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Buch zu Josef Fritzl werthaltig – "Österreich" muss Gegendarstellung bringen

Posted in Gerichtssaal, Medienrecht by Pangloss on 22. Juli 2009

Der Brite Michael Leidig ist Autorenmacher und Informationshändler. Er hat seine Zweifel am Buch zu Fritzl. Die teilte er der Zeitung Österreich mit. Das Buch schrieb sein ehemaliger Schützling Bojan Pancevski. (Foto: Oswald)

(Wien, am 22. Juli 2009) Medienverhandlungen sind wie Klassentreffen mit alten Studienfreunden. Es arbeiten ja nicht die Dümmsten in den Medien. Medienprozesse, wenn sie gut vorbereitet sind, bringen an einem Datum vier oder fünf Hauptakteure der veröffentlichten Meinung in einen Raum. Zuhörer gibt es trotzdem meist nur einen.

Am 22. Juli 2009 ist bei anständiger Hitze im Saal 308 des Landesgericht Wien Bojan Pancevski Kläger. Er spricht acht Fremdsprachen und ist ein Beistrich von einem Mann. Er ist 1978 geboren und hat wagemutig eines gemacht: Ein Buch über Josef Fritzl geschrieben. Es heißt: „The Crimes of Josef Fritzl: Uncovering the Truth“. Erschienen ist es nur in Großbritannien. Präziser in Australien im Verlag Harper Collins, der zum Weltreich des Rupert Murdoch News Corporation gehört.

Buch in Österreich nicht greifbar

Das Buch ist so versteckt in den Regalen, dass man es in Österreich nicht bekommt. Präziser: Es ist in Österreich verboten. Es bleibt Geheimtipp, oder auch nicht. Selbst der Beklagtenanwalt Peter Zöchbauer hat es nicht. Er hält eingangs fest: „Wir wollten es bestellen. Wir bekamen es nicht.“ Spöttischer Einwand Anwalt Rami: „Wieso? Nicht kreditwürdig? Sie müssen es bei Amazon.uk versuchen!“ Rami bekam es. Doch auch die Zeitung „Österreich“, die am 8. Juni 2009 einen wenig schmeichelhaften Beitrag zu diesem Buch veröffentlicht hatte, hat das Buch nicht. Zeitungszeuge Höllriegl wird später erklären, warum man trotzdem einen Verriss zum Buch brachte.

Bei diesem Medienprozess („Klassentreffen“) kommen jene zusammen, die in den anstrengenden Fritzl-Wochen des März 2009 rund um den größten Strafprozess gegen eine Einzelperson, den es je in Österreich gegeben hat, medial am Posten waren. Sie kennen sich alle, aber heute sind einige „Gegner“. Zeitung „Österreich“ der Fellner-Brüder machte mit Großteam großflächige Intensivberichterstattung und Serien. Man investierte in den elf Monaten zwischen Festnahme des Josef Fritzl und Prozesseröffnung sehr viel Geld in den Zukauf von Information rund um diesen Kriminalfall. Der Kläger in diesem Prozess ist ein hochbegabter und sprachgewandter Bosnier, der für die Londoner Times und Sunday Times arbeitet und als Erster ein Buch zum Fall schrieb.

Fritzl-Angehörigen-Opferanwalt Christoph Herbst ist heute Zeuge und seine Funktion war, im Auftrag von Erwin Pröll ausufernde Berichterstattung zu verhindern. Michael Leidig ist ein Unter- und Medienhändler. Er hat beste Kontakte zu den Murdoch-Medien und vermittelt Freelancer, die britische oder europäische Themen haben, in dessen Zeitungen, wobei die Abrechnung über ihn läuft. Er ist ein Autorenmacher und schrieb selbst mit Alan Hall damals das Buch zu Natascha Kampusch, das, wie er im Gespräch sagt, jedoch in England, wo es erscheinen durfte (in Österreich analog zu den Fritzl-Büchern nicht), ein Ladenhüter blieb. Leidig hätte gerne auch zu Fritzl das Buch mit Pancevski geschrieben, doch der schrieb es mit einer Frau namens Stefanie Marsh und seither ist zwischen Leidig und Pancevski Eiszeit.

Medien sind von Informanten abhängig

Im Medienprozess geht es um das Informantentum. Vereinfacht ist es vergleichbar mit der aktuellen „Kasachen-Geschichte“. Der eine hat ein Interesse, etwas zu lancieren. Es wird lanciert. Am Ende wird geklagt und die letzten Beweise fehlen. Bojan Pancevski, der für die Murdoch-Medien seit einem Jahr ohne Zwischenhändler Leidig arbeitet, klagte „Österreich“ weil sein Buch am 8. Juni 2009 in einem Bericht verrissen wurde. Der Verfasser des Berichts Höllriegl hatte das Buch nicht. Geburtstagskind Wolfgang Höllriegl (er wird heute 57) schildert: „Aus meiner Zeit beim WIENER [er war zehn Jahre Chefredakteur, der beste, den dieses Blatt je hatte, Anm. M&K] habe ich noch Kontakt zu Manfred Sax, der nach England geheiratet hat. Er informierte mich zu diesem Buch. Wir selbst hatten es nicht.“ Höllriegl schrieb dann über dieses Buch aus österreichischer Sicht. Er erklärt: „Auch Heute und die Wiener Zeitung schrieben ablehnende Besprechungen.“

Alle sitzen diesmal ohne Sakko im Gerichtssaal, die Richterin erlaubt es. Der Berichterstatter sitzt in kurzen Hosen. Anwalt Rami klagt Details ein. So schrieb die Zeitung „Österreich“, dass im Buch stünde, dass Elisabeth Fritzl „die ersten drei Monate nach der Gefangenschaft 1984 nicht vergewaltigt wurde.“ Das ginge aus dem Buch hervor. Im Buch steht jedoch, so der penibel vorbereitete Kläger Rami, er hat die Buchseite mit „Post it“ markiert: “ On the second day he raped Elisabeth“. [dt. Am zweiten Tag vergewaltigte er Elisabeth.] Ferner schreibt der „Österreich“-Bericht auf Basis von Informanten, was damals jeder vermutete, dass die weltweit stärksten Medien ein erstes Interview mit dem Scheckheft erkaufen würden. „Österreich“ macht es konkret am Autor Pancevski fest: Dieser habe in den März-Tagen 2009 und davor mehrere 100.000 Euro geboten, um ein Interview mit Elisabeth Fritzl zu bekommen. Kontakt mit den Fritzl-Angehörigen hatten aber nur zwei: Schlawiner Heinrich Schmatz und der Opferanwalt Christoph Herbst.

Opferanwalt bahnte keine Nebengeschäfte an

Christoph Herbst ist braungebrannt (aber nicht so rotbraun wie Georg Zanger), schlank, trägt dunklen Petrocelli-Anzug, wie es sich für Anwälte gehört und gibt Auskunft. Richterin Karin Burtscher, mit tiefgeschnittenem Blumendekoltée: „Hat es bei Ihnen als Rechtsvertreter eine Anfrage für ein Interview mit Elisabeth Fritzl durch Bojan Pancevski gegeben?“ Herbst: „Es gab einmal ein Telefonat, das dauerte eine Minute. Danach haben wir kein einziges Mal Kontakt gehabt.“ Richterin: „In diesem kurzen Gespräch, wurde hier von Geld gesprochen?“ Herbst: „Geld war nie ein Thema. Der Antragsteller hat keine weiteren Anfragen gestellt.“ Zeitungsanwalt Zöchbauer bohrt nach: „Hat eine Mitarbeiterin (Co-Autorin) Anfragen gestellt?“ Die Frage hat den Hintergrund, dass Informanten von einem damals aktiven Akquirieren auch auf Buchebene (wie es die Boulevardzeitung „Sun“ machte) rund um ein Interview mit der Fritzl-Tochter Elisabeth wissen wollten. Opferanwalt Herbst: „Frau Marsh machte Anfragen. Aber es wurde nichts vereinbart.“ Der Zeuge wird entlassen. Seine Geschäfte rufen.

Der Buchautor kommt in den Zeugenstand und zur Person sagt er, dass er EU- und Osteuropakorrespondent der Sunday Times und der London Times ist, die Rupert Murdoch gehören. Pancevski schwächt bedeutend ab. Sein Buch ist erschienen. Er braucht keine Aufregung mehr. Er erklärt, dass er für beide Qualitätszeitungen schreibt und vorrangig nun „über Politik in Osteuropa“. Richterin zu den damaligen Ereignissen vor dem Buch „The Crimes of Josef Fritzl“: „Haben Sie versucht, von Elisabeth Fritzl ein Interview zu bekommen?“ Pancevski: „Nein. Wir wollten nur mit Dr. Herbst ein Interview führen.“

Buchschreiber dementiert Nebengeschäfte – Keine Pfunde

Die Problematik an dieser Aussage ist klar: Das hieße, dass man vorrangig zum Schmidl geht und nicht zum Schmid. Das ist, mit Verlaub, realitätsfremd. Umgelegt auf einen anderen Fall, den Fall Kampusch hieße es, dass man lieber zum Medienberater und Journalisten Rupert Leutgeb geht als zu Ludwig Koch, dem Kampusch-Vater. Leutgeb ist Medienberater des Herrn Koch. In der Praxis tut man das nicht. Infos sind immer „ad fontes“ interessanter, von der Ursprungsquelle und nicht vom Seitenfluß. Bei der News Corporation rund um Times, Sunday Times, Sun kommt der gewaltige Mitteleinsatz hinzu, der die Zunge gesprächig macht. Man will Bojan Pancevski nicht unterstellen, dass er lügt. Aber er schwächt bedeutend ab. Wohl, um sich selbst zu schützen. Der heute 31-Jährige hat mit dem Thema abgeschlossen und will seinen Ruf nicht gefähren.

Die Richterin will es genau wissen: „Haben Sie einen sechsstelligen Pfundbeitrag vom Verlag gefordert?“ (um damit ein Interview zu erkaufen). Antwort: „Nein.“ Richterin: „Haben Sie Elisabeth Fritzl Geld angeboten?“ „Nein, dazu wäre ich gar nicht in der Lage gewesen.“ Richterin, die das Buch ebenso nicht gelesen hat (muss sie auch nicht), und sich nur auf den „Österreich“-Bericht stützt: „Im Buch stehe, so „Österreich“, Rosemarie Fritzl wäre Mitwisserin gewesen.“ Pancevski schwächt wieder ab: „Nein, wir Buchautoren haben nie derartiges behauptet.“ Richterin: „Schrieben Sie das Buch aus Rache, weil Sie kein Interview mit Elisabeth Fritzl erhalten haben, wie „Österreich“ schreibt.“ Pancevski: „Nein, wir hatten den Auftrag vom Verlag schon.“ Also gut.

Höllriegl erklärt Medienkultur

Wolfgang Höllriegl erklärt in seiner Zeugenaussage (er ist Stammgast) das anglobritische Medienwesen. Es sei „aggressiv und brutal“ und missachtet „österreichische Mediengrundsätze“. Zum Beispiel wisse in der heimischen Medienbranche jeder, wo die Fritzls nun wohnen, aber niemand berichtet es, weil das so Übereinkunft sei. Die Briten hingegen, berichtet Höllriegl, „stürmten im neuen Ort mit laufender Kamera in die Wohnung der Elisabeth Fritzl und überraschten sie in der Küche.“ Zeitungsmann Höllriegl klärt auf, dass „Österreich“ rund 100 Berichte rund um den Fritzl-Fall veröffentlicht hat und seine Zeitung den aggressiven Stil der Briten immer kritisiert hatte. Rund um den Fritzl-Fall sammelten sich viele Informationen auf. Michael Leidig zum Beispiel, der seine Agentur im 13. Bezirk betreibt (und auch das Portal austriantimes.at, Anm. M&K) steckte ihm im Frühjahr, „dass einer herumläuft und sagt, er braucht Geld“. Das Geld diene als Kriegskassa für Interviews. Als es dann nicht klappte, weil die Fritzl-Angehörigen vom Trubel ihre Ruhe haben wollten, und sich nur Schwägerinnen, entfernte Angehörige und Nicht-Informierte andienten, wurde Höllriegl gesagt, „dass das Großmaul Pancevski blamiert ist, weil er nicht mit einem Interview reüssiert hat.“ Dann wurde ihm gesagt, dass „er das Buch aus Rache und Revanche geschrieben hat.“

„Österreich“-Redaktion buchlos

Das Buch hat die Redaktion von „Österreich“ leider nicht bekommen, denn es wird nicht nach Österreich ausgeliefert oder vertrieben, weil sonst eine Medienklage nach österreichischem Recht droht. (Mittlerweile haben sich die Bestimmungen offenbar gelockert, denn Michael Rami bezog es über Amazon.co.uk., Anm. M&K).

Infofluss über Exilanten Sax

Höllriegl erklärt der Richterin, wie er zur Info kam: „Ich habe dann meinen alten Freund Sax, den ich aus der Zeit beim WIENER gut kenne, in England angerufen. Sax hat erzählt, das Buch heißt nix.“ Dann wurde ein Bericht zum internationalen Erscheinen (Ausnahme Ö/D/CH) des Buches verfasst, in dem alle Hintergründe rund um das damalig aggressive Akquirieren des Schlüssel-Interviews mit dem Einser-Opfer aus dem Inzestfall beschrieben wird.

„Buch heißt nix“

Nun hakt Michael Rami für seinen Schützling nach, auch der Advokat wurde kürzlich von „Österreich“ medial kritisiert: „Haben Sie den Autor Pancevski kontaktiert?“ Höllriegl: „Ich habe mehrfach versucht, ihn zu erreichen, es klappte aber nicht.“ Dazu ist zu sagen, dass man in der Medienpraxis nicht immer „nachfragen“ muss. Der Fall Fritzl war ein Jahr zentrales Thema und transparent wie kein Fall in Österreich (Ausnahmen historisch: Lainz, Lucona, Bawag). Rami will noch wissen: „Zur Fehlinfo von Sax, wonach Elisabeth in den ersten drei Monaten nicht vergewaltigt worden ist: Im Buch steht „am zweiten Tag“ Wie kam das zustande?“. Höllriegl räumt ein, dass dieses Detail missverständlich dargestellt wurde.

Ezzessgeber Leidig

Dann kommt der Hauptinformant Michael Leidig. Über ihn (Jahrgang 1975) weiß man wenig, aber es gibt beim Zuhören einen Eindruck: Die Geschäfte dürften in Ermangelung großer, aktueller Reisser-Causen in Österreich für ihn derzeit schleppend laufen. Als er von der Richterin gefragt wird, ob er seine „Agentur“ im 13. Bezirk noch unterhält, bejaht er zwar, aber schwächt ab und sagt, dass er „auf mehreren Gebieten tätig“ sei. Kenner der Szene wissen, was das rückübersetzt heißt: Es läuft unrund.

Im Gespräch nach dem Prozess ist folgendes zu erfahren: Er hat sein „Zugpferd“ Pancevski verloren. Er lobt ihn zwar als hoch begabt („spricht acht Fremdpsrachen“). Doch aus 2007 existieren Emails zwischen der Medienkanzlei Höhne in der Maur (vertrat Pancevski) und Leidig mit dem Inhalt, dass Vermittlungen von Magazingeschichten platzten (man einigte sich aber außergerichtlich). Leidig sagt heute noch, dass Pancevski in einer Phase der Zusammenarbeit bei ihm 5.000 Euro netto im Monat verdient hat. Er habe ihm seine Artikel in die Londoner Times vermittelt und „ihn zu dem gemacht, was er heute ist.“ Doch der Jungautor scherte offenbar aus. „Dann hat Pancevski direkt angeboten.“ Leidig kam ihm drauf, sah sich hintergangen, verlor die Zwischenhändlerprovisionen und man trennte sich. Heute redet man nicht mehr miteinander. Angeblich habe Leidig ihm auch den Buchvertrag in den Murdoch-Verlag vermittelt. Die Kampusch-Causa, zu der Leidig mit Hall das Buch schrieb (das sich, so Leidig auf Frage im Gespräch, schlecht verkaufte) und die Fritzl-Causa sind nun vorbei.

Informant spekuliert

Richterin zu Leidig: „Wissen Sie konkret, dass Pancevski Geld geboten hat?“ Leidig: „Ich kann nicht sagen, dass er Geld geboten hat. Ich würde mich aber wundern, wenn nicht.“ Er lenkt dann auf den Briten Alan Hall um, der das „Rumor aufbrachte, dass Bojan ein Interview mit Elisabeth Fritzl bekommen habe“. Er sagt es im Konjunktiv. Hall und Leidig sind befreundet. Der eine arbeitet in London, der andere in Wien. Der 34-jährige Leidig läßt dann mit einer interessanten Aussage aufhorchen. Richterin: „Haben Sie das Fritzl-Buch gelesen?“ Leidig: „Ich habe es nicht gelesen.“

Somit sitzen im Gerichtssaal nur Leute, die das Buch nicht gelesen haben. Einer hat es geschrieben, der Buchautor sitzt auch da. Autorenmacher Leidig schrieb zum Thema „Fritzl“ auch etwas: Einen Beitrag in der „Wiener Zeitung“. Richterin: „Was wissen Sie zu diesem Beitrag?“ „Diesen habe ich selbst geschrieben.“ Den Beitrag in „Österreich“ hat er quasi durch seinen Informationsfluss intitiiert.

Ein Beitrag – Österreich – autriantimes – Wiener Zeitung

Anwalt Michael Rami zieht ein letztes Register: Er zeigt einen Ausdruck der Webseite www.austriantimes.at vor und frägt den Zeugen Leidig: „Dort ist quasi ein identer Beitrag des Österreich-Artikels erschienen, etwas später nach dem 8. Juni 2009, und nur in Übersetzung. Wem gehört die Webseite austriantimes?“ Richterin unterbricht: „Das muss er jetzt nicht beantworten. Redaktionsgeheimnis.“ Rami stellt seine Frage dennoch: „Könnte es sein, dass die Webseite austriantimes Michael Leidig gehört?“ Die Frage bleibt unbeantwortet. Knapp vor Ende des Prozesses kommt ein junger Mitarbeiter eben dieser Webseite als zweiter Zuhörer in den Gerichtssaal. Zum Zuhören. Am Ende gehen Leidig und der Mann gemeinsam die Wickenburggasse weg. Ja, es ist schon so.

Gegendarstellung

Fazit: Österreich, die Zeitung, die am meisten in den „Fritzl-Fall“ investiert hat, wird zu einer Gegendarstellung und zur Übernahme der Prozesskosten verurteilt. Darin werden (Text wird nicht verlesen) die Behauptungen zurückgezogen, dass Bojan Pancevski ein Fritzl-Interview gegen Geld kaufen wollte, er das Buch aus Rache und Revenge veröffentlicht hat, weil er das Interview nicht bekam, dass im Buch behauptet wird, dass Rosemarie Fritzl Mitwisserin war und dass im Buch behauptet wird, dass Elisabeth Fritzl in den ersten drei Monaten nicht vergewaltigt wurde – sondern schon „am zweiten Tag“. Nach 47 Minuten ist die Hitzeschlacht vorbei.

Die Zeitung „Österreich“ machte den Fehler, über ein Buch zu schreiben, das in Österreich nicht existiert. Das wäre vermeidbar gewesen. Doch im Wettlauf der Information geschehen Fehler. Interessant sind jedoch zwei Dinge. Welche Interessen hatte Michael Leidig (der sechs Monate intensiv mit „Österreich“ zusammen arbeitete, wie er im Gespräch sagt)? In „Österreich“ erschien ein Beitrag, der nach seinem Geschmack war, aber auf Gerüchten basierte. Er übersetzt ihn für seine Webseite und schreibt einen ähnlichen für die „Wiener Zeitung“.

Harte Vorwürfe, wenig Beweis und Bares

Harte Vorwürfe, das muss er wissen, dass jemand für etwas Geld zahlt oder Geld nimmt, sind hart zu erweisen oder nie zu beweisen. Das geschieht nicht mit Behauptungen, sondern mit Kontoauszügen und Geschäftsunterlagen. Auch dieser kleinen Webseite werden immer wieder diese Dinge unterstellt. Beweise bleiben aus.

Das Interessante ist nach diesem Prozess aber: Woher weiß Buchschreiber Bojan Pancevski überhaupt, dass Elisabeth Fritzl „am zweiten Tag vergewaltigt wurde“, wenn er nie mit ihr ein Interview gemacht hat?

Marcus J. Oswald (Ressort: Medienrecht, Gerichtssaal, Österreich) – 22. Juli 2009, Saal 308, 11 Uhr 15 – 12 Uhr 00

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