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AK OÖ empfiehlt hoch offiziell Web of Trust (WOT) – Sicheres Surfen

Posted in Internet, Sicherheit by Pangloss on 22. November 2010

Laut Mozilla wurde das Produkt WOT am 9. September 2010 als Add-On bereit gestellt. Seither haben sich weltweit 12.622.880 User das Produkt heruntergeladen und installiert. (Screen: Mozilla, 22. November 2010)

(Wien, im November 2010) Über die Frage, welche Webseiten sicher und welche unsicher sind, entscheiden drei Dinge: Die gute Firewall, der gute Virenschutz und der Surfer in seiner subjektiven Wahrnehmung.

Derzeit scheint es, dass darüber noch ein vierter Faktor entscheidet: WOT. Die eingetragene Marke WOT (Web of Trust). Das Webprodukt „WOT“ wird in Helsinki (das ist Finnland) betreut, die Firma dahinter heißt: „Against Intuition Inc.“. Dahinter stehen wiederum diese Leute, Auszug aus „about us“ (Abruf 22. November 2010): „WOT ist ein Startup-Unternehmen, in das unter anderem die Investmentfirma Open Ocean des MySQL Gründers Michael Widenius, die finnische Industry Investment Ltd. und eine Reihe privater Geldgeber investiert haben. Das Unternehmen befasst sich mit der Entwicklung und Bereitstellung von Software und Diensten für die WOT-Community und engagiert sich für mehr Sicherheit im Internet.“

So weit, so gut. Wenn man ehrlich ist, hörte man von „WOT“ bisher in österreichischen Gefilden bisher wenig. „WOT, so what?“ könnte man sagen. Bis die Arbeiterkammer Oberösterreich auf die Idee kam, das Produkt hoch offiziell zu bewerben.

Seit 16. November 2010 empfiehlt die Arbeiterkammer OÖ das Produkt hoch offiziell als Linkscanner, der erkennen soll, welche Seite seriös und welche unserioös ist. (Screen: AK OÖ., 22. November 2010)

Gesagt, getan. Der Herausgeber ist gebürtiger Oberösterreicher. We trust Arbeiterkammer! Somit wurde der „Linkscanner“ heruntergeladen und installiert. Freilich ist derzeit einmal nur klar, wie es optisch aussieht: Es gibt einen Button in der Menüleiste, ein grüner Kreis mit einem gelben Stern am linken, oberen Rand. Oberflächlich funktioniert es so: Befindet man sich auf einer Webseite, kann man den Button aktivieren und erhält die Info in Form einer Ampel in den vier Rubriken: „Vertrauenswürdigkeit“, „Händlerzuverlässigkeit“, „Datenschutz“, „Jugendschutz“. Beim eigenen Produkt sieht das so aus: Fünf Maxerl in allen Kategorien!

Volle Zuverlässigkeit beim eigenen Produkt: WOT. (Screen, 22. November 2010)

Nun stellt man sich die Frage, wie die Bewertungen zu Stande kommen und wer das System hinter dem Zuverlässigkeitssystem WOT ist. Hierzu heißt es in „about us“: „Die Website-Bewertungen werden fortlaufend von Millionen Mitgliedern der WOT-Community und zahlreichen zuverlässigen Quellen aktualisiert, zu denen auch Auflistungen von Phishing-Websites zählen.“

Es ist also eine Community und eine selbst gestrickte Bewertung, die so läuft wie in der untenstehenden Tabelle. Man legt nach Lust und Laune und nicht nach wissenschaftlichen Kriterien fest, was gut oder schlecht, was „zuverlässig“ oder nicht ist. Ein wenig heikel ist dieses Community-basierte Prinzip schon.

In Großaufnahme

Man kann den Regler schieben und damit die Regel bestimmen. (Screen WOT, 22. November 2010)

Jedenfalls: Sobald man sich registriert hat, kann man mit tun. Und communitaristische Bewertungen gewisser Webseiten bestaunen. Es ist ein Solidaritätsprojekt. Als solches muss man es sehen. Wissenschaftlich exakt ist es nicht. Vielleicht sollte man sich von wissenschaftlich, sozialempirisch exakten Größen im Internet auch verabschieden. Internet ist Daumen oben oder Daumen unten. Wenn die Mehrheit sagt: Scheint mir sicher und gibt ein Kreuzerl, gilt die Webseite als sicher. Man weiß nicht, welche Datenbanken zu Pishing und Viren sonst in das Bewertungsmuster bei „Web of Trust“ aus Helsinki (das ist in Finnland) einfließen.

Jedenfalls hat die AK OÖ dieses Produkt nun am 16. November 2010 offiziell als taugliches Instrument empfohlen, um zur Gefahrenabwehr erfolgreich beizutragen. Daher dieser Hinweis. Dass das Betreten des Internets ohne gute Firewall, guten Virenschutz und gesunde Wachsamkeit des Surfers eine Gefahr bleibt, muss nicht gesagt sein.

Marcus J. Oswald (Ressort: Internet, Sicherheit)

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