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Stadtzeitung „Falter“ sorgt sich um Frau Alexia Weiss

Posted in Falter, Kurioses by Pangloss on 25. September 2010

Die Wiener Journalistin beschwert sich, dass ein Blog zu ihr errichtet wurde. Statt dass sie sich freut, dass sie aus dem Meer der namenlosen Schreiber herausgehoben und beachtet wird. Der Fake-Blog war am 25. September 2010, als von diesem Journal Nachschau gehalten wurde, jedoch leer. (Screen: 25. September 2010)

(Wien, im September 2010) Warum der „Falter“, die Stadtzeitung Wiens, nie eine große Zeitung wird, zeigt sich an der Themenauswahl und am Mangel der Einschätzung von Themen. Dazu kommt eine naive Aufgekratztheit, die besonders Medien, die politisch links von der Mitte stehen, auszeichnet. Die Aufgekratztheit kann man auch Überempfindlichkeit nennen.

Der naive, fast studentische Zugang zu lebensweltlichen Dingen mag die Zielgruppe der Studenten erreichen. Von Paul Yvon, einst Gerichtsreporter im „Profil“ und (eine Zeit lang) Journalistenausbildner, stammt ein Wort, das sich der Herausgeber dieser Seite immer gemerkt hat. „Profil schreibt für die Zielgruppe der Über-Vierzigjährigen.“ Damit meinte er umschrieben, dass sowohl in Themenauswahl (Relevanz) wie in Themenanalyse (Durchführung) die 40+ – Generation einen anderen Anspruch an Medien hat, als es 25-Jährige haben. Der „Falter“ bedient in der Sensationslust leider allzuoft nur die Jungen.

Mangelnde Lebenserfahrung führt zu Fehleinschätzungen

Das merkt man wieder einmal an einem Medienartikel. Eine gewisse Alexia Weiss wird hofiert und vom Falter in Schutz genommen. „Wenn Neonazis einem im Netz den Namen nehmen“ lautet der Bericht über Frau Weiss, die beim „Googeln“ feststellen musste, dass es einen Weblog gibt, den sie aber nicht schreibt. Er heißt „Alexia Weiss Blog“. Er zeigt in Bild im Header von ihr und – jetzt wird es interessant: sonst nichts.

Eine Nachschau am 25. September 2010 auf diesem sogenannten „Alexia Weiss-Blog“ erbachte nichts. Ein Header ist da und sonst keine Artikel. Der „Falter“, der davon berichtete, erschien am 10. September 2010 und wenn man den damaligen Screenshot, der dem Artikel beigestellt ist, ansieht, fand man schon damals – fast nichts. Den Header mit ihrem Foto und EINEN Artikel. Dieser, allerdings, gehässig, „Die Juden in Österreich – Ein Fremdkörper“. Nach diesem Artikel hat es aber den Autor dieses Blog offenbar nicht mehr gefreut oder es haben ihn die Kräfte verlassen. Im Ressort „Letzte Artikel“ findet sich genau nur dieser eine Artikel – im Monatsarchiv der Bezug „August 2010“.

Nur ein Beitrag wurde auf dem Fake-Blog veröffentlicht, aber Frau Weiss macht sich in die Hose und geht zum Falter ausweinen. Vorgängig machte sie auf mutig und wollte gleich die ganze Alpen-Donau.info - Webseite, die Deutschtum verbreitet, löschen lassen. Politischer Journalismus erfordert Charakterstärke und Risikobereitschaft, es ist Papierkrieg und Materialschlacht und die Frage ist, ob die ehedem kleine APA-Journalistin (der nun nicht mehr der große APA-Apparat rund um Michi Lang den Rücken freihält) den Herausforderungen, die freischaffende politische Publizistik nach sich zieht, gewachsen ist. Oder ob sie nur will, aber nicht kann. Denn zwischen Können und Wollen ist im schreiberischen Gewerbe ein haushoher Unterschied. (Foto: Screen Falter 10. September 2010; im Bild sichtbar: Nur ein Beitrag ist am Fake-Blog, doch der Falter spricht gleich von einem Blog, es ist bestenfalls ein Blögchen.)

Aus dem Umstand, dass jemand mit dem Namen eines Anderen einen Fake-Blog aufmacht, macht der „Falter“ eine Reihe von Überlegungen. Es ist a. eine Frechheit, b. ein Anschlag auf die Persönlichkeitsrechte dieser Frau, c. sie sei Jüdin, d. sie werde von Neonazis verfolgt, e. weil sie die Schließung der Webseite „Alpen-Donau.info“ gefordert habe. Drei breitzeilige Spalten widmet der „Falter“ diesem Umstand. Wer Frau Weiss ist, wusste bisher kaum jemand. Ihr Leibthema sei die NS-Zeit, längere Zeit zahlte ihr die APA fünfzehn Monatsgehälter. Nun ist sie „freischaffend“. Jetzt hat sie Zeit und sucht das Internet nach Neonazi-Seiten ab.

Das ist gut und richtig. Doch eines ist naiv von der guten Dame: Sie meint, dass Angriffe auf Webseiten widerspruchslos von diesen hingenommen werden. Frau Weiss hat eine eigene Webseite, die sie tatsächlich betreibt und auf dieser rief sie zur Schließung der „Alpen-Donau.info“ auf, weil Deutschtum und mehr betrieben werde. Das merkten sich natürlich die Herrschaften der „Alpen-Donau.info“. Irgendwer, es ist nicht beweisbar, stellte dann einen einzigen Beitrag auf einen Fake-Blog zu Weiss, eröffnete damit die Seite und ließ sie weiterhin schlummern. Mehr folgte nicht. Mehr war nicht und kam auch nicht nach.

In der Allianz zwischen „Falter“ und Frau Weiss wird nun gefordert, dass Kriminalpolizei, Verfassungsschutz und weitere Organe sofort einschreiten. Verkannt wird, dass auch Frau Weiss gegen die Alpen-Donau-Seite ordentlich losging, nun aber zimperlich und wehleidig wird, wenn es gegen sie selbst geht. Der „Falter“ ist sowieso zimperlich. Er unterstützt das öffentliche Zimperlichsein und erklärt es zur Kultur.

Fälschungen gehören dazu, da WWW nicht die BBC

Zu ergänzen ist, dass man in Zeiten des Internet mit Vielem leben muss. Eben auch mit Fälschungen. Es hat überhaupt keinen Sinn, dagegen Klage zu erheben. Wieso auch? Es ist nicht nur schlecht. Das Plagiat adelt den Autor und Hemingway sagte einst: „Die Größe eines Mannes zeigt sich nicht an den Freunden die er hat, sondern an der Anzahl seiner Feinde.“ Freunderlpartien (etwa zum „Falter“) kann man am Caféhaustisch rasch begründen. Feindschaften muss man sich hart erarbeiten.

Frau Weiss hat gewiss Feinde und sie sollte eher stolz darauf sein und nicht zum „Falter“ Weinen gehen. Sie will im Nazilager fischen und recherchieren. Da sie nicht vorhat, ein Strickwarengeschäft zu eröffnen, sondern weiter im Nazilager fischen will, muss sie mit Widerstand rechnen. Wer austeilt, muss auch einstecken lernen. Sonst ist er für den Beruf des freischaffenden Publizisten nicht geeignet. Der Herausgeber dieser Seiten musste über sich in der weiten Welt des Internets schon vieles lesen: So sei der BZÖ-Mitglied, habe unter dem Wiener Stadtbahnbogen ein sexuelles Erlebnis mit einem Transvestiten gehabt, sei homosexuell, sei SPÖ-Mitglied, sei ein Betrüger, Verleumder, Anwaltszuhälter, Stalker, Gewalttäter, eine linke Zecke, ein Rechtsradikaler, mehrfach delogiert geworden, und so weiter. Man kann sich herauspicken, was man will.

Feine englische Art und englische Wochen

Doch es gibt einen alten britischen Grundsatz, die feine Englische: „Bad News are good News.“ Man muss nur gewillt sein, seinen Narzissmus auszuleben. Das macht gegen Kritik ziemlich immun. Man kann diesen Rat weiter geben: Das Entscheidende beim Internet ist nicht, dass man stets nur „das Gute“ über sich im Internet sucht und findet, sondern auch das Schlechte, wenn es gut erfunden ist. Und dass man das Schlechte, aber gut Erfundene, schlicht und einfach im Raum stehen lässt. Denn das Internet erhebt ja keinen Anspruch auf Wahrheitsgehalt. Sonst hieße es nicht WWW, sondern BBC.

Insoweit fällt auf, mit welchen naiven bis verzärtelten Argumenten Leute wie Alexia Weiss, die Medien selbst lange Zeit aktiv als Produzenten bedient haben und daher wissen, welche Falltüren und Aussichtstürme es gibt, an Medien herangehen. Doch auch sie muss akzeptieren: Ja, es gibt im Internet Kampagnen und diesmal hat es halt sie getroffen. Doch es war keine komplette Webseite mit vielen Berichten, sondern nur ein Andeuten einer Webseite. Und: Auch sie macht Kampagnen, da sie – egal aus welchen lauteren Gründen – Webseiten „schließen“ lassen will.

Es müssen sich alle, die in Medien den Kopf beim Fenster zur Welt hinaushalten, mit der Idee anfreunden, dass sie geortet und getortet werden. Leider wollen alle nur „gut dargestellt“ werden und verkennen, dass Gegner das anders sehen. So entsteht, dass namensorientierte Blogs in fremdem Namen iniitiert werden. Dass das eher ein Modell des rechten Lagers ist (Anti-Antifa-Bewegung), liegt auf der Hand. Man muss es als Trend der Zeit sehen und Blogs sind eben Teil des „Schwarm-Netzwerks“, das sehr freiflächig und direkt werden kann. Wer das nicht lesen will und das nicht will, wird sicher von niemandem gezwungen, das Internet anzudrehen. Der Herausgeber dieser Webseite hat zum Beispiel seit April 2008 keinen Fernseher und ihm ist daher ziemlich egal, was im Fernsehen läuft. Würde etwas Negatives im Fernsehen gesagt werden, wäre es außerhalb seiner Wahrnehmung. So ähnlich ist es beim Internet auch. Die Mutter des Herausgebers kann nicht einmal einen PC einschalten, geschweige weiß sie, was Internet ist. Außerhalb der Wahrnehmung.

Es sollten die Empfindlichkeiten also etwas zurückgeschraubt werden. Das Internet ist kein Mädchenpensionat, sondern eine machtvolle Drehscheibe für Information. Alexia Weiss wurde gefakt und sie weiss warum. Sie hat sich hinausgelehnt und meinte, das geht widerspruchslos. Widerspruchsfrei bleibt das vielleicht in die sauberen Welt der APA, aber nicht in der Welt der widerstrebenden politischen Meinungen, die im Wettbewerb stehen.

Der Herausgeber findet nur eines schlecht: Dass das über ihn niemand macht. Einen Blog in seinem Namen mit allen Gehässigkeiten und allem Drum und Dran. Das „Genderwahn-Forum“ hat es in Ansätzen versucht, doch dieses ist an sich selbst gescheitert. An den Feindfronten muss also noch gearbeitet werden.

Marcus J. Oswald (Ressort: Falter, Kurioses)

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