Medien und Kritik – Das Online Magazin

Was ist dran an den Vorwürfen gegen Helmut Fellner? – Kid Möchel analysiert

Posted in Medienalltag by Pangloss on 11. April 2011

(Wien, im April 2011) Fachmedien haben es an sich, dass sie eine sehr enge Zielgruppe haben. In Österreich gibt es rund 6.000 Journalisten und wenn die Fachmedienherausgeber ehrlich wären, würden sie zugeben, dass sie Inzucht-Magazine machen. Über das enge Segment der Branche liest sie keiner. Das weiß jeder, der einmal in einem Fachmedium gearbeitet hat: Die Versand-Datei ist gleich innerer Kern der Branchenmitglieder (=Journalisten) plus Inserenten im Heft (=je 25 Belegexemplare). Das war’s. Mehr „Radius“ entwickeln die Fachmagazine nicht. Daher gehen manche Geschichten, die darin enthalten sind, unter. Man muss das eine oder andere noch einmal aufgreifen.

Radius

Das Salzburger Fachmagazin „Der Österreichische Journalist“ (DÖJ) hat einen schweren Stand auf doppelte Weise: Es erscheint in Salzburg, fern vom Schuss der Werbefüttertröge in Wien und es erscheint nur sechs Mal im Jahr in Doppelnummern. Es ist sauber gemacht, nicht zu dick, um nicht durchlesbar zu sein, harter Einbandrücken, grafisch saubere Indesign-Arbeit, wachsam im Blick nach Deutschland und nach Österreich in den lukrativen Medienmarkt (heimische Branche wiegt rund 2.3 Mrd. Euro).

Belegexemplare bekommt man nie, selbst wenn man schon zwei Mal portraitistisch erfasst wurde (2005, 2007). Selbst auf Nachfrage nicht. Man muss es im Bahnhofkiosk zum vollen Preis kaufen. Es kostet sechs Euro. Freiabo gibt’s schon gar keines.

Selbst wenn man selbst darin portraitiert wird, bekommt man aus Salzburg kein Belegexemplar. Man muss es aus eigener Tasche kaufen: Der Österreichische Jorunalist. (Foto: Ausgabe 2005_12/2006_01, im Bild der Herausgeber dieser Seite)

Das einzige Treffen mit dem blonden Johann Oberauer, der „DÖJ“ seit 25 Jahren herausgibt, fand einmal 2002 im Bank Austria Forum statt, als man zufällig bei einer Tagung internationaler Nachrichenagenturen (russischer, amerikanischer, italienischer, etc.) nebeneinander saß. Man wechselte ein paar Worte, wurde aber nicht „warm“. (An diesem Tag im Jahr 2002 fand auch das einzige Gespräch mit Hans Dichand persönlich statt: Dichand stand unten vor dem Bank Austria Forum und wartete auf den Chauffeur. Der Autor dieser Zeilen kam aus dem Gebäude, blieb stehen und sprach ihn an. Das Gespräch kam auf die „Furche“ und Dichand erzählte, dass es gut sei, dass man für die „Furche“ Berichte schreibe, denn er schrieb auch einmal Berichte für die „Furche“. Dann kam sein Chauffeur.)

West-, Zentralösterreich und Bayern

Das Magazin „Der Österreichische Journalist“ legt den Fokus eher auf den west- und zentralösterreichischen Markt: Russ-Gruppe, Moser-Holding, die Salzburger Dasch-Gruppe, Red Bull-Gruppe, den steiermärkischen Markt mit Styria-Holding und den oberösterreichischen Sektor mit Cuturi-Gruppe. Eine gewisse Ambivalenz hat man gegen den Wiener Markt. Zum einen, weil er weit weg ist, zum anderen wegen seiner eigentümlichen Figuren, die er hervor brachte. Extreme Rivilatität lebt das Magazin DÖJ zu Christian W. Mucha und seinem Branchenheft „Extradienst“ und seine Wie-sie-alle-heißen-Fachpostillen. So war vor Jahren, als Mucha den Lover seiner damaligen Ehefrau Barbara Mucha mit der gezogenen Pistole bedroht haben soll und dafür ein paar Tage in U-Haft ins Einser wanderte, das Magazin „DÖJ“ das einzige, das ausführliche Prozessberichte aus dem Landesgericht Wien lieferte. Rache wird eben kalt serviert. In Wien setzt „DÖJ“ vor allem den Grand Seigneur des Medienjournalismus Kurt Tozzer und seinen Sohn ein, aber auch den pensionierten ehemaligen Chef des „Wirtschaftsblatt“ und Kurzzeitschef der „Salzburger Nachrichten“ Engelbert Washietl, die immer noch breit angelegte Hintergrundeinschätzungen zu den Dampfmachern der Wiener Medienszene ins Salzburger Branchenblatt einrücken.

Ein Dampfmacher ist Wolfgang Fellner. Dichtete ihm der „Standard“ aus Anlass der Tatsache, dass „Österreich“ seit fünf Jahren täglich erscheint, an, dass die grandiose Hauptleistung darin bestünde, „dass“ die Zeitung seit fünf Jahren täglich erscheint, dichten andere ihm an, dass er klamm wie eine Kirchenmaus ist und die Zeitung hinten und vorne spart. Es kann „Focus Media Reserach“ noch so viele Umsatzmillionen aus abgezählten Inseratenseiten hochrechnen und einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro aufschlüsseln. Mitarbeiter sagen, dass schlecht gezahlt wird und zweitens die Raumbedingungen so miserabel sind, dass man am liebsten kündige. Mitarbeiter haben nicht einmal eine Ablage für Ordner und Archivdinge. Das Klima der Krawallzeitung steht auf Krawall und wird sich auch nicht ändern, wenn noch so viele Lehrlinge und Fachschüler aus Krems ohne jede Berufserfahrung angeworben werden. Die Zeitung „Österreich“ wird real verschenkt und verkommt in Wien zur U-Bahn-Zeitung, die man zehn Minuten liest, dann in den Hosensack steckt oder in den nächsten Mülleimer wirft. Das einst so groß dimensionierte Zeitungsprojekt ist keines mehr. Fellner hat die Qualität in fünf Jahren von 100 auf Null in den Keller gefahren. Kürzlich sagte ein Mann vom Alsergrund: „Weißt Du, ich lese täglich einige Zeitungen: Die Presse, den Standard, manchmal auch den Kurier, das Profil oder Wiener Zeitung. Aber bei keiner Zeitung geht es mir so wie bei Österreich: Wenn ich diese Zeitung in der Hand hatte, fühle ich mich nachher schlecht. Schlecht informiert, schlecht behandelt, um Zeit bestohlen und beleidigt.“ Das ist natürlich nur eine Einzelmeinung eines Mannes, der in der Glasergasse drei Wohnungen besitzt, in der Pharmaindustrie als Konsulent tätig ist und Akademiker ist (Dr.). Einer, der gerne in die Vinothek geht und guten Rotwein trinkt und auch Aktien besitzt.

Wolfgang Fellner und Constantia Privatbank

Wolfgang Fellner hat derzeit eine andere Sache laufen. Dazu berichtet die Fachzeitschrift „Der Österreichische Jornalist“ in der Ausgabe 2+3/2011 auf drei Druckseiten als erstes Medium detaillierte Hintergründe. Es gab im Jänner 2011 Hausdurchsuchungen in fünf Wohnungen und Büroräumen der Brüder Fellner. Im eigenen Blatt hat er die Vorwürfe gegen ihn und seinen Bruder komplett vom Tisch gewischt.

Neuerdings erklärt er im Wochentakt in seinen rasch hingefetzten „Kolumnen“ die Justizministerin für rücktrittsreif. Es wurde schon mehrfach auf diesen Journalen gesagt, dass Fellner die Begründung für diesen Wunsch leider konsequent verschweigt.

Als die Fellner-Ermittlung auf einen Höhepunkt zusteuerte und eine Hausdurchsuchung stattfand (Ende Jänner 2011), hat Wolfgang Fellner Tags darauf in der Zeitung „Österreich“ ein Uralt-Ranking ausgegraben. Die Umfrage war mehr als vier Monate alt (!) und sie wies die Justizministerin auf den hintersten Platz in der Beliebtheitsskala österreichischer Minister (unbeliebteste Politikerin). Die Uralt-Grafik aus dem Herbst 2010 wurde ins Blatt gesetzt, um Privatpolitik zu machen.

„DÖJ“ lässt in seinem Blatt die Hintergründe von einem erfahrenen Journalisten ausleuchten. Kid Möchel war über die letzten Jahre der einzige, der die Lektüre des „Wirtschaftsblatt“ lohnenswert machte. Zwölf Jahre (1998-2010) war Kid Möchel im „Wirtschaftsblatt“ (vorher schrieb er für „Wiener“) und er machte zur Möchel-Marke, dass präzise Aktenberichterstattung zu Wirtschaftscausen im „Wirtschaftsblatt“ an die Tagesordnung kamen. Er ist auch einer der wenigen, die das Firmenbuch tatsächlich lesen können. Möchel verstand das Auslesen von Aktendetails und deren Interpretation. Nun ist das „Wirtschaftsblatt“ ärmer. Möchel ist seit 31. Jänner 2011 nicht mehr bei der Wirtschaftszeitung. Seinen Beitrag zu Wolfgang Fellner schreibt er in „Der Österreichische Journalist“.

Möchel lotet den „Akt Fellner“ auf drei Seiten aus. Es geht um eine Art Nebenprodukt zum einst bestverdienenen Immobilienmanager Österreichs. Karl Petrikovics, einst Chef der Pleite-Firmen Immofinanz und Immoeast, verdiente bis 2008 ein Jahressalär von drei Millionen Euro netto.

Seit 2008 läuft durch die Staatsanwaltschaft Wien eine Vorerhebung gegen die „Constantia“ und ihre beiden Immobilien-Töchter und gegen deren Chef (811 St 25/08x). In diesem Rahmen wurden im Jänner 2011 sowohl bei Zeitungsmann Wolfgang Fellner als auch bei dessen mittlerweile diskret im Immo-Biz agierenden Bruder Helmuth Fellner Hausdurchsuchungen veranstaltet. Ebenso wurde in der Redaktion von „Österreich“ eine Durchsuchung veranstaltet. Ermittelt wird im Zusammenhang mit Untreue und Beitragstäterschaft (§§ 12, 153 StGB).

Zeuge der Bank belastet Helmuth Fellner

Kid Möchel zitiert in seinem Beitrag aus der Aktenlage. Davon ist die Rede: Am 15. Jänner 2009 sagte ein ehemaliger Mitarbeiter der Immofinanz vor der StA Wien aus. Er war der Constantia-Bank Leiter für Controlling und Beteiligungsmanagement. Hubert G. erwähnt in seiner Aussage den Namen Helmuth Fellner, der im Immobilienankauf und –verkauf in Wien tätig ist. G. spricht aus, dass die Immofinanz manche „gute Kunden“ (Privat-Kunden der Constantia-Bank) besser behandelt habe und diesen Immobilien günstig verkauft habe. Man nahm in Kauf, dass man mehr im Einkauf bezahlte als es im Verkauf erlöste. So der Zeuge und damit ist natürlich die Deliktsform „Untreue“ angesprochen.

Es kommt eine Immobilie ins Spiel: Ein Haus in der Geiselbergstraße soll Helmuth Fellner 2007 der Immofinanz verklickert haben. Es wurde dann seitens der Immofinanz weiterverkauft, jedoch so billig, dass die Bank das Objekt „noch im selben Jahr um 15-16 Millionen Euro“ abgeschrieben hat, so der Zeuge. Bank-Mann Hubert G. sowie sein Mitarbeiter Martin S. wollten im Jahr 2007 Aufklärung von ihren Vorgesetzten in der Constantia-Bank, warum die Abschreibung so hoch ist. Die Antwort blieb aus. Sie wurden im Unklaren gelassen und in diesem Punkt ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Die „Differenz zwischen Bewertung (Ankauf durch Bank) und tatsächlicher Verkaufspreis (Erlös/Verlust für Bank)“ blieb ungeklärt. Ein zweites Objekt betrifft ein Bauprojekt mit mehreren Wohnungen in St. Moritz, bei dem ebenso offenbar die Constantia-Bank zu Lasten der Immofinanz-Anleger einen zu hohen Kaufpreis bezahlt haben soll und am Ende Bewertungsfehler vorlagen. Am 23. Jänner 2009 sagt dazu die zweite Auskunftsperson Martin S. vor der StA Wien aus. Die Rede ist dann auch davon, dass Helmuth Fellner ein Darlehen seiner Firma „Immo 2000“ dem Kaufpreis der Immofinanz-Gruppe gegenrechnete (oder gegenrechnen wollte), das 25% Unterdeckung gehabt haben soll. Die Pointe dieses Zeugen S. ist, dass die Fellners sich die „besten Appartements“ selbst reserviert hätten. Diese wären also nie vermietbar gewesen. Zu diesem zweiten Immobilienprojekt dementieren die Fellners: Der Deal kam nie zustande.

Ordnungsliebe

Kid Möchel weist in seiner Analyse auf ein Nebendetail hin, das erklären soll, warum es diese Einvernahmen aus dem Kreis der Constantia-Privatbank-Manager bereits im Jänner 2009 gab, die Haussuchungen bei Wolfgang Fellner und Helmuth Fellner aber erst im Jänner 2011 stattfanden. Möchel erwähnt, dass es offenbar Unordnung im immer mehr wuchernden Immofinanz-Strafakt gibt.

Beide Zeugenaussagen wurden an zwei Tagen (15. Jänner und 23. Jänner 2009) mit je einer Mittagspause zweigeteilt durchgeführt. Sie haben aber seit weit auseinander liegende Ordnungsnummern im Petrikovics-Akt (zugleich: Immofinanz-Akt, deren Chef Petrikovics war), nämlich: 176; 208; 1047; 1048.

Real gesagt und mit Hausverstand bedeutet das nicht viel, sagt aber dieses: Ein gewöhnlicher Strafakt einer einstündigen Strafverhandlung hat maximal 15 Ordnungsnummern, in denen alle Ermittlungs- und Behördenschritte chronologisch in der Zeitachse in Kapiteln (ONs) vermerkt sind. Ein mehrtägiger Strafprozess hat schon rund 30 Ordnungsnummern. Kürzlich hatte ein elftägiger Strafprozess am LG Wien gegen einen Wiener Chefinspektor mit 18 Anklagepunkten und 70 Zeugen rund 130 Ordnungsnummern im Akt. Der Petrikovics-Akt hat offenbar derzeit schon 1.048 Ordnungsnummern, woraus man lesen kann, dass dieser Untreue-Prozess, der auf den Chef der ehemaligen Immo-Gruppe der Constantia-Bank konzentriert wird, ein harter Brocken ist. Je weiter solche Ordnungsnummern auseinander liegen, umso weniger findet man sie. Das ist wie mit verreihten Büchern in einer Bibliothek, die erst Jahre später wieder auftauchen.

Staatsanwalt weg – nun Anwalt

Mittlerweile ist auch – ähnlich wie in der Causa Meinl – der Staatsanwalt abgesprungen. Norbert H., der damals die Erhebungen führte, ist heute, 2011, nicht mehr Staatsanwalt. Er wechselte die Seiten und ist nun Anwalt in einer Wiener Kanzlei, wo er eine Stange Geld verdient. (Der Staatsanwalt in der Causa Meinl, die auch stockt, ließ sich 2011 ebenso von Wien nach Vorarlberg zurückversetzen, wo er es ruhiger bevorzugt.)

Im Grunde sind die Vorwürfe nun schon beschrieben. Es geht um zwei Immobilien-Projekte. Helmuth Fellner, der auch das Privatvermögen des Zeitungsmannes Wolgang Fellner und der Zeitungsfrau Ursula Fellner mitverwaltet (so Banker Hubert G. in seiner Zeugenaussage vor Strafverfolgungsbehörden), soll zwei Immoprojekte – so der Vorwurf der Justiz – überteuert an die Immofinanz verkauft haben, wobei es einmal nur beim Versuch geblieben sein soll, die wiederum satte Verluste beim Weiterverkauf machte, die wiederum zu Lasten der zahlreichen geschädigten Anleger von Immofinanz und Immoeast gingen (Stw. „Immoblase“).

Ganz korrekt ist, dass das Schweiz-Projekt (St. Moritz) über die ImmoWest (eine Teilfirma der Immofinanz) nie realisiert wurde. Beim Projekt Geiselbergstraße soll die ImmoAustria (eine Teilfirma der Immofinanz) aber die besagten 15-16 Millionen Euro Verlust zu Lasten der Einleger und Aktionäre gemacht haben. Diese Frage untersucht die Anklagebehörde, da es sich um einen Batzen Geld handelt.

Vorsatz und Schädigung

Die juristische Kernfrage ist zum einen – wie immer – der Vorsatz aller Beteiligten (Banker und Immohaie reden sich in solchen Fragen immer auf „Markt“ und geänderte „Marktumstände“ aus) und zum anderen die eingetretene Schädigung von Anlegergeldern der Bank in eventueller Absprache untereinander. Der Nachweis ist in beiden Ebenen schwierig und die Fellners sind nicht Hauptbeschuldigte, sondern werden im Akt Petrikovics nun durch zwei Mitarbeiter der Bank belastet. Die „Causa Fellner“ ist ein Randprojekt. Nicht der Kern im Akt Petrikovics.

Konter Fellner mit üblichen Reflexen

Die Kritik von Wolfgang Fellner und seinem Bruder Helmuth ist, dass die Justiz erst im Jänner 2011 eine Haussuchung veranstaltet, obwohl man bereits im Jänner 2009 die Aussagen im Akt hat. Diese fanden an fünf Adressen statt, um vielleicht Klarheit in Hintergründe des lukrativen Geschäfts zu bringen. Eine Suchung fand in der Wohnung von Immohai Helmuth Fellner statt, der auf Grund und Boden wettet und auf steigende Mietpreise in Wien spekuliert. Weitere Suchungen fanden im Haus des kinderreichen Ehepaars Wolfgang und Ursula Fellner (vier Kinder) und an Büroadressen (Redaktion Österreich) statt.

Warum mit zwei Jahre Verzögerung? Kid Möchel fand zum derzeitigen Stand auch nichts Nennenswertes heraus. Die von ihm angefragte Sprecherin der OStA Luise Nittel schweigt sich unter der üblichen Berufung auf das Amtsgeheimnis und den nicht-öffentlichen Ermittlungsakt aus.

Wolfgang Fellner antwortete emailisch, dass er – logisch – von nichts weiß. Er kennt die alte Häfenweisheit: „Sagst Du Nein, gehst Du heim. Sagst zu Ja, bleibst Du da.“

Man kennt sich gar nicht

Im September 2010 schrieb Wolfgang Fellner dem anfragenden Kid Möchel, dass er Herrn Petrikovics gar nicht kennt. „Es hat auch niemals einen Kontakt von mir mit Herrn Petrikovics gegeben.“ Das will man glauben und man müsste nun die alten „Österreich“ durchblättern, in denen immer zahlreiche Immo-Beilagen enthalten waren, ob Herr Petrikovics nicht doch einmal an einem Round-Table in der Redaktion von „Österreich“ teilnahm. Inseriert hat die Immofinanz jedenfalls in den Jahren 2006 bis 2010 in „Österreich“ intensivst. Von Wolfgang Fellners Freund Christian W. Mucha weiß man, dass der die Top-50 Kunden seines Magazins „Extradienst“ alle „auf Geschäftsführerebene“ persönlich betreut (und auch zu seiner Hochzeit einlädt). Wenn Wolfgang Fellner in einem Email im Anflug allergrößter distanzierter Verrenkung sagt, dass es „mit Herrn Petrikovics niemals einen Kontakt gegeben“ hat, obwohl dieser ein wesentlicher Mega-Inserent im seit 2006 laufenden Start Up-Projekt „Österreich“ war, ist das fast eine Posse. Aber er muss selbst wissen, was er öffentlich sagt. Mit Schmäh kommt man im Zeitungsgewerbe durch, nicht bei der Justiz. Taucht nur ein Foto auf, dass Herrn Petrikovics und Wolfgang Fellner gemeinsam zeigt, ist letzterer als Lügner enttarnt.

Clan-Vermögen bei 100 Millionen Euro

Doch Wolfgang Fellner fühlt sich längst unantastbar. Die Fellners sind nach dem Verkauf der Hauptanteile der „News-Gruppe“ nach Deutschland (Gruner & Jahr) im Jahr 2004 um geschätzte 50 Millionen Euro ein Stück reicher geworden. Das war der Verkauferlös der Anteile. Arm waren sie schon die Jahre davor nicht. Das Projekt „News Gruppe“ lief seit Erfindung im Jahr 1992 gut und warf von Beginn an Gewinne ab. Im Jahr 2009 war der Gruppen-Umsatz 140 Millionen Euro. Beide Brüder sowie die Ehefrau hatten von Beginn an ihr Geschäftsführergehalt, das man auf dieser Ebene pro Nase auf 300.000 Euro pro Jahr stufen kann. Dazu gab es Gewinnausschüttungen über viele Jahre an die Familie Fellner, die Alleineigentümer waren. Auch nach dem Ausstieg und Verkauf der „News-Gruppe“ nach Hamburg behielt man einen Minderheitenanteil von knapp 15 Prozent an der Medien-Gruppe (14 Hochglanzmagazine wie News, Format, Profil, Autorevue, TV-Media) und schneidet seit 2004 weiter am Gewinn mit. Da kommt schon einiges zusammen. Dieses Journal stuft das Gesamtvermögen der drei Fellners (Wolfgang, Helmuth und Ursula), errechnet aus den Geschäftsführergehältern seit 1992 bis heute, den Gewinnausschüttungen in der News-Gruppe zwischen 1992-2004 und den anteiligen Gewinnausschüttungen von 2004 bis Heute, dazu die Geschäftsführergehälter bei „Österreich“ seit 2006 für alle drei Personen („Clan-Rechnung“) auf: 100 Millionen Euro.

Da sich Geld in unbeweglichen Festgutbesitz, also Immobiliarem, am Schnellsten mehren lässt, begann Familienvermögensverwalter Helmuth Fellner zu erkennen, dass nicht nur Inserate durch die dreißig großen Schaltagenturen der österreichischen Werbebranche sauberes Geld sind, sondern auch beim Ankauf und Verkauf eines Hauses gleich einmal der Schnitt von 500.000 Euro pro Deal möglich sind.

Auf der Luxusebene

Die Fellners leben längst in einer Luxusebene. Diese macht für Kritik unempfindlich. Da sieht man auch über Kleinigkeiten hinweg. Wolfgang Fellner sagt, dass er nicht im Akt Petrikovics vorkommt. Das posaunte Wolfgang Fellner laut in seiner Tageszeitung „Österreich“ hinaus. Die Zeugen der Bank seien „Falschaussagen“. Er lehnt sich damit weit hinaus. Kid Möchel studierte die Aktenteile, die ihm vorliegen und er fand heraus, dass das nicht stimmt.

Möchel fand ein Schriftstück, in dem es um einen weiteren Punkt geht: „Wertpapierleihen“. Tatsächlich kommt Wolfgang Fellner schon im Strafakt Petrikovits vor. Und zwar in einer merkwürdigen Tabelle.

Auf dieser Liste geht es um „Wertpapierleihen“. Es werden unterschiedliche Fellners genannt, darunter Wolfgang Fellner. Der hatte unter der Depotnummer 301900-800-4 mit Datum 29. September 2005 immerhin 268.456 Immofinanz-Aktien bei der Constantia-Bank gebunkert. Zum damaligen Kurswert von 7,97 Euro war das ein Wert von 2 Millionen 139.594 Euro. Er verlieh diese Aktien 335 Tage zum Entgelt von 0,05 % des Buchwertes an die Constantia-Bank und bezog dafür ein Entgelt von 995,51 Euro.

Wolfgang Fellner unterstützte damit die von der Constantia-Privatbank durchgeführte Praxis, dass sich die Bank Immofinanz-Aktien „lieh“, um eine Überbelegung von Kundendepots auszugleichen. Vereinfacht: Es wurden mehr Immofinanz-Aktien durch die Constantia-Bank verkauft, als diese hatte. Wolfgang Fellner war nur einer im Räderwerk, der bei dieser Praxis mitmachte.

„Kleiner Umfang“ (Fellner): 29 Millionen 414 Tausend Schilling

Er gibt in einem Email an Kid Möchel zu, dass er Geld bei der Constantia anlegte. Wie Superreiche das eben so sehen, sieht er es. Er schreibt: „Zur Story ihrer angeblichen Wertpapierleihen darf ich festhalten, dass diese Wertpapierleihen in meinem Akt mit keinem Wort erwähnt werden. (…) Wahr ist, dass ich in kleinerem Umfang eine Vermögensverwaltung bei der Constantia hatte.“ Eben. Der „kleinere Umfang“ waren: 268.456 Aktien im Wert von 2.139.594 Euro. In Schilling: 29 Millionen 414.813 und 44 Groschen.

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Verwendete Quellen:
Der Österreichische Journalist. Ausgabe 2/3_2011. S. 38-40 – Im Zeitschriftenhandel um 6 Euro zu beziehen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienalltag)

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