Medien und Kritik – Das Online Magazin

Showdown Albertfortellhatmichbetrogen.com ist down

Posted in Internet, Kurioses by Pangloss on 24. November 2010

(Wien, im November 2010) Das Schelmenstück dauerte nur kurz, kaum ein Jahr. Es war effektiv. Die „Bunte“ widmete der Webseite im Frühjahr 2010 vier bunte Druckseiten. Die „Frankfurter Allgemeine“ zog die Oberlippen tief in die Nasenlöcher und titelte: „Klein und erbärmlich“ – sei die ins Internet getragene Wiener Seifenoper unter Blutsbrüdern.

Bezirksgericht

Die Vorwürfe werden seit zwei Jahren in Wien an einem Bezirksgericht ausgetragen. Der eine Bruder lebt in Wien-Döbling, dem Nobelviertel Wiens, ist ein smarter Schauspieler mit viel Familiengeschichte im Rücken und einer netten, ebenso nicht ganz unbekannten Frau Wussow an der Seite. Der andere Bruder lebt in New York irgendwo und ist weit weg von Wien. Als die gemeinsame Mamá starb, ging es los mit einem Erbschaftsstreit vom Feinsten, wie man es unter gebildeten Brüdern nicht gerade erwartet.

Die Erbschaft

Es ging und geht um Wohnungen (vier Stück), Teppiche, Wohnungsinventar der elterlichen Wohnung. Es geht um – ließ Bruder Marius Fortelni (das ist der New Yorker Fortell) der „Süddeutschen Zeitung“ wissen: „300 000 Euro Bargeld, dazu Silber von Kaiser Franz Josef, Liegenschaften im Wert von über zwei Millionen Euro.“ Um diese Habe fühlt sich der US-Bruder „betrogen“ (es gilt die Unschuldsvermutung). Hineinwirken solle neben seinem Bruder auch dessen Anwalt und ein Richter, die – wie man in Wien sagt – „im Bandl“ seien. Es ist daran sicher ein Korn Wahrheit. Marius Fortelni ließ das jedenfalls auf seiner Webseite, die in den USA gehostet war, alle Welt wissen – und auch im grenzgenialen Familienfeldzug in so gut wie allen Medien im deutschsprachigen Raum.

Ehemalige Blutsbrüder, nun Feinde

Da sein Bruder Albert Fortell (der eigentlich Fortelni heißt, wie der US-Bruder hämisch jederzeit anmerkt) ein im deutschsprachigen Raum ziemlich bekannter Schauspieler ist und auch mit der Tochter des noch bekannteren (verstorbenen) Bühnenmagiers Klaus-Jürgen Wussow verheiratet ist, kam das Erbschaftsthema im Jahr 2010 in so gut wie alle Medien der sogenannten „Soraya-Presse“. Die bunten Zeitungen mit dem Prädikat „Adel exklusiv“ und „Promi exklusiv“ druckten dankbar nach. Verantwortlich war auch die sauber aufbereitete, polemisierende Webseite.

Hamburger Beschluss

Doch damit ist nun einmal Schluß. Interessanterweise am Landgericht Hamburg (!) – wer fährt schon gerne nach Hamburg auf ein Gericht – wurde eine Einstweilige Verfügung im Namen von Albert Fortell ausgehandelt, die die Webseite im November 2010 beendete. Es ist Showdown und sie ist down. Maßgeblich verantwortlich waren nicht die Inhalte, da hat Marius Fortelni durchaus Recht. Die Inhalte waren sauber aufbereitet. Doch es war die Domain, die den Ausschlag gab.

Es gibt ein Duzend Geheimnisse, wie man Personen im Internet festschreiben kann. Diese kennen und können nur solche, die sich jahrelang mit dem Medium befassen. Die Variante, die Marius Fortelni wählte, ist plump geraten und nennt man Cyber-Bullying. Zwei sehr eindeutige Domainnamen wählte er. Zugegeben ein dreiviertel Jahr sehr effektiv und lehrbuchhaft, wie man eine Webkampagne plant und durchzieht. (Screen: Whois, Abruf 24. November 2010)

Die Domain ist nahezu ein Musterbeispiel für das, was man „Cyber-Bullying“ nennt. Die Meinungsfreiheit und das Für und Wider im offenen Meinungsstreit lassen vieles zu. Doch der US-Boy Marius Fortelni meldete zwei Domains an (eine für den Redirect): http://www.albertfortellhatmichbetrogen.com und http://www.albertfortellisteinverbrecher.com. Diese narrativen Monsterdomains, weit entfernt von einer TLD (Top Level Domain), sind nicht nur ein Hammer, sie indizieren auch den Vorwurf des Betruges gleich im Domainnamen mit. Die Domains waren in Arizona gehostet. Marius Fortelni war noch im Frühjahr 2010 optimistisch, dass es hält, da der Ort des Hosters für die Anwendung des Rechts gilt (Herausgeberprinzip). Das bestätigte er auch im Interview mit der Süddeutschen:

Die Webseite hielt ein dreiviertel Jahr. Die Botschaft ist durch. Doch die Webseite ist weg. Im Interview mit der Süddeutschen sah Marius Fortelni die Webseite sicher. (SZ 17/2010)

Nun kam es anders: Es ist November 2010. Die Rechtsstreitigkeiten unter den Brüdern gehen an Wiener Bezirksgerichten weiter. Doch der Informations-Nahversorger, die Webseite zum Bruderzwist in Habsburg, ist weg. Fortelni sagt in einem Interview richtig: Das Internet ist das mächtigste Medium der Welt geworden, weil es Detailinformationen in die Breite spielt, was vor zwanzig Jahren nicht möglich gewesen wäre. Fortelni hat das Internet für sich entdeckt. Möglicherweise macht der Bauunternehmer und Immobilienmakler aus New York wieder etwas Neues. Er kann die Leser nicht so hängen lassen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Kurioses, Internet)

BILLA kauft Facebook-Fans mit Mitleidsmasche

Posted in Facebook, Internet, Kurioses by Pangloss on 17. November 2010

Billa betreibt Stimmenkauf mit Mitleid. (Screen: Billa-Newsletter, 17. November 2010)

(Wien, im November 2010) Es gibt viele Gründe, warum Leute auf „Facebook“ dazugehen. Kürzlich sagte ein Rechtsanwalt zum Herausgeber, dass er es nur tut, damit er neue Klienten bekommt. Allerdings war die Ausbeute schlecht. Bei „Xing“ hingegen kamen bald fünf neue Klienten. Xing ist nicht kostenlos, daher kein soziales Netzwerk, da man nicht alle Mitglieder kennenlernen kann. Bei Xing ist zuerst das „Premium“-Angebot um knapp 100 Euro zu ziehen, dann kann man frei surfen. Es ist ein Geschäftsmodell.

Profilbildung

„Facebook“ ist auch ein Geschäftmodell, aber sanfter, nutzerfreundlicher. Es bietet Einzelpersonen Profile an, bald einen eigenen Emaildienst. Während andere Netzwerke kaum einer kennt oder bedienen kann, will Facebook im Seitenaufbau noch handlicher werden, damit es auch Ungeübte (Silver Surver und andere Neueinsteiger mit Tagesfreizeit) nutzen. Es steckt die Apple-Philosophie dahinter. Mit dem Unterschied, dass Facebook nicht Kult, sondern Masse werden will. Was auch gut gelungen ist. 500 Millionen User sind nicht schwach. Das muss man einmal schaffen.

Werbepräsent für „guten Zweck“

Firmen und Konzerne gehen aber zunehmend mit fragwürdigen Modellen in Facebook. Zum Beispiel BILLA. Der einst „Billige Laden“ des Karl Wlaschek (heute 95 Jahre alt), nun bei REWE, geht auf Facebook und wirbt um Fans. Das ist nicht schlecht, soll sein. Auch BILLA ist in Österreich Breite, nicht Spezialitäten-Kult wie Meinl. Wo die Breite gefragt ist, ist man bei Facebook richtig. Dennoch ist der Zugang des Konzerns bedenklich: Man wirbt mit der Wohltätigkeits-Masche und kauft sich Fans, in denen man das schlechte Gewissen aktiviert. Wer „Fan“ wird, bekommt garantiert, dass der Konzern pro neuem Fan einen Euro spendet. An wen? An die Österreichische Kinderkrebshilfe.

Hochmütig und edel?

Es ist Weihnachtszeit und Spendenzeit. Spenden ist hochmütig und edel. Viele halten den Hut auf, auch dieses Journal schickt wieder Spenden-Emails aus, um das Werkl ins nächste Jahr zu finanzieren. Doch ein Konzern? Der Konzern (Billa, Merkur, Libro), lange in Hand der Erz-Kapitalisten Karl Wlaschek und des FPÖ-nahen Vorstandes Veit Schalle mit Umsätzen bis zu 4 Milliarden Euro pro Jahr? Man wächst weiter. BILLA hat die schlechtesten Arbeitsbedingungen, Sonntags offen, war lange im Zwist mit der Gewerkschaft. Viele möchten dort als Mitarbeiter nicht einmal angemalt sein. Die Leute können ein Lied davon singen (einer schrieb ein Buch mit dem Titel „Ich war mit BILLA verheiratet“).

Tool für Social Marketing

Die Frage ist, wieso ein Konzern, der satte Marketingmöglichkeiten hat, einen Facebook-Auftritt hat. Die Erklärung ist einfach: Es ist ein zusätzlicher Marketingauftritt. Neben Newsletter, den man ausschickt, klassischem Postwurf, Prospekten in Filialen, Radio- und TV-Werbung. Freilich ist zu bemerken, dass Facebook mit solchen Auftritten wie „BILLA“ Firmen Tür und Tor öffnet. Was kommt als nächstes? BMW, Mercedes, Ferrari, Dior, Patek Philippe, Omega, Chanel, Prada? All diese Firmen könnten einen Facebook-Auftritt aufmachen und darauf verweisen, dass sie für jeden „Fan“ einen Euro einer ethisch sauberen Organisation spenden. Der „Fan“ wird gerne Mitglied, weil er auf BMW, Omega und Prada steht und diese schon immer haben wollte. Diese Fans tapsen in die Falle des „Social Marketing“. Social Marketing tut so als wäre es kein Marketing, weil es um soziale Ziele geht, ist aber knallhartes Marketing, weil es um Kundenbindung an ein Kommerzunternehmen geht.

Kundenfang widerspricht Freiem Netzwerk

Der BILLA-Facebook-Auftritt ist beinahe die Umkehr des Prinzips der „freien Netzwerke“. Ein freies Netzwerk richtet seine Ausrichtung nach Freiwilligkeit und sozialem Interesse, nicht nach Konsumzwang und Kundenbindung aus. Es ist wie bei der Ehe: Die Geld- und Vernunftehe ist von kurzem Bestand, die Liebesheirat von ewiger Dauer. Fan-Mitgliedschaften auf Grund der goldenen Karotte vor der Nase zu begründen ist keine Fanbeziehung, sondern das Aktivieren von Besitzwunsch. Der Bayern München-Fan etwa ist Teil eines tatsächlichen sozialen Netzwerkes: Es steht in der Fankurve auch bei Regen und nach einer Niederlagenserie, obwohl er weiß, dass ihm der Klub nie gehören wird und er in seinem ganzen Leben nie einen Platz im Vorstand erhält. Der Facebook-Fan einer Non-Profit-Organisation geht für diese aus Sympathie in europäischen Städten auf die Straße. Doch der Fan eines Einzelhandelskonzerns? Was tut der? Im Geschäft einkaufen und überteuerte Preise zahlen. Mehr? Wohl kaum. Er finanziert bloß Vorständen höchste Gagen.

Falscher Bettler

BILLA wirbt mit dem Sozialtrick um Fans und es beschleicht einen das maue Gefühl wie beim vermeintlichen Versehrten-Bettler, der nach Ablauf seiner Bettelstunde die Krücken unter den Arm packt und mit der Tageslosung plötzlich unversehrt weggeht. (Schon gesehen in Wien.) Man fühlt sich arg getäuscht.

Es wäre Selbstverständnis, dass ein Konzern, der mit Unternehmen in Österreich 4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr macht, am Ende dieses Jahres einen Teil seiner Einnahmen mildtätigen Einrichtungen spendet. Es ist absolut nicht erklärlich, warum es dazu ein Junktim braucht: Werde Facebook-Fan von BILLA, dann spenden wir einen Euro pro Fan. Das ist Stimmenkauf und ein künstliches Hinauftreiben von Klickraten. Die ein BILLA Konzern nicht nötig hätte, da er ohnehin hohen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung hat.

Für jeden Fan einen Euro.
(Screen: BILLA)

Einen Nachteil hat der Stimmenkauf: Wenn alle 500 Millionen Member Facebook-Fan von BILLA werden, wäre der Konzern blamiert und müsste Pleite anmelden. Man hat eine 50.000 Fan-Obergrenze eingezogen. Vorsorglich.


Marcus J. Oswald (Ressort: Kurioses, Facebook, Internet)

Stadtzeitung „Falter“ sorgt sich um Frau Alexia Weiss

Posted in Falter, Kurioses by Pangloss on 25. September 2010

Die Wiener Journalistin beschwert sich, dass ein Blog zu ihr errichtet wurde. Statt dass sie sich freut, dass sie aus dem Meer der namenlosen Schreiber herausgehoben und beachtet wird. Der Fake-Blog war am 25. September 2010, als von diesem Journal Nachschau gehalten wurde, jedoch leer. (Screen: 25. September 2010)

(Wien, im September 2010) Warum der „Falter“, die Stadtzeitung Wiens, nie eine große Zeitung wird, zeigt sich an der Themenauswahl und am Mangel der Einschätzung von Themen. Dazu kommt eine naive Aufgekratztheit, die besonders Medien, die politisch links von der Mitte stehen, auszeichnet. Die Aufgekratztheit kann man auch Überempfindlichkeit nennen.

Der naive, fast studentische Zugang zu lebensweltlichen Dingen mag die Zielgruppe der Studenten erreichen. Von Paul Yvon, einst Gerichtsreporter im „Profil“ und (eine Zeit lang) Journalistenausbildner, stammt ein Wort, das sich der Herausgeber dieser Seite immer gemerkt hat. „Profil schreibt für die Zielgruppe der Über-Vierzigjährigen.“ Damit meinte er umschrieben, dass sowohl in Themenauswahl (Relevanz) wie in Themenanalyse (Durchführung) die 40+ – Generation einen anderen Anspruch an Medien hat, als es 25-Jährige haben. Der „Falter“ bedient in der Sensationslust leider allzuoft nur die Jungen.

Mangelnde Lebenserfahrung führt zu Fehleinschätzungen

Das merkt man wieder einmal an einem Medienartikel. Eine gewisse Alexia Weiss wird hofiert und vom Falter in Schutz genommen. „Wenn Neonazis einem im Netz den Namen nehmen“ lautet der Bericht über Frau Weiss, die beim „Googeln“ feststellen musste, dass es einen Weblog gibt, den sie aber nicht schreibt. Er heißt „Alexia Weiss Blog“. Er zeigt in Bild im Header von ihr und – jetzt wird es interessant: sonst nichts.

Eine Nachschau am 25. September 2010 auf diesem sogenannten „Alexia Weiss-Blog“ erbachte nichts. Ein Header ist da und sonst keine Artikel. Der „Falter“, der davon berichtete, erschien am 10. September 2010 und wenn man den damaligen Screenshot, der dem Artikel beigestellt ist, ansieht, fand man schon damals – fast nichts. Den Header mit ihrem Foto und EINEN Artikel. Dieser, allerdings, gehässig, „Die Juden in Österreich – Ein Fremdkörper“. Nach diesem Artikel hat es aber den Autor dieses Blog offenbar nicht mehr gefreut oder es haben ihn die Kräfte verlassen. Im Ressort „Letzte Artikel“ findet sich genau nur dieser eine Artikel – im Monatsarchiv der Bezug „August 2010“.

Nur ein Beitrag wurde auf dem Fake-Blog veröffentlicht, aber Frau Weiss macht sich in die Hose und geht zum Falter ausweinen. Vorgängig machte sie auf mutig und wollte gleich die ganze Alpen-Donau.info - Webseite, die Deutschtum verbreitet, löschen lassen. Politischer Journalismus erfordert Charakterstärke und Risikobereitschaft, es ist Papierkrieg und Materialschlacht und die Frage ist, ob die ehedem kleine APA-Journalistin (der nun nicht mehr der große APA-Apparat rund um Michi Lang den Rücken freihält) den Herausforderungen, die freischaffende politische Publizistik nach sich zieht, gewachsen ist. Oder ob sie nur will, aber nicht kann. Denn zwischen Können und Wollen ist im schreiberischen Gewerbe ein haushoher Unterschied. (Foto: Screen Falter 10. September 2010; im Bild sichtbar: Nur ein Beitrag ist am Fake-Blog, doch der Falter spricht gleich von einem Blog, es ist bestenfalls ein Blögchen.)

Aus dem Umstand, dass jemand mit dem Namen eines Anderen einen Fake-Blog aufmacht, macht der „Falter“ eine Reihe von Überlegungen. Es ist a. eine Frechheit, b. ein Anschlag auf die Persönlichkeitsrechte dieser Frau, c. sie sei Jüdin, d. sie werde von Neonazis verfolgt, e. weil sie die Schließung der Webseite „Alpen-Donau.info“ gefordert habe. Drei breitzeilige Spalten widmet der „Falter“ diesem Umstand. Wer Frau Weiss ist, wusste bisher kaum jemand. Ihr Leibthema sei die NS-Zeit, längere Zeit zahlte ihr die APA fünfzehn Monatsgehälter. Nun ist sie „freischaffend“. Jetzt hat sie Zeit und sucht das Internet nach Neonazi-Seiten ab.

Das ist gut und richtig. Doch eines ist naiv von der guten Dame: Sie meint, dass Angriffe auf Webseiten widerspruchslos von diesen hingenommen werden. Frau Weiss hat eine eigene Webseite, die sie tatsächlich betreibt und auf dieser rief sie zur Schließung der „Alpen-Donau.info“ auf, weil Deutschtum und mehr betrieben werde. Das merkten sich natürlich die Herrschaften der „Alpen-Donau.info“. Irgendwer, es ist nicht beweisbar, stellte dann einen einzigen Beitrag auf einen Fake-Blog zu Weiss, eröffnete damit die Seite und ließ sie weiterhin schlummern. Mehr folgte nicht. Mehr war nicht und kam auch nicht nach.

In der Allianz zwischen „Falter“ und Frau Weiss wird nun gefordert, dass Kriminalpolizei, Verfassungsschutz und weitere Organe sofort einschreiten. Verkannt wird, dass auch Frau Weiss gegen die Alpen-Donau-Seite ordentlich losging, nun aber zimperlich und wehleidig wird, wenn es gegen sie selbst geht. Der „Falter“ ist sowieso zimperlich. Er unterstützt das öffentliche Zimperlichsein und erklärt es zur Kultur.

Fälschungen gehören dazu, da WWW nicht die BBC

Zu ergänzen ist, dass man in Zeiten des Internet mit Vielem leben muss. Eben auch mit Fälschungen. Es hat überhaupt keinen Sinn, dagegen Klage zu erheben. Wieso auch? Es ist nicht nur schlecht. Das Plagiat adelt den Autor und Hemingway sagte einst: „Die Größe eines Mannes zeigt sich nicht an den Freunden die er hat, sondern an der Anzahl seiner Feinde.“ Freunderlpartien (etwa zum „Falter“) kann man am Caféhaustisch rasch begründen. Feindschaften muss man sich hart erarbeiten.

Frau Weiss hat gewiss Feinde und sie sollte eher stolz darauf sein und nicht zum „Falter“ Weinen gehen. Sie will im Nazilager fischen und recherchieren. Da sie nicht vorhat, ein Strickwarengeschäft zu eröffnen, sondern weiter im Nazilager fischen will, muss sie mit Widerstand rechnen. Wer austeilt, muss auch einstecken lernen. Sonst ist er für den Beruf des freischaffenden Publizisten nicht geeignet. Der Herausgeber dieser Seiten musste über sich in der weiten Welt des Internets schon vieles lesen: So sei der BZÖ-Mitglied, habe unter dem Wiener Stadtbahnbogen ein sexuelles Erlebnis mit einem Transvestiten gehabt, sei homosexuell, sei SPÖ-Mitglied, sei ein Betrüger, Verleumder, Anwaltszuhälter, Stalker, Gewalttäter, eine linke Zecke, ein Rechtsradikaler, mehrfach delogiert geworden, und so weiter. Man kann sich herauspicken, was man will.

Feine englische Art und englische Wochen

Doch es gibt einen alten britischen Grundsatz, die feine Englische: „Bad News are good News.“ Man muss nur gewillt sein, seinen Narzissmus auszuleben. Das macht gegen Kritik ziemlich immun. Man kann diesen Rat weiter geben: Das Entscheidende beim Internet ist nicht, dass man stets nur „das Gute“ über sich im Internet sucht und findet, sondern auch das Schlechte, wenn es gut erfunden ist. Und dass man das Schlechte, aber gut Erfundene, schlicht und einfach im Raum stehen lässt. Denn das Internet erhebt ja keinen Anspruch auf Wahrheitsgehalt. Sonst hieße es nicht WWW, sondern BBC.

Insoweit fällt auf, mit welchen naiven bis verzärtelten Argumenten Leute wie Alexia Weiss, die Medien selbst lange Zeit aktiv als Produzenten bedient haben und daher wissen, welche Falltüren und Aussichtstürme es gibt, an Medien herangehen. Doch auch sie muss akzeptieren: Ja, es gibt im Internet Kampagnen und diesmal hat es halt sie getroffen. Doch es war keine komplette Webseite mit vielen Berichten, sondern nur ein Andeuten einer Webseite. Und: Auch sie macht Kampagnen, da sie – egal aus welchen lauteren Gründen – Webseiten „schließen“ lassen will.

Es müssen sich alle, die in Medien den Kopf beim Fenster zur Welt hinaushalten, mit der Idee anfreunden, dass sie geortet und getortet werden. Leider wollen alle nur „gut dargestellt“ werden und verkennen, dass Gegner das anders sehen. So entsteht, dass namensorientierte Blogs in fremdem Namen iniitiert werden. Dass das eher ein Modell des rechten Lagers ist (Anti-Antifa-Bewegung), liegt auf der Hand. Man muss es als Trend der Zeit sehen und Blogs sind eben Teil des „Schwarm-Netzwerks“, das sehr freiflächig und direkt werden kann. Wer das nicht lesen will und das nicht will, wird sicher von niemandem gezwungen, das Internet anzudrehen. Der Herausgeber dieser Webseite hat zum Beispiel seit April 2008 keinen Fernseher und ihm ist daher ziemlich egal, was im Fernsehen läuft. Würde etwas Negatives im Fernsehen gesagt werden, wäre es außerhalb seiner Wahrnehmung. So ähnlich ist es beim Internet auch. Die Mutter des Herausgebers kann nicht einmal einen PC einschalten, geschweige weiß sie, was Internet ist. Außerhalb der Wahrnehmung.

Es sollten die Empfindlichkeiten also etwas zurückgeschraubt werden. Das Internet ist kein Mädchenpensionat, sondern eine machtvolle Drehscheibe für Information. Alexia Weiss wurde gefakt und sie weiss warum. Sie hat sich hinausgelehnt und meinte, das geht widerspruchslos. Widerspruchsfrei bleibt das vielleicht in die sauberen Welt der APA, aber nicht in der Welt der widerstrebenden politischen Meinungen, die im Wettbewerb stehen.

Der Herausgeber findet nur eines schlecht: Dass das über ihn niemand macht. Einen Blog in seinem Namen mit allen Gehässigkeiten und allem Drum und Dran. Das „Genderwahn-Forum“ hat es in Ansätzen versucht, doch dieses ist an sich selbst gescheitert. An den Feindfronten muss also noch gearbeitet werden.

Marcus J. Oswald (Ressort: Falter, Kurioses)

Die Augenbalkenkaskade – Gerichtssaalfoto aus der Provinz

Posted in Kurioses, Medienrecht by Pangloss on 21. Juli 2009

Ein Foto aus der Oberösterreichischen Bezirksrundschau, die über einen Kriminalfall aus Niederösterreich berichtet. Dieses Journal meint: Zu viele Balken machen ein Bild unnötig! (Fotoquelle: OÖ. Bezirksrundschau, 29/9. Juli 2009)

(Wels, im Juli 2009) Gutes zuerst: Erfreulich, dass die „Oberösterreichische Bezirksrundschau“ über einen niederösterreichischen Kriminalfall berichtet. (Der brutale Raub durch vier Rumänen an drei Priestern ging nahe.) Weniger erfreulich, dass der Bericht in der „Bezirksrundschau“ nur 141 Wörter umfasst, darunter ganz kurze („als“, „sie“, „und“, „die“, „vor“, „in“, „dem“) oder numerische wie „48“ (Alter des Haupttäters), „37“ (Einbrüche verübte die Viererbande), „14“ (Jahre erhielt der Bandenchef), „11“ (Jahre erhielt der Neffe), „9“ (Jahre erhielt der Cousin, dessen Lebensbeichte alles in Rollen brachte). Unerfreulich ist die Bilddarstellung aus dem Gerichtssaal.

Der kleine Schwarze

Das Foto des Berichterstatters Probst sah im Ursprung so sicher nicht aus. Doch die Zeitung bekam Federn, also Angst vor den „Ostbanden“ und etwaiger Vergeltung. Daher ließ man die Augenbalken purzeln. Das ist kritisch zu betrachten. Nicht nur der Bildausschnitt ist komplett daneben! Es sind drei angeklagte Rumänen im Gericht gewesen, im Bild sitzen nur zwei. Der beisitzende Richter ist an der linken Schulter angeschnitten, das Gericht ist unvollständig dargestellt. Alle (!) tragen Augenbalken: Sowohl zwei Angeklagte, ein Justizwachebeamter, eine Schöffin und zwei Richter! Die Frage stellt sich, wozu man so überhaupt noch ein Foto braucht. Denn: Dass Leute im Gerichtssaal sitzen, die Bänke braun, die Akten hoch, kann man sich auch ohne Bild vorstellen. Wenn man ein Foto bringt, sollte es etwas zeigen.

Wiener Kriminalkultur – Ab drei Jahren Haft immer Foto!

Wie ist die Kultur in dieser Sache in Wien? Abseits der furchtsamen Provinzgerichte? In Wien-City hält man es so: Hat ein Mann oder eine Frau ein festes Schmalz bekommen (ab drei Jahre Haft), ist es agrafos nomos (das ist altgriechisch und heißt: ungeschriebenes Gesetz), dass man ein Foto vom Verurteilten zeigen kann und auch zeigt! Ohne Augenbalken. Bei Strafen unter drei Jahren ziehen die Zeitungen den Schweif weit ein und bringen, wenn schon ein Foto, dann eines mit Augenbalken. Bei Ministrafen unter einem Jahr ist es Übereinkunft unter den Wiener Medien, dass man auf ein Foto verzichtet. Denn es ist bekannt, dass man eine Haft von einem Jahr auf der rechten Arschbacke absitzt und eher als Urlaub vom Alltagsstress bei Playstation, Kabelfernsehen im Haftraum und Tischtennis im Sportraum empfindet. Daher sollte man Mikroverurteilten nicht bildlich zusetzen. Schließlich hat Österreich zumindest 221.045 Vorbestrafte (1 aus 45). Aber nur wenige mit 14 und 11 Jahren Gewaltvorstrafe.

Seele des Bösen

Bei Schwerverbrechern, die Leute in deren Häusern überfallen und halbtot schlagen, ist es bei Gericht üblich, dass man die Gesichter zeigt, da Gesichter Spiegel der Seele sind. Der Leser will, so er diese Dinge überhaupt liest, in die Seele des Bösen blicken, also in die Augen. Dazu ist ein Balken nur hinderlich.

Der Augenbalken birgt Symbolik. Er kriminalisiert. Selbst nur Verdächtige werden mit dem schwarzen Balken medial schwer verdächtig. Der Balken kam erst in den 80er Jahren in Mode. Davor war alte Medienschule: Ohne Balken, ohne Namenskürzel – ohne Wenn und Aber! Früher, das belegen hunderte Kriminalberichte, durfte alles genannt und gezeigt werden. Es waren weit exaktere Berichte und Tatortfotos in Tiefenschärfe, von hoher Spannung. Heute wird alles abgekürzt, schlampig geschrieben, ein „mutmaßlich“ davorgestellt, schlecht fotografiert oder gar der Balken ins Auge gelegt. Das war’s.

St. Pöltner Medienrecht mit Detaillosigkeiten

So kommt ein Bericht mit 141 Kurzwörtern zu einem schweren Kriminalfall aus dem St. Pöltner Gerichtssaal in der „Oberösterreichischen Bezirksrundschau“ heraus, bei dem drei Angeklagte in Summe 34 (!) Jahre Haft ausfassen. Ein Bericht ganz ohne Details. Nach den 141 Wörtern ist man genauso klug als wie zuvor. In die Seele der Bösen schauen geht nicht, obwohl die Urteile rechtskräftig sind. Die Richter werden gleich mit kriminalisiert, indem man ihnen Balken ins Auge legt. Das Medienrecht fordert das keineswegs. Das gibt es nur in St. Pölten. Es ist St. Pöltner Medienrecht. Der Journalist Probst ist vermutlich mit der Bahn nach St. Pölten gefahren. Es war Geldvernichtung. Denn er brachte keinen Bericht nach Hause, der interessiert.

Aber ein Foto mit Seltenheitswert.

+++

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienrecht, Kurioses)

%d Bloggern gefällt das: