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Internet wurde erwachsen – Angebot nimmt zu – Viele Kleinwebseiten

Posted in Internet by Pangloss on 15. April 2011

Das Internet ist ein Haus an der Sonne mit einem schönen Dach. Die siebte Webanalyse liegt vor. Ab Mai gibt es sie dann sogar täglich. (Foto: Hotel Mozart in Wien/Oswald im CSI-Miami-Style)

(Wien, im April 2011) Gestern wurden im Hollmann-Theater-Salon durch die Österreichische Webanalyse die Kerndaten für die wesentlichen Webseiten im Quartal 4/2010 vorgestellt. ÖWA-Boss Hannes Dünser präsentierte mit Oliver Ecke von Infratest die laufenden Zahlen. Kern der Aussagen: Die Userzahlen stiegen innerhalb eines Jahres um 400.000. Gleichzeitig wurde das Web älter und reifer.

Web wurde erwachsen

Auf das Internet trifft zu, was einst einmal Paul Yvon im Gespräch zum Herausgeber dieser Seite über das Magazin „profil“ vor ein paar Jahren sagte: „Das Nachrichtenmagazin profil schreibt für Leser zwischen 40 und 45 Jahren. Das ist die Zielgruppe und beeinflusst die Themenauswahl.“ So scheint es mittlerweile auch beim Internet zu sein.

Spaßangebote, reine Terminseiten zu Discoveranstaltungen und Events nehmen ab. Soziale Netzwerkseiten wie einstige Platzhirschen á la sms.at, das beliebte netlog.at oder szene1.at werden von Facebook kannibalisiert, wenngleich die Seiten nach wie vor einen hohen Grundstock an Mitgliedern haben. Die Zahlen ergeben auch etwas: Listenführer sind nicht sogenannte Contentseiten. Sondern: Das Telefonbuch.

Telefonbuch führt!

Wie sinnvoll es ist, das Telefonbuch in eine Liste von 48 Einzelwebseiten überhaupt aufzunehmen, sei dahingestellt. Dass es die „Österreichische Webanalyse“ tut, zeigt die Intention. Man will Kerndaten für die Werbebranche. Wo viele hingehen, schalten die Agenturen Reklame. So ist das Gesetz des Marktes. Die Reichweite des Telefonbuchs liegt im Quartal 4/2010: 33,3 % bei den Unique User im Monat (12,9 % bei der Unique User pro Woche). Der Unique User (UU) ist der „eindeutige“ Nutzer einer Webseite, also der Einzelmensch. Der „Unique Client“ (UC) hingegen ist nur der Computer, von dem die Webseite aufgerufen wird. Die ÖWA unter der Führung des studierten Theaterwissenschafters Mag. Dünser legt Wert auf die Feststellung, dass der „Unique User“ im Mittelpunkt der Forschung steht. Damit können auch PCs aus Internetcafés anders bewertet werden. Unique User sind User, die sich auf einer Webseite auch registrieren, etwa weil sie posten. Das sind die tatsächlich interessanten User, während die Unique Clients nur die clickfressenden Streuner sind, die teilweise aus Fadesse Webseiten aufrufen.

Die Verweilzeiten zählen leider in der ÖWA-Erhebung wenig bis nichts. Das ist die Kehrseite. Fakt ist: Wer aufs Telefonbuch geht, sucht eine Telefonnummer. Das Telefonbuch bietet aber kein „Werbeumfeld“. Dem Herausgeber dieser Seite ist kein Mensch bekannt, der am Telefonbuch auf einen Banner klickt. Der User sucht eine Nummer und schleicht sich wieder von der Herold-Seite. Dennoch: Telefonbuch führt.

Preisreisser-Seiten für Schnäppchenjäger vorn

An dritter Stelle ist eine Seite, die willhaben.at heißt und eine Preisreisser-Seite ist. Die Ränge zwei, vier, fünf und sechs nehmen Portale klassischer Zeitungen ein, wobei die „Kronen Zeitung“ führt. Nicht im Listing die Zeitung „Österreich“ (die aktuell einen Krieg gegen die ÖWA führt und das Einzel-Listing streichen ließ), sowie die Zeitung „Heute“, die offenbar nicht will, dass sie aufscheint, weil dann klar würde, dass deren Webseite kein Mensch liest. Altes psychologisches Gesetz ist, dass man auch durch Schweigen etwas sagen kann.

Wolfgang Fellner, der Medien vorrangig als Geschäft sieht: Macht eine Webseite, die mit allerlei Nackedeien und fragwürdigen Clickshows User anlocken will. Das nämlich treibt den Preis. Wer bei 0e24.at einen einzigen Tag (!) einen Seitenbanner haben will, sollte 8.900 Euro zur Seite legen. Wer das tut, muss im Kopf etwas krank sein. Aber die Werbeagenturen springen auf seinen Werbeschmäh an und das Geschäft brummt. (Foto: Update, 1_11, S. 5, Archiv Oswald 1090)

Red Bull stinkt ab

Überraschend schwach sind Webseiten, hinter denen massives Geld steckt. Wenn die Seitenblicke.at aus der Red Bull-Gruppe nur 46.000 Unique User im Monat (RW: 0,8%) und 16.000 pro Woche hat (RW: 0,3%), zeigt das, dass Geld nicht alles ist. Das ist erschreckend wenig für den Mittelaufwand im Red Bull Medien Konzern. Freilich rühmt man sich beim Seitenblicke-Portal damit, dass man auf Facebook mehr Fans hat als ähnliche Mitbewerber aus Österreich. Das mag stimmen, lenkt aber von der Tatsache etwas ab, dass 46.000 im Monat extrem schwach sind.

Vier von Fünf Österreicher webaffin

Eine Altersanalyse der ÖWA ergab, dass 79,5% aller Österreicher Internet nutzen. 95% der 14-39 Jährigen, die die Hauptzielgruppe der Werbung sind. Immerhin 90% der 40-49 Jährigen nutzen Internet und knapp 80% der 50-59 Jährigen. Bei den ab 60-Jährigen liegt der Wert bei 45% Nutzung. In der vorliegenden siebten Reichweitenmessung fand die ÖWA heraus, dass 95,5% das Internet „zu Hause“ nutzen und 37,5% „am Arbeitsplatz“ sowie 15% in Schule und Ausbildungsplatz. Laut ÖWA sind diese Werte seit Jahren fast stabil. „Mobiles Internet“ stieg innerhalb eines Jahres auf 22% (zuvor: 15%), was vor allem mit neuen Endgeräten zu tun hat (IPhones, Smartphones).

Emails, Suchmaschinen, Routen, Banking, Telefonbuch

Das Nutzerverhalten ist jedoch ein etwas anderes, als es sich die Werbebranche erwartet. Denn 89,5% verschicken hauptsächlich Emails! 80% suchen in Suchmaschinen etwas. 61,3 % nutzen das Internet für die Banalität „Routenplaner“ und 60,5 % für das werbefreie „Online-Banking“, 56,4% für „Telefonnummernsuche“. Das alles sind Dinge, die man früher so machte: Brief schreiben. Lexikon aus dem Regal nehmen. Stadtplan aufklappen. Zahlschein ausfüllen. Telefonbuch aufschlagen.

Die traurige Nachricht für Nachrichtenproduzenten: Nur 68,7% nutzen das Internet, um Nachrichten zu lesen. 37% geben an, in „Sozialen Netzwerken“ zu sein. Freilich: Alle Werte überschneiden sich. Die Teilwerte seien stabil zum Vorjahr, so die ÖWA.

Einmarkenprizip Modell der Vergangenheit

Stabil ist auch dies, inoffiziell und nicht von ÖWA: Bei einem durchschnittlichen Online-Einstieg klappt der durchschnittliche User zwanzig Webseiten auf. Das Zappen hat sich auch online durchgesetzt. Stammleser heranzuziehen ist ein fast hoffnungsloses Unterfangen. Lesertreue gibt es im Internet nicht. Es bilden sich Webseitengruppen („Favoriten“, „Lesezeichen“), die abgegrast werden. Daher ist das „Einmarken-Prinzip“ im Internet nicht das Modell der Zukunft, sondern das Holding-Prinzip mit dem Bündel ähnlicher Themenseiten (Gruppen, Kartelle).

Hier nun die aktuelle Liste der 48 Einzelwebseiten, die von der ÖWA erfasst werden und untersucht wurden. Wer in der ÖWA Mitglied ist, hat durchaus Vorteile. Die Mitgliedschaft ist ein Signal an die Werbeindustrie. Ihr werden Eckdaten zu transparenten Webseiten gegeben und sie lenkt zum Dank ein paar Euros für Werbebanner um.

55 Verbandsmitglieder – 83 Webangebote unter Lupe

Die ÖWA (Österreichische Webanalyse) ist aus der MA entsprungen (MedienAnalyse). Hier wie dort sind relativ hohe Mitgliedsbeiträge zu bezahlen, aus denen sich die ÖWA finanziert. Im Gegenzug erhebt die ÖWA die Daten im Quartal. Aktuell hat der Verband 55 Mitglieder. Von diesen wurden 83 Webangebote untersucht und in den Gruppen „48 Einzelseiten und 34 Dachangebote“ geteilt.

Hier sind die 48 Webseiten, die in Österreich klar erhoben sind. Ab 5. Mai 2011 plant die ÖWA eine Neuerung: Dann sind auch die Tageszugriffe in der Datenbank. Sie werden taggleich statistisch ausgewertet. Daran haben die Webseiten ein Interesse, es kostet auch mehr. Daran arbeitet das Team um Hannes Dünser derzeit (wofür ihm sein ehemaliger Studienkollege viel Spaß wünscht).

Hier nun die Top 48 aus Österreich (Quartal 4/2010). Wert 1: Unique User pro Monat (Summe), Wert 2: Unique User pro Woche (Summe), Wert 3 ab 5. Mai 2011 mit Erhebungsbeginn: Unique User pro Tag (Summe). Daraus leiten sich „Reichweiten“ vom Gesamtpool Österreich ab.

5,637 Millionen Internetuser in Österreich

Waren 2009 noch 5,245 Millionen Internetnutzer zu verzeichnen, sind es 2010 bereits 5,637 Millionen gewesen. Daher hat der Spitzenreiter der Liste, das Telefonbuch mit seinen monatlichen Unique User von 1.877.208 eine „Reichweite“ von 33,3 %, was eine Steigerung zum Vorjahr um ein glattes Prozent ausmacht. Erhoben wurden die Werte nicht durch Klopfen an der Wohnungstür des Users, sondern durch die Kunst der Statistik, wie sie das Karmasin-Insititut für ganze Generationen von Publizistik-Studenten bis zum Erbrechen lehrt. n= alle User ab 14 Jahren, demnach: 5.637 Millonen User. Die Top 48:

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  • Herold.at 1.877.208 (pro Monat) – 727.170 (pro Woche)
  • Krone.at 1.140.059 (pro Monat) – 501.750 (pro Woche)
  • Willhaben.at 1.069.726 (pro Monat) – 431.887 (pro Woche)
  • Derstandard.at 1.052.693 (pro Monat) – 450.084 (pro Woche)
  • Kleinezeitung.at 719.379 (pro Monat) – 270.588 (pro Woche)
  • Kurier.at 666.112 (pro Monat) – 263.073 (pro Woche)
  • Myvideo.at 619.718 (pro Monat) – 181.663 (pro Woche)
  • Tupalo.com 585.916 (pro Monat) – 149.611 (pro Woche)
  • Diepresse.com 578.171 (pro Monat) – 204.214 (pro Woche)
  • Oeamtc.at 482.675 (pro Monat) – 141.998 (pro Woche)
  • Sms.at 460.203 (pro Monat) – 166.438 (pro Woche)
  • Krone.tv 354.725 (pro Monat) – 127.118 (pro Woche)
  • Puls4.com 337.089 (pro Monat) – 95.761 (pro Woche)
  • Nachrichten.at 328.364 (pro Monat) – 108.438 (pro Woche)
  • Szene1.at 326.029 (pro Monat) – 121.304 (pro Woche)
  • Wetter.com 312.683 (pro Monat) – 110.306 (pro Woche)
  • Netlog.at 306.283 (pro Monat) – 120.180 (pro Woche)
  • Vol.at 298.380 (pro Monat) – 158.202 (pro Woche)
  • Vienna.at 289.076 (pro Monat) – 81.160 (pro Woche)
  • Ichkoche.at 288.664 (pro Monat) – 75.771 (pro Woche)
  • Netdoktor.at 271.888 (pro Monat) – 69.951(pro Woche)
  • TT.com 264.748 (pro Monat) – 106.046 (pro Woche)
  • Salzburg.com 256.797 (pro Monat) – 81.877 (pro Woche)
  • Car4you.at 218.174 (pro Monat) – 66.774 (pro Woche)
  • Wirtschaftsblatt.at 209.725 (pro Monat) – 71.340 (pro Woche)
  • Atv.at 196.394 (pro Monat) – 59.444 (pro Woche)
  • Prosieben.at 194.614 (pro Monat) – 54.822 (pro Woche)
  • Gutekueche.at 185.472 (pro Monat) – 44.572 (pro Woche)
  • Kronehit.at 165.959 (pro Monat) – 51.402 (pro Woche)
  • Tele.at 155.203 (pro Monat) – 57.291 (pro Woche)
  • 1000ps.at 138.287 (pro Monat) – 48.836 (pro Woche)
  • Events.at 89.952 (pro Monat) – 21.089 (pro Woche)
  • Viamichelin.at 88.077 (pro Monat) – 26.363 (pro Woche)
  • Eraffe.at 85.879 (pro Monat) – 24.680 (pro Woche)
  • Diestandard.at 84.202 (pro Monat) – 26.901 (pro Woche)
  • Salzburg24.com 84.202 (pro Monat) – 26.469 (pro Woche)
  • Mamilade.at 80.624 (pro Monat) – 18.805 (pro Woche)
  • Film.at 77.785 (pro Monat) – 19.707 (pro Woche)
  • Futurezone.at 68.806 (pro Monat) – 21.974 (pro Woche)
  • Love.at 61.093 (pro Monat) – 20.987 (pro Woche)
  • Autonet.at 58.619 (pro Monat) – 14.384 (pro Woche)
  • Quax.at 53.556 (pro Monat) – 12.709 (pro Woche)
  • Seitenblicke.at 45.897 (pro Monat) – 15.905 (pro Woche)
  • Diskothek.at 33.579 (pro Monat) – 9.322 (pro Woche)
  • Motorline.cc 27.981 (pro Monat) – 9-895 (pro Woche)
  • Uncut.at 22.401 (pro Monat) – 6.039 (pro Woche)
  • Andreastischler.com 17.715 (pro Monat) – 4.437 (pro Woche)
  • Elektrojournal.at 15.695 (pro Monat) – 4.032 (pro Woche)

Verwendete Quelle: Österreichische Webanalyse (Direktlink zum Artikel)

Marcus J. Oswald (Ressort: Internet)

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