Medien und Kritik – Das Online Magazin

Eminem übersprang Marke eine Milliarde auf You Tube

Posted in Internet, You Tube by Pangloss on 30. August 2011

Die Top 9 der meistgesehenen Filme auf You Tube. Justin Bieber (17 Jahre alt) vor Lady Gaga (25 Jahre alt) und Eminem. Der 39-jährige Eminem hat aber das umfangreichste Gesamtwerk auf You Tube und die meisten Videos, die eine Bandbreite von mindestens sechs Jahren rückwärts abdecken. (Quelle: Best of Liste You Tube, Stichtag 30. August 2011)

(Wien, im August 2011) Der amerikanische Rapper Eminem übersprang die Marke 1 Milliarde Zugriffe auf „You Tube“. Während einige Musiker sich mit You Tube herum streiten und Urheberrechte reklamieren, hat er sich offenbar mit „Google“ geeinigt und seine Videos erzielen allerhöchste Werte. In Summe ist Eminem mit seinem musikalischen Gesamtangebot unter den Top 3 weltweit – hart umkämpft von Teenie-Idol Justin Bieber und der New Yorker Mode-Ikone Lady Gaga. Am Gesamtwerk gemessen führt Eminem die You Tube-Charts an, da sein Werk einen größeren Zeitraum abdeckt und breiter gefächert ist als bei der jugendlichen Konkurrenz.

Zwanzig Videos gemessen

Zusammengezählt aus den untenstehenden Angeboten hat Eminem mit seinen besten zwanzig Platzierungen auf „You Tube“ die Summe aus 375.489.411, 269.730.625, 100.706.671, 84.199.726, 71.370.621, 59.929.488, 48.550.847, 45.093.876, 33.404.615, 30.110.252, 26.550.546, 25.224.814, 20.330.378, 18.848.598, 18.509.940, 18.437.995, 9.780.887, 9.689.128, 2.852.803, 536.842: Weit über 1 Milliarde 270 Millionen Seitenaufrufe! Errechnet nur aus den Top 20-Platzierungen seiner Musikvideos auf You Tube. Eminem ist mit vielen weiteren Videos vertreten, darunter auch Ausschnitte aus Interviews oder Szenen aus seinem Film „8 Mile“.

Spitzenreiter ist mit heutigem Tag (30. August 2011, 19 Uhr 11) aus seinem Angebot das Video „Love The Way You Lie ft. Rihanna“ mit 375 Millionen 489.411 (!) Aufrufen.

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In der Etappe sind diese Videos aus seinem Angebot: „Not afraid“ mit 269 Millionen 730.625 (!) Aufrufen.

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Es folgt „Beautiful“ mit 100 Millionen 706.671 (!) Aufrufen.

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Es folgt „When I’m gone“ mit 84 Millionen 199.726 (!) Aufrufen.

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Es folgt „No love“ (Explicit version) mit 71 Millionen 370.621 (!) Aufrufen.

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Es folgt „Like Toy Soldiers“ mit 59 Millionen 929.488 (!) Aufrufen.

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Es folgt „Without me“ mit 48 Millionen 550.847 (!) Aufrufen.

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Es folgt „We made you“ mit 45 Millionen 093.876 (!) Aufrufen.

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Es folgt „Just Lose it“ mit 33 Millionen 404.615 (!) Aufrufen.

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Es folgt „Mockingsbird“ mit 30 Millionen 110.252 (!) Aufrufen.

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Es folgt „You don’t know“ (mit 50 Cent) mit 26 Millionen 550.546 (!) Aufrufen.

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Es folgt „Sing for the moment“ mit 25 Millionen 224.814 (!) Aufrufen.

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Es folgt „My Name is“ mit 20 Millionen 330.378 (!) Aufrufen.

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Es folgt „“Cleanin‘ Out My Closet“ mit 18 Millionen 848.598 (!) Aufrufen.

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Es folgt „3 am“ mit 18 Millionen 509.940 (!) Aufrufen.

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Es folgt „The Way I am“ mit 18 Millionen 437.995 (!) Aufrufen.

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Es folgt „White America“ mit 9 Millionen 780.887 (!) Aufrufen.

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Es folgt „Stan (Long Version) ft. Dido“ mit 9 Millionen 689.128 (!) Aufrufen).

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Es folgt „Eminem bei Grammy Award 2011 im Duett“ mit 2 Millionen 852.803 Aufrufen.

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Spezial Bonus:

Eminem accepts Awards – MTV 2002 mit 536.842 Aufrufen.

Eminem accepts 43rd Grammy Award 2001 mit 342.735 Aufrufen.

Eminem accepts 53rd Grammy Award 2011 mit 244.573 Aufrufen.

Beste Ausschnitte aus dem Film 8 Mile:

more clips via „Movieclips“ zur Auswahl.

Marcus J. Oswald (Ressort: Internet, You Tube)

Tiroler Tageszeitung geht vor – Posten nur mehr unter Klarnamen

Posted in Internet by Pangloss on 29. August 2011

Möglicherweise steht das Ohr ab, liegt das Haar schief und auch die Nase ist nicht ganz symmetrisch. Doch: Es hilft keine Sonnenbrille, keine Tarnjacke, kein Hut, kein Regenschirm und keine Maskerade. Wer im Internet schreibt, tut das als Mensch, nicht als Rollenträger oder Comicfigur. (Foto: Selbstfotografie)

(Wien, im August 2011) Die gute Nachricht im August kommt aus Tirol von der „Tiroler Tageszeitung“. In einer Aussendung vom 25. August 2011 erklärt man zum einen, dass man die Webseite der Zeitung nun „Tiroler Tageszeitung Online“ nennt, um besser erkennbar zu sein. Doch die eigentliche Sensation verbirgt sich im zweiten Absatz des Aussendungstextes. Besser erkennbar gemacht werden soll nun auch der User, der auf dem Portal www.tt.com postet.

„Die Registrierung unter Klarnamen soll zur Versachlichung beitragen und für alle Teilnehmer eine Diskussion auf Augenhöhe ermöglichen“, sagt der Marketingleiter des Zeitungskonzerns Moser Holding Bernhard Greil. Und der Konzernvorstand Hermann Petz konkretisiert: „Wir beschäftigen uns laufend und intensiv mit dem Thema Transparenz für Online-Medien. Von dieser Maßnahme erwarten wir uns eine Steigerung der Qualität von Postings. Damit nimmt die Tiroler Tageszeitung bei dem viel diskutierten Thema der Anonymität von Online-Kommentaren eine Vorreiterrolle ein.“

Das ist eine sehr gute Einstellung und eine alte Forderung, die der Autor dieser Zeilen bereits im Jahr 2000 erhoben hat. Schön, dass sie 11 Jahre später (!) von der ersten Tageszeitung erfüllt wird.

Herr Oswald erhob bereits im Jahr 2000 die Forderung, dass jeder nur unter seinem Klarnamen schreiben sollte, gab aber zu bedenken, dass das nicht geschieht, wenn es sich um politische und gesellschaftspolitische Themen handelt. Herr Oswald hielt sich seit 2000 nur an seinem Namen, weil er sonst keinen hat und schreibt seit 11 Jahren nur unter seinem Klarnamen. (Foto: Posting auf derstandard.at am 24. Februar 2000)

Bereits am 24. Februar 2000 erhob der Herausgeber dieser Seite die Forderung nach Aufhebung der Anonymität im Internet. Grund war damals, dass durch die sogenannte „schwarzblaue Wende“ in Österreich es in den einschlägigen Foren der Webportale orf.at und derstandard.at, aber auch diepresse.com und wienerzeitung.at zu einem erhöhten Postingaufkommen und einer erhöhten Radikalisierung der Fronten kam. Vor allem, wenn es sich um politische und gesellschaftspolitische Aussagen handelt, ist es kontraproduktiv, wenn sich die Redner hinter einer Faschingsmaske verstecken. Jeder darf und jeder solle eine politische Meinung haben und diese äußern. Es entwickelte sich aber eine Unfairness, die vor allem durch die Maskerade entsteht.

Es ist weitaus verantwortungsvoller und schwieriger, herausfordernder und komplexer, politische Debatten im Internet zu führen, wenn man es unter dem Klarnamen tut, weil die Klarheit nicht nur im Namen, sondern auch im Stil und im argumentum stärker sein muss, wenn man mit „dem Gesicht“ hinter dem Geschriebenen steht.

Klosprüche etablierten sich

Leider etablierten sich vor allem am Beginn des ersten Jahrzehnts die Klosprüche in den Onlineformen, noch lange bevor es die Erfindung der Pinnwand bei Facebook gab. Politische Relevanz erzeugt sich jedoch nicht durch Klosprüche, sondern durch zusammenhängende Gedanken, die auf 1.500 Zeichen aufbereitet und offenbart werden.

Seit einem Jahrzehnt gibt es den „Richtungsstreit“ in der Webwelt zwischen anonym und offen. Ein Streit, der eigentlich keiner sein sollte. Wer ein Buch schreibt, tut dies mit Namen. Wer einen Leserbrief an ein Magazin schickt, tut dies mit Namen. Nur in Foren meinen die Damen und Herren Schreiberlinge mit dunkler Sonnenbrille vorgehen zu können. Die Agrumente gegen die Offenheit des Klarnamens sind allesamt an den Haaren herbeigezogen. Es hat sich eine Bequemlichkeit eingeschliffen. Weil es immer so war, soll sich nichts ändern dürfen. Am Lustigsten sind diejenigen, die in Staatsbetrieben oder als Beamte arbeiten. Sie argumentieren immer, dass sie dann von Postings ausgeschlossen wären, weil der Dienstgeber das nicht toleriert. Das ist so nicht richtig. Klar formulierte und klar durchdachte, mit Qualität und Stil geschriebene Postings toleriert jeder Dienstgeber.

Nichtssagende Furze

Was nicht tolerierbar ist, aber derzeit toleriert wird, sind hingefetzte Aggressionsschübe, nichtssagende Furze, die verschriftlicht sind. Das toleriert man nur, weil es anonym geschieht und es hat das Internet weitgehend devastiert. Der Flurschaden von Agitatoren und Propagandisten, Ausrufern der ewig gleichen Sülze und von Leuten, die sachlich nichts zu sagen haben, weil sie nie ein Buch zur Hand genommen haben, um ihr Schein- und Halbwissen abzugleichen, ist unermesslich. Man kann viele Foren nicht mehr lesen, weil sie verdorben sind.

Der orf.at hat mit seiner neuen Richtlinie (siehe Seite 8) seit 1. Oktober 2010 unter den Berichten aus den Bundesländern (maximal 80 Beiträge je Bundesland und Woche) die Postings komplett geschlossen und untersagt. Das lokale Angebot oesterreich.orf.at besteht seit 1999, also seit 12 Jahren. Ab 1999 war „Anonymposten“ unter jedem Verkehrsunfall im hintersten Tirol möglich. Mit 1. Oktober 2010 war damit Schluss. Die so genannten „Österreich“-Foren am größten Portal Österreichs wurden aufgelöst und in das Reservat debatte.orf.at verlagert, wo Anonymposten weiterhin möglich ist. Jedoch nur zu begrenzten und vorgegeben Themen. Mit einem Schlag verlor der „Orf“ tausende User, die in Scharen zu „Der Standard“ oder „Die Presse“ abwanderten. Dort können sie weiterhin machen, was sie wollen. „Der Standard“ hat seit Jahren pro Tag rund 11.000 Postings am Server, die letzten bekanntgegebenen Zahlen von heuer sind sogar 15.000 pro Tag. Das Programm „Forumat“ siebt automatisch ordinäre Begriffe aus und verhindert eine Freischaltung des Geschreibsels. Doch vieles gelangt an die Öffentlichkeit.

„Der Standard“ sieht im Anonymposten Auflagengewinn

Im „Standard“ weigert man sich die Anonymisierung der Poster zu erzwingen und wendet das verlogene Argument an, dass „sonst niemand den eigenen Firmenchef kritisieren kann“. Als ginge es um irgendwelche Chefs oder Bosse. In Wahrheit sollte der „Standard“ zugeben: Die Frequenz auf der Webseite ließe schlagartig nach und damit die Werbewirksamkeit (unique client Zählungen) für die Wirtschaft. „Der Standard“ macht also mit der Anonymität im Internet ein prächtiges Geschäft (3.1 Mio Euro Umsatz von derstandard.at im Jahr 2009) und macht keinerlei Anstalten, eine kulturelle Umkehr mitzutragen. Dass gerade der „Standard“ die Rolle der Anonymität so stark vertritt, überrascht, sitzen doch dort die Hard-Core-Feministen, die sich schon ins Höschen machen, wenn sie nur zwei „rufunterdrückte“ Anrufe bekommen und zur Stalking-Anzeige schreiten und dies auch laut propagieren. Aber, wenn es ums Geschäft mit der Auflage und den Clickraten geht, ist alles Recht: Dann ist Anonymität natürlich gut.

Sie ist nicht gut. Das weiß nun als erste die „Tiroler Tageszeitung“. Selbst wenn die TT in Restösterreich nicht zu den Leitmedien gehört und vielleicht nicht hohe Lesestärke im medieninteressierten Publikum hat, ist der Schritt weg von der Anonymität hochsympathisch. Es ist eine Notwehrreaktion. Das Internet geht sonst im Dreck und Müll der Multinickträger, Meinungsmessies und halbkriminellen Heckenschützen unter.

Tiroler Tageszeitung schafft Anonymposten ab.

Die Lernphase des Internets ist vorbei. Das Web ist nun gut und gern 15 Jahre alt. Die großen Portale sind mehr als ein Jahrzehnt am Markt. Die Anonymität und Gerüchtebörse hat niemandem etwas gebracht. Das Web wäre ein klares Medium und der Trend geht dahin, dass der Dialog und Diskurs, die qualifizierte Analyse nun mit Klarnamen stattfindet.

Rutschenleger „Facebook“ für Kulturwandel

„Facebook“ hat dazu im Übrigen einen hohen Anteil beigesteuert. Dort registrieren sich zwar sicher 20 % nicht unter ihrem richtigen Namen, aber immerhin 80 % tun es. Aus dieser dann doch verbreiteten Kultur des Echtnamens wird es bald auch in den Foren als abgestanden und fehlgeleitet gelten, wenn man unter irgendeinem Fantasienick schreibt. Es wird unmodern werden. Die „Tiroler Tageszeitung“ setzt dazu den richtigen Schritt. Man erwartet sich – als Vorbild gelten Technikwebseiten – tatsächlich bessere Wortmeldungen der Leser.

Marcus J. Oswald (Ressort: Internet)

China schliesst Hollywood aus

Posted in China, International, Markenschutzrecht by Pangloss on 8. August 2011

Das TIME Magazine berichtet am 25. Juli 2011 über die chinesische Kinolandschaft. Westliche Filme sind dort so gut wie nicht zugelassen. Plattmacher Transformers 3 geponsert von Red Bull und Superfund, kann dort nicht gesehen werden. Auch Harry Potter kommt nicht in die chinesischen Kinos. (Foto: Cover TIME, 25. Juli 2011)

(Wien, im August 2011) Über China weiß man durch das Internet wenig, was am „Goldenen Schild“ liegt. Diese sogenannte „Große Firewall“ wurde 1998 geplant und angeblich 2006 fertig erstellt. Manche Webseiten meinen Zahlen nennen zu müssen, was das Geheimdienstprojekt gekostet hat: Die nicht-zitierbare „Grauquelle“ Wikipedia mit ihren Pseudonymautoren stellt eine Zahl ins Internet und entblödet sich nicht, als Belegquelle ausgerechnet das staatliche „China Central Television“ (CCTV) heranzuziehen. „Eine halbe Milliarde Euro“ (oder 800 Mio US-Dollar) seien zwischen 1998 und 2006 in das Abwehrschild gesteckt worden. Wer’s glaubt wird selig.

So faszinierend China in seiner Größe und Art ist, so wenig kann man als europäischer Zehntagestourist über das Land wissen. Der Vater des Autors dieser Zeilen war mit dem Buchkirchner Pensionistenverband 2011 in Peking. Er stand sogar auf der Chinesischen Mauer irgendwo auf einem der 8.851 Kilometer und bestaunte die alten Steine. Nach der Reise heimgekommen meinte er, dass es schön war, aber das Reisepensum für 2011 damit erfüllt ist. „Sonst habe ich meinen Swimmingpool umsonst gebaut“, so der SPÖ-Obmann des Buchkirchner Pensionistenverbandes. Wahre Worte. Wozu in die Ferne schweifen, wenn es zu Hause auch schön ist.

Über China kann man wenig wissen. Selbst wenn man Stammgast in Wiener Massagesalons wäre und Hongkong-Chinesinnen ein paar Worte deutsch beibringen möchte. Das Land ist zu groß, zu weit weg, zu sehr von Mystik umgeben, zu viel alte Mystik der Dynastien, zu viel neue Mystik der Milliardäre und Parochialisten. Staatsdirigismus, Einkindpolitik, „Volkseigentum“ von hin man sieht, schlappe 3.000 Abgeordnete im Parlament.

Das Land des falschen Lächelns setzt auf Kommunismus. Im Prinzip gilt alles als gut, was dem Staat zukommt. Kein Land sieht bei der Produktpiraterie so weg wie China und sanktioniert es nicht. In allen Schwarzen Hitlisten zum Angriff auf Markenschutz steht China auf Position 1. Kürzlich tauchte die Stadt Kunming zwei Mal in kurzen Abständen in deutschsprachigen Medien auf. Am 5. August 2011 schrieb der „Standard“ erneut über die bisher gänzlich unbekannte Stadt. Dort wurde durch Spione nicht nur das Produktsystem „Ikea“ in Europa ausgeleuchtet, um Waren zu kopieren, sondern man baute gleich das ganze IKEA-Geschäft nach. Samt kurzem Bleistift und Block, den gelb-blauen Signalfarben und den Selbstbaumöbel.

Kunming tauchte vor einem Monat bereits in deutschsprachigen Medien auf. Das Düsseldorfer „Handelsblatt“ berichtete auf einer ganzen Seite, dass in der Stadt fünf Apple-Stores zu finden sind, die Apple-Produkte verkaufen und die exakt so aussehen wie puristische Apple-Shops aussehen, mit dem Haken, dass Apple nichts davon weiß und kein einziges Geschäft von Apple lizenziert ist. So sind sie, die Chinesen.

Lächeln ist nett, aber nur nett, wenn es echt ist. Die Staatswirtschaft ist eine Planwirtschaft auf den Schultern der westlichen Marktwirtschaft und Forschung und Entwicklung. Das TIME Magazine vom 25. Juli 2011 berichtet auf der Seite 10 eine Analyse des TIME-Korrespondenten Fareed Zakaria, der den chinesischen Kinomarkt beleuchtet. Es ist insoweit interessant, weil der Korrespondent davon ausgeht, dass China theoretisch mit seinen 1.3 Milliarden Einwohnern (parallel zu Indien, Anm. Autor) der größte Kinokonsum-Markt sein könnte.

Der Bericht hebt mit dem schönen Satz an: „On any particularly hot day this month, people around the world will do what they have done for decades: go to an air-conditioned movie theatre an watch a summertime blockbuster. The latest biggest movie is Transformers: Dark of a Moon, which has broken box-office records in the U.S. and in many of the 110 other countries in which it has been released.“ Doch schon im nächsten Satz stellt der TIME-Autor fest, dass das in einem Land nicht der Fall ist: In China.

Weder Harry Potters letzter Streich, noch andere 3D-Leinwandreisser (wie eben der genannte „Transformers 3“ rund um wandelbare Blechriesen, die die Welt retten), sind in China zu sehen. Der chinesische Kinomarkt ist der expansivste der Welt. Drei Kinos werden pro Tag eröffnet.

China hat bisher 6.200 Lichtspielhäuser und könnte für jeden Filmproduzenten aus Hollywood oder Bollywood oder Paris oder München ein großer „Abnehmermarkt“ für Filmkopien sein. Das staatliche Ministerium erlaubt das aber nicht.

Grund: Aktuell läuft in China ein großer patriotischer Film aus Anlass des 90-jährigen Staatsjubiläums in den Kinos. Er heißt „Beginn der Großen Erneuerung“ und gilt als aufwendigste chinesische Filmproduktion aller Zeiten. Es ist eine Mao-Biografie. Der Streifen, der China huldigen soll, wurde am 16. Juni 2011 in 6.000 (!) Kinos gleichzeitig gestartet. Doch der Kartenverkauf läuft schleppend und blieb hinter den Erwartungen, obwohl im Epos fast hundert in China bekannte Schauspieler Hauptrollen einnehmen. Trotz tausender Freitickets bleiben die Kinos fast leer. Dazu kamen negative Kritiken im Internet, die etwas später durch das „Goldene Schild“ zensuriert wurden. Auf Saugwebseiten, wo der Film auch schon gelandet ist, etwa auf VeryCD, wurde der Film von 90% der User als „Trash“ eingestuft. Also: Mist.

Auch am IMDb-Portal (Internet Movia Database), das Amazon betreibt, hat der Film zwar bereits – nicht unüblich für das Portal – 3.923 Bewertungen, aber nur, und das zählt, 2.1 Stars von 10. Der Film wird also – vorsichtig ausgedrückt – als nicht besonders gut gelungen bewertet.

[Vergleiche: Ein anderer Heldenmythos, hergestellt mit einem Schmalbudget, „Rocky“ (1976) hat 8.1 Sterne (wertvoll) und selbst der etwas zähe Opa-Abklatsch „Rocky Balboa“ (2006) bringt es auf 7.3 Sterne. Oder „Deer Hunter“ (1979) hat 7.3 Sterne und „Kramer gegen Kramer“ hat 7,7 Sterne. „Der Letzte Kaiser“ (1987) hat 7.8 Sterne. Und „Chinatown“ (1974) hat 8.4 Sterne.]

Freilich muss man mit den Bewertungsportalen kritisch ins Gericht gehen. Am beliebten IMDb-Portal, das 1990 von Amazon gegründet wurde, werden meist U.S. Produktionen kommentiert. Das Portal ist Sprachrohr der Hollywood-Produktionen und die Bewertungen dort geben den Ausschlag, was auf Amazon als „beliebt“ eingeschätzt und gekauft wird. Filme aus Russland, dem arabischen Raum oder aus China sind meist außerhalb der Wahrnehmung. Indische Bollywood-Filme kommen schlecht weg („seicht“), nur dann nicht, wenn irgendwelche langhaarige Schönheiten darunter sind und es hitverdächtige Musicalfilme sind. Jede Region der Welt hat ihre Filmcommunity und jene am IMDb-Portal ist eben geprägt durch Hollywood.

Daher hat der Pekinger Chef der „New Film Association“ ministeriell verlautbart, dass solange kein ausländischer Film mehr in chinesischen Lichtspieltheatern gezeigt werden darf, ehe „Beginning of the great revival“ 800 Millionen Yuan (oder: 124 Millionen US-Dollar) eingespielt hat.

Schon bisher war der chinesische Kinomarkt für westliche Hersteller kein guter Boden: Hollywood-Studios bekommen pro verkaufter Karte nur 13%, während am Rest des Globus 50% üblich sind. Zudem gibt es ein Jahreslimit: Nach einer staatlichen Quote dürfen nur 20 Filme aus dem Westen im Jahr importiert werden.

Warum das so ist, kann man sich an allen zehn Fingern abzählen: Die Produktpiraterie von westlichen Filmen ist fest in chinesischer Hand. Man will, wie bei anderen Waren, aus zweiter Hand verdienen. Und vielleicht, das könnte auch sein, eine eigene Filmindustrie aufbauen. Mit Filmen wie diesen. Die in westlichen Portalen miserabel bewerten werden.

Der chinesische Film rüstet auf. Pünktlich zum 100. Jubiläum des chinesischen Films 2005 begann man mit der Errichtung des größten Filmstudios von China in Peking. Dort ist Sitz der China Film Group. Chairman Han Sanping (im Bild auf linker Seite bei Eröffnungsrede am 31. Juli 2008) ist auch der Produzent des Staatsepos Beginning of the great revival. (Quelle: Arri News, Fachmagazin in englischer Sprache, September 2008, S. 8-13)

China hängt nicht nur „Google“ die Rute ins Fenster, sondern auch anderen westlichen Einflüssen wie „Facebook“. Die eigene Suchmaschine „Baidu“ soll ausgebaut werden. Und die Filmindustrie.

Filmtradition seit 1905

Laut Chef der „China Film Group“ Han Sanping hat der erste Lauffilm Chinas 1905 das Licht der Welt erblickt (Titel: „Ding Jun Shan“, Regie: Ren Qingtai). Daher feierte man 2005 „100 Jahre chinesischen Film“ und setzte das staatliche Bauprogramm für das zentrale chinesische Filmstudio CFG um. Dessen Slogan lautet: „Just bring your script, money and key actors – we do the rest“. Die Eckdaten des Studios berichtet das in München in englischer Sprache erscheinende Magazin „ARRI News“ in der September-Ausgabe 2008: Es steht auf einem Gelände mit 150.000 Quadratmetern. Startbudget war: 300 Mio U.S. Dollar (2 Mrd RMB). Es gibt 16 Abteilungen auf einem gesamten umbauten Büroraum von 40.000 Quadratmeter. Herzstück ist das größte Studio Asiens, das 5.000 Quadratmeter misst („super-sized studio“) und dessen Equipement an nichts zu wünschen übrig lässt. Das Lager für die Studios und Einheiten umfasst 16.000 Quadratmeter und Hauptausstatter ist die Firma ARRI. Die Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG, wie die Münchner Firma im Langtitel heißt, machte ein Riesengeschäft mit China – man lieferte Kamera-Feinheiten wie ARRICAM, ARRIFLEX 435 xtreme oder ARRI 235 und ARRI lighting Systeme nach Peking.

Die Filmstadt hat am Gelände 52 Tonstudios für Postproduktion und Schnitt, 10 Studios für visuelle Spezialeffekte, 6 Studios für Farbnachbearbeitung, sowie 10 Studios für Trickfilm und 3D-Produktion. Außerdem gibt es ein 410 Quadratmeter großes Tonstudios am Gelände, das für Postproduktion und Synchronistation genutzt wird. Dass die Firma ARRI aus München in China das Geschäft des Lebens machte, zeigt sich daran, dass man auch für als Ausrüster mit vier ARRILASERs und drei ARRISCANs für Datenerfassung und Druckverfahren (Filmplakate, Tickets) in Betrieb hat. ARRI ist in Peking „Hauptausstatter“, da die Chinesen den Deutschen mehr Vertrauen schenken als amerikanischen Herstellern (etwa Panavision).

„China Film Group“- Chef Han Sanping gibt im Interview mit der ARRI News Auskunft, wie es um den chinesischen Filmmarkt derzeit bestellt ist: Das „Box Office“ (Einnahmen an der Kinokasse) hat 2007 – im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 – um 53% (zu 2006) zugenommen. 2007, und diese Zahlen sind bekannt, wurden in China rund 2.000 Spielfilme produziert, wobei 20% durch die „China Film Group“ direkt hergestellt wurden (402 Filme für Kino und TV). Viele Filme werden in Neuseeland gedreht, die Postproduktion läuft dann in China. Diesbezüglich ist man liberaler als man im Westen glaubt. 2007 war der bekannteste Film „Warlords“ (Regie: Peter Chan). 2008 produzierte die CFG 80 Spielfilme für Kino und 200 Filme für TV, dazu rund 500 Episoden für TV-Serien. 2008 kam auch der HD-TV Film „Dream of the Red Chamber“ heraus, der über einen Star der Pekinger Oper der 40er Jahre handelt.

Erfolgreichster China-Film aller Zeiten: The Red Cliff – Part 1 (2008, Trailer)

Erolgreichster China-Film aller Zeiten: The Red Cliff – Part 2 (2009, Trailer)

Der teuerste und an Kinokassen erfolgreichste Film aller Zeiten, der je in China hergestellt wurde, ist laut CFG-Chef Han Shaping „The Red Cliff“ (Regie: John Woo, 2008) und zwar der Teil 1. Er kostete 80 Mio U.S. Dollar Produktionsgeld und spielte allein in China mehr als 43 Mio U.S. Dollar ein (300 Mio RMB). Im gesamten Raum Asien spielte Red Cliff mehr ein als „Titanic“. Da die „China Film Group Cooperation“ auch der zentrale Filmvertrieb für ganz China ist (6.200 Kinostätten) und dem längst in Los Angeles lebenden Regisseur und Produzenten Woo nur 13% pro Ticketerlös überwiesen werden, sind Chinesen alle Erfolge Recht. Ob aus Eigenem oder durch den Vertrieb in das Kinonetzwerk auf chinesischem Boden.

Für die Jahre 2009 und 2010 errechnete der Chef der „China Film Group“, dass die Kassenerlöse chinesischer Produktionen in China im Vergleich zu 2005 und 2006 um 100% gesteigert werden. Nur bei einem Film scheint es nicht so recht zu klappen. Das blutige Drama rund um die Entstehung der (heute) weltweilt größten kommunistischen Partei (Mitglieder je nach Quelle: 79 Millionen bis 92 Millionen Menschen) scheint im Kino die Chinesen nicht zu fesseln.

Hier der China-patriotische Film in voller Länge. Denn in die österreichischen Kinos wird er vermutlich nicht kommen.

Ein bisschen Produktpiraterie – einmal umgekehrt – darf schon sein. Allerdings muss man dazu Mandarin lernen. Oder doch Stammgast bei Hongkong-Masseusinnen werden und den Film mit ihnen gemeinsam anschauen.

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Abweichende Ergänzung:

Entgegen zum „Time“-Magazine, das am 25. Juli 2011 in seiner Ausgabe behauptet, dass weder „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes II“ noch „Transformer 3“ Eingang in den 6.200 chinesischen Kinos fänden, berichtet das Münchner Magazin „Focus“ in seiner Ausgabe vom 8. August 2011 (32/2011) auf Seite 88, dass „Harry Potter China erobert“. Im 39-Zeiler heißt es, dass Harry Potter seit Filmstart im Mitte Juli weltweit bereits „eine Milliarde Dollar“ eingespielt hat und „nach dem verzögerten Filmstart in China am vergangenen Wochenende“ (gemeint: Anfang August 2011, Anm. d. Autor) dürfte noch etwas dazukommen. „Die Branche schätzt, dass er im Reich der Mitte den Auslandsumsatz um 100 Millionen auf deutlich über 800 Millionen Dollar steigert.“ Demnach bekam „Harry Potter“ in China doch Zulassung. Auch „Transformers 3“ habe laut „Focus“ (32/2011, S. 88) in China bereits „113 Millionen Dollar“ eingespielt, nach den USA („340 Millionen Dollar“) Platz zwei. Falls zumindest die „13%“ vom Kartenpreis, die das „TIME Magazine“ als Provision für Produzenten von Auslandsfilmen in China errechnet, stimmen, bleibt dennoch der Löwenanteil in China.

Zu China erschienen in den letzten Wochen in Österreich interessante Berichte:

Am 27. Juni 2011 widmete das Magazin „Profil“ (26/2011) China sogar die Titelseite: „Böses China“ heißt es darin und man zeigt einen düsteren chinesischen Soldaten. Als „brutale Diktatur“ wird China bezeichnet. Im Heft findet sich im Partezetteldesign auf Seiten 60 bis 69 dann aber wenig Neues. Man sehnt die „große Revolte“ herbei und feiert einmal eine Seite lang den überschätzten Ai Weiwei ab. Man zitiert dann einen Schriftsteller (Bei Ling), einen Zeitungskorrespondenten der „Süddeutschen Zeitung“. Eine Druckseite ist ein „Zitate-Wald“, in dem einzelne Worte zu China lose nebeneinander gestellt werden. Auf gar zwei Seiten lässt man den „Dissidenten“ Wei Jingsheng über China plaudern, obwohl dieser nach 18 Jahren Haft ab 1978 seit 1997 China nicht mehr betreten hat und nur gelernter Elektriker ist, sich nun aber als großer Politik-Experte aufspielt. Schön, dass man ihn hofiert, vor allem gleich in Paris. Die acht Seiten runden eine Besprechung zu einem Sachbuch von Henry Kissinger ab, das schlicht „China“ heißt.

Am 18. Juli 2011 kam auf den Fuss, was klar war. In „Profil“ (29/2011) folgte ein Interview mit dem chinesischen Botschafter in Wien, Shi Mingde. Dieser forderte das, da der Bericht „Böses China“ doch einseitige Züge durch den Autor Robert Treichler hatte. Der Botschafter legt klar, dass der so genannte Menschenrechtsfaktor in einem großen Land wie China nur ein Teil des Ganzen ist. Der Gesandte klärt auf, dass China 1949 ein Bruttosozialprodukt der Wertschöpfung von 35 U.S. Doller hatte, hingegen dieses 2011 bei 3.080 Dollar pro Kopf liegt. „Wir haben 200 Millionen Menschen von Armut befreit“, so der Botschafter im Interview. „Das ist eine große Leistung, die man anerkennen muss. Wir haben immer für Demokratie gekämpft. Aber wie wird Demokratie verwirklicht? Das muss den Verhältnissen im jeweiligen Land entsprechen. Die Europäer können nicht ihre eigenen Maßstäbe für die ganze übrige Welt setzen. Wenn die Existenz der 1.3 Milliarden Menschen verbessert wird, ist das eine Verbesserung der Menschenrechte.“ An einer anderen Stelle im Interview, das sich über drei Druckseiten zieht, sagt Botschafter Mingde: „1949 hatten die Chinesen eine Lebenserwartung von 35 Jahren, jetzt sind es 76 Jahre.“ Zur Internetnutzung sagt der Botschafter und auf „Sperren“ bestimmter Wörter wie „Jasmin“ angesprochen: „Aber beachten Sie die Fakten: Die Zahl der Internet-Benutzer in China wachse jährlich um 30 bis 40 Prozent. Wo gibt es das noch?“ Auf die naive Frage des „Profil“, dass es „doch gut sei, dass jeder im Internet verbreiten kann, was er will“, antwortet der Botschafter: „Da gibt es auch Pornografie, radkale politische Slogans und Terrororganisationen, die das Internet als Plattform benutzen.“ Ai WeiWei sei übrigens weniger wegen seiner Sturheit unter Polizeibeobachtung, sondern wegen Steuerhinterziehung, so der Botschafter. Noch etwas sagt er: Es gibt in China „acht demokratische Parteien, die in China mitregieren“, die „leitenden Kader dürfen maximal zwei Perioden im Amt bleiben. Wenn man das mit einigen europäischen Ländern vergleicht, sind wir viel weiter.“ Außerdem werden in „600.000 Gemeinden und Kreisveraltungen die Vorsteher direkt gewählt.“

Das Thema „Internet und China“ hebt am 12. Juli 2011 die „Oberösterreichischen Nachrichten“ auf eine ganze Druckseite. Unter dem Titel „Wie China per Internet die Diktatur stärkt“ thematisiert man auf Seite 3 die Abschottungsstrategie Chinas. Autor Bernhard Bartsch pusht Ai Weiwei und seinen Twitter-Eintrag Ende Februar 2011, wo er davon sprach, dass er einen „Wuamo“ interviewen will. Er zahle 2000 Yuan (200 Euro). Wuamos sind „Internetagenten“, die für geringe Beträge von der Regierung bezahlt werden, dass sie kampfposten. Die „Online-IMs“ folgen einer „Anweisung für den Aufbau eines Systems für Internetkommentare“. Von der Kreisebene abwärts gäbe es solche „Wuamos“ („fünf Groschen“) und landesweit zirka 4.000 Gruppen, die Untergruppen führen. Die OÖN berichtet, dass am 3. März 2011 1.450 Spitzenkadern Chinas ein geheimes Papier zugestellt wurde, das auf zwei frühere Anweisungen des ZK Bezug nimmt. Ein Hongkonger Verleger hat das Papier berichtet. Sinn sei es, Nachrichtenströme zu lenken und zu beeinflussen. Da Facebook und Twitter in China nicht frei empfangbar sind, werden Sperren umgangen. Da die Partei Berichte zu Korruption nicht schätzt, auch keine Bilder von Demos und dergleichen, wird die öffentliche Meinung gesteuert. „Die öffentliche Meinung muss 24 Stunden am Tag in Echtzeit beobachtet werden“, heißt es im Papier. Das geschieht mit „positiven Informationen“ und Lenkungen der öffentlichen Meinung. Im Westen nennt man das „Krisen-PR“. Der „Wuamo“ soll angeblich 5 Cent pro Beitrag, den er schreibt, bekommen. Übrigens, auch das geht aus dem Bericht der OÖN hervor: Zwei Millionen Soldaten und Militärpolizisten in China haben keinen Zugang zum Internet. Zu sensibel wären die Daten. Wikileaks hatte einen Bradley Manning, aber keinen Sun Sun.

Marcus J. Oswald (Ressort: International, China, Markenschutztrecht)

Internet wurde erwachsen – Angebot nimmt zu – Viele Kleinwebseiten

Posted in Internet by Pangloss on 15. April 2011

Das Internet ist ein Haus an der Sonne mit einem schönen Dach. Die siebte Webanalyse liegt vor. Ab Mai gibt es sie dann sogar täglich. (Foto: Hotel Mozart in Wien/Oswald im CSI-Miami-Style)

(Wien, im April 2011) Gestern wurden im Hollmann-Theater-Salon durch die Österreichische Webanalyse die Kerndaten für die wesentlichen Webseiten im Quartal 4/2010 vorgestellt. ÖWA-Boss Hannes Dünser präsentierte mit Oliver Ecke von Infratest die laufenden Zahlen. Kern der Aussagen: Die Userzahlen stiegen innerhalb eines Jahres um 400.000. Gleichzeitig wurde das Web älter und reifer.

Web wurde erwachsen

Auf das Internet trifft zu, was einst einmal Paul Yvon im Gespräch zum Herausgeber dieser Seite über das Magazin „profil“ vor ein paar Jahren sagte: „Das Nachrichtenmagazin profil schreibt für Leser zwischen 40 und 45 Jahren. Das ist die Zielgruppe und beeinflusst die Themenauswahl.“ So scheint es mittlerweile auch beim Internet zu sein.

Spaßangebote, reine Terminseiten zu Discoveranstaltungen und Events nehmen ab. Soziale Netzwerkseiten wie einstige Platzhirschen á la sms.at, das beliebte netlog.at oder szene1.at werden von Facebook kannibalisiert, wenngleich die Seiten nach wie vor einen hohen Grundstock an Mitgliedern haben. Die Zahlen ergeben auch etwas: Listenführer sind nicht sogenannte Contentseiten. Sondern: Das Telefonbuch.

Telefonbuch führt!

Wie sinnvoll es ist, das Telefonbuch in eine Liste von 48 Einzelwebseiten überhaupt aufzunehmen, sei dahingestellt. Dass es die „Österreichische Webanalyse“ tut, zeigt die Intention. Man will Kerndaten für die Werbebranche. Wo viele hingehen, schalten die Agenturen Reklame. So ist das Gesetz des Marktes. Die Reichweite des Telefonbuchs liegt im Quartal 4/2010: 33,3 % bei den Unique User im Monat (12,9 % bei der Unique User pro Woche). Der Unique User (UU) ist der „eindeutige“ Nutzer einer Webseite, also der Einzelmensch. Der „Unique Client“ (UC) hingegen ist nur der Computer, von dem die Webseite aufgerufen wird. Die ÖWA unter der Führung des studierten Theaterwissenschafters Mag. Dünser legt Wert auf die Feststellung, dass der „Unique User“ im Mittelpunkt der Forschung steht. Damit können auch PCs aus Internetcafés anders bewertet werden. Unique User sind User, die sich auf einer Webseite auch registrieren, etwa weil sie posten. Das sind die tatsächlich interessanten User, während die Unique Clients nur die clickfressenden Streuner sind, die teilweise aus Fadesse Webseiten aufrufen.

Die Verweilzeiten zählen leider in der ÖWA-Erhebung wenig bis nichts. Das ist die Kehrseite. Fakt ist: Wer aufs Telefonbuch geht, sucht eine Telefonnummer. Das Telefonbuch bietet aber kein „Werbeumfeld“. Dem Herausgeber dieser Seite ist kein Mensch bekannt, der am Telefonbuch auf einen Banner klickt. Der User sucht eine Nummer und schleicht sich wieder von der Herold-Seite. Dennoch: Telefonbuch führt.

Preisreisser-Seiten für Schnäppchenjäger vorn

An dritter Stelle ist eine Seite, die willhaben.at heißt und eine Preisreisser-Seite ist. Die Ränge zwei, vier, fünf und sechs nehmen Portale klassischer Zeitungen ein, wobei die „Kronen Zeitung“ führt. Nicht im Listing die Zeitung „Österreich“ (die aktuell einen Krieg gegen die ÖWA führt und das Einzel-Listing streichen ließ), sowie die Zeitung „Heute“, die offenbar nicht will, dass sie aufscheint, weil dann klar würde, dass deren Webseite kein Mensch liest. Altes psychologisches Gesetz ist, dass man auch durch Schweigen etwas sagen kann.

Wolfgang Fellner, der Medien vorrangig als Geschäft sieht: Macht eine Webseite, die mit allerlei Nackedeien und fragwürdigen Clickshows User anlocken will. Das nämlich treibt den Preis. Wer bei 0e24.at einen einzigen Tag (!) einen Seitenbanner haben will, sollte 8.900 Euro zur Seite legen. Wer das tut, muss im Kopf etwas krank sein. Aber die Werbeagenturen springen auf seinen Werbeschmäh an und das Geschäft brummt. (Foto: Update, 1_11, S. 5, Archiv Oswald 1090)

Red Bull stinkt ab

Überraschend schwach sind Webseiten, hinter denen massives Geld steckt. Wenn die Seitenblicke.at aus der Red Bull-Gruppe nur 46.000 Unique User im Monat (RW: 0,8%) und 16.000 pro Woche hat (RW: 0,3%), zeigt das, dass Geld nicht alles ist. Das ist erschreckend wenig für den Mittelaufwand im Red Bull Medien Konzern. Freilich rühmt man sich beim Seitenblicke-Portal damit, dass man auf Facebook mehr Fans hat als ähnliche Mitbewerber aus Österreich. Das mag stimmen, lenkt aber von der Tatsache etwas ab, dass 46.000 im Monat extrem schwach sind.

Vier von Fünf Österreicher webaffin

Eine Altersanalyse der ÖWA ergab, dass 79,5% aller Österreicher Internet nutzen. 95% der 14-39 Jährigen, die die Hauptzielgruppe der Werbung sind. Immerhin 90% der 40-49 Jährigen nutzen Internet und knapp 80% der 50-59 Jährigen. Bei den ab 60-Jährigen liegt der Wert bei 45% Nutzung. In der vorliegenden siebten Reichweitenmessung fand die ÖWA heraus, dass 95,5% das Internet „zu Hause“ nutzen und 37,5% „am Arbeitsplatz“ sowie 15% in Schule und Ausbildungsplatz. Laut ÖWA sind diese Werte seit Jahren fast stabil. „Mobiles Internet“ stieg innerhalb eines Jahres auf 22% (zuvor: 15%), was vor allem mit neuen Endgeräten zu tun hat (IPhones, Smartphones).

Emails, Suchmaschinen, Routen, Banking, Telefonbuch

Das Nutzerverhalten ist jedoch ein etwas anderes, als es sich die Werbebranche erwartet. Denn 89,5% verschicken hauptsächlich Emails! 80% suchen in Suchmaschinen etwas. 61,3 % nutzen das Internet für die Banalität „Routenplaner“ und 60,5 % für das werbefreie „Online-Banking“, 56,4% für „Telefonnummernsuche“. Das alles sind Dinge, die man früher so machte: Brief schreiben. Lexikon aus dem Regal nehmen. Stadtplan aufklappen. Zahlschein ausfüllen. Telefonbuch aufschlagen.

Die traurige Nachricht für Nachrichtenproduzenten: Nur 68,7% nutzen das Internet, um Nachrichten zu lesen. 37% geben an, in „Sozialen Netzwerken“ zu sein. Freilich: Alle Werte überschneiden sich. Die Teilwerte seien stabil zum Vorjahr, so die ÖWA.

Einmarkenprizip Modell der Vergangenheit

Stabil ist auch dies, inoffiziell und nicht von ÖWA: Bei einem durchschnittlichen Online-Einstieg klappt der durchschnittliche User zwanzig Webseiten auf. Das Zappen hat sich auch online durchgesetzt. Stammleser heranzuziehen ist ein fast hoffnungsloses Unterfangen. Lesertreue gibt es im Internet nicht. Es bilden sich Webseitengruppen („Favoriten“, „Lesezeichen“), die abgegrast werden. Daher ist das „Einmarken-Prinzip“ im Internet nicht das Modell der Zukunft, sondern das Holding-Prinzip mit dem Bündel ähnlicher Themenseiten (Gruppen, Kartelle).

Hier nun die aktuelle Liste der 48 Einzelwebseiten, die von der ÖWA erfasst werden und untersucht wurden. Wer in der ÖWA Mitglied ist, hat durchaus Vorteile. Die Mitgliedschaft ist ein Signal an die Werbeindustrie. Ihr werden Eckdaten zu transparenten Webseiten gegeben und sie lenkt zum Dank ein paar Euros für Werbebanner um.

55 Verbandsmitglieder – 83 Webangebote unter Lupe

Die ÖWA (Österreichische Webanalyse) ist aus der MA entsprungen (MedienAnalyse). Hier wie dort sind relativ hohe Mitgliedsbeiträge zu bezahlen, aus denen sich die ÖWA finanziert. Im Gegenzug erhebt die ÖWA die Daten im Quartal. Aktuell hat der Verband 55 Mitglieder. Von diesen wurden 83 Webangebote untersucht und in den Gruppen „48 Einzelseiten und 34 Dachangebote“ geteilt.

Hier sind die 48 Webseiten, die in Österreich klar erhoben sind. Ab 5. Mai 2011 plant die ÖWA eine Neuerung: Dann sind auch die Tageszugriffe in der Datenbank. Sie werden taggleich statistisch ausgewertet. Daran haben die Webseiten ein Interesse, es kostet auch mehr. Daran arbeitet das Team um Hannes Dünser derzeit (wofür ihm sein ehemaliger Studienkollege viel Spaß wünscht).

Hier nun die Top 48 aus Österreich (Quartal 4/2010). Wert 1: Unique User pro Monat (Summe), Wert 2: Unique User pro Woche (Summe), Wert 3 ab 5. Mai 2011 mit Erhebungsbeginn: Unique User pro Tag (Summe). Daraus leiten sich „Reichweiten“ vom Gesamtpool Österreich ab.

5,637 Millionen Internetuser in Österreich

Waren 2009 noch 5,245 Millionen Internetnutzer zu verzeichnen, sind es 2010 bereits 5,637 Millionen gewesen. Daher hat der Spitzenreiter der Liste, das Telefonbuch mit seinen monatlichen Unique User von 1.877.208 eine „Reichweite“ von 33,3 %, was eine Steigerung zum Vorjahr um ein glattes Prozent ausmacht. Erhoben wurden die Werte nicht durch Klopfen an der Wohnungstür des Users, sondern durch die Kunst der Statistik, wie sie das Karmasin-Insititut für ganze Generationen von Publizistik-Studenten bis zum Erbrechen lehrt. n= alle User ab 14 Jahren, demnach: 5.637 Millonen User. Die Top 48:

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  • Herold.at 1.877.208 (pro Monat) – 727.170 (pro Woche)
  • Krone.at 1.140.059 (pro Monat) – 501.750 (pro Woche)
  • Willhaben.at 1.069.726 (pro Monat) – 431.887 (pro Woche)
  • Derstandard.at 1.052.693 (pro Monat) – 450.084 (pro Woche)
  • Kleinezeitung.at 719.379 (pro Monat) – 270.588 (pro Woche)
  • Kurier.at 666.112 (pro Monat) – 263.073 (pro Woche)
  • Myvideo.at 619.718 (pro Monat) – 181.663 (pro Woche)
  • Tupalo.com 585.916 (pro Monat) – 149.611 (pro Woche)
  • Diepresse.com 578.171 (pro Monat) – 204.214 (pro Woche)
  • Oeamtc.at 482.675 (pro Monat) – 141.998 (pro Woche)
  • Sms.at 460.203 (pro Monat) – 166.438 (pro Woche)
  • Krone.tv 354.725 (pro Monat) – 127.118 (pro Woche)
  • Puls4.com 337.089 (pro Monat) – 95.761 (pro Woche)
  • Nachrichten.at 328.364 (pro Monat) – 108.438 (pro Woche)
  • Szene1.at 326.029 (pro Monat) – 121.304 (pro Woche)
  • Wetter.com 312.683 (pro Monat) – 110.306 (pro Woche)
  • Netlog.at 306.283 (pro Monat) – 120.180 (pro Woche)
  • Vol.at 298.380 (pro Monat) – 158.202 (pro Woche)
  • Vienna.at 289.076 (pro Monat) – 81.160 (pro Woche)
  • Ichkoche.at 288.664 (pro Monat) – 75.771 (pro Woche)
  • Netdoktor.at 271.888 (pro Monat) – 69.951(pro Woche)
  • TT.com 264.748 (pro Monat) – 106.046 (pro Woche)
  • Salzburg.com 256.797 (pro Monat) – 81.877 (pro Woche)
  • Car4you.at 218.174 (pro Monat) – 66.774 (pro Woche)
  • Wirtschaftsblatt.at 209.725 (pro Monat) – 71.340 (pro Woche)
  • Atv.at 196.394 (pro Monat) – 59.444 (pro Woche)
  • Prosieben.at 194.614 (pro Monat) – 54.822 (pro Woche)
  • Gutekueche.at 185.472 (pro Monat) – 44.572 (pro Woche)
  • Kronehit.at 165.959 (pro Monat) – 51.402 (pro Woche)
  • Tele.at 155.203 (pro Monat) – 57.291 (pro Woche)
  • 1000ps.at 138.287 (pro Monat) – 48.836 (pro Woche)
  • Events.at 89.952 (pro Monat) – 21.089 (pro Woche)
  • Viamichelin.at 88.077 (pro Monat) – 26.363 (pro Woche)
  • Eraffe.at 85.879 (pro Monat) – 24.680 (pro Woche)
  • Diestandard.at 84.202 (pro Monat) – 26.901 (pro Woche)
  • Salzburg24.com 84.202 (pro Monat) – 26.469 (pro Woche)
  • Mamilade.at 80.624 (pro Monat) – 18.805 (pro Woche)
  • Film.at 77.785 (pro Monat) – 19.707 (pro Woche)
  • Futurezone.at 68.806 (pro Monat) – 21.974 (pro Woche)
  • Love.at 61.093 (pro Monat) – 20.987 (pro Woche)
  • Autonet.at 58.619 (pro Monat) – 14.384 (pro Woche)
  • Quax.at 53.556 (pro Monat) – 12.709 (pro Woche)
  • Seitenblicke.at 45.897 (pro Monat) – 15.905 (pro Woche)
  • Diskothek.at 33.579 (pro Monat) – 9.322 (pro Woche)
  • Motorline.cc 27.981 (pro Monat) – 9-895 (pro Woche)
  • Uncut.at 22.401 (pro Monat) – 6.039 (pro Woche)
  • Andreastischler.com 17.715 (pro Monat) – 4.437 (pro Woche)
  • Elektrojournal.at 15.695 (pro Monat) – 4.032 (pro Woche)

Verwendete Quelle: Österreichische Webanalyse (Direktlink zum Artikel)

Marcus J. Oswald (Ressort: Internet)

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