Medien und Kritik – Das Online Magazin

Krone Bunt seit zwanzig Jahren – Vor allem PR-Plattform

Posted in Kronen Zeitung, Print by Pangloss on 2. Mai 2011

(Wien, im Mai 2011) Vor zwanzig Jahren erschien die erste Ausgabe von „Krone Bunt“. Der illustrierte Mantel der Kronen Zeitung am Sonntag erschien seither 1.040 Mal an ebenso vielen Sonntagen. Die Erfindung von Hans Dichand war sicher zum Teil ein Angebot für den Leser, der auf diese Weise eine Art Wochenendfeuilleton bekommt, wie das die anderen Zeitungen auch haben. Andererseits war es kühles Kalkül. Die Hochglanzseite am besten Verbreitungstag der „Kronen Zeitung“ ist: Ein Mordsgeschäft mit der Werbung.

Der Bua als Chefredakteur

Erster und bis heute tätiger Chefredakteur ist Christoph Dichand, der mit dieser Extrazeitung über Jahre eingeschult wurde. Der Krone-Chef Hans Dichand setzte den Buam in die bunte Beilage ein, wo er sich Sporen verdienen sollte. Etwas später wurde er zum Gehalt von 23.000 Euro im Monat in direkter Erbfolge als Gesamtchef der Kronen Zeitung eingesetzt, wobei Christoph Dichand die „Krone Bunt“ noch mitmacht. Es ist eine eher koordinative Aufgabe, da die Beiträge großteils ohnehin von bezahlten Kolumnisten kommen, die auf Halde schreiben und zeitunabhängig Texte liefern. Das eigene Fotoarchiv, Mauritius, Buenos Dias, Corbis und Getty tun das Ihre zum hohen Bildanteil dazu. Daher hat die Krone Bunt bis heute keine eigene Redaktion, ja nicht einmal eine Telefonnummer.

Themenmischmasch ohne Zentrum

Die Krone Bunt ist ein Mischmasch an Themen und will ganz Österreich, alle sozialen Schichten und Interessen abdecken. Das Zusatzblatt ist nicht durchlesbar, aber manchmal schön anzuschauen, das muss man neidlos anerkennen. Warum es nicht durchlesbar ist? Die Themenbreite ist zu groß, die Auswahl beliebig. Die endlosen Serien über diverseste Habsburger-Könige und ihre Wehwehchen interessieren nur Rentner und Nostalgiker. Psychologie-Beiträge, die bestenfalls zum Partytratsch reichen, eine „Liebeskolumne“ von Gerti Senger, die nie aufhört aus der psychotherapeutischen Ordination zu plaudern. Evangelische Pfarrerinnen haben ebenso eine (wenigstens lesbare) Kolumne wie die katholische Fraktion in Person des Weihbischofs von Wien mit einem sehr unlesbaren und im wahrsten Wortsinn „gebetsmühlenhaften“ Sermon. Roland Girtler löste den verstorbenen Günther Nenning ab und tut ihm gleich, indem er über Wald und Wiesen schreibt und kein Mensch weiß, warum er gerade dieses Thema an diesem Sonntag bringt. Neuerdings gibt auch Stronach in „Franks Welt“ Einblick, die kurz zusammengefasst das zum Ausdruck bringt: Wer will, der kann.

Der Sonntags-Mantel ist ein brilliantenbesetzter. Dabei legt man offiziell doch so großen Wert auf die Trennung von Berichterstattung und PR. Peter Korrak, der Fotograf, einst Haus- und Hoffotograf von Hans Dichand und Werner Faymann erzählte dem Autor dieser Zeilen einmal 2009 dieses: Er machte 95 Titelseitenfotos für die „Krone Bunt“ und war in den 90er Jahren der Lieblingsfotograf von Hans Dichand. Pro Bild zahlte Dichand 2.000 bis 3.000 Euro, es gab für die in Szene gesetzten Aufnahmen ein Modell, einen Beleuchtungsassistenten und den Fotografen bezahlt. Am Ende waren die Fotos so gut, dass es 2002 sogar eine Vernissage mit den 75 besten Korrak-Fotos gab, an der auch Dichand persönlich teilnahm. Doch 2003 wurde Peter Korrak gekündigt.

Fotograf Peter Korrak hinausgeworfen

Er hatte einen Tourismusort im Ausland zu fotografieren und er verhandelte das Hotel für die Übernachtung direkt aus. Im Gespräch mit der Hotelkette wollte er ein gutes Fünf-Stern-Zimmer und sagte dem Hotel im Gegenzug eine gute bildliche Repräsentation in der Krone Bunt zu. Davon bekam Hans Dichand jedoch Wind und er war entrüstet. Dafür habe man die Anzeigenabteilung, einem Fotografen stehe nicht zu Nebenarrangements zu treffen. Korrak wurde entlassen. Er verdiente damals 10.000 bis 11.000 Euro im Monat, hatte das beste Equipement und machte reihenweise für die „Kronen Zeitung“ monatlich Fotos. Darunter auch die 95 Titelseiten für die Sonntagsmantel. Danach rasselte sein Verdienst gegen Null. Heute weiß er zu erzählen, dass für Fotografen der Markt tot ist. „profil“ zahlt 100 Euro pro Bild. Korrak macht nun einfallsreihe Sonderreihen (kürzlich war seine Ausstellung im „Kunsthistorischen Museum“ mit Politikerportraits) und nimmt auch für 150 Euro Kleinaufträge für die Nikon-Vollformatkamera an, um nicht aus der Übung zu kommen.

Blickt man heute in die „Krone Bunt“ (sagen wir Ausgabe 30. Mai 2010) finden sich neben drei allzu flüssig geschriebenen „Tourismusreportagen“ (eine über den Vierwaldstädtersee in der Schweiz, eine zu Wagram in Niederösterreich und eine über Kreta in Griechenland) in Summe 26 Werbeinserate in 4-Color von Reisebüros. Dafür dürfen die Journalisten nach wie vor auf Kosten des Hauses (entweder Krone oder das Reisebüro) dorthin reisen, die Tage genießen: Die Kohle für 26 Inserate nimmt der Chef. Gelegentlich kauft er aus dem Hamburger „Stern“ eine besonders gute Reportage einfach an und kleistert den Seitenrand mit Inseraten zu.

Krone Bunt treibt es manchmal zu bunt – § 26 MedienG verletzt

Der Sonntagsmantel „Krone Bunt“ ist voller Geld. Doch manchmal treibt man es zu bunt. Am 19. September 2010, kurz vor der Wien Wahl 2010 wollte man den Leser mit positiven Nachrichten aus Wien einkochen. Im Marmelade-Glas auf 32 Seiten: Berichte zu Vorhaben in Wien mit dem Titel „Eine Stadt zum Verlieben“. Darin stellten sich zwölf große Unternehmen vor. Die Texte kamen aus den PR-Abteilungen der Unternehmen und die „Krone Bunt“ kassierte für den Abdruck Länge mal Breite. Die Rede war von 30.000 Euro pro Seite! Macht ein Nettoinkasso für Hans Dichands Zeitung von 960.000 Euro. Vermittelt haben unter anderem Lobbying-Agenturen wie „Change Communication“ von Wolfgang Rosam und Dietmar Ecker.

Hinterher bestritten alle Seiten, dass Geld geflossen sei. Obwohl die Unternehmen folgender Persönlichkeiten prächtig dargestellt wurden: Generaldirektor Harald Nograsek (Verkehrsbüro, S. 2-3), Vorstandsdirektor Herbert Kaufmann (Flughafen Wien, S. 4-5), Vorstandsdirektoren Peter Malanik und Andreas Bierwirth (AUA, S. 6-7), Vorstandsvorsitzender Wolfgang Hesoun (Siemens Austria, S. 8-9), Generaldirektor Günter Geyer (Vienna Insurance Group, S. 10-11), Vorstandsvorsitzender Frank Hensel (REWE International, S. 12-13), Generaldirektor Hannes Ametsreitner (Telekom Austria, S. 14-15), Vorstandsvorsitzender Andreas Treichl (Erste Bank, S. 16-17), Generaldirektor Franz Kosyna (Donau Versicherung, S. 18-19), Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Strauß (Porr AG, S. 20-21), Genraldirektor Robert Lasshofer (Wiener Städtische Versicherung, S. 22-23), Entrepreneur Rene Benko (Signa Holding, S. 24-25), Mercer-Studie „Lebenswertes Wien“ (S. 26-27), SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl im Interview (Text und Fotos von Presseinformationsdienst der Stadt Wien – PID S. 28-31), „Lobende Stimmen zu Wien“ (12 Persönlichkeiten der Wirtschaft im Zitat, S. 32). Es blieb Kritik: Die Markierung § 26 MedienG (entgeltliche Einschaltung) fehlte. Der so genannte PR Ethik-Rat rügte, da das Advertorial nicht gekennzeichnet war und dem Leser verkauft wurde, es sei ein redaktioneller Beitrag über 32 Seiten. Auswirkung hatte das für die „Kronen Zeitung“ keine. Anzeige oder Privatanklage wurde keine gemacht. Der Staub legte sich wieder. Lobbyist Wolfgang Rosam regte sich kurz auf, dass er in den Dreck gezogen wird: Er habe nur seine Arbeit gemacht und seine Kunden in die Kronen Zeitung gebracht. Die Kronen Zeitung/WAZ regte sich gar nicht, daher auch nicht auf. Sie kassierte. Die großteils börsenotierten oder stadtnahen Unternehmen zahlten brav. Auch wenn sie hinterher dementierten.

Hauptsache Geldesel am Sonntag

Die „Krone Bunt“ ist tatsächlich der Geldesel der „Kronen Zeitung“ geworden. Der Spielraum in der bunt ummantelten Beilage ist größer als im Tageszeitungsteil, in dem die Ressorts reglementiert sind. Dominieren im Tageszeitungsteil die teuren Kleinanzeigen, die man mit dem Mikroskop lesen muss, fährt der Sonntagsteil halb- und ganzseitige Werbeflächen auf, die bis zu 50.000 Euro pro Seite kosten. Am Sonntag, wenn andere zur Kirche gehen oder bei Mutter im Bett liegen, macht die „Krone“ das wirklich große Geld.

Insoweit war die Erfindung der „Krone Bunt“ im Herbst 1990 ökonomisch für die „Kronen Zeitung“ schön. Am 28. April 1991 erschien die erste Ausgabe, die bis heute von anderen Zeitungen ansatzweise kopiert (Kleine Zeitung, Neues Volksblatt, Österreich), aber in der ökonomischen Intensität nie erreicht wurde. Inhaltlich brachte sie wenig Neues. Außer alle Jahre vor Weihnachten die Tierredakteurin Entenfellner am Cover der eigenen Zeitung.

Marcus J. Oswald (Ressort: Print, Kronen Zeitung)

Kronen Zeitung beginnt neue Anti-Atom-Kampagne 2011

Posted in Kronen Zeitung, Print by Pangloss on 4. April 2011

Als Journalist versuchte ich die demokratische Grundstimmung stets zu verstärken. Nie ging es mir dabei um Macht. Das warf man mir zwar oft vor, und ich erwiderte dann: ‚Lieber streichle ich unseren Hund daheim, als Macht auszuüben.‘ Mich auf der Bühne des Lebens zu spreizen, ist nicht meine Art. (…)
Was hat zum Beispiel den besonders populären Bundeskanzler Kreisky seinerzeit dazu veranlasst, das Atomkraftwerk Zwentendorf gegen den Willen der Mehrheit durchsetzen zu wollen? Er meinte wohl, das Gewicht seiner Persönlichkeit werde bestimmend genug sein, den Volksentscheid für sich und damit für den Bau des Atomkraftwerks ausgehen zu lassen. Was hat den Bürgermeister Felix Slavik dazu bewogen, sich gegen die Wiener zu stellen, als sie die Öffnung des Sternwarteparks verlangten? (…)
Und dann Hainburg: Wie konnte der ÖGB annehmen, dass er sich gegen den so stark spürbar gewordenen Willen der Österreicher, das Land vor Zerstörungen der Umwelt zu bewahren, durchsetzen werde?“
(Hans Dichand, Im Vorhof der Macht, S. 13, 14 und 15)

„Zähigkeit: Für den Normaljournalisten ist das ja gar nicht erlaubt. Für ihn gilt: ‚Darüber haben wir schon einmal geschrieben, darüber können wir nicht noch einmal schreiben, wir müssen aktuell sein.‘ – Die Aktualität der Krone ist hingegen ganz umgekehrt: Immer dran bleiben, bis wir gewonnen haben. Die Hainburger Au ist jetzt der Nationalpark Donau Auen, international anerkannt und geschützt; die Semmeringbahn ist jetzt Weltkultur-Erbe der UNESCO. Kurz: Es lebe der Kampagnenjournalismus der Krone. Viele Kampagnen der Krone mündeten in Volksbegehren oder Volksabstimmungen, wobei dann die Krone nachmals kräftig nachschob. Manche erreichten weit mehr als eine Million Unterschriften. Volksabstimmung gegen Atomkraftwerk Zwentendorf, 1978, 1. 6 Millionen Nein-Stimmen; Volksabstimmung über den EU-Betrittt, 1994, 3.1 Millionen Ja-Stimmen; Volksbegehren gegen Atomkraftwerk Temelin, 2002, 915.000 Unterschriften. Ich bin stolz auf solchen Populismus. Das ist journalistische Arbeit für Österreich. Das nenn ich Edel-Populismus.“
(Günther Nenning, Eine Krone Bitte, S. 52 und 53)

Obwohl das Euratom-Volksbegehren soeben gescheitert ist, beginnt die Kronen Zeitung nun eine eigene Kampagne. (Foto: Aufkleber, 4. April 2011)

(Wien, im April 2011) Der Kampagnen-Journalismus gehört zur größten Tageszeitung Österreichs „Kronen Zeitung“ wie der Gesang zum Heurigen vergangener Tage. Der breit aufgestellte Kampagnen-Journalismus in der großen Boulevard-Zeitung entstand in den siebziger Jahren, als man Strömungen der Gesellschaft aufgriff und vertiefte. Das Wesen der Kampagne liegt in der Redundanz und Wiederholung, bei leichter Variation der Kernthese. Auf jeden Fall darf die Kampagne nicht von politischen Verbänden ausgehen, sondern sie muss aus der Angst der Bevölkerung Nahrung beziehen.

Kampagnen nur mit Themen aus Bevölkerung

Klein-Kampagnen scheiterten in der Kronen Zeitung immer wieder. So ist kaum jemandem der Inhalt des „Bauernmanifests“ noch bekannt. Diese „Krone“-Kampagne ging von politischen Strukturen aus und scheiterte, weil die Bevölkerung achtungsvoll weiß, dass Bauern nur fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen, aber ohnehin überdurchschnittlich stark – etwa im Parlament – repräsentiert sind.

Anders bei Themen wie Atomdrohung, Gendrohung oder EU. Hier hatte die „Kronen Zeitung“ eine führende Rolle und die entsprechenden Begehren vom Volk wurden ein Erfolg.

Von allen 34 Volksbegehren, die es bisher in Österreich gab, schnitt das Euratom als zweitschlechtestes ab. (Tafel: Volksbegehren, Source: Bürgermeisterzeitung 2011_03)

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Dieser Tage endete das „Euratom“-Volksbegehren und es wurde das zweitschlechteste aller 34 Volksbegehren. Es ging von einer Aktionsgruppe von Oberösterreich aus, die aus der Anti-Temelin-Bewegung kommt und es erreichte nur 98.698 gültige Eintragungen. Damit wurde die Schallmauer von 100.000 hauchdünn verfehlt. Das Anliegen, aus dem EU-Atomvertrag auszusteigen, muss daher nicht im Parlament behandelt werden.

Euratom-Volksbegehren gescheitert: Nur 98.698 Unterschriften

Gute Ergebnisse wurden in Vorarlberg (4,77%), Oberösterreich (2,08%), Niederösterreich (1,44%) und Salzburg (3,09%) erreicht. Die Organisatoren Roland Egger und Gabriele Schweiger sehen eine neue Anti-Atom-Bewegung trotz des knappen Ergebnisses. Umweltminister Nikolaus Berlakovich würdigt das Anliegen, erwähnt aber, dass laut Verfassungsdienst ein Ausstieg aus dem Euratom-Programm zugleich ein Ausstieg aus der EU bedeute. Das Volksbegehren habe von Beginn an mit populistischen Argumenten für den Atom-Ausstieg (zugleich EU-Ausstieg) geworben, kritisiert ein anderer „Anti-Atom-Berater“ mit Namen Radko Pavlovec. Es sei daher zurecht bei der Bevölkerung nicht angekommen. Das Volksbegehren nahm die Hürde für die Behandlung im Parlament nicht.

Doch nun beginnt die „Kronen Zeitung“ eine neue Kampagne.

Am 15. März 2011 bringt die Kronen Zeitung eine 13 Seiten lange Bildreportage aus Japan und deutet auf der Titelseite den Start einer neuen Kampagne an. (Foto: Kronen Zeitung, 15 März 2011; Source: Titelseitenarchiv Oswald 1090)


Die Kronen Zeitung will die Sicherheitsprüfung aller Atomkraftwerke, vor allem der überalterten, unterstützen und vergleicht Österreich nun mit einem gallischen Dorf. (Foto: Kronen Zeitung, 15. März 2011, S 11; Source: Archiv Oswald 1090)

Weil das Euratom-Volksbegehren scheiterte, das vermutlich zu früh kam, nämlich vor japanischen Beben, setzt die „Kronen Zeitung“ nun, wohl zum richtigen Zeitpunkt, nämlich nach dem japanischen Beben, eine Kampagne in Start.

Sicherheits-Chek als Forderung

Es geht nicht um den Totalausstieg aus der Atomkraft, weil das rechtlich mit dem EU-Austritt verbunden wäre, sondern es geht um einen zwingenden „Sicherheits-Check“ für alle AKWs. Mit dieser Forderung bezeichnet sich die „Krone“ nun als „Anti-Atom-Gallier Europas“. Doch geht es nur um den Sicherheitscheck?

In der Petition, die von „Global 2000“ begonnen wurde, aber die „Kronen Zeitung“ als Medienpartner hat, gibt es drei Punkte: 1. Abschalten der Risiko-Meiler. 2. Langfristiger Ausstieg aus Atom-Energie, Wechsel auf Öko-Energie. 3. Euratom-Geld nur für Sicherheitschecks und Abwracken.

„Global 2000“ Mann Klaus Kastenhofer grenzt demnach die Petition auf Machbares und Schwerpunkte ein. „Im Kampf gegen die Atomgefahr an unseren Grenzen liegt die Priorität auf den überalterten AKWs in Deutschland und deren überstürzter Laufzeitverlängerung.“

In langer Tradition - seit Zwentendorf - ist die Kronen Zeitung beim Thema Atom aktiv. Nun will man im April 2011 die Stimmung erheben. (Foto: Aufkleber Rückseite, 4. April 2011)

Die „Kronen Zeitung“ macht sich nun für dieses Thema stark. Man machte auch beim „Euratom“-Volksbegehren mit, aber nicht federführend und daher scheiterte es auch. Durch die zu enge Verknüpfung Euratom-Ausstieg und EU-Ausstieg machten eben nicht mehr Unterstützer mit. Die „Krone“ versucht nun mit konkreteren Anliegen zu punkten. Die Abziehbilder und Postkarten liegen in allen Trafiken stapelweise auf. Die Webseite zur Petition ist auf der http://www.krone.at etwas versteckt. Man findet sie de facto nicht. Es gibt auch keinen Banner oder Hinweis.

Um die Folgekosten in der japanischen Region abzudecken, braucht die Kraftwerkskonzern Tepko nun einen Kredit in Höhe von 17 Milliarden Euro. Das wird von Experten nur als Anzahlung für die Entschädigung der Umweltschäden gesehen. Grundsätzlich sind alle Kraftwerksbetreiber unterversichert. (Foto: Handelsblatt, 24. März 2011, Source: Archiv Oswald 1090)

Dass Atomkraft das Gegenteil von billig ist, erklärt das „Handelsblatt“ in einem Leitartikel vom 25. März 2011. Unter dem Titel „Die wahren Kosten der Kernkraft“ resümiert das nicht unbedingt Industrie feindlich eingestellte Blatt aus Düsseldorf, dass die Kosten für Atomkraft nur im Normalbetrieb günstig seien. Bei jedem Unfall „explodieren“ diese dann.

Handelsblatt: Japanischer Kraftwerksbetreiber braucht Kredit

So braucht der japanische Kraftwerksbetreiber aktuell, so das „Handelsblatt“, einen Kredit in der Höhe von 17,4 Milliarden Euro. „Nach den Erfahrungen mit der Atomkatastrophe in Tschernobyl (235 Milliarden Dollar Schaden) dürfte diese Summe nur eine Anzahlung sein.“ Da das keine Versicherung trägt, sind Atomkraftwerke nicht rückversichert. Daher zahlt die Zeche bei einem Unfall immer der Steuerzahler und nie der Kraftwerksbetreiber.

Eine deutsche Studie wird zitiert, die davon ausgeht, dass im Fall eines Atomunfalls in Deutschland Schäden bis zu 5 Billionen Euro entstehen können, was das doppelte des deutschen BIP sei. Deutschland sei dann mit einem Unfall pleite. „Es geht um ganz kleine Wahrscheinlichkeiten, die aber zu riesigen ökonomischen Kosten führen“, wird ein Experte der Uni Kiel zitiert. Bei einer angenommenen Schadenssumme von 5 Billionen wäre die jährliche Versicherungsrate 287 Milliarden Euro. Damit wäre Atomstrom, der bisher 20 Euro pro Megawatt kostet (Gas und Kohlestrom: 40 Euro pro Megawatt) schlagartig unleistbar. Leistbar ist er nur, weil die Unternehmen nicht vollversichert sind.

Deutsche Atomkraftwerke sind alle untersichert

Die Versicherung deckt nur einen kleinen Anteil bei Schäden ab, man spricht von Unterversicherung. In Deutschland gibt es eine „Kernreaktor-Versicherungsgesellschaft“, die Haftpflicht bis zu 256 Millionen Euro deckt. Übersteigende Schäden zahlen in einer Abmachung die Kraftwerksbetreiber bis zu 2.2 Milliarden Euro. Danach haften die Unternehmen (RWE und andere) mit ihrem Gesamtvermögen und ist dies aufgebraucht, kommt der Steuerzahler an die Reihe.

Insoweit ist der Tanz mit dem billigen Atomstrom ein Drahtseilakt ohne Netz. Man balanciert und gaukelt Sicherheit vor. Der Strom soll sauber sein und billig. Das gelingt so lange, ehe ein Unfall großer Dimension passiert. Dann kracht eine Region zusammen und vielleicht eine ganze Volkswirtschaft. Es geht eine große Gefahr von den Atommeilern aus. Vor allem, seit die Erdbebengefahr in manchen Regionen der Welt zunimmt.

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Verwendete Quellen:
Hans Dichand: Im Vorhof der Macht. Wien, Ibera & Molden Verlag 1996.
Günther Nenning: Eine Krone bitte. Wien, Molden Verlag 2003.
Kronen Zeitung, 15. März 2011 – Im Zeitschriftenhandel um 1 Euro zu beziehen.
Bürgermeister Zeitung März 2011 – Nur im Jahresabo zu 155 Euro pro Jahr zu beziehen.
Handelsblatt, 24. März 2011 – Im Zeitschriftenhandel um 2,90 Euro zu beziehen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Print, Kronen Zeitung)

Ehre von Walter Diego Vogel wiederhergestellt – KRONE verurteilt – 15.000 Euro Schadenersatz

Posted in Kronen Zeitung, Medienrecht by Pangloss on 1. September 2010

Erst war es nur amtlich, nun ist es öffentlich: Walter Vogel ist kein Killer. Es war eine Bildverwechslung in der Montagausgabe der Kronen Zeitung. Seine Ehre ist wiederhergestellt. Er bekommt eine Entschädigung.
(Fotoscan: Kronen Zeitung, 1. September 2010, S. 18)

(Wien, am 1. September 2010) Er strahlt bis über beide Ohren. Es ist eine Genugtuung für ihn. Er hat nichts gegen die „Kronen Zeitung“. Er liest sie selber. Doch es war ein Schock. Als er im friedlich gestimmten Advent 2009 am 21. Dezember 2009 die Montag-Zeitung am Frühstücktisch aufschlug. Er fand sich im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt am Bezirksgericht Hollabrunn abgebildet. Dazu folgender Wortlaut:

„Als Lebemann und selbsternannter Meister posierte der AHS-Lehrer Johann Peter P. gerne mit Frauen. – Nach seiner vierten Scheidung drehte der Verdächtige offenbar durch. Er griff immer öfter zur Bierflasche statt zum Pinsel und kam betrunken zum Unterricht.“

Walter Vogel war schockiert! Der ehemalige Wiener Sängerknabe, der noch in der Ära Tautschnig singen lernte, stieß ein gekonnt-ist-eben-gelernt Hohes C aus. Denn erstens ist er kein AHS-Lehrer. Zweitens war er nie verheiratet (hat auch keine Kinder). Er malt auch nicht. Und er trinkt nicht. VOR ALLEM: Er war noch nie am Bezirksgericht Hollabrunn und hat dort NIEMANDEN ERSCHOSSEN!

Kronen Zeitung war falsch im Bild

Die Kronen Zeitung hat sich mit der Bildzuschreibung geirrt. Walter Vogel ging zuerst den Weg des Konsenses: Er schrieb Chefredakteur Chistoph Dichand einen Brief und bat um Richtigstellung. „Auf Briefpapier meiner Firma“, wie er am 1. September telefonisch diesem Journal mitteilt. Seine seit 101 Jahren tätige Firma Vogel stellt seit der Monarchie kriminaltechnische Materialien her und vertreibt sie weltweit (den sogenannten „Tatortkoffer“; die Zeitschrift „Öffentliche Unsicherheit“ des Innenministeriums brachte erst im Dezember 2009 ein zweiseitiges Portrait über ihn). „Ich dachte, der Herr Dichand lädt mich zu einem kurzen Gespräch ein und wir regeln das mit einer kurzen Richtigstellung. Das hätte mir genügt.“ Allein: Christoph Dichand schrieb nicht zurück.

Dann wartete Vogel sechs Wochen ab und nachdem kein Ton, auch keine Entschuldigung brieflich eintraf, klagte er über seinen Salzburger Anwalt. Zeitgleich schrieb ihm der Wiener Neustädter Doyen der Neuropsychiatrie Dr. Pius Prosenz ein Dreiseiten-Gutachten, dass er nun psychische Probleme und Angstzustände auf der Straße habe, dass ihn jemand als „Mörder“ anspricht. Dann ging es in ein Medienverfahren.

Erstinstanz sprach 15.000 Euro zu

Am 8. April 2010 pokerte Anwalt Michael Rami vor Richterin Birgit Schneider hoch – und er verlor. Er bot seitens der „Kronen Zeitung“ eine Entschädigung an: 3.000 Euro. Vogels Anwalt, Konsul (von Peru) Dr. Ägydius Horvatits, lehnte das als unzureichend ab. Michael Rami hatte aber – wie immer – „kein Portefeuille“ und wollte nicht „über die Schmerzgrenze“ gehen. Daher ging es in die nächste Instanz. Die „Kronen Zeitung“ erhob gegen die verhängten 15.000 Euro Berufung.

Die Berufung fand am 25. August 2010 am Oberlandesgericht Wien statt. Der Berufungssenat bestätigte das Ersturteil, das rechtskräftig lautet: 15.000 Euro Entschädigung an Walter Vogel, Kosten für den Konsul von Peru mit An- und Abreise von und zu Salzburg, Gerichtskosten an zwei Gerichten, sowie Gegendarstellung in der Zeitung, die nun heute, am 1. September 2010 erfolgte. (Das falsche Bild kostete somit: rund 30.000 Euro.)

Nahe an Playboygrenze

Walter Vogel ging es nicht ums Geld. Er wollte es amikal lösen und hätte sich mit einem Brief von Hans oder Christoph Dichand zufrieden gegeben. Der Unternehmer, der die Tatortkoffer zusammenstellt und in alle Welt exportiert, ist 51 Jahre alt und stand erst gestern, Sonntag, wieder bis Mitternacht in der Firma, um neue Sets versandfertig zu machen. Er arbeitet und hat ein dauerhaftes Geschäft, von dem er leben kann. Zudem wurde er außergerichtlich gerade am 30. Juni 2010 von der Republik Österreich mit exakt 500.000 Euro entschädigt, wovon ihm 351.000 Euro überwiesen wurden (den Rest, 150.000 Euro behielt die AdvoFIN als Anwaltshonorar). Er hatte rund um LehmannBrothers und Meinl an einer Sammelklage teilgenommen, die im Vergleich endete.

Mit der ausgesprochenen Medien-Entschädigung gegen die „Kronen Zeitung“ liegt Walter Diego Vogel nahe an der Playboy-Obergrenze (20.000 Euro), die das österreichische Recht bei Mediendelikten vorsieht. Zuletzt wurde am Landesgericht Wien bei „Grasser gegen BILD“ in die Vollen gegriffen. Grassers Anwalt Michael Rami erstritt zwei Mal 20.000 Euro Höchststrafe für veröffentlichte Privatfotos vom Badeurlaub in der Badehose in der „Bild“ Zeitung und auf „Bild“-Online.

Kein Pardon bei harten Vorwürfen

Auch abseits der Jetset-Szene kennt das Wiener Gericht bei Falschberichterstattung keinen Pardon, wenn Betroffenen massive Dinge vorgeworfen werden. Vergleichbare und nichtvergleichbare Ersatz-Summen:

Remigius Rabiega, Sozialpädagoge aus Sankt Pölten, erstritt (mit Anwalt Michael Rami) im Juni 2010 von der Zeitung „Österreich“ für einen einzigen Kurzbericht 12.000 Euro (Print), sowie 6.000 Euro für den gleichen Bericht (Onlineportal), in Summe also 18.000 Euro, da man ihm Kindesmissbrauch vorgeworfen hatte. (Link folgt!)

Repic, der Zopf hingegen erstritt mit Anwalt Andreas Duensing für die publizierte Behauptung, er sei in U-Haft gesessen, am 8. Juli 2010 von „Österreich“ (Print und Online) nur je 500 Euro und von der „Kronen Zeitung“ nur 750 Euro, sowie am 28. Juli 2010 von „News“ für die Behauptung, er sei „die rechte Hand von Richard Steiner“ 1.200 Euro.

Man merkt, es gibt Abstufungen im Medienrecht: Schwere und sehr ferne Behauptungen (Kindesmissbrauch, Mord) werden, so sie falsch berichtet und zugeordnet werden, HART bestraft. Schwere, jedoch nicht ganz fernliegende Behauptungen werden MILDE bestraft. Das Medienrecht bleibt konsequent und abwägend.

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Recommended:
Fall Hollabrunn – Kronen Zeitung mit Bildverwechslung – Falscher Täter in Montagausgabe (22. Dezember 2009)

Marcus J. Oswald (Ressort: Kronen Zeitung, Medienrecht)

Fall Hollabrunn – Kronen Zeitung mit Bildverwechslung – Falscher Täter in Montagausgabe

Posted in Kronen Zeitung by Pangloss on 22. Dezember 2009

Walter Vogel, wie so oft in Begleitung einer hübschen Frau, die nicht die seine ist. (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien/Korneuburg, im Dezember 2009) Zunächst einmal stieß der Artikel über den Fall Hollabrunn dem Leser mächtig auf. Wenn in der Montag-Ausgabe der „Kronen Zeitung“ (21. Dezember 2009) die Anwältin Kristina Köck sagen darf, dass die beim Schussattentat zu Tode gekommene Rechtspflegerin „eine Freundin“ von ihr war, lässt das tief in die Gewaltenteilung im österreichischen Rechtsstaat blicken.

Ein Rechtspfleger hat „Richterstatus“ und wenn eine Anwältin sagt, dass eine Richterin eine „Freundin“ zu ihr ist, muss man sich vor solchen Seilschaften in Acht nehmen.

Mann mit Hut nicht gleich Mann mit Hut

Es geschah dem Krone-Journalisten Christoph Matzl aber noch ein Fehler, der etwas Schwerer wiegt. Man präsentierte ein Foto eines Mannes mit Hut. Dieser Mann mit Hut ist aber nicht der Schütze im Bezirksgericht Johann Peter Preiss, sondern Walter „Diego“ Vogel. Dieser ist nun empört, dass er im Umfeld des Tötungsgeschehens gezeigt wird.

Walter Diego Vogel am Nationalfeiertag 2008 vor dem Casino Wien. (Foto: Marcus J. Oswald)

Wer ist Walter „Diego“ Vogel? Nur die wenigsten kennen ihn. Das Journal war eine Zeitlang öfter mit ihm aus: Bei der Eröffnung der Langen Nacht der Museen (2008) im VIP Bereich, im Leopold Museum, einmal im Casino Wien Kärntnerstraße bei einer Vernissage. Walter Vogel ist vor allem: Ein Adabei. Er ist zweitens ein Erbe eines Kleinunternehmens, das Tatortkoffer zusammenstellt und weltweit exportiert. Er ist drittens durchaus wohlhabend – aus dem Erbe der väterlichen Firma. Er ist ferner viertens massiver Geschädigter durch die Lehmann Brothers (160 Jahre Staatsbank in den USA und dann Exitus, er verlor 150.000 Euro allein bei angeblich sicheren „Staatsanleihen“), durch Julius Meinl MEL und AWD – in Summe 2008 rund 600.000 Euro verloren. Er ist fünftens deshalb aber nicht traurig, weil er noch immer etwas auf der Seite hat. Er ist sechstens ein Womanizer, der stets mit hübschen, durchaus auch russischen Begleiterinnen unterwegs ist. Er ist siebtens ein wandelndes Lexikon, der viel weiß und gesprächig ist und er ist achtens nun sehr, sehr böse auf die „Kronen Zeitung“, da er in falschem Zusammenhang genannt wurde und plötzlich als „Mörder“ dasteht. Er will das Kleinformat klagen.

Walter Diego Vogel trägt zwar wie viele Leute in der Kunstbranche einen Hut, ist aber deswegen nicht mit Johann Peter Preiss zu verwechseln.
(Foto: Unbekannte am 26. Oktober 2008, 23 Uhr 27)

Der Mann, der in Favoriten wohnt und aus gutem Grund einen eleganten Hut trägt, hat nun durchaus Aussichten auf eine Entschädigung. Man wird sehen, wie er sich mit der Zeitung einigt.

Bei weiterem Interesse:
Der „Kronen Zeitung“-Artikel vom 21. Dezember 2009 (Scan, 2x DIN A 4) – mit falschem Täterbild

und

Der wirkliche Johann Peter Preiss.

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Ehre von Walter Diego Vogel wiederhergestellt – KRONE verurteilt – 15.000 Euro Schadenersatz
(1. September 2009)

Marcus J. Oswald (Ressort: Kronen Zeitung)

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