Medien und Kritik – Das Online Magazin

Österreichische Zeitungen verdienen Millionen Euro

Posted in Medienalltag by Pangloss on 24. Dezember 2010

In Österreich nahmen Printmedien zwischen Jänner und Oktober 2010 1 Milliarde 346 Millionen Euro Werbegeld ein. Ein nur minimaler Anteil ist die Presseförderung. Der Großteil kommt vom Leser und vom Werbekunden. Trotzdem und überraschend gibt man sich nicht zufrieden und zahlt mieserable Löhne.

(Wien, im Dezember 2010) Über den Wert der Zeitungen lässt sich streiten. Der Herausgeber dieses Journals bezieht in der Woche rund 90 Printprodukte, im Monat rund 350 Stück. 12 Tageszeitungen und allerlei Fachpressen und Spezialausgaben der diversen gesellschaftlichen Gruppen.

Man kann sagen, dass eine Gesamtgesellschaft so aussieht: Es gibt Personengruppen und Interessensgruppen, die, populärsoziologisch gesagt, horizontal wie auch vertikal in Stoßrichtungen auftreten. Jede Personen- und Interessensgruppe will sich entschlossen präsentieren. Dazu eignet sich eine regelmäßig erscheinende Zeitung.

In der „Horizontale“ gibt es in Österreich bundesweite Tageszeitungen und Landeszeitungen, die die breite Fläche im groben Raster abdecken. Dazu kommen thematisch überregional aufbereitete und bundesweit ausgesandte Fachzeitschriften. Die Fachzeitung des „Offiziersverbandes“ will natürlich „alle“ Offiziere des Bundesheeres erreichen, egal ob sie in Rust oder in Bregenz wohnen. Die Zeitschrift „Ski Austria“ des ÖSV will alle „Sport-Insider“ in ganz Österreich erreichen. Neben horizontalen Fachzeitschriften, die das ganze Bundesgebiet abdecken wollen, gibt es vertikale Fachzeitschriften, die nur ein begrenztes Leserpotential haben. „Der Laubfrosch“, die Fachzeitschrift zur Umwelttechnik, erreicht wenige Leser, weniger als die „DHK Aspekte“, die Fachzeitschrift der Deutschen Handelskammer in Österreich oder die „INFO“, das Magazin des Wissenschaftsfonds.

Dreidimensionale Achsen

Grundsätzlich ist es Kennzeichen einer offenen Demokratie, dass es neben Veröffentlichungen in der horizontalen Fläche (gesamtösterreichischer Vertrieb) auch Veröffentlichungen in der vertikalen Tiefe (regionale Begrenzung in Thema und Vertrieb) gibt. Es ist spezielles Kennzeichen einer offenen Demokratie, dass die Veröffentlichungen in der vertikalen Tiefe jenen in der horizontalen Fläche widersprechen können. Das pure Gegenstück wäre die staatlich gelenkte Presse in einer Diktatur oder auf einer Militärinsel, auf der es gleichgeschaltete Einheitsmedien gibt, keine regionalen Fach- und Vereinspressen oder gar (!) gesperrte Webseiten. Zur Erweitertung der horiziontalen Landespresse in der Kreuzung mit der vertikalen Fachpresse kommt die internationale Ebene hinzu. Orte, die auch internationale Presse anbieten, werden als besonderer Segen gesehen. So gelten Städte als besonders liberal im Sinne der Informationsfreiheit, die ein reichhaltiges Angebot an gemischtsprachigen Zeitungen anbieten.

Managergagen

Genug Modellbau und Abstraktion. Ein Wort zum Geld. In Österreich verdienen Zeitungen eine Stange Geld. Interessant ist das insoweit, weil immer beklagt wird, dass das nicht so ist und zum anderen kaum neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Bezahlungschemata sind unter jeder Kritik für den Aufwand, der betrieben werden muss. Man stellt sich die Frage: Wo fließt das Geld der Einnahmen hin? Fachmagazineur Christian W. Mucha lässt sich in regelmäßigen Abständen mit neuen Ehefrauen und neuen Villen in befreundeten Magazinen ablichten. Die Dichands reden notorisch nicht über Geld. Die Fellners beteiligen sich dort und da und sagen nicht, was sie verdienen. Die Köpfe der Medien: Sie verdienen gut. Oscar Bronner (Der Standard) sagte schon vor zehn Jahren, dass er ein Jahresgehalt von 300.000 Euro bezieht. Der einstige Geschäftsführer der News-Gruppe Rudi Klausnitzer bezog rund 500.000 Euro pro Jahr, sein Nachfolger Oliver Voigt, nun gekündigt, bezog ebenso diesen Betrag.

Unterdeck

Geht man in die unteren Klassen, ins Unterdeck, dorthin, wo nicht „gemanagt“, sondern gearbeitet wird, sieht es anders aus. Der Chef der Österreichischen Genossenschaftsfirma APA, Michael Lang, interessanterweise in den Fachmedien immer gelobt, bezahlt seinen Studenten und Nebenerwerbsjournalisten gerade einmal 600 Euro im Monat. Manche sind einen Hauch besser bezahlt, aber viele Duzende verdienen nicht mehr als 1.000 Euro im Monat. Für solche Beträge kann man gewissen Rechtsanwälten nur von der Ferne zuwinken. Für solche Beträge geht ein APA-Mitarbeiter täglich bei Wind und Wetter in ein Büro und wieder hinaus zu Pressekonferenzen und zu Kontaktpersonen.

AMS Datenbank zu Presseberufen ist leer

Es fällt auf: Es gibt kaum ein Medium, das aufstockt, an Personal zulegt, investiert. Wirft man einen Blick in die Datenbank des AMS (Arbeitsmarktservice) fällt auf, dass aus den Branchen Medien genau Null Jobs öffentlich ausgeschrieben sind. Medien tragen also zur Arbeitsmarktfrage nichts bei, sie schreiben nur darüber.

Geldfluss

Man muss sich die Frage stellen, wohin das Geld fließt. Dieses Journal hat einmal eine Liste: Die Einnahmen aus 2010. Sie sind entnommen der Focus Marketing Research:

Gesamteinnahmen (Umsatz) der Zeitungen (Zwischensumme 01-10/2010):

Die Zeitungen in Österreich (15 Stück) nahmen im Zeitraum Jänner 2010 bis Oktober 2010 den sehr stolzen Betrag von 1 Milliarde 346 Millionen und 678 Tausend Euro ein.

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Tageszeitungen (Einnahmen/Umsatz, erhoben ist durch FOCUS Research, Umsätze 1. Halbjahr 2010 – Jänner bis Juni – im Detail, Auswahl von Produkten):

Österreich: 47,047 Millionen Euro
Kleine Zeitung: 40,224 Millionen Euro
Die Presse: 33,008 Millionen Euro (die „Presse“ lässt jeden Sommer Studenten die Webseite presse.com für 380 Euro im Monat pflegen; zudem sucht man derzeit wieder gratis arbeitende „Leserreporter“)
OÖN: 32,378 Millionen Euro
Tiroler Tageszeitung: 28,197 Millionen Euro
Heute: 26,751 Millionen Euro (Heute zahlt freischaffenden Journalisten 30 Euro pro Geschichte)
Salzburger Nachrichten: 19,016 Millionen Euro (die Zeitungen hat nach eigenen Angaben für Nachwuchs „kein Budget“)

Bei den Wochenzeitungen sieht es so aus (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

NÖ Bezirksblätter: 20,052 Millionen Euro (der Verlag RMA beschäftigt nur „scheinselbstständige Redakteure“)
OÖ Tips: 19,025 Millionen Euro (ein Gratisblatt mit PR-Texten aus dem Verlagshaus des Adeligen Cuturi)
NÖN: 10,193 Millionen Euro

Fachblätter und diverse Magazine – (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

Medianet: 8,290 Millionen Euro (kürzlich warf man wieder einen Schwung Redakteure hinaus)
Extradienst: 4,491 Millionen Euro (ein Fachmedium von mehreren des C. W. Mucha)
Faktum: 1,003 Millionen Euro (ein Fachmedium von mehreren des C. W. Mucha)

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Weekend Magazin: 22,271 Millionen Euro (Magazin rühmt sich mit großer Auflage, alleine im Haus des Herausgebers stecken sieben Hefte jede Woche ungelesen in der Müllablage unter dem Briefkasten)
News: 16,103 Millionen Euro (ein Magazin von 15 aus der „News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner nach wie vor mit einem Viertel am Teil sind)
Woman: 15,001 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
TV-Media: 14,414 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
Profil: 9,178 Millionen Euro
Wienerin: 5,042 Millionen Euro
Gewinn: 4,767 Millionen Euro
Format: 4,610 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
Seitenblicke Magazin: 4,011 Millionen Euro
Trend: 3,296 Millionen Euro
Ganze Woche: 3,025 Millionen Euro
Wiener: 1,870 Millionen Euro (Magazin zahlt Autoren für drei Seiten Text 400 Euro Honorar; offizeller Grund: Kein Budget)

Hörfunk (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

Ö3: 51,603 Millionen Euro
Privatsender (gesamt): 33,443 Millionen Euro

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienalltag)

Martin Graf – Außergerichtliche Einigung mit "Presse"

Posted in Termindienst by Pangloss on 24. Juni 2009

(LG Wien, am 24. Juni 2009) Wie es aussieht, ist die Neue Rechte in Österreich auf geordnetem Rückzug. Die Webseiten großer Burschenschaften, etwa der Olympia, sind unter Angabe „fauler Ausreden“ offline geschalten. Man setzt wieder auf Diskretion und Geheimhaltung, da der Druck auf diese Geheimgesellschaften größer wird.

Auch Klagen gegen Medien zieht man wegen Aussichtslosigkeit nicht mehr so ohne Weiteres durch. Man sieht, dass Haiders Zeiten vorbei sind, wo sich seine Rechtsanwälte mit Medienklagen dumm und dämlich verdient haben. Medien lassen sich auch nicht mehr alles gefallen.

Jedenfalls: Der Medienprozess des Martin Graf, Abgeordneter zum Nationalrat und derzeit 3. Präsident des Nationalrates, gegen die Tageszeitung „Die Presse“ wurde abgesagt. Er hätte am 24. Juni 2009 um 11 Uhr 30 stattfinden sollen. Doch die Richterin Karin Burtscher wusste bereits um 11 Uhr, dass niemand kommt. Auf Nachfrage sagte sie, dass beide Parteien ihr Kommen bereits am Vormittag abgesagt hatten. Man habe sich außergerichtlich geeinigt, so die Richtern zu B&G.

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Darauf hätte man gewartet, Martin Graf, klagsfreudig. Die Presse, aus Graz vertreten.

  • 24. Juni 2009, 11 Uhr 30, Saal 308.
    Gegenstand: Mediengesetz (Aktenzahl: 095 Hv 27/09 z)
    Richterin: Mag. Karin BURTSCHER
    ASt: Mag. Dr. Martin GRAF (3. Präsident zum Nationalrat/FPÖ)
    AStV: Dr. WITT & Partner (auch: Inhaber der Domain: www.scheidung.at, wollte einmal von Christian Schwab für die Bekämpfung von 4 Einstweiligen seiner Ex-Frau 11.000 Euro/151.360 Schilling)
    AG: Tageszeitung Die Presse – Teil des zweitgrößten österreichischen Medienkonzerns Styria.
    AGV: Dr. Stefan LAUSEGGER (aus Graz)

Marcus J. Oswald (Termindienst)

Nationalratspräsident Martin Graf klagt "Die Presse"

Posted in Termindienst by Pangloss on 20. Juni 2009

FPÖ-Mann Martin Graf - Den Adler im Weblog unzensuriert.at und Hinweise auf alte Symbole (bei NS-Heer/oben und NS-Luftwaffe/unten). (Source: Gloeckel)

(Wien, im Juni 2009) Politik, heißt es, ist die Kunst des Machbaren, nicht die Kunst des Möglichen. Martin Graf ist Doppelakademiker und entstammt tieffreiheitlicher Tradition. Im Zuge von Wortgefechten äußert er sich gerne manchmal in politischen Fragen mehr zur Kunst des Unmöglichen, denn zur Kunst des Machbaren. Kürzlich publizierte er den Satz, dass „Ariel Muzicant der Ziehvater des Linksextremismus“ sei. (Was nur wenige wissen: Das ist eine spät und nach dem Tod Jörg Haiders kalt servierte Racheaktion und semantische Umkehrung etwas ganz anderen. In den 1990er Jahren hatte Peter Pilz Jörg Haider geklagt, bekam Recht und durfte – theoretisch – ab damals straffrei und öffentlich behaupten, dass „Jörg Haider der Ziehvater des Rechtsextremismus“ ist. Racheengel Martin Graf drehte diesen Satz 2009 um und wandte ihn auf sein Thema an. Anm. B&G/mjo)

Indessen fand der Wiener Reporter und vormalige WEGA-Polizeibeamte Walter Egon Glöckel heraus, dass Martin Graf in seinem Weblog „unzensuriert.at“ alte Symbole verwendet. Sein herabstürzender Adler (in seinem nichtssagenden Blog) sei eine Analogie zum Adler bei NS-Luftwaffe und Heer. Graf trug bei der Angelobung im Herbst 2008 im Parlament auch eine „Kornblume“, ein altes Symbol eines Großdeutschen Staates. (Mehr zu diesem Themenkreis: Martin Graf und die Symbolik des Dritten Reichs – Von W. E. Glöckel auf www.dergloeckel.eu).

Burschenschaften

In der Blütezeit der FPÖ stärkte er mit den radikalen Burschenschaften Jörg Haider den Rücken und trieb ihn durch harte Ausländerwahlkämpfe zu Wahlerfolgen. Zahlreiche Burschenschafter bekamen daraufhin zur Belohnung hohe Ämter im Staat. Martin Graf sagte kürzlich einmal, dass man ein Leben lang aus einer Burschenschaft nicht austreten kann. Nur böse Zungen vergleichen das mit der Mafia. Martin Graf ist Mitglied der Olympia, die eine Art Geheimbund in der offenen Gesellschaft der Demokratie ist. Er ist Olympionike und bleibt es auch.

Ursprung Buam

Am 24. Juni 2009 klagt er die Tageszeitung „Die Presse“, die pikanterweise in dem selben Jahr gegründet wurde, das die Burschenschaften gerne als Ursprungsjahr ihrer Tätigkeit sehen: 1848. Daher ist 161 Jahre danach folgender Termin zu beachten:

  • 24. Juni 2009, 11 Uhr 30, Saal 308.
    Gegenstand: Mediengesetz (Aktenzahl: 095 Hv 27/09 z)
    Richterin: Mag. Karin BURTSCHER
    ASt: Mag. Dr. Martin GRAF (3. Präsident zum Nationalrat/FPÖ)
    AStV: Dr. WITT & Partner (auch: Inhaber der Domain: www.scheidung.at)
    AG: Tageszeitung Die Presse – Teil des zweitgrößten österreichischen Medienkonzerns Styria.
    AGV: Dr. Stefan LAUSEGGER (aus Graz)

Marcus J. Oswald (Ressort: Termindienst)

Moderne Sklavenhaltung in Online-Redaktion der "Presse"

Posted in Die Presse by Pangloss on 27. März 2009

Michael Fleischhacker und die moderne Sklavenhaltung:
Die Presse will abheben und sucht Bodenpersonal zum Schmutzaufwischen in der Online-Redaktion. (Foto: Die Presse)

(Wien, im März 2009) Am 16. März 2009, am Tag nach Erscheinen der ersten Nummer der „Sonntagsausgabe“ der Tageszeitung „Die Presse“ (15. März 2009), sagt der CEO des Styria-Verlages zur APA: „Ein zweistelliger Millionenbetrag wird in die Neuerscheinung investiert.“ Ein zweistelliger Euro-Millionenbetrag, versteht sich.

Chefredakteur Michael Fleischhacker, ein Steirer, steht voll dahinter. Er sagt: „Am Freitag, Samstag und Sonntag kann man mit einer Zeitung noch gutes Geld verdienen.“ Die Botschaft soll zeigen: Das Geld sitzt locker.

Auf großem Fuß

Knausriger gibt man sich bei der Online-Redaktion der Zeitung. Der Internetauftritt der „Presse“ wirkt durch das Multichannel-System großspurig. Viele Threads, viel Implementiertes aus der Zeitung. Wenig Eigensprachliches, Eigensinniges, Eigenbildliches. Die Tradition der österrreichischen Online-Redaktionen (Ausnahme: „Standard“, der die Eigenwilligkeit des Webs erkannte) ist, dass man die Zeitung spiegelt.

Die Presse - Großer Horizont, kleiner Lohn. (Wortbildmarke: Die Presse)

Bald kommt der Sommer. Daher sucht „Die Presse“ per Inserat Verstärkung für die Online-Redaktion. Wenn die Angestellten am Sandstrand liegen, sollen „freie Mitarbeiter für die Bereiche Wirtschaft, Politik und Kultur“ die Webseite am Laufen halten. Sagt die Annonce. Link: Freie Mitarbeit. Das wäre nicht weiter interessant, denn die „Presse“ interessiert Wenige wirklich.

„Sonst noch was?“

Interessant ist das Job-Profil für die Mitarbeit auf der vernachlässigbaren Webseite: „Hochschulstudium oder Ausbildung an einer Fachhochschule; gutes Allgemeinwissen; sattelfest in Rechtschreibung; Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit.“ Solche „soft skills“ würden Beratern des AMS die Bemerkung entlocken: „Sonst noch was?“

Softies mit soft skills

Ja, sonst noch was? Die „Presse“ träumt: Man will Akademiker, noch dazu teamfähige (ohne eigene Flausen im Kopf), belastbare (ohne Familie oder Kinder), kreative (mit hunderten Ideen) und kommunikationsfähige (die den ganzen Tag palavern).

Altersdiskriminierendes Inserat

Das „Presse“-Inserat ist nebenbei altersdiskriminierend. Denn „jung“ sollen die Bewerber sein. „Alte“ sind ausgeschlossen. Die Jungen sollen das sein, wie der Archiv-Chef des ORF Peter Dusek dem Herausgeber dieses Journals immer Journalismus definierte: „Der gute Journalist muss eine Kombination aus Emotionalität und Rationalität sein. Du musst ein emotionaler Rationalist sein“, sagte Dusek gern zu Oswald, den er bei jedem Treffen scherzhaft als den „belesensten Journalisten Österreichs“ bezeichnete. Schön und gut.

Marcus J. Oswald und Peter Dusek (ORF).
Am 7. April 2005 am Küniglberg.

Zurück zum luftschnappenden Inserat der „Presse“. Da niemand für Luft arbeitet, stellt sich die Frage: Was zahlt die „Presse“ den akademischen Wunderbegabungen dafür, dass sie für die Online-Redaktion der großspurigen Website arbeiten? Man staune: Lohn, für den keine polnische Putzfrau den Besen anrührte: 500 Euro brutto! Nach Abzug aller Nebengebühren exakt das Geringsfügigkeitsmaß der letztklassigen Dinge am Arbeitsmarkt: 350 Euro netto.

Zweistellige Euro-Millionen in Altpapierprojekt „Sonntagszeitung“

Für das Altpapierprojekt „Die Presse Sonntagszeitung“ investierte der Grazer Zeitungsverlag „Styria“ einen zweistelligen Euro-Millionenbetrag. Womit eine alte jüdische Weisheit des Kaufmannes zum Tragen kommt: „Verdienen kann man heute nur mehr im Einkauf, nicht im Verkauf.“ Die „Presse“ kauft sich also für die Monate Juli, August und September 2009 moderne Online-Sklaven für 500 Euro (!) brutto ein. Und tut so, als wäre man ein modernes Unternehmen. Leute, die sich für 500 Euro brutto einen Monat den Rücken ruinieren, zehn Stunden am Tag die Nachrichtenlage sichten, mehrsprachig, umschreiben, kanalisieren, sind selbst Schuld.

Österreich nicht Indien

Michael Fleischhacker und seine Männer in der „Presse“ verwechseln offenbar den Medienstandort Österreich mit Indien. Selbst dort setzt sich niemand für das Medienhaus Styria um 500 Euro brutto hin.

Umsatz der „Presse“ (Jänner und Februar 2009) – 5,65 Mio Euro!

Laut Angaben der Zeitung „Österreich“ vom 26. März 2009 (S.25) hat die Tageszeitung „Die Presse“ in den Monaten Jänner und Februar 2009 einen Werbeumsatz durch Inserate in der Höhe von 5,65 Millionen Euro erwirtschaftet. Das freut die Geschäftsführung, die sich schöne Gehälter genehmigt.

Hochschulabgänger für 500 Euro brutto im Monat

Die Größe, Online-Redakteuren mit Hochschulabschluss (!) in den Sommermonaten einen ordentlichen Lohn zu zahlen, hat die „Styria“ nicht. Die Jungjournalisten, die auf den Praktikum-Schmäh der „Presse“ hineinfallen und sich bis 3. April 2009 bewerben, können einem Leid tun.

Als alter Hase kann der B&G-Herausgeber den Jungen den Rat geben: Finger weg! Prinzip im Mediengeschäft ist: Wer einmal für Almosen arbeitet, wird von den Almosen nie mehr weg kommen. Da Österreich keine reale Mediengewerkschaft hat, muss sich jeder auf die eigenen Beine stellen. Das läuft sicher nicht in einer „Online-Redaktion“, die 500 Euro brutto pro Monat zahlt und mit der Karotte vor der Nase zum Mundhalten verpflichtet.

„Schmutzige Deals“

Am Besten lässt man Michael Fleischhacker, Chefredakteur, das Schlusswort: „Wir lernen: Das Problem ist in Österreich nie die Tatsache eines schmutzigen Deals an sich. Die Frage ist immer nur, ob ein schmutziger Deal mit den richtigen Leuten gemacht wird. Der logische Schluss daraus: Wahre Unabhängigkeit zeigt sich in Österreich in der Bereitschaft, mit allen schmutzige Deals zu machen“, so der „Presse“-Leitartikler am 2. September 2006.

Einfach schön gesprochen, meint dieses Journal.

Marcus J. Oswald (Ressort: Die Presse)

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