Medien und Kritik – Das Online Magazin

Peter Michael Lingens wird 70 und stellt Buch vor – Gratulation!

Posted in Geburtstag, Grosse Denker by Pangloss on 7. August 2009

Alter Meister - Peter Michael Lingens. (Foto entnommen Buch: Auf der Suche nach den verlorenen Werten, 1986)

(Wien, im August 2009) Altmeister Peter Michael Lingens wird 70 und er stellt sein Buch vor. Freude zum Geburtstag und Vorfreude auf das Buch, das „Ansichten eines Außenseiters“ heißt und beim Orac Verlag erscheint. Wo die Präsentation heute stattfindet, ist noch nicht klar, lässt sich aber herausfinden.

„profil“-Chef

Lingens machte einiges falsch und vieles richtig und daher war er für viele eine große Inspiration. 17 Jahre hat er in den 1970er und 80er Jahren das Magazin „profil“ geführt, das damals noch den Charakter einer politischen Analysezeitschrift hatte. Das machte er großteils richtig, dann stolperte er über eine „Briefbogenaffäre“. Er wollte auch eine eigene Zeitschrift gründen (es war eine Jugendzeitschrift mit Titel „My Way“, in der Leser die Artikel schreiben) und versuchte Inserenten anzuwerben. Leider auf Briefpapier des „profil“. Er musste 1987 gehen. Über die „Wirtschaftswoche“ kam er als Chefredakteur zum „Standard“, doch er musste 1994 auch dort gehen. Lingens hatte die Angewohnheit einige halbseidene Bekannte zu haben, einer war der Wiener Autoverleiher Franz Kalal. Beim Strafprozess 1994 saß der Herausgeber dieses Onlinejournals vier (von fünf) Tage im Großen Schwurgerichtssaal. Am ganz langen Ende wurde Lingens vom OGH freigesprochen.

Lingens war der einzige Journalist Österreichs, der einen Staatsanwalt beim Verlassen des Gerichtssaals „Drecksau“ schimpfen durfte (als er das sagte, stand er drei Meter neben dem B&G-Herausgeber). Er durfte, weil er die Gepflogenheiten bei Gericht kannte: Er war jahrelang seit den späten 60er Jahren der beste Gerichtsreporter Österreichs und später politischer Analytiker und damit stets auf Augenhöhe mit dem Geschehen im Spannungsfeld von Recht, Macht und Politik. Der Staatsanwalt freilich war keine Drecksau, sondern ein Fuchs, denn so hieß er. Er wurde nach diesem Prozessgeschehen rund um den Autoverleiher, der Russin, dem Staatsanwalt und Lingens nach Eisenstadt versetzt, wo man nichts mehr von ihm hörte.

Kleine Aussage, große Wirkung

Bedauerlich ist, dass nach dem Prozessgeschehen 1994 und letztinstanzlich endend 1995 die vermutlich größte Medienkarriere Österreichs vernichtet wurde. Es sind auch jene zu tadeln, die das zuließen und kein Rückgrat zeigten, allen voran Oscar Bronner. Wenn man heutzutage jeden, der eine Anklage nach „Anstiftung zum Amtsmissbrauch“ hat (und am Ende freigesprochen wird, aber selbst wenn er verurteilt wird) aus einer Zeitung hinauswirft, dann kann man alle Medien zusperren.

Lingens war in seiner aktiven Zeitungsmacherlaufbahn der Grenzgänger, der man sein muss: Nicht käuflich, aber empfindsam für einnehmende Gesten, psychisch labil, aber stets sachlich stabil, bekannt mit mehreren gesellschaftlichen Kreisen, nicht nur den offiziell bekannten Figuren aus Politik und Wirtschaft, stets aktiv und konstant kommunikativ, erläuternd und erklärend. Aus dem Studium seiner internen Korrespondenzen aus den 80er Jahren, als er „profil“-Herausgeber war, wird klar, dass er hunderte Leserbriefe an die Wochenzeitschrift – oft mit dem Vermerk „nach Diktat verreist“ – persönlich und maschinschriftlich beantwortet hatte. Somit müssen viele Österreicher Briefe von Peter Michael Lingens besitzen.

Prinzipen uneränderlich

Er stammt aus einer Zeit, in der es kein Internet und kein Email gab und in der Wenige Medien machten und Viele zuhörten. Heute machen Viele Medien und Wenige hören zu. Auch das hat sich gewandelt. Die Prinzipien blieben unwandelbar und gleich. Er hat sie wesentlich kultiviert, auch wenn sich nur mehr Wenige daran erinnern können.

Lingens lebt nicht mehr in Großenzersdorf, sondern mittlerweile in Spanien. Sein heute abend vorgestelltes Buch (Ort noch unbekannt) ist sein fünftes: Eines war „Auf der Suche nach den verlorenen Werten“. Eines handelt von der Politik rund um die Krankheit AIDS, eines über Wehrpolitik, eines von seiner verstorbenen Mutter. Das nunmehrige fünfte Buch sind seine Memoiren: „Ansichten eines Außenseiters“. Es hat 512 Seiten und soll zahlreiche Abbildungen enthalten.

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Bücher von Peter Michael Lingens:

Werte 1986. (Foto: Bucharchiv Oswald)


Liebe 1997. (Foto: Bucharchiv Oswald)


Abwehr 2000. (Foto: Bucharchiv Oswald)


Mutter 2003. (Foto: Web)

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Peter Michael Lingens gibt dem „Falter“ ein Interview (19. August 2009)

Weiterlesen (Nebenthema):
Aus unserer beliebten Serie – DAS WAR: Dr. Robert Geher (4. Oktober 2008, Rotlicht in Wien)

Marcus J. Oswald (Ressort: Große Denker, Geburtstag)

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