Medien und Kritik – Das Online Magazin

Styria-Recke Horst Pirker – Out of Office

Posted in Medienseilschaften by Pangloss on 26. September 2010

Das Email an Horst Pirker kam mit einem Absenz-Vermerk zurück. Zum Zeitpunkt hatte er bereits gekündigt.
(Quelle: Archiv Oswald 1090, 25. August 2010, 1 Uhr 09)

(Wien, im September 2010) Das Email wurde ihm geschrieben, um ihn auf einen Beitrag hinzuweisen. Link war anbei. Allein: Das Email erreichte ihn nicht mehr. „Horst Pirker – out of office bis 31. August 2010“ war die automatische Rückmeldung. Das stimmte, nur der „31. August 2010“ war nicht korrekt.

Soll man jemandem, der 600.000 Euro plus Boni und Prämien im Jahr verdient, eine Träne nachweinen? Nein. Soll man darauf hinweisen, dass der Vorstand des zweitgrößten Medienunternehmens Österreich „geht“? Ja. Soll man hagiografieren? Keineswegs.

Tiefkonservative Herkunft

Horst Pirker ist Steirer und im Dunstkreis der katholischen Kirche, dessen Zweig in der tiefgläubigen Steiermark immer ein starker Ast der Macht war, medial groß gewachsen. Rund um den „Katholischen Pressverein“, wie die Ursprungsunternehmung lange hieß (heute: Stiftung), gruppieren sich „Kleine Zeitung“, „Furche“, „Die Presse“, das „Wirtschaftsblatt“ und viele andere Printmedien heute unter dem Dach Styria. Im ideologischen Außenring manteln sich auch andere Einrichtungen wie eine KMA. KMA? Es steht für Katholische Medienakademie. Das muss man immer wieder dazu sagen, ehe man kniefällig, wie es für Kirchgänger sich gehört, zum Hofknicks ansetzen wollte.

Heute hat die „Styria“ in mehreren europäischen Ländern verteilt rund 3.500 Mitarbeiter und etwa 450 Millionen Jahresumsatz. Der Gewinn soll 2010 etwa 25 Millionen Euro betragen. Das sind die Zahlen eines Unternehmens, mit dem Horst Pirker nun nichts mehr zu tun hat. Denn er ist bis 31. August 2010 „out of office“ – und darüberhinaus.

Wenn ein „Großer“ des Mediengewerbes, ein Manager, geht, fällt auf: Wirtschaftszeitschriften rechnen Zahlen hoch, spielen Buchhalter. Sie sagen: Was für ein Verlust „für die Steiermark“ (Tankstellen-Multi Rudolf Roth in „Format“, 38/2010). Das Wirtschaftsmagazin „Format“ übernimmt diesen Satz treuherzig und setzt den Satz dazu: „Eine Grenze aber kannte die Machtausübung des Styria-Managers immer: Die Redaktionen blieben von seinen politischen und weltanschaulichen Positionen unbeeinflusst.“

Heimliche politische Weltanschauungen

Man kann lange darüber rätseln, was dieser Satz bedeutet: Hat Horst Pirker politische und weltanschauliche Positionen und wollte er aus Rücksichtnahme die Redaktionen nicht beeinflussen oder waren die politischen und weltanschaulichen Positionen nicht so ausgeprägt, da man diese bei 600.000 Euro Grundgehalt vielleicht besser hinter den Berg hält, sodass er ohnehin die Redaktionen nicht damit beeinflussen könnte.

Man soll in den Satz „Eine Grenze aber kannte die Machtausübung des Styria-Managers immer: Die Redaktionen blieben von seinen politischen und weltanschaulichen Positionen unbeeinflusst“ bei einem Mann, der im High-Level-Sektor der Führungskräfte agiert, besser nicht so viel hinein interpretieren. Fakt ist, und nun zum Nebengeschäftlichen: Horst Pirker verdiente 600.000 pro Jahr. Er betrieb eine weitere Gesellschaft namens „CMB“ (Consulting Management Beteiligungs GesmbH), die in Immobilien macht und im Großraum Graz Häuserbesitzer und Häuserverwalter ist. Daneben saß Horst Pirker in zahlreichen Aufsichtsräten (er will alles nur „ehrenamtlich“ getan haben), unter anderem in der Firma Anton Paar Messtechnik GmbH. Der Chef dieser Firma, Friedrich Santner, sitzt im Gegenzug im Aufsichtsrat der Styria Holding AG. Manus manum lavat. Steirisches Wechselspiel.

Der Anti-Stronach

Fest steht: Horst Pirker ist politisch tierfschwarz bis tief hinter die Ohren. Er ist ein Parteigänger der ÖVP. Wenn es zwei steirische Heroen gibt, dann sind das Arnold Schwarzenegger (tiefschwarz in der Seele) und Frank Stronach (tiefrot in der Seele), nicht aber Horst Pirker. Über Ersten ist aus der Ferne wenig zu sagen, er ist augenscheinlich erfolgreich. Der Zweite spielte sich auf seine Weise in die Herzen der Menschen: Er verjuxte Millionen Euro im Fussball, er gab kürzlich eine Wahlempfehlung für den SPÖ-Landeshauptmann Voves und er führte die Mitarbeiterbeteiligung in der Magna auch in Österreich ein (für die Gewerkschaften anfangs ein Neuland).

Horst Pirker ist bekannt dafür gewesen, dass Mitarbeiter in seinen Augen nur ein notwendiges Übel sind. Legendär sind die Umbaumassnahmen der Styria, in der Pirker den knallharten unternehmerischen Schachzug der Aufsplittung der Styria in zahlreiche Sub-Sub-Gesellschaften der Styria einführte. Leute, die nach Journalisten-Kollektivvertrag zu bezahlen wären, fielen aus diesem System heraus. Dieses Vorhaben wurde systematisch durch die Gewerkschaften in Teilen verhindert. Den Gewerkschaften sei für die Aufsicht der Mitarbeiterrechte gedankt. Doch Pirkers Vorhaben war teuflisch. Der Styria-Vorstand scherte sich in seiner unternehmerischen Expansionswut nie um einen gerechten und stabilen Lohn für Mitarbeiter. Er wollte alle in die Scheinselbständigkeit drängen. Obwohl Horst Pirker von 2004 bis Anfang 2010 auch Präsident des Zeitungsverlegerverbandes war, konnte oder wollte ihn in seinen Allmachtsfantasien niemand stoppen: Er plante allen Ernstes eine Art „Content Engine“ aus hochqualifizierten Mitarbeitern. Diese sollten rund um die Uhr wie Schreibsklaven Texte schreiben und in alle möglichen Medien aus dem Styria-Haus buttern.

Kontakt zur Basis verloren

Bei kleinen Magazinen, die einst groß waren, gelang der Schritt zur extremen Beschneidung: So hat das Magazin „WIENER“ nur mehr einen Fixmitarbeiter. Das ist der Chefredakteur Helfried Bauer und eine Grafikerin (halbtags). Der Blattverantwortliche hat einen wohlbestallten Vertrag. Der Rest der Beiträge kommt von Studenten ins Monatsheft, die Mehrseiten-Reportagen (drei bis vier Seiten) um 400 (!!!) Euro Gesamthonorar (!) schreiben und druckfertig abliefern sollen. Es ist jedem unklar, wie das funktionieren soll. Doch es ist Teil des „System Pirker“, der den Kontakt zur Basis verlor und die Löhne und Honorare systematisch so weit drückte, dass die Leute teilweise fast gratis mittun. Und daneben zum AMS gehen.

Über die Eskapade, dass man bei der „Presse“ im Sommer zur Betreuung des Online-Portals polyglotte und akademisierte Ferialpraktikanten zur Pflege der Webseite „www.diepresse.com“ einsetzt und diesen pro Monat 360 Euro Lohn zahlt, wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt geschrieben. Verantwortlich dafür: Horst Pirker.

Pirker verweigerte auch „Kleine Zeitung“-Mitarbeitern kleine Prämie

Auch bei der „Kleinen Zeitung“, ein Blatt, das in akzeptabler Grundqualität täglich erscheint und das maßgeblich zum Umsatz des Styria-Konzerns beiträgt, gibt es keine Mitarbeiterbeteiligung an einem ökonomisch erfolgreichen Wirtschaftsjahr. Pirker zahlte schlicht und einfach keine Prämien oder Vergütungen.

Umso mehr überrascht, dass ein Christian W. Mucha in der Ausgabe 09/2010 seines „ExtraDienst“ zu einer Lobeshymne auf Horst Pirker ansetzt. Mit lästigen „Aufsichtsräten“ habe er sich herumschlagen müssen. Ja, das ist so. Immerhin blies er zehn Millionen Euro in das Projekt „Presse am Sonntag“. Kein Wort findet der Herausgeber des „ExtraDienst“ Mucha, der auch sein Geld lieber im Egowahn in Häuser und Grundstücke anlegt als Arbeitsplätze zu schaffen, zur Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften, der permanenten Unterbietung der Lohn- und Honorartabellen unter Abmachungen des Kollektivvetrtages, den schlechten Behandlungen von Mitarbeitern, die teilweise kündigten. Dafür macht sich Mucha Sorgen zum Dienstvertrag des Horst Pirker, der 600.000 Euro im Jahr einstreifte (und eine Betratungsfirma parallel mit seinem Sohn Georg Pirker betrieb): „Ist es richtig, dass sie eine sehr dünne Konkurrenzvereinbarung haben?“ Pirker: „Ja.“

Dieser Mann macht weiter wie bisher

Das heißt im Klartext nur, dass der 50-jährige Medienrecke, der den Beruf des Journalisten in seinen Arbeitsrechten systematisch erodieren ließ und der aus politisch aufgeklärten Menschen „Content-Ingenieure“ machen wollte, bald, und zwar innerhalb des nächsten halben Jahres, sein Spiel bei einem anderen Medienhaus aufziehen wird. Davor muss man alle, die an den Beruf des Journalisten glauben – warnen.

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Styria-Vorstand (neu, seit 1. September 2010): Wolfgang Bretschko, Klaus Schweighofer
Styria-Aufsichtsratsvorsitzender: Prof. Johann Trummer (Diözese Graz)
Othmar Ederer (Vorstand Grazer Wechselseitige Versicherung)
RA Karl Schleinzer (Wien)
Markus Mair (Vorstand Raiffeisen LB Steiermark)
Friedrich Santner (Vorstand Anton Paar Regelungstechnik)
Heribert Gasser
Claus Albertani
Josef Klapsch
Michael Lohmayer (alle Styria Medien AG)

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienseilschaften)

Ein Wort zum verkommenen Journalismus – Marke pflegeleicht und hochbezahlt

Posted in Medienseilschaften by Pangloss on 29. Oktober 2005

(Wien, im Oktober 2005) Die Wiener Medienlandschaft ist ein Dorf und in jedem Dorf gibt es den Dorfnarren. Dieser hat Narrenfreiheit. Einige Reiche stecken ihm Geld zu, damit sie weiter von ihm unterhalten werden und verschont bleiben.

(Dr.) Christian Konrad ist der Generalmanager der Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich. Er steckt (Dr.) Christian Rainer in der Stunde 1.200 Schilling zu. Also an einem Arbeitstag mit acht bezahlten Stunden für Sesselwärmen, Zeitungslesen und Nachdenken, wo man wieder abschreibt, 698 Euro. Das ist der Monatssatz, mit dem ein Wiener Sozialhilfeempfänger (rund 90.000 Personen) inklusive Mietzuschuß einen ganzen Monat (410 Euro plus 240 Euro Mietzuschuß plus 60 Euro Heizzuschuß) haushalten muß. So etwas kann einen in große Rage und tiefe Wut auf den publizistischen Stand versetzen.

Wenn dann das Branchenblatt „Extradienst“ des anderen Wiener Parvenüs (=kulturloser Emporkömmling, Duden) Christian W. Mucha, der sich Stil auch nicht mit seinem Geld wie Pensionsjahre nachkaufen kann , in einem trostlosen „Ranking“ verlautbart, dass der Wiener Publizist Christian Rainer angeblich der 10. wichtigste Medienmann von Österreich sein soll und zudem „Ferrari-Fahrer“ ist, wird die Wut noch größer. Ich erlaube mir diese Wut und lasse sie mir auch nicht nehmen. Denn hier liegt der Hase im Pfeffer.

Extradienst: Desideratlos und keine Richtschnur

Gewiß: Das Branchenblatt „Extradienst“, das neuerdings im bekömmlich-desideratlosen Konsumdesign daher kommt, ist wahrlich weder intellektuelle Richtschnur noch Mass der Vernunft. Man muss auch die Hintergründe kennen. Da bewohnt der neureiche Herausgeber Mucha ein Haus am Wiener Kassgraben und in direkter Nachbarschaft bewohnt Wolfgang Fellner ein Landhaus. Manchmal macht man gemeinsame verlegerische Sache. Einmal wird Muchas Gemahlin Barbara Mucha in „News“ zufällig erwähnt und portraitiert. Umgekehrt macht Fellner ein „exklusives“ Interview in der Hollywood-Schaukel seines Hausnachbarn, das dann Seiten weise im Branchenblatt „Extradienst“ ausgewälzt wird.

Die alte Mafia-Manier: Hilf und schütze Dich gegenseitig, dann kann Dir nichts geschehen.

Als nach der Fusion der News-Gruppe mit dem Profil-Trend-Verlag zwei Verlagsgruppen zu „Formil“ harmonisch zusammen flossen wie die alte Donau mit den neuen Donau am Wiener Ölhafen, wurde die Zusammenarbeit um einen weiteren Baustein erweitert.

Christian Rainer, ein eitler, uninteressanter Schreiberling, der auf großstädtisch tut (roter Ferrari, Wohnung im Herrengassen-Turm, Single-Dasein, Nadelstreifanzüge), stieß in den Freundeskreis dazu. Er besitzt auch einen Jagdschein, um mit seinem sehr reichen Freund Christian Konrad gelegentlich auf die Pirsch zu gehen. Plötzlich ist er im „Ranking“ des „Extradienst“ der 10. wichtigste Medienmann Österreichs. So läuft das zusammen. Wie die alte mit der neuen Donau am Ölhafen. Gut geölt.

Mucha, Rainer, Fellner: Neophrenale Parvenüs unter sich

Es hackt eine Krähe der anderen eben kein Auge aus, wenn es ums „Geschäft“ geht. Ich halte weder den Kettenraucher Christian W. Mucha (Extradienst-Herausgeber) noch den 698-Euro-Mann Christian Rainer (Trend/Profil-Herausgeber) im publizistischen Sinn für wichtige Männer. Mucha weiß warum, ich muss das nicht ausführen. Es existiert ein langer Faxverkehr.

Warum ich Christian Rainer für keinen wichtigen Mann halte, sei hier kurz erwähnt. Vorauszuschicken ist, dass das höchste Gut eines Mannes seine Ehre ist. Wenn ein Mann sein Wort nicht hält, verliert er seine Ehre, ist kein Ehrenmann mehr und dann hat er sich erübrigt.

Die „Ehrensache“ – rein persönlich betrachtet

Der Grund für diese Behauptung ist ein rein persönlicher. Vor zwei Jahren schlug ich dem damals 42-Jährigen „studierten Volkswirt und Juristen aus Gmunden“ Christian Rainer in seiner Funktion als „Trend“-Herausgeber eine große, wirtschaftsorientierte Recherche zum Pornografie- und Lust-und-Liebe-Markt vor. Ich sagte ihm das mündlich per Telefon, wir telefonierten mehrfach. Und per Email. Ich meinte sinngemäß: „Sehen Sie: Ich fahre in vier Wochen drei Tage auf die größte pornografische Fachmesse nach Berlin, auf die „Venus“. Ich besitze seit Jahren vermutlich das größte private Archiv. Ich bin aktuell über Händlerkontakte sehr am Laufenden, was am Markt zählt und geht. Der Berlin-Aufenthalt kostet Sie nichts. Wir können Seitenblicke in den Zeitschriftenmarkt und auf ihre Macher werfen, meine Sammlung geht in die 2.000 Printexemplare. Historische und gegenwärtige Magazine, regionale und internationale. Den Online-Markt beobachte ich sehr genau, die Linksammlung, die regelmäßig gescannt wird, ist beachtlich. Den Direkt-Dienstleistungsmarkt, die Studios, Salons und Lokale beobachte ich durch viele Kontakte ebenso. Ziel einer Hintergrund-Geschichte soll sein, das Nutzungsverhalten, Kauf- und Trendverhalten zu beschreiben. Besonderes Augenmerk: Frauen als boomender Kundenkreis. Dazu gibt es Studien, die ich habe. Auf der Berliner Messe wird übrigens auch Larry Flint aus den USA da sein, er könnte als internationaler Pionier, Eisbrecher und Farbtupfer der Geschichte Farbe geben.“

Und so weiter. Das ungefähr erzählte ich ihm. Das übliche Palaver, das man einer Zeitung vorschlägt, will man ins Gespräch kommen. Also durchaus, wenn man so will, im Thema engagiert und mutig. Ich schrieb ihm ferner, dass ihm die Geschichte über vier bis fünf Druckseiten in der Endfassung keine 2.000 Euro kostet. Arbeits-, Strukturier- und Schreibzeit voraussichtlich einen Monat. „Sie bekommen es also günstig. Zusätzliche Spesen erwachsen Ihnen nicht, es ist alles im Pauschalbetrag enthalten.“

Rainer: „Pornografiemarkt kein Thema für den Trend“

Christian Rainer ist seit 1997 Herausgeber und Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Trend“ und seit 1998 auch Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitschrift „Profil“.

Seine knappe und überraschende Antwort: Der „Trend“ bringt keine Geschichten über den Pornografiemarkt. Christian Rainer wörtlich: „Der Pornografiemarkt ist kein Thema für den Trend.“

In der Ausgabe November 2005 bringt „Trend“ eine Titelgeschichte „Das Geschäft mit der Liebe“.

Ende 2003 sagte Herausgeber Christian Rainer zu Marcus J. Oswald kategorisch: Der Pornografiemarkt ist kein Thema für den Trend. Im November 2005 bringt er eine Titelgeschichte zum Thema - im Trend.

Umgangssprachlich nennt man das Sozialverhalten des Christian Rainer eine glatte Lüge.

Die „Titel-Geschichte“ schrieben interessanterweise zwei Figuren des Mediengewerbes, die sich bisher nicht unbedingt als Experten und Insider im Lust-Sektor präsentierten.

Alternder Gewerkschaftsapparatschick schreibt Geschichte über Liebesmarkt

Ein Autor ist Franz C. Bauer. Franz C. Bauer ist mittlerweile der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Druck, Journalismus und Papier (DJP), also der Journalistengewerkschaft. Ein Kollege, der kürzlich auf einer Versammlung der DJP war, erzählte mir, dass Bauer ein Apparatschick ist, der jedes Gefühl für die realen Probleme im Medienmarkt missen lässt. In Betongewerkschafter-Manier vertritt er ausschließlich nur die Interessen der angestellten Journalisten. Er missachtet, dass vermutlich schon 50% aller im Medienbereich beschäftigten Personen low-cost-Mitarbeiter mit entweder freien oder pauschalierten oder gar keinen Verträgen Zeitungen zuarbeiten. Außerdem ignoriert Bauer die neuen Visionen wie zivilgesellschaftlichen NGO-Journalismus und Internetjournalismus völlig.

Franz C. Bauer, hier bei einer Rede, in der er die Wiedereinführung des Presserates als aus seiner Sicht dringlichstes Problem der Medienlandschaft fordert. (Foto: DJP, Repro: MJO)

Immer wenn ich Bauer begegne, sehe ich den ungefähr 60-Jährigen, der eigentlich Börsen- und Finanzjournalist ist, im bürgerlichen Tweed-Sakko im noblen Café Prückel. Dort disputiert er dann die (aus seiner Sicht) dringlichen Fragen der Zeit mit Freunden bei Kaffee und Kuchen. Zur Co-Autorin des aktuellen „Trend“-Artikels, der Publizistin Michaela Ernst, ist zu sagen, dass sie eine Weile im „Kurier“ (gleicher Verlagskonzern wie „Trend“) 1.500 Zeichen lange TV-Kritiken schrieb, die die Welt nicht aus den Angeln hoben.

Ernst schrieb über etwas, das zwei Tage zuvor im Fernsehen lief. Später beglückte sie die durch Gastgeschenke verwöhnte Abonnentenleserschaft des „Kurier“ mit Weichzeichner-Reportagen in der uninteressantesten aller österreichischen Wochenendbeilagen, im Kurier „Freizeit“. Danach war sie kurz Chefredakteurin der ungemein wichtigen Neo-Biedermeier-Konsumzeitschrift für die moderne Luxusfrau: „HOME“. Chefredakteurin des „Koch- und Backmagazin“ war sie noch nicht. Nun darf man ihre wertvollen Berichte im „Trend“ lesen.

Für mich gute Gründe, dieses Blatt niemandem zu empfehlen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienseilschaften)

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