Medien und Kritik – Das Online Magazin

Justizministerin zum Medienrecht

Posted in Medienrecht by Pangloss on 16. März 2011

(Wien, im März 2011) Satte elf Euro kostet die Fachzeitschrift „Extradienst“ mittlerweile. Christian W. Mucha lacht und finanziert sich damit seine Villen. Es gibt aber auch den Altpapier. Der Herausgeber dieser Seite ist ein überzeugter Recyclingmensch. Was weggeworfen wird, muss nicht schlecht sein. Mucha ist bekannt, dass er seinen Werbekunden hohe Auflagen seiner Fachmagazine verklickert. Das hebt die Tarife für die Werbeseite. Gerne wird an das Posting aus dem Jahr 2000 im Standard-Online erinnert, wo der Herausgeber dieser Seite festhielt, dass der Mucha-Verlag knapp 40 Exemplare des Fachmediums gratis in die Redaktion des Profil schickt. Sauber etikettiert und namentlich zugestellt. Doch darunter zehn Redakteure, die zumindest schon vier Jahre nicht mehr dort oder gar verstorben waren, was dem Begriff „Karteileiche“ neue Bedeutung verlieh. Ein anderes Mal gab es ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der Auflagenkontrolle ÖAK, der die Druckereiunterlagen mit jenen Eigenangaben zur Auflage verglich. Es gab differierende Angaben. Doch das war 2003. Da ein kürzlicher Brief an Mucha unbeantwortet blieb, in dem um „lebenslanges Freiabo“ ersucht wurde, ist man auf das Altpapier angewiesen. Kürzlicher Fund: 22 Euro. Zwei ungelesene Exemplare. An einen Einmannbetrieb verschickt er also doppelt. Mucha verteilt an die einen gerne, an die anderen nicht. Er ist halt die sprichwörtliche Ratte, die stets den größten Speck für sich beansprucht, sonst ist er nicht mit sich im Lot.

Interview zum Medienrecht und Reformen

Kein Speck, sondern Vernünftiges im – nach Muchas Eigenangaben – „größten, voluminösesten, umsatzstärksten und ertragsstärksten ExtraDienst aller Zeiten“ ist über die Neupläne der Justizministerin zum Medienrecht zu lesen. Justizministerin Claudia Bandion-Ortner gibt darin (Extradienst 02/2011, S. 28ff.) ein Dreiseiten-Interview. Man kann es hier kurz zusammenfassen, da sie einige Änderungen ankündigt.

Angehörigenschutz

Ministerin Bandion-Ortner kündigt in dem Interview zum einen an, dass es Kernfragen im Medienrecht gibt, die geschärft gehören. Zum einen ist das der Angehörigenschutz. Dabei geht es um Kinder und Verwandte von Leuten, gegen die polizeiliche Ermittlungen laufen. Name und Bild sollen besonderem Schutz unterliegen.

Ferner soll eine „Paparazzi“-Bestimmung kommen, die höheren Schutz für die Privatsphäre von Promis schafft. Doch es wird eine eingeschränkte Regelung: Geschützt ist nur der Wohnbereich und ein „gegen Einsicht abgeschirmter Bereich.“ Außerdem ist „Veröffentlichungsabsicht“ für den Tatbestand erforderlich. Wenn es nicht veröffentlicht werden soll, ist es keine Straftat. Nicht erfasst sind Privatfeten in öffentlichen Lokalen, wo auch fotografiert wird, da das nicht im Wohnbereich stattfindet. Allerdings: „Am Opernball brauchen die Fotografen dem amerikanischen Star auch nicht aufs Klo folgen“, so die Ministerin. Kurzes Fazit: Sowohl Prominente als auch Fotografen sollten sich in der Öffentlichkeit benehmen.

Auslöser für den „Paparazziparagrafen“ war übrigens der „Fall Fritzl“ in Amstetten, wo britische Journalisten nach ihren offensiven Methoden arbeiteten und das damals den Österreichern nicht passte.

Redaktionsgeheimnis bleibt wie es ist

Das Thema Redaktionsgeheimnis bleibt wie es ist. „Ich sehe keinen Anpassungsbedarf“, so die Ministerin. In einem Urteil des OGH zu einer Reportagesendung wurde es weit ausgelegt. Journalisten bleiben auch weiter straffrei, selbst wenn das Material von einem Beamten kommt. Verboten bleibt Anstiftung zum Amtsmissbrauch. Eine komplette Immunität wird es aber nicht geben. Wird ein Journalist angeklagt, kann er sich nicht grundsätzlich entschlagen. Jedoch gilt das Redaktionsgeheimnis weiter auch bei Ermittlungsvorgängen. „Man kann sich immer auf das Redaktionsgeheimnis berufen“, so die Ministerin. „Auch bei schweren Straftaten ist man nicht verpflichtet, etwas herauszugeben. Da sind wir päpstlicher als der Papst. Sogar der EGMR selbst sagt, dass das Redaktionsgeheimnis geringer zu bewerten sei, wenn es gilt eine schwere Straftat aufzuklären. Bei uns geht aber das Redaktionsgeheimnis vor.“ Mehr Unklarheit herrscht, wer in das Redaktionsgeheimnis fällt. Die Ministerin: „Grundsätzlich sollte das Redaktionsgeheimnis für Private nicht gelten. Anders zu bewerten sind professionelle Blogs etwa eines Journalisten. Die Abgrenzung ist schwierig, da es keine Rechtssprechung gibt. In Zukunft wird diese Frage aber zu lösen sei und auch legistischer Handlungsbedarf könnte gegeben sein.“

Für Postings ist nicht das Medienrecht zuständig

Für „Postings im Internet“ ist nach der Ministerin nicht das Medienrecht zuständig. „Bei Postings greift das Medienrecht nicht. Diese sind wie Leserbriefe.“ Sie fügt hinzu: „Man kann allerdings mit Postings viel anrichten. Als Betroffener ist man fast ungeschützt. Nicht nur Politiker, sondern auch Journalisten müssen sich einiges einfallen lassen. Ich persönlich lese sie noch kaum.“ Im Wesentlichen fallen Postings unter die „Freie Meinungsäußerung“. Verhindert können sie nur vom Moderator eines Forums, nicht vom Gesetz.

Den Ausbau des Informantenschutzes kann sich die Justizministerin nicht vorstellen. „Das Amtsgeheimnis hat schon seinen Sinn.“ Und: „In der Justiz gehen wir mit Transparenz und Amtsverschwiegenheit immer eine Gratwanderung. Das bietet dann Raum für Verschwörungstheorien.“

Einstellungsbeschlüsse, Inseratendatenbank, kein EU-Medienrecht

Die weiteren Punkte, die angesprochen werden: Seit 2011 werden bei Fällen von öffentlichem Interesse die Entscheidungen, warum ein Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde, veröffentlicht. Ferner wünscht die Justizministerin mehr Transparenz bei Inseraten aus dem öffentlichen Bereich. In Buchungslisten soll transparent gemacht werden, welches Ministerium in welcher Zeitschrift inseriert und wie hoch. Zur Frage, ob ein europäisches Medienrecht nötig wäre, legt sie sich fest: „In Österreich haben wir einen hohen Standard im Medienrecht. Daher besteht die Gefahr, dass es zu einer Verminderung der Standards kommt. Davor möchte ich warnen.“

Netzsperren nur bei KIPO, nicht bei regierungskritischen Gehalten

Zum Thema Netzsperren sagt die Ministerin, dass diese Frage mitten in einer Diskussion und nicht beschlussreif ist. Es gäbe – zum Beispiel bei kinderpornografischen Themen – oft keine Zugriffsmöglichkeit auf Server, da er auf einem Eiland steht. Daher kann man eine solche Webseite nicht löschen. Demnach bliebe nur Plan B: Netzsperre. Die Diskussion über die Grundfrage eines staatlich gelenkten Internetverhaltens ist noch nicht abgeschlossen. Vor allem in Deutschland beteiligen sich – im Internet – tausende User an der Abarbeitung dieser Frage. Der übliche Einwand gegen Netzsperren ist Ineffizienz durch Umgehungsmöglichkeiten, die aber technische Rafffinesse braucht. Die Justizministerin gibt zu Bedenken, dass ein durchschnittlicher User von Kinderpornografie diese Fachkenntnisse nicht hat. Die Grundfrage ist die nach einer Zensurwelle und der Auswahl, welche Seiten vom Netz gesperrt werden sollen. Befürchtet wird ein Bündel an Seiten, die gesperrt werden könnten, auch solche kritischer Inhalte, die sich gegen politische Machthaber richten. Dazu gibt es weltweit Debatten und Entscheidungen darüber sind komplex. Die österreichische Justizministerin will das nur auf KIPO beschränken: „Ich denke überhaupt nicht daran, Netzsperren auf andere Bereich auszuweiten.“

Zum Thema Datenschutz appelliert sie an die Selbstkritik der Mediennutzer: „Man achtet einerseits immer auf den Datenschutz, andererseits füttert jeder selbst das Netz mit Daten.“ Und sie sagt den wahren Satz: „Facebook ist nichts Privates.“

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienrecht)

Österreichische Zeitungen verdienen Millionen Euro

Posted in Medienalltag by Pangloss on 24. Dezember 2010

In Österreich nahmen Printmedien zwischen Jänner und Oktober 2010 1 Milliarde 346 Millionen Euro Werbegeld ein. Ein nur minimaler Anteil ist die Presseförderung. Der Großteil kommt vom Leser und vom Werbekunden. Trotzdem und überraschend gibt man sich nicht zufrieden und zahlt mieserable Löhne.

(Wien, im Dezember 2010) Über den Wert der Zeitungen lässt sich streiten. Der Herausgeber dieses Journals bezieht in der Woche rund 90 Printprodukte, im Monat rund 350 Stück. 12 Tageszeitungen und allerlei Fachpressen und Spezialausgaben der diversen gesellschaftlichen Gruppen.

Man kann sagen, dass eine Gesamtgesellschaft so aussieht: Es gibt Personengruppen und Interessensgruppen, die, populärsoziologisch gesagt, horizontal wie auch vertikal in Stoßrichtungen auftreten. Jede Personen- und Interessensgruppe will sich entschlossen präsentieren. Dazu eignet sich eine regelmäßig erscheinende Zeitung.

In der „Horizontale“ gibt es in Österreich bundesweite Tageszeitungen und Landeszeitungen, die die breite Fläche im groben Raster abdecken. Dazu kommen thematisch überregional aufbereitete und bundesweit ausgesandte Fachzeitschriften. Die Fachzeitung des „Offiziersverbandes“ will natürlich „alle“ Offiziere des Bundesheeres erreichen, egal ob sie in Rust oder in Bregenz wohnen. Die Zeitschrift „Ski Austria“ des ÖSV will alle „Sport-Insider“ in ganz Österreich erreichen. Neben horizontalen Fachzeitschriften, die das ganze Bundesgebiet abdecken wollen, gibt es vertikale Fachzeitschriften, die nur ein begrenztes Leserpotential haben. „Der Laubfrosch“, die Fachzeitschrift zur Umwelttechnik, erreicht wenige Leser, weniger als die „DHK Aspekte“, die Fachzeitschrift der Deutschen Handelskammer in Österreich oder die „INFO“, das Magazin des Wissenschaftsfonds.

Dreidimensionale Achsen

Grundsätzlich ist es Kennzeichen einer offenen Demokratie, dass es neben Veröffentlichungen in der horizontalen Fläche (gesamtösterreichischer Vertrieb) auch Veröffentlichungen in der vertikalen Tiefe (regionale Begrenzung in Thema und Vertrieb) gibt. Es ist spezielles Kennzeichen einer offenen Demokratie, dass die Veröffentlichungen in der vertikalen Tiefe jenen in der horizontalen Fläche widersprechen können. Das pure Gegenstück wäre die staatlich gelenkte Presse in einer Diktatur oder auf einer Militärinsel, auf der es gleichgeschaltete Einheitsmedien gibt, keine regionalen Fach- und Vereinspressen oder gar (!) gesperrte Webseiten. Zur Erweitertung der horiziontalen Landespresse in der Kreuzung mit der vertikalen Fachpresse kommt die internationale Ebene hinzu. Orte, die auch internationale Presse anbieten, werden als besonderer Segen gesehen. So gelten Städte als besonders liberal im Sinne der Informationsfreiheit, die ein reichhaltiges Angebot an gemischtsprachigen Zeitungen anbieten.

Managergagen

Genug Modellbau und Abstraktion. Ein Wort zum Geld. In Österreich verdienen Zeitungen eine Stange Geld. Interessant ist das insoweit, weil immer beklagt wird, dass das nicht so ist und zum anderen kaum neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Bezahlungschemata sind unter jeder Kritik für den Aufwand, der betrieben werden muss. Man stellt sich die Frage: Wo fließt das Geld der Einnahmen hin? Fachmagazineur Christian W. Mucha lässt sich in regelmäßigen Abständen mit neuen Ehefrauen und neuen Villen in befreundeten Magazinen ablichten. Die Dichands reden notorisch nicht über Geld. Die Fellners beteiligen sich dort und da und sagen nicht, was sie verdienen. Die Köpfe der Medien: Sie verdienen gut. Oscar Bronner (Der Standard) sagte schon vor zehn Jahren, dass er ein Jahresgehalt von 300.000 Euro bezieht. Der einstige Geschäftsführer der News-Gruppe Rudi Klausnitzer bezog rund 500.000 Euro pro Jahr, sein Nachfolger Oliver Voigt, nun gekündigt, bezog ebenso diesen Betrag.

Unterdeck

Geht man in die unteren Klassen, ins Unterdeck, dorthin, wo nicht „gemanagt“, sondern gearbeitet wird, sieht es anders aus. Der Chef der Österreichischen Genossenschaftsfirma APA, Michael Lang, interessanterweise in den Fachmedien immer gelobt, bezahlt seinen Studenten und Nebenerwerbsjournalisten gerade einmal 600 Euro im Monat. Manche sind einen Hauch besser bezahlt, aber viele Duzende verdienen nicht mehr als 1.000 Euro im Monat. Für solche Beträge kann man gewissen Rechtsanwälten nur von der Ferne zuwinken. Für solche Beträge geht ein APA-Mitarbeiter täglich bei Wind und Wetter in ein Büro und wieder hinaus zu Pressekonferenzen und zu Kontaktpersonen.

AMS Datenbank zu Presseberufen ist leer

Es fällt auf: Es gibt kaum ein Medium, das aufstockt, an Personal zulegt, investiert. Wirft man einen Blick in die Datenbank des AMS (Arbeitsmarktservice) fällt auf, dass aus den Branchen Medien genau Null Jobs öffentlich ausgeschrieben sind. Medien tragen also zur Arbeitsmarktfrage nichts bei, sie schreiben nur darüber.

Geldfluss

Man muss sich die Frage stellen, wohin das Geld fließt. Dieses Journal hat einmal eine Liste: Die Einnahmen aus 2010. Sie sind entnommen der Focus Marketing Research:

Gesamteinnahmen (Umsatz) der Zeitungen (Zwischensumme 01-10/2010):

Die Zeitungen in Österreich (15 Stück) nahmen im Zeitraum Jänner 2010 bis Oktober 2010 den sehr stolzen Betrag von 1 Milliarde 346 Millionen und 678 Tausend Euro ein.

+++

Tageszeitungen (Einnahmen/Umsatz, erhoben ist durch FOCUS Research, Umsätze 1. Halbjahr 2010 – Jänner bis Juni – im Detail, Auswahl von Produkten):

Österreich: 47,047 Millionen Euro
Kleine Zeitung: 40,224 Millionen Euro
Die Presse: 33,008 Millionen Euro (die „Presse“ lässt jeden Sommer Studenten die Webseite presse.com für 380 Euro im Monat pflegen; zudem sucht man derzeit wieder gratis arbeitende „Leserreporter“)
OÖN: 32,378 Millionen Euro
Tiroler Tageszeitung: 28,197 Millionen Euro
Heute: 26,751 Millionen Euro (Heute zahlt freischaffenden Journalisten 30 Euro pro Geschichte)
Salzburger Nachrichten: 19,016 Millionen Euro (die Zeitungen hat nach eigenen Angaben für Nachwuchs „kein Budget“)

Bei den Wochenzeitungen sieht es so aus (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

NÖ Bezirksblätter: 20,052 Millionen Euro (der Verlag RMA beschäftigt nur „scheinselbstständige Redakteure“)
OÖ Tips: 19,025 Millionen Euro (ein Gratisblatt mit PR-Texten aus dem Verlagshaus des Adeligen Cuturi)
NÖN: 10,193 Millionen Euro

Fachblätter und diverse Magazine – (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

Medianet: 8,290 Millionen Euro (kürzlich warf man wieder einen Schwung Redakteure hinaus)
Extradienst: 4,491 Millionen Euro (ein Fachmedium von mehreren des C. W. Mucha)
Faktum: 1,003 Millionen Euro (ein Fachmedium von mehreren des C. W. Mucha)

+++

Weekend Magazin: 22,271 Millionen Euro (Magazin rühmt sich mit großer Auflage, alleine im Haus des Herausgebers stecken sieben Hefte jede Woche ungelesen in der Müllablage unter dem Briefkasten)
News: 16,103 Millionen Euro (ein Magazin von 15 aus der „News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner nach wie vor mit einem Viertel am Teil sind)
Woman: 15,001 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
TV-Media: 14,414 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
Profil: 9,178 Millionen Euro
Wienerin: 5,042 Millionen Euro
Gewinn: 4,767 Millionen Euro
Format: 4,610 Millionen Euro („News-Gruppe“, an der die Brüder Fellner mit einem Viertel am Teil sind)
Seitenblicke Magazin: 4,011 Millionen Euro
Trend: 3,296 Millionen Euro
Ganze Woche: 3,025 Millionen Euro
Wiener: 1,870 Millionen Euro (Magazin zahlt Autoren für drei Seiten Text 400 Euro Honorar; offizeller Grund: Kein Budget)

Hörfunk (Umsätze 1. Halbjahr 2010):

Ö3: 51,603 Millionen Euro
Privatsender (gesamt): 33,443 Millionen Euro

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienalltag)

Christian W. Mucha klagte den Standard sehr erfolgreich

Posted in Der Standard, Medienrecht by Pangloss on 16. November 2006

Christian W. Mucha ist ehrgeiziger Medienherausgeber in Wien. Nun räumte er in einer Fremdwebseite juristisch mit anonymen Postern auf, die sich negativ über ihn äußerten.
(Foto: Extradienst/1996, Repro: Oswald)

(Wien, im November 2006) Der Wiener Verlagsinhaber und Herausgeber Christian W. Mucha (etwa 46) ist das, was man journalistischer Borderliner nennt. Solche Leute sind Vielarbeiter und etwas sensibel, wenn es um den eigenen Kopf geht.

Mucha vom gleichnamigen Mucha-Verlag klagte nun die Tageszeitung „Standard“, weil einige „anonyme Poster“ auf Standard-Online ihm mit zu kritischen Äußerungen auf den Sack gingen. Und: Er bekam Recht. Der „Standard“ musste im Auftrag des Gerichts die Nicknames dechifffrieren und diese wurden einvernommen. Unter ihnen: Ein ehemaliger Mitarbeiter des Mucha-Verlags, ein Kreativchef einer großen Werbeagentur und andere Experten. Diese Personen müssen nun die Verfahrenskosten tragen.

Mucha-Anwalt, der das Eis im österreichischen Online-Markt taute: Dr. Oliver Scherbaum.

Aprilscherz als Auslöser

Wie Christian W. Muchas Fachzeitschrift ExtraDienst berichtet, begann die Causa im März 2006. Damals veröffentlichte Mucha auf seiner Webseite www.extradienst.at einen lustigen Beitrag, wonach seine Leute wegen des schlechten Wetters streikten. Mucha beschäftigt rund 35 Mitarbeiter.

Auf der Medienseite des „Standard“, die größte ihrer Art in Österreich (rund 300.000 Zugriffe monatlich nach Eigenangaben), nahmen einige Leser die unterhaltsame Meldung zum Anlass, verspottende Äußerungen zu machen. Nicknames: „silberrücken“, „mäandertaler“ oder „euernextertexter“.

Die Beiträge wurden rasch gelöscht. Doch zeitgemäß innerhalb der sechswöchigen, rechtlichen Abtaufrist brachte am 20. April 2006 der Mucha-Anwalt Dr. Oliver Scherbaum eine Klage nach „Übler Nachrede“ (§ 111 STGB) und „Beleidigung“ (§ 115 STGB) gegen die Oscar Bronner AG ein und die Auswirkungen waren erst sehr spät für die Tarnnamenschreiber spürbar.

Die Dinge nahmen ihren Lauf. Am 2. Mai 2006 gab das LG Wien der Klage Statt. Der „Standard“ legte bei der Ratskammer des LG Wien Beschwerde gegen die Herausgabe der Klarnamen ein. Diese wurde am 10. Juli 2006 abgewiesen. Die Decknamen mussten „geöffnet“ werden.

Kein Prozess, aber Klarheit

Einen Prozess gab es noch nicht – und gibt es auch nicht. Wie Christian W. Muchas Fachzeitschrift ExtraDienst berichtet, wurde dem Verlag in der Mariahilferstraße, Ecke Zieglergasse „dieser Tage“ das „Ergebnis der Ermittlungen“ zugestellt. Die Vernehmung der Personen, die sich hinter Fabelnamen versteckten und vom Leder zogen, ist abgeschlossen. Damit gibt sich Herausgeber Christian W. Mucha zufrieden.

Interessant ist sicher, dass es sich um einen Kreativdirektor einer großen Werbeagentur handelt, einen ehemaligen Werbeagenturchef, um einen langjährigen, leitenden Mitarbeiter des Mucha-Verlags und um Mitarbeiter von direkten Konkurrenzmedien. Diese Leute schrieben also auf eine Juxmeldung gehässige Stellungnahmen. So ist das.

Völliges Exkulpieren und öffentliches Strafverfahren gibt es nicht. Muchas Anwalt beläßt es dabei, Honorarnoten zu schreiben – „für das Einschreiten“. Soweit so gut.

Wer im Glashaus sitzt, wird beworfen – das ist normal

Dieses „Einschreiten“ wird nicht unproblematisch gesehen. Wer im Glashaus des Medienglanzes sitzt, wird natürlich mit Steinen beworfen. Das muss man aushalten.

Mucha, selbst lange Zeit nicht unsensibel im Austeilen, muss auch lernen einzustecken. Früher tat er das. Und bot im eigenen Medium „ExtraDienst“ Paroli. Doch seit seine minderjährigen Kinder heran wachsen, kehrt er nach Innen den Milden heraus und greift nach Außen mitunter auch zur Klagskeule. Deutliches Signal: Dieser Mann kommt in die Jahre.

Gegen die Krake der anonymen Poster

Hinter all dieser Widersprüchlichkeit rührt Muchas Vorgehensweise aber einen G-Punkt an: Der Vorstoß gegen die Krake der „anonymen Poster“. Die Foren der Tageszeitungen quellen über mit Stellungnahmen aus ganz Österreich – und nicht alle sind gut informiert und konstruktiv. Vor allem das Forum des „Standard“ ist beliebt.

Der Herausgeber von BLAULICHT und GRAULICHT wandte sich seit eh und je und seit 1999 (!) gegen Pseudonyme im Postingbereich.

Schon am 24. Februar 2000 schrieb ein gewisser „marcus j. oswald“ um 17:19 im Medienforum des „Standard“ unter dem Titel (damals noch exaltierte Kleinschreibung): „sinn und unsinnn des pseudonyms“ 1.500 Zeichen, die mit einer direkten Anrede des Vorredners begann:

Anonyme Poster sind Tarnkappenbomber

„lieber true blue, sie können sich natürlich nennen wie sie wollen: blue true, blue velvet, blue chip, deep throat, long dong, peter teufel, john wayne oder billy idol. sie können als mann in weibliche rollen schlüpfen (man nennt das dann „pseudogynym“). sind sie eine frau, können sie in männliche rollen schlüpfen (man nennt das dann „pseudandronym“). „blue true“ ist ein klassisches „phrenonym“, aber sie können es natürlich halten wie sie wollen.

wenn (künstlerische) absicht dahinter steckt, ist es gut. wenn nicht, ist es schlecht. „widerst@andskämpfer“ (ein anderer Deckname eines Vorredners, Anm. B&G) verwandten immer, auch historisch, aus schutz vor sozialen und politischen umständen pseudonyme.

kurt tucholsky kritisierte die weimarer republik unter so schönen wie kaspar hauser, peter panter, theobald tiger, ignaz wrobel. die kultur des decknamen hat leider auch dunkle und dumpfe seiten und das ist das problem: „spiegel“-herausgeber rudolf augstein veröffentlichte unter pseudonym beiträge im „völkischen beobachter“. geheimdienste aller welt verwenden pseudonyme.

in der „kronen zeitung“ wird das pseudonym bis zum erbrechen genutzt. autoren wie „cato“ (angeblich dichand), „aurelius“ (angeblich krenn), „plinius“ (der ältere oder jüngere?), „mit den augen einer hausfrau“, „von besonderer seite“ treten dort auf. mir mißfällt das. ich fechte meine kämpfe stets mit dem feinen florett der ironie. aber ohne decknamen. ich machte die erfahrung, daß ich mit offenem visier besser treffe.“ (/Posting Ende)

Gebot der Fairness: Offenes Visier besser als Tarnkappe

An der Haltung änderte sich seit 2000 nichts. Wer etwas zu sagen hat, sollte es mit seinem ganzen Namen, mit vollem Gesicht und mit ganzer Persönlichkeit tun. Wenn jemand was zu verbergen hat, soll er es für sich behalten. Wenn jemand aber etwas zu sagen hat, wolle er es mit vollem Namen tun. So lautet das Fairness-Prinzip.

Der „Standard“ beklagt (14. November 2006), dass die Herausgabe der Klarnamen durch den Richter erzwungen wurde. Gewiss: Auch das stimmt. An der Klage hängt ein übler Beigeschmack, dass die freie Meinungsäußerung eingeschränkt wird.

Auf den B&G-Seiten, also hier, wird es so gehalten: Jeder ist angehalten, seine Meinung zu äußern. Jeder kann, wenn er will, ein Posting oder ein Email zur Veröffentlichung schicken. Jeder kann sagen, was er will. Geht es zu weit, decken man das eine Weile, weil auch harte Positionen mit Kanten und Ecken erlaubt sein müssen. Und: Weil man immer Grenzen überschreiten muss, um die Grenzen zu definieren und Neuland zu betreten. Der solide Grenzgänger ist hundert Mal mehr wert als der bieder Beamte, Richter oder Staatsanwalt. Das Leben definiert sich im Wagnis, nicht im Verwalten.

Bei guter Diskussionskultur besteht unter jedem Artikel die Möglichkeit, Wahrheiten auszuloten und zu vertiefen. Beiträge auf Webseiten sollten stets neue Denkanstöße sein. Mit der Schere im Kopf kommt man nicht weit. Die Tatsache allein, dass es ein Strafgesetz und Mediengesetz gibt, heißt folglich nicht, dass man den Mund gar nicht mehr aufmachen darf.

Dieses Interesse ist aber denkbar dünn ausgeprägt. Auf allen Webseiten, nicht nur auf diesen. Das Internet wird als Saugmedium genutzt, als Lesemedium, nicht als Dialogmedium. Dialog entsteht bestenfalls durch „peer-to-peer“-Medien wie SMS, eventuell auf Facebook. In der Regel wird unter noch so klugen Artikeln im Web nichts gepostet. Aus zwei Gründen: Weil der Beitrag so gut ist, dass man nichts mehr dazu sagen muss. Oder weil er zu speziell ist, dass dem Leser nichts dazu einfällt.

Haftung immer beim Autor

Letztlich haftet aber jeder selbst für das, was er schreibt. Ob mit oder ohne Pseudonym.

Dafür sorgte nun Christian W. Mucha, der Einfluss auf die Rechtsauslegung nahm.
Selbst wenn es nie zu einem Prozess kam.

Marcus J. Oswald (Ressort: Der Standard, Medienrecht)

Ein Wort zum verkommenen Journalismus – Marke pflegeleicht und hochbezahlt

Posted in Medienseilschaften by Pangloss on 29. Oktober 2005

(Wien, im Oktober 2005) Die Wiener Medienlandschaft ist ein Dorf und in jedem Dorf gibt es den Dorfnarren. Dieser hat Narrenfreiheit. Einige Reiche stecken ihm Geld zu, damit sie weiter von ihm unterhalten werden und verschont bleiben.

(Dr.) Christian Konrad ist der Generalmanager der Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich. Er steckt (Dr.) Christian Rainer in der Stunde 1.200 Schilling zu. Also an einem Arbeitstag mit acht bezahlten Stunden für Sesselwärmen, Zeitungslesen und Nachdenken, wo man wieder abschreibt, 698 Euro. Das ist der Monatssatz, mit dem ein Wiener Sozialhilfeempfänger (rund 90.000 Personen) inklusive Mietzuschuß einen ganzen Monat (410 Euro plus 240 Euro Mietzuschuß plus 60 Euro Heizzuschuß) haushalten muß. So etwas kann einen in große Rage und tiefe Wut auf den publizistischen Stand versetzen.

Wenn dann das Branchenblatt „Extradienst“ des anderen Wiener Parvenüs (=kulturloser Emporkömmling, Duden) Christian W. Mucha, der sich Stil auch nicht mit seinem Geld wie Pensionsjahre nachkaufen kann , in einem trostlosen „Ranking“ verlautbart, dass der Wiener Publizist Christian Rainer angeblich der 10. wichtigste Medienmann von Österreich sein soll und zudem „Ferrari-Fahrer“ ist, wird die Wut noch größer. Ich erlaube mir diese Wut und lasse sie mir auch nicht nehmen. Denn hier liegt der Hase im Pfeffer.

Extradienst: Desideratlos und keine Richtschnur

Gewiß: Das Branchenblatt „Extradienst“, das neuerdings im bekömmlich-desideratlosen Konsumdesign daher kommt, ist wahrlich weder intellektuelle Richtschnur noch Mass der Vernunft. Man muss auch die Hintergründe kennen. Da bewohnt der neureiche Herausgeber Mucha ein Haus am Wiener Kassgraben und in direkter Nachbarschaft bewohnt Wolfgang Fellner ein Landhaus. Manchmal macht man gemeinsame verlegerische Sache. Einmal wird Muchas Gemahlin Barbara Mucha in „News“ zufällig erwähnt und portraitiert. Umgekehrt macht Fellner ein „exklusives“ Interview in der Hollywood-Schaukel seines Hausnachbarn, das dann Seiten weise im Branchenblatt „Extradienst“ ausgewälzt wird.

Die alte Mafia-Manier: Hilf und schütze Dich gegenseitig, dann kann Dir nichts geschehen.

Als nach der Fusion der News-Gruppe mit dem Profil-Trend-Verlag zwei Verlagsgruppen zu „Formil“ harmonisch zusammen flossen wie die alte Donau mit den neuen Donau am Wiener Ölhafen, wurde die Zusammenarbeit um einen weiteren Baustein erweitert.

Christian Rainer, ein eitler, uninteressanter Schreiberling, der auf großstädtisch tut (roter Ferrari, Wohnung im Herrengassen-Turm, Single-Dasein, Nadelstreifanzüge), stieß in den Freundeskreis dazu. Er besitzt auch einen Jagdschein, um mit seinem sehr reichen Freund Christian Konrad gelegentlich auf die Pirsch zu gehen. Plötzlich ist er im „Ranking“ des „Extradienst“ der 10. wichtigste Medienmann Österreichs. So läuft das zusammen. Wie die alte mit der neuen Donau am Ölhafen. Gut geölt.

Mucha, Rainer, Fellner: Neophrenale Parvenüs unter sich

Es hackt eine Krähe der anderen eben kein Auge aus, wenn es ums „Geschäft“ geht. Ich halte weder den Kettenraucher Christian W. Mucha (Extradienst-Herausgeber) noch den 698-Euro-Mann Christian Rainer (Trend/Profil-Herausgeber) im publizistischen Sinn für wichtige Männer. Mucha weiß warum, ich muss das nicht ausführen. Es existiert ein langer Faxverkehr.

Warum ich Christian Rainer für keinen wichtigen Mann halte, sei hier kurz erwähnt. Vorauszuschicken ist, dass das höchste Gut eines Mannes seine Ehre ist. Wenn ein Mann sein Wort nicht hält, verliert er seine Ehre, ist kein Ehrenmann mehr und dann hat er sich erübrigt.

Die „Ehrensache“ – rein persönlich betrachtet

Der Grund für diese Behauptung ist ein rein persönlicher. Vor zwei Jahren schlug ich dem damals 42-Jährigen „studierten Volkswirt und Juristen aus Gmunden“ Christian Rainer in seiner Funktion als „Trend“-Herausgeber eine große, wirtschaftsorientierte Recherche zum Pornografie- und Lust-und-Liebe-Markt vor. Ich sagte ihm das mündlich per Telefon, wir telefonierten mehrfach. Und per Email. Ich meinte sinngemäß: „Sehen Sie: Ich fahre in vier Wochen drei Tage auf die größte pornografische Fachmesse nach Berlin, auf die „Venus“. Ich besitze seit Jahren vermutlich das größte private Archiv. Ich bin aktuell über Händlerkontakte sehr am Laufenden, was am Markt zählt und geht. Der Berlin-Aufenthalt kostet Sie nichts. Wir können Seitenblicke in den Zeitschriftenmarkt und auf ihre Macher werfen, meine Sammlung geht in die 2.000 Printexemplare. Historische und gegenwärtige Magazine, regionale und internationale. Den Online-Markt beobachte ich sehr genau, die Linksammlung, die regelmäßig gescannt wird, ist beachtlich. Den Direkt-Dienstleistungsmarkt, die Studios, Salons und Lokale beobachte ich durch viele Kontakte ebenso. Ziel einer Hintergrund-Geschichte soll sein, das Nutzungsverhalten, Kauf- und Trendverhalten zu beschreiben. Besonderes Augenmerk: Frauen als boomender Kundenkreis. Dazu gibt es Studien, die ich habe. Auf der Berliner Messe wird übrigens auch Larry Flint aus den USA da sein, er könnte als internationaler Pionier, Eisbrecher und Farbtupfer der Geschichte Farbe geben.“

Und so weiter. Das ungefähr erzählte ich ihm. Das übliche Palaver, das man einer Zeitung vorschlägt, will man ins Gespräch kommen. Also durchaus, wenn man so will, im Thema engagiert und mutig. Ich schrieb ihm ferner, dass ihm die Geschichte über vier bis fünf Druckseiten in der Endfassung keine 2.000 Euro kostet. Arbeits-, Strukturier- und Schreibzeit voraussichtlich einen Monat. „Sie bekommen es also günstig. Zusätzliche Spesen erwachsen Ihnen nicht, es ist alles im Pauschalbetrag enthalten.“

Rainer: „Pornografiemarkt kein Thema für den Trend“

Christian Rainer ist seit 1997 Herausgeber und Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Trend“ und seit 1998 auch Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitschrift „Profil“.

Seine knappe und überraschende Antwort: Der „Trend“ bringt keine Geschichten über den Pornografiemarkt. Christian Rainer wörtlich: „Der Pornografiemarkt ist kein Thema für den Trend.“

In der Ausgabe November 2005 bringt „Trend“ eine Titelgeschichte „Das Geschäft mit der Liebe“.

Ende 2003 sagte Herausgeber Christian Rainer zu Marcus J. Oswald kategorisch: Der Pornografiemarkt ist kein Thema für den Trend. Im November 2005 bringt er eine Titelgeschichte zum Thema - im Trend.

Umgangssprachlich nennt man das Sozialverhalten des Christian Rainer eine glatte Lüge.

Die „Titel-Geschichte“ schrieben interessanterweise zwei Figuren des Mediengewerbes, die sich bisher nicht unbedingt als Experten und Insider im Lust-Sektor präsentierten.

Alternder Gewerkschaftsapparatschick schreibt Geschichte über Liebesmarkt

Ein Autor ist Franz C. Bauer. Franz C. Bauer ist mittlerweile der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Druck, Journalismus und Papier (DJP), also der Journalistengewerkschaft. Ein Kollege, der kürzlich auf einer Versammlung der DJP war, erzählte mir, dass Bauer ein Apparatschick ist, der jedes Gefühl für die realen Probleme im Medienmarkt missen lässt. In Betongewerkschafter-Manier vertritt er ausschließlich nur die Interessen der angestellten Journalisten. Er missachtet, dass vermutlich schon 50% aller im Medienbereich beschäftigten Personen low-cost-Mitarbeiter mit entweder freien oder pauschalierten oder gar keinen Verträgen Zeitungen zuarbeiten. Außerdem ignoriert Bauer die neuen Visionen wie zivilgesellschaftlichen NGO-Journalismus und Internetjournalismus völlig.

Franz C. Bauer, hier bei einer Rede, in der er die Wiedereinführung des Presserates als aus seiner Sicht dringlichstes Problem der Medienlandschaft fordert. (Foto: DJP, Repro: MJO)

Immer wenn ich Bauer begegne, sehe ich den ungefähr 60-Jährigen, der eigentlich Börsen- und Finanzjournalist ist, im bürgerlichen Tweed-Sakko im noblen Café Prückel. Dort disputiert er dann die (aus seiner Sicht) dringlichen Fragen der Zeit mit Freunden bei Kaffee und Kuchen. Zur Co-Autorin des aktuellen „Trend“-Artikels, der Publizistin Michaela Ernst, ist zu sagen, dass sie eine Weile im „Kurier“ (gleicher Verlagskonzern wie „Trend“) 1.500 Zeichen lange TV-Kritiken schrieb, die die Welt nicht aus den Angeln hoben.

Ernst schrieb über etwas, das zwei Tage zuvor im Fernsehen lief. Später beglückte sie die durch Gastgeschenke verwöhnte Abonnentenleserschaft des „Kurier“ mit Weichzeichner-Reportagen in der uninteressantesten aller österreichischen Wochenendbeilagen, im Kurier „Freizeit“. Danach war sie kurz Chefredakteurin der ungemein wichtigen Neo-Biedermeier-Konsumzeitschrift für die moderne Luxusfrau: „HOME“. Chefredakteurin des „Koch- und Backmagazin“ war sie noch nicht. Nun darf man ihre wertvollen Berichte im „Trend“ lesen.

Für mich gute Gründe, dieses Blatt niemandem zu empfehlen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienseilschaften)

%d Bloggern gefällt das: