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Tageszeitung HEUTE – Gegendarstellung für Andreas Unterberger

Posted in Heute, Medienrecht by Pangloss on 6. Januar 2010

Gericht sagt: Andreas Unterberger hat keine neuen Abonnenten als Geschenk versprochen.
(Fotoquelle: Tageszeitung Heute, 4. Jänner 2010, S. 4)

(Wien, im Jänner 2010) Die Wiener Tageszeitung „Heute“ hat einen Medienprozess verloren, in dem ein kleiner Beitrag eingeklagt wurde. Darin wurde behauptet, dass der Chefredakteur Andreas Unterberger zum Antritt in der staatlichen „Wiener Zeitung“ die traditionell an Abonnenten schwache Tageszeitung aufrichten und ihr „5.000“ neue Stammleser bringen wollte. Das behauptete die Tageszeitung „Heute“, die keine Abonnenten, sondern hunderttausende Gratisleser hat.

Doch diese Behauptung war unwahr. Der Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, der am 8. Oktober 2009 aus der Leitungsfunktion der einzigen staatlichen Zeitung Österreichs entlassen wurde, klagte gegen die Kleinnotiz in „Heute“ vom 28. September 2009 (Seite 6) und bekam Recht. Da die Zeitung „Heute“ nicht beweisen konnte, dass Andreas Unterberger tatsächlich „5.000“ neue Abonnenten versprochen hatte, musste sie eine Gegendarstellung veröffentlichen. Darin wird nun festgehalten, dass der konservative Zeitungsmann tatsächlich „bei seinem Antritt“ am 1. Mai 2005 keine neuen Abonnenten versprochen hat.

Lebensferne Gerichtsbarkeit

Merkwürdige Gerichtsbarkeit. Da der Autor der „Heute“-Zeilen nicht wie ein Detektiv beweisen konnte, etwa mit verstecktem Tonband, dass Unterberger tatsächlich „gesagt“ hat, dass er neue Abonnenten bringt, ging der Prozess den Bach hinunter. Michael Rami verlor. Es ist schon merkwürdig, was Medienrichter an Beweisbarkeit verlangen. Denn selbstverständlich will ein Neuer in einer großen Zeitung einiges und vieles neu machen und dazu gehört auch, dass er verspricht, neue Leser zu gewinnen. Wäre das nicht so, bräuchte es keinen neuen Besen. Doch Unterberger klagte dagegen, denn es kam heraus, dass nach vier Jahren seiner Chefredaktion keine neuen Abonnenten dazu kamen. Diese Kausalität wollte die Zeitung „Heute“ herstellen, nämlich, dass er etwas versprochen und nicht gehalten habe. Unterberger durchbrach die Kausalkette, indem er festhielt, dass er gar nichts versprochen habe und daher auch nichts gebrochen haben könne. Er klagte die Behauptung ein (er wollte Abonnenten gewinnen), weil er seine Leistung nicht an Verkaufszahlen, sondern an Inhalten gemessen sehen will. „Ich habe über die Entwicklung der Verkaufszahlen überhaupt keine Aussagen gemacht“, so der Ex-Chef der „Wiener Zeitung“.

Silver Ager Andreas Unterberger entdeckte das Internet.

Posting-Gigant Unterberger

Heute verkauft er auch nichts. Das ist nicht falsch. Er lebt gut von seinem Vertragsrest (Abfertigung) nach seiner vorzeitigen Entlassung durch Bundeskanzler Werner Faymann und betreibt einen Blog, der im Monat rund 30.000 Seitenzugriffe verbucht. Das scheint ihm viel. Es ist mittelviel, aber nicht die Welt. Der 61-Jährige will es ausbauen und hält engen Kontakt mit seinen Stammlesern. Er ist der „Posting-Domteur“ im Internet. 279 Postings unter einem Beitrag ist unzweifelhaft bemerkenswert.

Beispiel: Beitrag aus Andreas Unterbergers Tagebuch – Thema Werner Faymann (plus 279 Postings!)

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienrecht, Heute)

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