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PEN-Club Österreich insolvent

Posted in Vereine by Pangloss on 12. März 2011

PEN-Präsident Wolfgang Greisenegger mit dem Vorstand des PEN-OÖ Friedrich Ch. Zauner. Die Bundesorganisation hat 100.000 Euro Schulden und muss bis 18. Mai 2011 einen Finanzplan vorlegen oder zusperren. (Foto: Zauner-Literatur.at)

(Wien, im März 2011) Es gibt zwei Schriftstellervereinigungen in Österreich: Die Progressiven und die eher Konservativen. Meist ist es unter den Schriftstellern weniger eine Frage der politischen Einstellung, sondern der Stilform. Die Experimentellen und Wortakrobatischen sind eher bei der GAV (Grazer Autorenversammlung), die Sprachkonservativen beim PEN. Aktueller PEN-Präsident ist der ehemalige Uni-Professor des Autors dieser Zeilen: Wolfgang Greisenegger. Der unglaublich belesene Theaterhistoriker und Mediävist, der lange Institutsvorstand am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Uni Wien (in den Räumen der Hofburg einen Stock über dem „Sissy-Museum“) war, lenkt seit einem guten Jahrzehnt den PEN-Club als Präsident.

P.E.N., die weltweit älteste Schriftstellervereinigung (Poets, Essayist, Novellists), startete ihre Aktivitäten 1921. Der österreichische Ableger begann 1923 unter dem Vorsitz von Arthur Schnitzler. Die bürgerliche Autorenverbindung hatte im Dritten Reich keine Daseinsberechtigung, war innerlich am Thema „Bücherverbrennung“ uneins und wurde 1938 behördlich durch das NS-Regime aufgelöst. Archiv und Vereinsvermögen wurden beschlagnahmt. Die Neugründung erfolgte 1947. Präsident zwischen 1990 und 1997 war der Hochgradfreimaurer Alexander Giese, was auch zeigt, dass der PEN nie so konservativ war, wie es nach außen den Anschein hatte. Heute trägt der PEN-Club Österreich Veranstaltungen aus, sieht sich als Brückenbauer und Vermittler und seine Aufgabe im Verwalten der langen Geschichte. Der Club kam zu vielen Nachlässen und hütet diese wie einen Schatz.

Insolvenz wegen Int. Jahreskongress 2009

Und nun das. März 2011. Der PEN-Club Österreich ist insolvent. 100.000 Euro Schulden hat man angehäuft. „Das ist die Folge des P.E.N.-Weltkongresses, den wir 2009 in Linz abgehalten haben“, wird Präsident Wolfgang Greisenegger (73) in der Tageszeitung „Neues Volksblatt“ am 10. März 2011 zitiert. Was geschah? Man habe, so Greisenegger, im vorvorigen Jahr für 300 Tagungsgäste Kost und Logis aufbringen müssen, dazu die Dolmetschkosten und sich dabei übernommen. Den Vorwurf der Misswirtschaft will man nicht aufkommen lassen. Es gibt Gründe. Greisenegger: „Dafür haben die Partner die erhofften Zahlungen nicht in der erwarteten Höhe getätigt, weshalb wir die Insolvenz anmelden mussten.“

Lostag ist der 18. Mai 2011. Dann steht fest, ob der PEN-Club als Verein weitermachen kann oder zusperren muss. Wolfgang Greisenegger trifft sich am 10. März 2011 das erste Mal mit dem Insolvenzverwalter. Es geht um 100.000 Euro Außenstände des Vereins. Greisenegger hat nun eine Idee: Zur Tilgung der Schulden will er Teile der Archivsammlung aus Dichternachlässen im Jahr 2012 ans Österreichische Literaturarchiv verkaufen. Darunter befindet sich auch der Nachlass des Schriftstellers Ernst Schönwiese. Die Gespräche dazu laufen.

Bundesorganisation und unabhängige Landesorganisationen

Sollte der bundesweite PEN-Club Österreich in Konkurs gehen, blieben die Landesorganisationen unberührt. In Oberösterreich zum Beispiel ist der 74-jährige Autor Friedrich Ch. Zauner seit zehn Jahren Präsident des OÖ. PEN-Club. Der regionale Landesverein hat keine Schulden. Er wird im übrigen durch das Kulturreferat des Landes Oberösterreich finanziert und würde auch nach einem Zusperren des österreichischen Dachverbandes weiter bestehen bleiben.

Im PEN-Club Österreich wollen nun alle mit vereinten Kräften die Blamage abwenden. Wenn PEN-Präsident Wolfgang Greisenegger einen Finanzplan bis 18. Mai 2011 auf die Beine bringt mit dem die Finanzierungslücke von 100.000 Euro abgedeckt werden soll, bleibt der PEN-Club auf österreichweiter Ebene erhalten. Sonst ist er Geschichte.

Marcus J. Oswald (Ressort: Vereine)

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