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In Wien werden Medienanwälte gewassert

Posted in Anwalt by Pangloss on 8. Dezember 2009

Anwalt für seine Leistung gewassert. Mit Baseballschläger. (Fotoquelle: Österreich, 1. November 2009)

(Wien, im Dezember 2009) Manche Leser würden bei dem Beitrag aus der Zeitung „Österreich“ zustimmend nicken. Jedoch: Die genauen Hintergründe sind noch nicht klar. Fakt ist: Wie „Österreich“ am 1. November 2009 berichtet hatte, wurde am Abend des 23. Oktober 2009, ein Freitag, ein der Zeitung nach „prominenter Medienanwalt“ Wiens ordentlich gewassert. Und zwar so, wie man in Wien sagt, dass er „mit dem Arsch auf die Uhrzeit schaut.“

Mit dem Arsch auf die Uhrzeit schauen

Die Berechtigung eines solchen Vorgehens soll hier nicht bewertet werden. Die Gründe sind noch unklar. Waren es mässige Leistungen im Gerichtssaal? Waren es notorisch hohe Honorarnoten? War es für eine Weibergeschichte? Vielleicht. Man weiß es nicht. Alle Seiten halten sich bedeckt. Tatsache ist: Es geschah. Den Anrufen bei dieser Webseite zu schließen, hält sich das Mitleid in überschaubaren Grenzen. Erstellte man eine Beliebtsheitsskala, stehen Anwälte weit hinter der MA 48: Diese räumt den Mist wenigstens weg. Anwälte machen ihn.

Die Zeitung „Österreich“ schrieb nicht viel Konkretes: Zwei Täter waren es. Sie sprachen nichts, um das Delikt der „Gefährlichen Drohung“ zu vermeiden. Sie taten, wozu sie auf den Anwalt ohne Termin vor dessen Grinzinger (!) Wohnung warteten. Sie nahmen ihn mit einer Tracht Prügel mit einem Baseballschläger in Empfang.

Halbstundenhonorar: 350 Euro

Es muss kein gutes Gefühl für den Herrn Anwalt gewesen sein, wenn ihm einmal kein Sicherheitsdienst oder eine Instanz hilft, wo er die eingeübten Stehgsatzerln gegen ein Halbstundenhonorar von 350 Euro abspult. Es muss eine gänzlich neue Erfahrung für den Herren gewesen sein, im rauen Leben mit der Erkenntnis des Arthur Schopenhauer konfrontiert zu werden, der vor 200 Jahren sagte, dass „jeder für seine Taten selbst verantwortlich ist“. Vielleicht hat sich der Herr Anwalt deswegen den Wohnort Grinzing ausgesucht, um sich in einer guten Gegend vor der harten Eigenverantwortung, mit der jeder Mensch konfrontiert ist, zu verstecken, während 1.7 Millionen Wiener nicht in Grinzing wohnen können.

Seit dem Bericht der Zeitung „Österreich“ gab es einige Anfragen bei dieser Seite, ob man wisse: Wer, was und wieso? Nein. Es ist nichts bekannt. Man könne nicht helfen. Die feinen Kollegen der Fellner-Postille „Österreich“ schweigen sich auch aus, weil sie genau wissen, dass hier der volle Name stehen würde. Da seither nichts mehr in irgendeiner Wiener Zeitung darüber berichtet wurde, breitet sich über den Vorfall der Mantel des Schweigens aus.

Gegebenes ist Gegebenes

Wie gesagt: Es ist passiert, kann passieren und Schopenhauer hatte Recht. Man will aber trotzdem – natürlich aus „rechtsstaatlichen Gründen“ – hoffen, dass die Täter gefunden werden. Obgleich einige Leser durchaus meinten, dass man das Gegebene einfach nur als etwas Gegebenes, also als eine natürliche Reaktion auf einige „Figuren“ im Wiener Anwaltsstand sehen muss. Würde man hier wiedergeben, was Einige einigen Anwälten vor dem geistigen Auge wünschen, würde man sich versündigen.

Tenor ist: Manche Anwälte überreizen ihr Tun. Es gärt in der Bevölkerung. Keine Frage: Niemand muss Angst in Wien haben. Und niemand muss Dinge überreizen. Die Waffe des Anwalts ist der Schriftsatz aus Papier. Die Waffe des einfachen Menschen ist offenbar das etwas schärfere Instrument.

Solche Dinge geschehen also in Wien: Anwälte werden gewassert. Einmal etwas anderes.

Marcus J. Oswald (Ressort: Anwalt, Medienrecht)

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