Medien und Kritik – Das Online Magazin

Showdown Albertfortellhatmichbetrogen.com ist down

Posted in Internet, Kurioses by Pangloss on 24. November 2010

(Wien, im November 2010) Das Schelmenstück dauerte nur kurz, kaum ein Jahr. Es war effektiv. Die „Bunte“ widmete der Webseite im Frühjahr 2010 vier bunte Druckseiten. Die „Frankfurter Allgemeine“ zog die Oberlippen tief in die Nasenlöcher und titelte: „Klein und erbärmlich“ – sei die ins Internet getragene Wiener Seifenoper unter Blutsbrüdern.

Bezirksgericht

Die Vorwürfe werden seit zwei Jahren in Wien an einem Bezirksgericht ausgetragen. Der eine Bruder lebt in Wien-Döbling, dem Nobelviertel Wiens, ist ein smarter Schauspieler mit viel Familiengeschichte im Rücken und einer netten, ebenso nicht ganz unbekannten Frau Wussow an der Seite. Der andere Bruder lebt in New York irgendwo und ist weit weg von Wien. Als die gemeinsame Mamá starb, ging es los mit einem Erbschaftsstreit vom Feinsten, wie man es unter gebildeten Brüdern nicht gerade erwartet.

Die Erbschaft

Es ging und geht um Wohnungen (vier Stück), Teppiche, Wohnungsinventar der elterlichen Wohnung. Es geht um – ließ Bruder Marius Fortelni (das ist der New Yorker Fortell) der „Süddeutschen Zeitung“ wissen: „300 000 Euro Bargeld, dazu Silber von Kaiser Franz Josef, Liegenschaften im Wert von über zwei Millionen Euro.“ Um diese Habe fühlt sich der US-Bruder „betrogen“ (es gilt die Unschuldsvermutung). Hineinwirken solle neben seinem Bruder auch dessen Anwalt und ein Richter, die – wie man in Wien sagt – „im Bandl“ seien. Es ist daran sicher ein Korn Wahrheit. Marius Fortelni ließ das jedenfalls auf seiner Webseite, die in den USA gehostet war, alle Welt wissen – und auch im grenzgenialen Familienfeldzug in so gut wie allen Medien im deutschsprachigen Raum.

Ehemalige Blutsbrüder, nun Feinde

Da sein Bruder Albert Fortell (der eigentlich Fortelni heißt, wie der US-Bruder hämisch jederzeit anmerkt) ein im deutschsprachigen Raum ziemlich bekannter Schauspieler ist und auch mit der Tochter des noch bekannteren (verstorbenen) Bühnenmagiers Klaus-Jürgen Wussow verheiratet ist, kam das Erbschaftsthema im Jahr 2010 in so gut wie alle Medien der sogenannten „Soraya-Presse“. Die bunten Zeitungen mit dem Prädikat „Adel exklusiv“ und „Promi exklusiv“ druckten dankbar nach. Verantwortlich war auch die sauber aufbereitete, polemisierende Webseite.

Hamburger Beschluss

Doch damit ist nun einmal Schluß. Interessanterweise am Landgericht Hamburg (!) – wer fährt schon gerne nach Hamburg auf ein Gericht – wurde eine Einstweilige Verfügung im Namen von Albert Fortell ausgehandelt, die die Webseite im November 2010 beendete. Es ist Showdown und sie ist down. Maßgeblich verantwortlich waren nicht die Inhalte, da hat Marius Fortelni durchaus Recht. Die Inhalte waren sauber aufbereitet. Doch es war die Domain, die den Ausschlag gab.

Es gibt ein Duzend Geheimnisse, wie man Personen im Internet festschreiben kann. Diese kennen und können nur solche, die sich jahrelang mit dem Medium befassen. Die Variante, die Marius Fortelni wählte, ist plump geraten und nennt man Cyber-Bullying. Zwei sehr eindeutige Domainnamen wählte er. Zugegeben ein dreiviertel Jahr sehr effektiv und lehrbuchhaft, wie man eine Webkampagne plant und durchzieht. (Screen: Whois, Abruf 24. November 2010)

Die Domain ist nahezu ein Musterbeispiel für das, was man „Cyber-Bullying“ nennt. Die Meinungsfreiheit und das Für und Wider im offenen Meinungsstreit lassen vieles zu. Doch der US-Boy Marius Fortelni meldete zwei Domains an (eine für den Redirect): http://www.albertfortellhatmichbetrogen.com und http://www.albertfortellisteinverbrecher.com. Diese narrativen Monsterdomains, weit entfernt von einer TLD (Top Level Domain), sind nicht nur ein Hammer, sie indizieren auch den Vorwurf des Betruges gleich im Domainnamen mit. Die Domains waren in Arizona gehostet. Marius Fortelni war noch im Frühjahr 2010 optimistisch, dass es hält, da der Ort des Hosters für die Anwendung des Rechts gilt (Herausgeberprinzip). Das bestätigte er auch im Interview mit der Süddeutschen:

Die Webseite hielt ein dreiviertel Jahr. Die Botschaft ist durch. Doch die Webseite ist weg. Im Interview mit der Süddeutschen sah Marius Fortelni die Webseite sicher. (SZ 17/2010)

Nun kam es anders: Es ist November 2010. Die Rechtsstreitigkeiten unter den Brüdern gehen an Wiener Bezirksgerichten weiter. Doch der Informations-Nahversorger, die Webseite zum Bruderzwist in Habsburg, ist weg. Fortelni sagt in einem Interview richtig: Das Internet ist das mächtigste Medium der Welt geworden, weil es Detailinformationen in die Breite spielt, was vor zwanzig Jahren nicht möglich gewesen wäre. Fortelni hat das Internet für sich entdeckt. Möglicherweise macht der Bauunternehmer und Immobilienmakler aus New York wieder etwas Neues. Er kann die Leser nicht so hängen lassen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Kurioses, Internet)

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