit tief verwickelt. Ich will mich nicht ablenken oder zerstreuen. Wie gesagt: An einem besseren CANON-Objektiv wäre ich schon einmal interessiert, es wäre nützlich. Das schrieb ich aber auch schon Herrn Mateschitz. (Als er damals die F1 gewann, schrieb ich ihm, dass ich Interesse an einer NIKON hätte. Und zwar an der Besten, weil man nur einmal lebt: D3X!) Man kann sich denken: Er schrieb nicht einmal zurück. So ist das.

Man kann nicht alles haben. Deswegen gehe ich fast täglich aufs Landesgericht. Zu meiner Medidation.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus J. Oswald (Ressort: Briefe, Hinaus)

Stadtzeitung „Falter“ sorgt sich um Frau Alexia Weiss

Posted in Falter, Kurioses by Pangloss on 25. September 2010

Die Wiener Journalistin beschwert sich, dass ein Blog zu ihr errichtet wurde. Statt dass sie sich freut, dass sie aus dem Meer der namenlosen Schreiber herausgehoben und beachtet wird. Der Fake-Blog war am 25. September 2010, als von diesem Journal Nachschau gehalten wurde, jedoch leer. (Screen: 25. September 2010)

(Wien, im September 2010) Warum der „Falter“, die Stadtzeitung Wiens, nie eine große Zeitung wird, zeigt sich an der Themenauswahl und am Mangel der Einschätzung von Themen. Dazu kommt eine naive Aufgekratztheit, die besonders Medien, die politisch links von der Mitte stehen, auszeichnet. Die Aufgekratztheit kann man auch Überempfindlichkeit nennen.

Der naive, fast studentische Zugang zu lebensweltlichen Dingen mag die Zielgruppe der Studenten erreichen. Von Paul Yvon, einst Gerichtsreporter im „Profil“ und (eine Zeit lang) Journalistenausbildner, stammt ein Wort, das sich der Herausgeber dieser Seite immer gemerkt hat. „Profil schreibt für die Zielgruppe der Über-Vierzigjährigen.“ Damit meinte er umschrieben, dass sowohl in Themenauswahl (Relevanz) wie in Themenanalyse (Durchführung) die 40+ – Generation einen anderen Anspruch an Medien hat, als es 25-Jährige haben. Der „Falter“ bedient in der Sensationslust leider allzuoft nur die Jungen.

Mangelnde Lebenserfahrung führt zu Fehleinschätzungen

Das merkt man wieder einmal an einem Medienartikel. Eine gewisse Alexia Weiss wird hofiert und vom Falter in Schutz genommen. „Wenn Neonazis einem im Netz den Namen nehmen“ lautet der Bericht über Frau Weiss, die beim „Googeln“ feststellen musste, dass es einen Weblog gibt, den sie aber nicht schreibt. Er heißt „Alexia Weiss Blog“. Er zeigt in Bild im Header von ihr und – jetzt wird es interessant: sonst nichts.

Eine Nachschau am 25. September 2010 auf diesem sogenannten „Alexia Weiss-Blog“ erbachte nichts. Ein Header ist da und sonst keine Artikel. Der „Falter“, der davon berichtete, erschien am 10. September 2010 und wenn man den damaligen Screenshot, der dem Artikel beigestellt ist, ansieht, fand man schon damals – fast nichts. Den Header mit ihrem Foto und EINEN Artikel. Dieser, allerdings, gehässig, „Die Juden in Österreich – Ein Fremdkörper“. Nach diesem Artikel hat es aber den Autor dieses Blog offenbar nicht mehr gefreut oder es haben ihn die Kräfte verlassen. Im Ressort „Letzte Artikel“ findet sich genau nur dieser eine Artikel – im Monatsarchiv der Bezug „August 2010“.

Nur ein Beitrag wurde auf dem Fake-Blog veröffentlicht, aber Frau Weiss macht sich in die Hose und geht zum Falter ausweinen. Vorgängig machte sie auf mutig und wollte gleich die ganze Alpen-Donau.info - Webseite, die Deutschtum verbreitet, löschen lassen. Politischer Journalismus erfordert Charakterstärke und Risikobereitschaft, es ist Papierkrieg und Materialschlacht und die Frage ist, ob die ehedem kleine APA-Journalistin (der nun nicht mehr der große APA-Apparat rund um Michi Lang den Rücken freihält) den Herausforderungen, die freischaffende politische Publizistik nach sich zieht, gewachsen ist. Oder ob sie nur will, aber nicht kann. Denn zwischen Können und Wollen ist im schreiberischen Gewerbe ein haushoher Unterschied. (Foto: Screen Falter 10. September 2010; im Bild sichtbar: Nur ein Beitrag ist am Fake-Blog, doch der Falter spricht gleich von einem Blog, es ist bestenfalls ein Blögchen.)

Aus dem Umstand, dass jemand mit dem Namen eines Anderen einen Fake-Blog aufmacht, macht der „Falter“ eine Reihe von Überlegungen. Es ist a. eine Frechheit, b. ein Anschlag auf die Persönlichkeitsrechte dieser Frau, c. sie sei Jüdin, d. sie werde von Neonazis verfolgt, e. weil sie die Schließung der Webseite „Alpen-Donau.info“ gefordert habe. Drei breitzeilige Spalten widmet der „Falter“ diesem Umstand. Wer Frau Weiss ist, wusste bisher kaum jemand. Ihr Leibthema sei die NS-Zeit, längere Zeit zahlte ihr die APA fünfzehn Monatsgehälter. Nun ist sie „freischaffend“. Jetzt hat sie Zeit und sucht das Internet nach Neonazi-Seiten ab.

Das ist gut und richtig. Doch eines ist naiv von der guten Dame: Sie meint, dass Angriffe auf Webseiten widerspruchslos von diesen hingenommen werden. Frau Weiss hat eine eigene Webseite, die sie tatsächlich betreibt und auf dieser rief sie zur Schließung der „Alpen-Donau.info“ auf, weil Deutschtum und mehr betrieben werde. Das merkten sich natürlich die Herrschaften der „Alpen-Donau.info“. Irgendwer, es ist nicht beweisbar, stellte dann einen einzigen Beitrag auf einen Fake-Blog zu Weiss, eröffnete damit die Seite und ließ sie weiterhin schlummern. Mehr folgte nicht. Mehr war nicht und kam auch nicht nach.

In der Allianz zwischen „Falter“ und Frau Weiss wird nun gefordert, dass Kriminalpolizei, Verfassungsschutz und weitere Organe sofort einschreiten. Verkannt wird, dass auch Frau Weiss gegen die Alpen-Donau-Seite ordentlich losging, nun aber zimperlich und wehleidig wird, wenn es gegen sie selbst geht. Der „Falter“ ist sowieso zimperlich. Er unterstützt das öffentliche Zimperlichsein und erklärt es zur Kultur.

Fälschungen gehören dazu, da WWW nicht die BBC

Zu ergänzen ist, dass man in Zeiten des Internet mit Vielem leben muss. Eben auch mit Fälschungen. Es hat überhaupt keinen Sinn, dagegen Klage zu erheben. Wieso auch? Es ist nicht nur schlecht. Das Plagiat adelt den Autor und Hemingway sagte einst: „Die Größe eines Mannes zeigt sich nicht an den Freunden die er hat, sondern an der Anzahl seiner Feinde.“ Freunderlpartien (etwa zum „Falter“) kann man am Caféhaustisch rasch begründen. Feindschaften muss man sich hart erarbeiten.

Frau Weiss hat gewiss Feinde und sie sollte eher stolz darauf sein und nicht zum „Falter“ Weinen gehen. Sie will im Nazilager fischen und recherchieren. Da sie nicht vorhat, ein Strickwarengeschäft zu eröffnen, sondern weiter im Nazilager fischen will, muss sie mit Widerstand rechnen. Wer austeilt, muss auch einstecken lernen. Sonst ist er für den Beruf des freischaffenden Publizisten nicht geeignet. Der Herausgeber dieser Seiten musste über sich in der weiten Welt des Internets schon vieles lesen: So sei der BZÖ-Mitglied, habe unter dem Wiener Stadtbahnbogen ein sexuelles Erlebnis mit einem Transvestiten gehabt, sei homosexuell, sei SPÖ-Mitglied, sei ein Betrüger, Verleumder, Anwaltszuhälter, Stalker, Gewalttäter, eine linke Zecke, ein Rechtsradikaler, mehrfach delogiert geworden, und so weiter. Man kann sich herauspicken, was man will.

Feine englische Art und englische Wochen

Doch es gibt einen alten britischen Grundsatz, die feine Englische: „Bad News are good News.“ Man muss nur gewillt sein, seinen Narzissmus auszuleben. Das macht gegen Kritik ziemlich immun. Man kann diesen Rat weiter geben: Das Entscheidende beim Internet ist nicht, dass man stets nur „das Gute“ über sich im Internet sucht und findet, sondern auch das Schlechte, wenn es gut erfunden ist. Und dass man das Schlechte, aber gut Erfundene, schlicht und einfach im Raum stehen lässt. Denn das Internet erhebt ja keinen Anspruch auf Wahrheitsgehalt. Sonst hieße es nicht WWW, sondern BBC.

Insoweit fällt auf, mit welchen naiven bis verzärtelten Argumenten Leute wie Alexia Weiss, die Medien selbst lange Zeit aktiv als Produzenten bedient haben und daher wissen, welche Falltüren und Aussichtstürme es gibt, an Medien herangehen. Doch auch sie muss akzeptieren: Ja, es gibt im Internet Kampagnen und diesmal hat es halt sie getroffen. Doch es war keine komplette Webseite mit vielen Berichten, sondern nur ein Andeuten einer Webseite. Und: Auch sie macht Kampagnen, da sie – egal aus welchen lauteren Gründen – Webseiten „schließen“ lassen will.

Es müssen sich alle, die in Medien den Kopf beim Fenster zur Welt hinaushalten, mit der Idee anfreunden, dass sie geortet und getortet werden. Leider wollen alle nur „gut dargestellt“ werden und verkennen, dass Gegner das anders sehen. So entsteht, dass namensorientierte Blogs in fremdem Namen iniitiert werden. Dass das eher ein Modell des rechten Lagers ist (Anti-Antifa-Bewegung), liegt auf der Hand. Man muss es als Trend der Zeit sehen und Blogs sind eben Teil des „Schwarm-Netzwerks“, das sehr freiflächig und direkt werden kann. Wer das nicht lesen will und das nicht will, wird sicher von niemandem gezwungen, das Internet anzudrehen. Der Herausgeber dieser Webseite hat zum Beispiel seit April 2008 keinen Fernseher und ihm ist daher ziemlich egal, was im Fernsehen läuft. Würde etwas Negatives im Fernsehen gesagt werden, wäre es außerhalb seiner Wahrnehmung. So ähnlich ist es beim Internet auch. Die Mutter des Herausgebers kann nicht einmal einen PC einschalten, geschweige weiß sie, was Internet ist. Außerhalb der Wahrnehmung.

Es sollten die Empfindlichkeiten also etwas zurückgeschraubt werden. Das Internet ist kein Mädchenpensionat, sondern eine machtvolle Drehscheibe für Information. Alexia Weiss wurde gefakt und sie weiss warum. Sie hat sich hinausgelehnt und meinte, das geht widerspruchslos. Widerspruchsfrei bleibt das vielleicht in die sauberen Welt der APA, aber nicht in der Welt der widerstrebenden politischen Meinungen, die im Wettbewerb stehen.

Der Herausgeber findet nur eines schlecht: Dass das über ihn niemand macht. Einen Blog in seinem Namen mit allen Gehässigkeiten und allem Drum und Dran. Das „Genderwahn-Forum“ hat es in Ansätzen versucht, doch dieses ist an sich selbst gescheitert. An den Feindfronten muss also noch gearbeitet werden.

Marcus J. Oswald (Ressort: Falter, Kurioses)

Eine Redaktionssitzung im „AUGUSTIN“ (2004)

Posted in Konzepte, Reminiszenzen by Pangloss on 23. September 2010

Alte Aufzeichnungen: Juni 2004. (Foto: Archiv Oswald 1090)

(Wien, im September 2010) Der Herausgeber dieses Journals kramt gelegentlich in alten Kisten und findet Schriftstücke. Dieser Tage fiel ihm eines aus dem Juni 2004 in die Hände. Es ist ein vorbereitendes Papier für eine Redaktionssitzung. Diese Sitzung fand in der Phorusgasse 5 im 4. Wiener Bezirk in den Räumlichkeiten des Uhudla Verlages statt.

Festzuhalten ist, dass der Herausgeber dieser Seite in den Jahren 2003 und 2004 nie vom Augustin-Chef Robert Sommer zu einer Redaktionssitzung eingeladen wurde. Wohl wurden dort vom Herausgeber der späteren „Blaulicht“-Journale doppelte und dreifache Druckseiten veröffentlicht. Doch zu einer Redaktionssitzung wurde er nie eingeladen.

Am 8. Juni 2004 fand wieder eine Redaktionssitzung des „Augustin“ in der Phorusgasse 5 statt. Das erfuhr der Herausgeber dieser Seite über Umwege per Email. Jemand schickte ihm ein Email (es war seine Lebensgefährtin), dass am 8. Juni 2004 ab 19 Uhr eine solche Sitzung ist. Wie immer war ein Gast geladen, der eine halbe Stunde vor versammelter Runde (zirka 30 Leute) eine „externe Blattkritik“ durchführt. Im gegenständlichen Fall war das am 8. Juni 2004 der Kolumnist Erwin Riess, der die „Stadtausfahrten“, eine Serie über Topoi in Wien, schrieb. Riess ging Seite für Seite der letzten Nummer durch und bezog Anmerkungen auf Beiträge und gab Ausblick, ob man das verstärken oder erneuern sollte.

Nach der „Blattkritik“ war offene Diskussion. Der Vertriebschef Hennefeld berichtete positive und seit Jahren stabile Absatzzahlen bei rund 36.000 Verkauf pro Ausgabe (alle zwei Wochen)

Blattchef Robert Sommer, der kein großer Diskutant, sondern ein stiller Analytiker ist, sprach während der ganzen Veranstaltung fast nichts. Er saß am Zipfel des langen Tisches, umringt von vielen Leuten. Er hörte großteils zu. Nur einmal, als die Blattkritik von Erwin Riess am Ende des Vortrages nach der Konsequenz seiner Analyse fragte, also nach der Umsetzung, da sagte Robert Sommer, fast unhörbar, aber deutlich: „Der Augustin kann schreiben, was er will, er verkauft immer 36.000 jede Woche.“ Riess war enttäuscht. Seine „Blattkritik“ erachtete er damit als sinnlos, da ohnehin nichts verändert wird. Kolumnist blieb er trotzdem und seine „Stadtausfahrten“ erschienen noch lange (bis 2006), ehe die Teile als Buch herauskamen und die Serie abgeschlossen war.

Der Herausgeber dieser Seite hatte sich damals eingeschleust. Er war nicht eingeladen, setzte sich aber dazu. Bis dato Juni 2004 waren gut sieben, acht Artikel, meist Doppelseiter erschienen. Er erachtete es als ein Grundrecht auch mitreden zu können, wie das Blatt gestaltet wird. 2003 und 2004 bestand eine enge Liebe zum „Augustin“, die leider von den „Augustin“-Machern nicht entsprechend erwidert wurde und Ende 2004, aber schon wenige Monate nach dieser einzigen, je besuchten mehrstündigen Redaktionssitzung, erlosch.

Jahre später begegnete er Robert Sommer, es war Frühjahr 2009, in der U-Bahn-Station Spittelau in der Mittelstation bei den Geschäften. Sommer erkannte Oswald nicht, dieser ihn schon. Sommer ging auf Oswald zu und fragte ihn: „Können Sie 20 Euro wechseln?“ Sommer brauchte einen Fahrschein und der VOR-Automat nahm nur 10-Euro Scheine. Wie gesagt: Oswald erkannte Sommer und er sagte: „Nein.“ Dieser drehte sich weg und ging weiter.

Damals, 2004, wäre es eine Freundschaft geworden. Kurz vor der Redaktionssitzung am 8. Juni 2004 entwarf Oswald ein spontanes Papier mit Vorschlägen, was man in die Zeitschrift „Augustin“ einbringen könnte. Tatsächlich konnte er ein paar Dinge am nächsten Tag in einer Wortmeldung vortragen. Vorweg: Es wurde nichts umgesetzt. Die ideelle Zusammenarbeit endete ein paar Monate später für immer.

+++

AUGUSTIN

(Vorschläge für Redaktionssitzung, 8. Juni 2004, verfasst 7. Juni 2004, 19 Uhr 25)

Seit ich den AUGUSTIN kenne, weiß ich, dass hier Journalismus neu erfunden wird. Damit das so bleibt, muss man immer neue Erfindungen nachschießen, da man sonst rasch konventionell wird.

Hier einige Vorschläge. Heute unter der Dusche ist mir eine Idee eingefallen, die ich sofort festgehalten habe.

1. Begräbnisberichterstattung. Das ist etwas, was es in Österreich nicht gibt. Wien ist aber die Stadt der Nekrophilie und der Schenen Leichen. Man könnte die Rubrik „Sterben“ nennen (in Antagonie zu „Tun und Lassen“).

Manche Zeitungen haben die „Totentafel“. Aber das ist nur Statistik. Was man machen könnte – in loser Folge – fremde Begräbnisse besuchen und über die Dramaturgie schreiben. Schon Girtler sagte zum Begräbnis des Bernhard Wesely 1985, dass es symbolträchtig sei, dass man ihm Spielkarten und ein Hufeisen mit ins Grab warf. Beim Begräbnis des Josef Krista, das war 1970, spielte man den „Zapfenstreich“ aus „Verdammt in alle Ewigkeit“. (Beides waren Unterweltler, Anm.). Gemeint ist bei uns: Zeige mir das Begräbnis und ich sage Dir, wer du warst.

Form: Reportageform. Der Leser muss den Weihrauch riechen, die Musik hören, die Gesichter sehen. Die Ansprachen, das Zermoniell. Es muss berichtet werden wie von einer Theaterpremiere.

Analogie: Monarchische Begräbnisse. Die wollen wir nicht beschreiben, sondern ganz gewöhnliche Begräbnisse.

Analogie II: Lily Brett, eine US-Autorin, lebte davon, in der „New York Post“ Nachrufe zu schreiben. Daneben schrieb sie Kurzgeschichten, die heute große Verbreitung erfahren.

2. Geldberichtserstattung. Aber nicht so wie im „Wirtschaftsblatt“ oder im „Trend“, Zeitschriften, die davon ausgehen, dass alle Geld haben. Sondern über die Profiteure des Geldlebens. Geldverleiher, Geldeintreiber.

Ich schlug schon einmal eine Art neue Rubrik – ebenfalls in loser Folge – vor: „Geld.Los“

Die zehn großen Inkasso-Insitute im Tun und Geschehen. Nicht im Portrait. Keine PR. Sondern ein verdecktes, investigatives Portrait, das Auskunft darüber gibt, wie man dort Auskunft gibt.

Andreas Maly sagt ja, dass die Inkasso-Institute in 50% der Fälle zu Lasten des Betriebenen falsch abrechnen. Man müsste weitere Strukturansätze finden, die man bei jedem Institut anwendet.

An meiner Tür war kürzlich ein Inkassant im Hausbesuch – und hinterließ eine Visitenkarte. Ich würde natürlich gerne wissen, was das für Leute sind. Was sind das für Leute, die bei Leuten Geld eintreiben?

Zehn Teile: Aber nicht Wirtschaftsjournalismus, sondern Sozialjournalismus!

Wie kann man das machen? Einfacher Trick: Indem man nicht Unternehmen in den Mittelpunkt stellt (wie das herkömmliche Zeitungen tun), sondern den Betroffenen, Gepfändeten, Schuldner.

Weitere Ansätze zur Verbesserung:

Vorbemerkung: Es ist ein leichtes, eine Zeitung mit 300.000 Auflage zu machen. Einige Ansätze.

3. Sportberichterstattung ausbauen. Will man (wollen wir) mehr Auflage, muss man auch über andere Themen berichten. Rapid und Austria. Aber anders, als in Großmedien. Etwa über Fangruppen. Etwa über Unterthemen wie rassistische Schlachtgesänge. Sicher: Man macht sich damit nicht nur beliebt beim Leser, schärft aber seinen Verstand – und ist mitten im Thema.

Andere Sportarten: Volleyball. Es gibt in Wien eine schwule Volleyballmannschaft. Das wäre ein Thema, das subkutan, unterirdisch das Sexuelle, Erotische des Sportes mittransportiert. Leser werden eine solche Geschichte mit Haut und Haaren fressen.

Endlich einmal ein Interview mit Hans Krankl. Das muss sein, auch wenn er Teamchef ist.

(Einen Überblick über Fussball-Wirtshausmannschaften in Wien. )

4. Ausbau der Berichterstattung zum Beziehungsleben. Beziehungsleben ist das, was im Privaten unter den Menschen passiert. Man kann die Auflage heben, wenn man diese Themen undogmatisch anfasst. Die Frage ist natürlich wieder wie? Es muss AUGUSTIN-like sein.

Fange wir beim untersten Ende an: Gewalt.

Ich würde mir eine 3-teilige Serie wünschen. Über den Aufbau von Serien und dem Überhandnehmen von Serien sage ich später noch etwas.

Teil 1: Gewalt gegen Kinder in Haushalten
Teil 2: Gewalt gegen Frauen in Haushalten
Teil 3: Gewalt gegen Männer in Haushalten (Stw: Xanthippen; auch dazu gibt’s neue Studien)

Jeder Teil der Serie ist in sich abgeschlossen. Wichtig: MEHRTEILIGE Serien dürfen NIE MONTHEMATISCH sein. Das heißt: Eine Serie muss alle Facetten des Themas ansprechen und zwar pro Serienteil in sich abgeschlossen. Sonst wird das als gestalterische Schwäche lesbar und man glaubt, der Autor ist mit dem Platz nicht ausgekommen und streckt das Ganze auf mehrere Teile.

Vorbild: W. Höllriegl. Er schrieb 1978 im Profil eine 3-teilige Serie über Prostitution. Hervorragend geschrieben, doch das ist nicht das Thema. Werfen wir den Blick auf die Gestaltung: Teil 1 – Geschichte der Prostitution seit der Antike. Teil 2 – Die Hure. Teil 3 – Der Freier.

5. Ausbau der Gerichtsberichterstattung. Da läuft man bei mir offene Türen ein. Warum wäre das wichtig? Zum einen zeigt sich in der Gerichtsdramaturgie vieles, wie der kollektive Staat mit dem Individuum umgeht. Da braucht man wenig Begleitsoziologie – die „grellsten Erfindungen sind Zitate“ würde Karl Kraus sagen.

Zudem ist „Kriminalität“ ein Quotenschlager. Das merkt man derzeit vor allem im Fernsehen, wo jeden Abend das Thema auf kreative Weise abgehandelt wird. Es gibt wohl keinen Menschen, der nicht kriminell ist. Oder: Es gibt wohl keinen Menschen, der nicht von Kriminalität betroffen ist. Mir wurde zum Beispiel seit 1998 das vierte Fahrrad vor meinem Haus gestohlen. Das letzte am 31. Mai. Kriminalität ist immer und überall. Sie schläft nicht und kann jeden betreffen. Es ist das Menschheitsthema schlechthin und interessiert die Leute. Das ist gut für Leute, die Zeitungen machen.

Die Themenbandbreite ist sehr groß, abendfüllend und hebt auf jeden Fall die Quote.

Ich empfehle auch kürzere Berichte aus dem Segment, denn es muss nicht immer der große Hintergrundartikel sein.

6. KULTURA: Ich bin natürlich für viel Kultur in einer Zeitung. Aber eine Zeitung, die nur Kultur bringt, ist bald eine „Kulturzeitung“. Und da brauchen wir von Auflagensteigerung nicht mehr reden!

Der AUGUSTIN soll Buchbesprechungen und Theaterkritiken bringen, aber nicht nur, sonst ist es nicht mehr der AUGUSTIN, sondern Morgen, NÖ. Kulturberichte, OÖ. Kulturbericht, Kolik, Kursiv und wie sie alle heißen.

Hauptproblempunkt, der zu bedenken ist: „Wer in Bewegung ist, liest nicht gerne den langen Kulturessay.“ Vertriebsachse „Kolportage“ weist auf Bewegung hin. Wer von einem Kolporteur kauft, ist in BEWEGUNG. Den Kulturessay liest man im Ohrensessel, in einem angenehm eingerichteten Arbeitsplatz, auf der Couch, nicht aber in der Straßenbahn oder im Zug. Der typische AUGUSTIN Leser kommt für mich aus dem unteren Mittelstand oder Mittelstand.

Denken wir an die Pendler, die nach NÖ hinausfahren und den Augustin am Bahnhof kaufen. Die wollen etwas lesen, das mit dem Leben und Lebensraum zu tun hat. Bedienen wir das!

Ich glaube, wer kritische Öffentlichkeit erzeugt, hat die Öffentlichkeit auf seiner Seite.

Man muss Themen nicht nur „machen“, sondern auch weiterverfolgen und beizeiten wieder aufgreifen!

Aktueller werden!

Frühes „Profil“ (70er Jahre) – Ich höre immer wieder: So kann man heute nicht mehr Journalismus machen. Die Zeiten habe sich geändert. Das ist Unsinn: Nicht die Zeiten haben sich geändert, sondern die Medien. Die Probleme der Menschen blieben gleich.

[Oswald – 7. Juni 2004, 19 Uhr 25]

Marcus J. Oswald (Ressort: Reminiszenzen, Konzepte)

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